Inflation steigt im Januar deutlich an

Nach weitgehender Preisstabilität im Jahr 2020 sind die Inflationserwartungen für das laufende Jahr durchwachsen

Die Inflationsrate war 2020 in Reaktion auf den Beginn der Coronakrise von 1,3 Prozent im Februar bereits im April auf 0,8 Prozent gefallen. Im zweiten Halbjahr war die Teuerungsrate dann sogar negativ, sodass sie im Gesamtjahr 2020 lediglich 0,5 Prozent zählte. Im Ganzen gesehen war das vergangene Jahr somit von hoher Geldwertstabilität geprägt. Für das Jahr 2021 besteht hinsichtlich der zu erwartenden Inflationsraten unter Expertinnen und Experten noch erhebliche Unsicherheit.

Kind vor der Auslage beim Bäcker

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Inflation in Deutschland betrug im vergangenen Jahr 0,5 Prozent und war damit deutlich geringer als im Jahr 2019 mit 1,4 Prozent.
  • Nach Monaten mit leicht negativen Teuerungsraten beziehungsweise moderater Deflation machten die Verbraucherpreise im Januar 2021 einen deutlichen Sprung nach oben – von minus 0,3 Prozent Mitte Dezember auf nun plus 1,0 Prozent.
  • Ein leichter Inflationsanstieg im Januar ist nicht ungewöhnlich, da viele Preissteigerungen mit dem Jahreswechsel aktuell wurden. Im Jahr 2021 kommt zusätzlich die Rückkehr der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent (ermäßigter Steuersatz von fünf auf sieben Prozent) hinzu.
  • Wirtschaftsinstitute erwarten, dass die Verbraucherpreise in Deutschland 2021 etwas stärker ansteigen als im Vorjahr. Aufs Jahr gerechnet prognostizieren führende Forschungsinstitute eine Teuerungsrate von 1,4 Prozent.
  • Einige Finanzexpertinnen und -experten sagen jedoch für das laufende Jahr ein Comeback der Inflation voraus – mit gemäßigten Raten von etwa drei Prozent.

Inflationsrate steigt im Januar 2021 auf 1 Prozent

Nach Monaten mit leicht negativen Teuerungsraten beziehungsweise moderater Deflation machten die Verbraucherpreise im Januar 2021 einen deutlichen Sprung nach oben – von minus 0,3 Prozent Mitte Dezember auf jetzt plus 1,0 Prozent. Ein saisonaler Inflationsanstieg zum Jahresanfang ist allerdings nicht ungewöhnlich, da Preissteigerungen mit dem Jahreswechsel aktuell werden oder aufgrund des Winters nur zeitweise Bestand haben. So wurden im vergangenen Jahr zum Beispiel höhere Preise für Gemüse von den später stark fallenden Energiepreisen mehr als ausgeglichen.

Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor auf die derzeitige Preisentwicklung ist der Wegfall der im zweiten Halbjahr 2020 wirksamen Mehrwertsteuersenkung – in der Spitze von 16 auf 19 Prozent. Er kommt in diesem Jahr als „Bungee-Effekt“ zu den üblichen saisonalen Preissteigerungen hinzu.  

Expertinnen und Experten uneins hinsichtlich der weiteren Inflationsaussichten

Für das Gesamtjahr 2021 gehen führende Wirtschaftsforschungsinstitute dennoch von einer etwas höheren Inflationsrate aus als im Vorjahr. Einem im Dezember 2020 veröffentlichten Konjunkturgutachten zufolge, das im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) durchgeführt wurde, ist für das Gesamtjahr mit einer Inflationsrate von 1,4 Prozent zu rechnen.

Aktuell mehren sich in Expertenkreisen zudem Stimmen, die noch höhere Teuerungsraten erwarten. So schreibt Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank in Frankfurt am Main, in seiner aktuellen Onlinekolumne:  „Die Inflationsentwicklung wird zum ökonomischen Dauerbrenner des Jahres. Wenn nach der Coronakrise ein neuer Konjunkturzyklus einsetzt, werden auch die Verbraucherpreise wieder stärker steigen.“ Ab März, so Kater weiter, werde der Inflationszug richtig Fahrt aufnehmen. In Deutschland seien dann Inflationsraten von mehr als 3 Prozent zu erwarten.

„Gefühlte Inflation“ ist ein unsicherer Gradmesser

Bei vielen Bürgerinnen und Bürgern weicht der subjektiv erlebte Kaufkraftverlust erheblich vom statistisch ermittelten, amtlich ausgewiesenen Inflationsgeschehen ab. Die eigene, subjektive Wahrnehmung der Geldentwertung – die sogenannte „gefühlte Inflation“ –  kann leicht in die Irre führen. Das zeigt sich am Beispiel Kraftstoff: Obwohl hier die Preise im letzten Quartal des Jahres 2020 immer weiter angestiegen waren, lagen sie nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (DESTATIS) zufolge Ende Dezember 2020 noch immer 12,7 Prozent unter dem Preisniveau des Vergleichsmonats in 2019. 

Mit der gefühlten Inflation ist es wie mit anderen bloß „gefühlten Wahrheiten“ auch: Meist treffen sie nicht zu. Die nicht nur das eigene Preisempfinden leicht dominierende Sprunghaftigkeit – insbesondere der Energiepreise, aber auch zum Beispiel der Preise für Obst und Gemüse im Lebensmittelhandel – hat dazu geführt, dass viele Ökonominnen und Ökonomen zusätzlich eine sogenannte Kerninflation, ohne Einbeziehung dieser Warengruppen, messen.


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