Inflationsrate erreicht höchsten Stand seit fast zehn Jahren

Verbraucherinnen und Verbraucher müssen mit weiteren Preissprüngen rechnen

Die Inflationsrate war 2020 aufgrund der Corona-Krise gefallen – von 1,3 Prozent im Februar auf 0,8 Prozent im April. Im zweiten Halbjahr war die Teuerungsrate dann sogar negativ, sodass sie im Gesamtjahr 2020 lediglich 0,5 Prozent betrug. Im Ganzen gesehen war das vergangene Jahr somit von hoher Geldwertstabilität geprägt. In 2021 legt die Inflationsrate allerdings bereits den fünften Monat in Folge zu und lag im Mai bei 2,5 Prozent. Droht uns ein Comeback der Inflation? Wir zeigen, wofür Verbraucherinnen und Verbraucher nun mehr Geld ausgeben müssen.

Einkaufswagen steht auf dem Boden neben Füßen

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Inflationsrate in Deutschland steigt im Mai 2021 auf plus 2,5 Prozent – der höchste Wert seit 2011.
  • Verbraucherinnen und Verbraucher müssen in den kommenden Monaten mit weiteren Preissprüngen rechnen.
  • Vor allem der Anstieg der Mehrwertsteuer von 16 auf den vor der Pandemie gültigen Satz von 19 Prozent (ermäßigter Steuersatz von fünf auf sieben Prozent) sowie höhere Energiepreise sind ausschlaggebende Faktoren.
  • Volkswirte rechnen im laufenden Jahr mit einem weiteren Anstieg der Inflationsrate und mahnen angesichts steigender Preise mit Blick auf die Europäische Zentralbank (EZB) zu erhöhter geldpolitischer Wachsamkeit.

Inflationsrate steigt im Mai 2021 auf 2,5 Prozent

Die Inflationsrate in Deutschland − gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat – stieg ab Januar 2021 Monat für Monat an und lag im Mai mit plus 2,5 Prozent so hoch wie zuletzt im September 2011. Das Statistische Bundesamt teilte mit, dass nach Monaten mit leicht negativen Teuerungsraten im Jahr 2020 beziehungsweise moderater Inflation zum Jahresstart die Verbraucherpreise nun wieder stärker steigen. Auch in den kommenden Monaten muss mit weiteren Preissprüngen gerechnet werden.

Volkswirte gehen davon aus, dass die Inflation im laufenden Jahr weiter anziehen wird. Die Bundesbank hält Teuerungsraten für kurze Zeit um vier Prozent für möglich.

Was lässt die Inflation derzeit so stark ansteigen?

Für den Anstieg der Inflationsrate sind unter anderem die höheren Preise für Energie verantwortlich. Im Vergleich zum Vorjahresmonat haben die Energiepreise im Mai 2021 um zehn Prozent zugelegt. Zurückzuführen ist der Effekt auf höhere Rohölkosten, die sich inzwischen wieder auf Vorkrisenniveau einpendeln, sowie die Einführung der CO2-Steuer auf fossile Brennstoffe. Seit Januar sind in Deutschland 25 Euro Abgabe je Tonne Kohlendioxid (CO2) fällig, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht.

Verbraucherinnen und Verbraucher müssen 2021 demnach vor allem fürs Tanken – Kraftstoffe haben sich gegenüber dem Vorjahresmonat im April 2021 mit plus 23,3 Prozent überdurchschnittlich verteuert – und fürs Heizen deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Wären die Energiepreise bei der Ermittlung der Inflationsrate unberücksichtigt geblieben, läge sie im Mai 2021 bei minus 1,8 Prozent – ohne Heizöl und Kraftstoffe nur bei plus 1,6 Prozent, teilt das Statistische Bundesamt weiter mit.

Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor auf die derzeitige Inflation ist der Wegfall der im zweiten Halbjahr 2020 wirksamen Mehrwertsteuersenkung – in der Spitze von 16 auf 19 Prozent. Er kommt in diesem Jahr als „Bungee-Effekt“ zu den üblichen saisonalen Preissteigerungen hinzu.  

Auch steigende Transportkosten und globale Lieferprobleme tragen zur Inflation bei: Die Schifffahrt befindet sich derzeit in einer Ausnahmesituation. In der Corona-Krise haben die Menschen besonders viel online eingekauft: Haushaltsgeräte, Sportausrüstung, Spiele-Konsolen. Und der Großteil aller Industrie- und Konsumgüter wird per Seefracht transportiert. Mittlerweile ist die Nachfrage für die begrenzte Anzahl der Schiffe schlicht zu hoch. Die Folge: Verspätungen, Lieferstaus und höhere Frachtkosten – was wiederum für steigende Verbraucherpreise sorgt. 

