Inflationsrate erreicht höchsten Stand seit fast 28 Jahren

Nudel-Schock und Luxus-Obst – diese Preise erwarten uns bald an der Kasse

Die Inflation schlägt im Moment voll durch. Vieles wird teurer – vom Öl bis zur Supermarktware. Besonders die Preise für Nudeln und Obst schnellen in die Höhe. Preissteigerungen von bis zu 30 Prozent sind hier möglich. 

Eine Supermarktkasse

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Inflationsrate steigt im September auf 4,1 Prozent – der höchste Stand der Verbraucherpreise seit 28 Jahren.
  • Verbraucherinnen und Verbraucher müssen in den kommenden Monaten mit weiteren Preissprüngen rechnen. Besonders Nudeln und Obst scheinen betroffen.
  • Höhere Energiepreise sowie schlechte Ernten sind u.a. ausschlaggebende Faktoren. Volkswirte rechnen im laufenden Jahr noch mit einem weiteren Anstieg.

Inflationsrate steigt im September 2021 auf 4,1 Prozent

Die Inflationsrate in Deutschland stieg 2021 monatlich an. Während sie im Mai 2021 mit 2,5 Prozent so hoch lag wie 2011 nicht mehr, erreichte sie im September 2021 bereits 4,1 Prozent. Die höchste Steigerung der Verbraucherpreise seit 28 Jahren. Auch in den kommenden Monaten muss mit weiteren Preissprüngen gerechnet werden.

Volkswirte gehen davon aus, dass die Inflation weiter anziehen wird. Auch von einer Rate von mehr als 5 Prozent ist bereits die Rede. 

Das bekommen Sie im Geldbeutel zu spüren

Spaghetti, Tortellini und Tagliatelle könnten preislich bald anziehen. Mehrere Nudelhersteller in Deutschland und im europäischen Ausland sprechen von einem Preisanstieg von 25 bis 30 Prozent.

Doch auch andere Supermarktprodukte werden teurer – so beispielsweise Obst und Gemüse. Laut Statistischem Bundesamt haben sich im September die Preise im Vergleich zum Vorjahr um 6,1 Prozent erhöht. Verbraucherinnen und Verbraucher mussten etwa für Salat 34,5 Prozent, für Gemüse 11,08 Prozent und für Obst 8,8 Prozent mehr bezahlen.

Zudem könnten Taschen- und Küchentücher sowie Toilettenpapier bis zum Winter teurer werden. Was an die Hamsterkäufe des vergangenen Jahres erinnert, hängt allerdings weniger mit der Inflation zusammen. Der schwedische Papierhersteller Essity plant eine Preissteigerung von circa 5 Prozent. Begründet wird der Anstieg mit den gestiegenen Kosten für Transport und Energie. Die Nachfrage nach umweltschonenden Stoffen scheint zusätzlich zuzunehmen. 

Darum steigt die Inflation derzeit so stark

Neben steigenden Energiepreisen, die besonders Heizöl, Sprit und Gas in die Höhe treiben, tragen steigende Transportkosten und globale Lieferprobleme derzeit zur Inflation bei. Die Schifffahrt beispielsweise befand sich in diesem Jahr in einer Ausnahmesituation. In der Corona-Krise haben die Menschen besonders viel online eingekauft: Haushaltsgeräte, Sportausrüstung, Spiele-Konsolen. Und der Großteil aller Industrie- und Konsumgüter wird per Seefracht transportiert. Mittlerweile ist die Nachfrage für die begrenzte Anzahl der Schiffe schlicht zu hoch. Die Folge: Verspätungen, Lieferstaus und höhere Frachtkosten – was wiederum für steigende Verbraucherpreise sorgt. 

Schlechte Ernten sind das Problem bei Obst, Gemüse und Nudeln. Der Preis für Hartweizen hat sich dadurch verdreifacht. Das liegt an Dürreperioden in den USA und Kanada sowie an Überschwemmungen und Regenfällen in Europa. Auch die Preise für Getreide schießen in die Höhe. 

Geldpolitische Wachsamkeit ist gefragt

Angesichts drohender Preissteigerungen mahnen Volkswirte zu erhöhter Wachsamkeit: „Anstelle der gewohnten mehrjährigen Konjunkturzyklen sehen wir derzeit drastische konjunkturelle Ausschläge mit heftigen Einbrüchen und stürmischen Erholungsrallyes: Produktions- wie Inflationszahlen vollführen wilde Sprünge, Stimmungsindikatoren vermelden Rekordanstiege. Ob die derzeit höheren Preissteigerungsraten dauerhaft sind oder nur ein Inflationsbuckel, werden wir wohl erst in ein oder zwei Jahren sehen. Erhöhte Wachsamkeit ist daher in jedem Fall geboten“, so Dr. Reinhold Rickes, Leiter Volkswirtschaft beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV).

Die EZB müsse zudem neben den Ausschlägen durch die Corona-Pandemie berücksichtigen, dass herkömmliche Inflationsmodelle, die Geldmenge oder Auslastungsgrad als Haupterklärungsfaktoren für Preissteigerungen heranziehen, schon in den vergangenen Jahren deutlich an Erklärungskraft verloren hätten. So argumentieren die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe in ihrem Standpunkt „Geldpolitik über Corona hinaus“.

Aktuell seien zwar mit hohen Steigerungen der Geldmenge durch die Notenbanken, hohen Schulden durch die Pandemie und Angebotsknappheiten viele klassische Zutaten für einen Inflationsprozess vorhanden. Dennoch sei nicht garantiert, dass diese Zutaten auch in den kommenden Jahren und der Post-Corona-Welt noch vorhanden sein werden.

Diese Inflationsrate ist normal

Derzeit ist nicht nur Deutschland oder der Euro-Raum von einer Inflation betroffen. Auch in anderen Ländern steigen die Preise. In Großbritannien erreichte im August 2021 die Inflationsrate 3,2 Prozent. In den USA sogar 5,3 Prozent.

Das sind zwar für uns relativ ungewöhnliche Preissprünge, mit einer sogenannten Hyperinflation hat das aber überhaupt nichts zu tun. Von einer Hyperinflation, also extremen Preissteigerungen in kurzer Zeit, spricht man, wenn die Inflationsrate monatlich bei mehr als 50 Prozent liegt. Beispielsweise kämpfte Venezuela in den vergangenen Jahren mit gigantischen Inflationsraten von über 65.000 Prozent.  

Eine moderate Inflation von jährlich bis zu zwei Prozent gilt im Zuge höherer Löhne nicht nur als ungefährlich, sondern sie ist von Ökonomen sogar erwünscht, da so die Wirtschaft kontinuierlich wachsen kann. Denn sinkende Preise oder gar eine Deflation können wiederum dazu führen, dass Unternehmen Investitionen aufschieben und die Konjunktur ausbremsen.

(Stand 14.10.2021)


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