So viel Geld im Umlauf wie nie: Droht uns jetzt die Inflation?

Die Folgen der steigenden Geldmenge

Mehr Kredite, höhere Staatsverschuldung: Die Geldmenge wächst so stark wie seit langem nicht mehr. Viele sind besorgt über das viele Geld, das aktuell in Umlauf kommt. Droht jetzt die Inflation? Müssen wir mit einer Geldentwertung rechnen? Was bedeutet das für Sparer? Antworten von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

Eine Frau hält einen 10-Euroschein in der Hand
Dr. Kater
3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka

Herr Kater, nach Jahren relativ niedriger, aber stetiger Inflation sorgt die Corona-Krise nun für Verunsicherung. Droht jetzt die große Inflation?

Den Notenbanken ist es zu verdanken, dass es trotz der größten Wirtschaftskrise seit hundert Jahren an den Finanzmärkten ruhig geblieben ist. Viele treibt allerdings die Sorge wegen der Inflation um. Denn die Maßnahmen der Notenbank gehen auch wieder mit der Bereitstellung von Liquidität einher.

Unmittelbar sind diese Sorgen jedoch unbegründet. Höhere Gemüsepreise werden im Verbrauchpreisindex von niedrigeren Energiepreisen mehr als ausgeglichen. Die Inflationsrate ist in unmittelbarer Reaktion auf die Covid-19 Krise im April von 1,3 auf 0,8 Prozent gefallen. Solch niedrige Werte werden auch in den kommenden Monaten vorherrschen.

Mehr Geld heißt nur dann mehr Inflation, wenn die Konsumenten mehr kaufen. Im schlimmsten Fall sogar auf Kredit, weil die Zinsen so niedrig sind. Davon kann aber keine Rede sein. Wie in den Zeiten vor Corona wollen die privaten Haushalte lieber sparen als ausgeben. Das Geld wandert also eher an die Börse als in die Läden.

Die Corona-Krise kostet den Staat Milliarden. Kommt die Geldentwertung dann langfristig?

An den Finanzmärkten haben sich die längerfristigen Inflationserwartungen nach unten bewegt. Das liegt daran, dass die Nachfrage der privaten Haushalte sich wohl langsamer erholen wird als das Angebot der Unternehmen. Während in den Werkhallen und Büros eifrig Vorkehrungen für die Produktion unter den neuen Coronaschutz-Bedingungen getroffen werden, wagen sich die Käufer nur zaghaft in die Innenstädte zurück.

Der Konsum wird auch erst dann wieder in die Gänge kommen, wenn die Erholungssignale in der gesamten Wirtschaft kräftig genug sind, so dass die Beschäftigten nicht um ihre Arbeitsplätze fürchten. Diese Aussichten werden auch die kommenden Lohnrunden überschatten. Die Frage lautet also nicht, „ob“ sondern, „wie stark“ sich die Lohnentwicklung im kommende Jahr verlangsamen wird. 

Kaum etwas wird die Märkte in den kommenden Monaten und Jahren so stark und großflächig beeinflussen wie die Entwicklung der Inflation. Was bedeutet das für Sparer?

Ob in einigen Jahren verstärkte Inflationsimpulse auftreten, lässt sich heute nicht seriös vorhersagen. Das hängt auch von der noch zu treffenden politischen Entscheidung ab, weitere Konjunkturprogramme aufzulegen oder nicht.

Sollte die Wirtschaft zu stark angekurbelt werden, wären Preiserhöhungen die Folge. Allerdings wären die Notenbanken über ein bisschen mehr Inflation zunächst ganz froh, bevor sie die Inflationsbekämpfung wieder aufnehmen würden.

Wie auch immer dies sich in der fernen Zukunft gestaltet: An den Finanzmärkten wird sich die Inflation schon früher zeigen. Wie bereits vor der Corona-Krise findet Liquidität ihren Weg an die Märkte für Aktien, Anleihen oder Immobilien und treibt dort weiter die Preise. Ansätze dafür sind bereits jetzt zu erkennen. 


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