Was sie noch im Geldbeutel zu spüren bekommen

Nahrungsmittel sind gegenüber dem Vorjahresmonat im Mai 2021 um 1,5 Prozent teurer geworden. Darunter sind vor allem Speisefette und Speiseöle (plus 3,8 Prozent) sowie Brot und Getreideerzeugnisse (plus 2,2 Prozent). Beim Gemüse hingegen ist der Preisanstieg weniger spürbar (plus 1,1 Prozent). Tiefer in die Tasche greifen müssen Sie auch für Pflanzen und Blumen (plus 7,6 Prozent), Fahrräder und E-Bikes (plus 4,2 Prozent) sowie Tabakwaren (plus 3,9 Prozent). Deutlich günstiger in der Anschaffung geworden sind Mobiltelefone (minus 6,9 Prozent).

Die gefühlte Inflation liegt naturgemäß deutlich über dem tatsächlich ermittelten Wert und beträgt derzeit laut UniCredit-Experten 4,1 Prozent. Zu dieser Differenz kommt es, weil uns höhere Preise bei alltäglichen Produkten, die wir mehrfach die Woche kaufen, deutlicher auffallen, als bei seltener gekauften Waren wie Möbel oder Elektrogeräte. 

Übrigens: In Zeiten, in denen die Zinsen niedrig sind und eine zunehmende Inflation droht, ist es besonders wichtig, dass Sie kritisch Ihre vorhandenen Geldanlagen prüfen – damit ihr erspartes Geld nicht entwertet wird. Wir beraten Sie gern dazu.

Wie geht es weiter? Expertinnen und Experten mahnen zu erhöhter geldpolitischer Wachsamkeit

Angesichts drohender Preissteigerungen mahnen Volkswirte zu erhöhter geldpolitischer Wachsamkeit: „Anstelle der gewohnten mehrjährigen Konjunkturzyklen sehen wir derzeit drastische konjunkturelle Ausschläge mit heftigen Einbrüchen und stürmischen Erholungsrallyes: Produktions- wie Inflationszahlen vollführen wilde Sprünge, Stimmungsindikatoren vermelden Rekordanstiege. Ob die derzeit höheren Preissteigerungsraten dauerhaft sind oder nur ein Inflationsbuckel, werden wir wohl erst in ein oder zwei Jahren sehen. Erhöhte Wachsamkeit ist daher in jedem Fall geboten“, so Dr. Reinhold Rickes, Leiter Volkswirtschaft beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV).

Die EZB müsse zudem neben den Ausschlägen durch die Corona-Pandemie berücksichtigen, dass herkömmliche Inflationsmodelle, die Geldmenge oder Auslastungsgrad als Haupterklärungsfaktoren für Preissteigerungen heranziehen, schon in den vergangenen Jahren deutlich an Erklärungskraft verloren hätten, argumentieren die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe in ihrem Standpunkt „Geldpolitik über Corona hinaus“.

Aktuell seien zwar mit hohen Steigerungen der Geldmenge durch die Notenbanken, hohen Schulden durch die Pandemie und Angebotsknappheiten viele klassische Zutaten für einen Inflationsprozess vorhanden. Dennoch sei nicht garantiert, dass diese Zutaten auch in den kommenden Jahren und der Post-Corona-Welt noch vorhanden sein werden.

Welche Inflationsrate ist normal?

Derzeit ist nicht nur Deutschland oder der Euro-Raum von einer Inflation betroffen. Auch in anderen Ländern steigen die Preise. In Großbritannien gab es im Mai 2021 eine Inflationsrate von 2,1 Prozent, in den USA 2021 von 5 Prozent. Für China prognostizieren Experten für 2021 eine Inflation von 1,2 Prozent.

Von einer Hyperinflation, also extremen Preissteigerungen in kurzer Zeit, spricht man, wenn die Inflationsrate monatlich bei mehr als 50 Prozent liegt. Beispielsweise kämpfte Venezuela kämpfte in den vergangenen Jahren mit gigantischen Inflationsraten von über 65.000 Prozent.  

Eine moderate Inflation von jährlich bis zu zwei Prozent gilt im Zuge höherer Löhne nicht nur als ungefährlich, sondern von Ökonomen erwünscht, da so die Wirtschaft kontinuierlich wachsen kann. Denn sinkende Preise oder gar eine Deflation können wiederum dazu führen, dass Unternehmen Investitionen aufschieben und die Konjunktur ausbremsen.

(Stand 22.06.2021)


Sie möchten trotz Inflation mehr aus Ihrem Geld machen? Wir beraten Sie gern.