Konjunkturabschwung: Von wegen Zukunftsangst

So bereitet sich der deutsche Mittelstand auf die Konjunktureintrübung vor

Nach jahrelangem Wirtschaftswachstum zeichnet sich eine Eintrübung der Konjunktur in Deutschland ab. Wie reagiert der deutsche Mittelstand auf diese neue Situation? Bereiten sich die Unternehmen aktiv auf einen Konjunkturabschwung vor? Wir haben Antworten.

Zurückhaltung bei den Investitionen und Zukunftsangst lassen deutsche Mittelständler nicht erkennen. Gut 44 Milliarden Euro neu zugesagte Firmenkredite durch die Sparkassen im ersten Halbjahr 2019 – davon 31 Milliarden Euro für Investitionen – zeigen, dass die Mittelständler weiter an die Zukunft glauben.

Das ist ein Ergebnis der Untersuchung „Zukunft Mittelstand“. Sie beleuchtet die wirtschaftliche Situation der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland. Grundlage ist eine Auswertung der Firmenkundenkennzahlen und des Firmenkreditgeschäfts der Sparkassen sowie die Branchenprognose des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV).

 

 

Konjunkturabschwung

Deutscher Mittelstand trotzt Konjunkturabschwung

Die mittelständischen Unternehmen zeigen sich von der aktuellen weltweiten Konjunktureintrübung weitgehend unbeeindruckt. Zwar sind die Wachstumserwartungen für das laufende Jahr und 2020 leicht rückläufig, die Unternehmensumsätze wachsen aber weiter.

Insbesondere der robuste Konsum, eine boomende Bauwirtschaft und die weiterhin hohe Investitionsbereitschaft sind für die positive Entwicklung verantwortlich.

Die Zuwächse an Firmenkrediten liegen sogar noch einmal etwas über den Werten aus dem Vorjahreszeitraum. Die Gesamtbestände wuchsen um 4,6 Milliarden Euro bei den Wohnungsbaukrediten und um 8,5 Milliarden Euro bei den Investitionskrediten.

Auch die übrige Wirtschaft befindet sich auf einem Expansionspfad, legt man die Entwicklung der Kreditbestände zu Grunde. Ein gutes Zeichen ist, dass die Unternehmen in gleichem Maße auch ihr eigenes Kapital zur Finanzierung ihrer Investitionen beisteuern. Die hohen Eigenkapitalquoten sind das Spiegelbild der hohen Solidität und Sicherheit des deutschen Mittelstands.

Konjunkturabschwung

EZB-Geldpolitik bleibt wirkungslos

Die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat dagegen keinen Einfluss darauf, wie sich Unternehmen neu aufstellen. Diese investieren vielmehr, wenn sie neue Absatzpotenziale erkennen, an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen oder sie ganz allgemein ihr Geschäftsmodell optimieren wollen.

Die Nullzinspolitik führt zu keinen zusätzlichen Investitionen. Sie vermehrt vielmehr die Unsicherheit in den Unternehmen – und Unsicherheit ist und bleibt für den Mittelstand das größte Investitionshemmnis.

Kurzfristige operative Verluste sind in der Unternehmenswelt nicht ungewöhnlich. Sie haben in vielen Fällen nichts mit gescheiterten Geschäftsmodellen zu tun. Beispiele sind öffentliche Unternehmen mit Subventionsbezug. Auch Unternehmen im Projektgeschäft in der Anlaufphase zählen dazu. Der Anteil der Unternehmen mit operativen Verlusten hat sich seit 2003 von 8,5 auf 6 Prozent verringert.

Die Kreditvergabe der Sparkassen an Unternehmen wächst stetig. Hohe Standards bei der Kreditvergabe sorgen dafür, dass sich trotz immer niedrigerer Finanzierungskosten bei den Kunden keine gefährliche Blase in der Mittelstandsfinanzierung bilden konnte. Der geringe Anteil gefährdeter Unternehmen belegt eine hohe Resistenz des deutschen Mittelstands.

Konjunkturabschwung

Gefahr eines Rückgangs der Konjunktur bleibt hoch

Ein Blick zurück ins Jahr 2009 ist hilfreich, um die Auswirkungen einer möglichen neuen Krise abzuschätzen. Damals verzeichneten viele Branchen starke Umsatzeinbrüche. Am stärksten traf es den exportintensiven Maschinen- und Fahrzeugbau. Bemerkenswert ist, dass dennoch keine Branche insgesamt in die roten Zahlen geriet. Die Umsatzrendite der Branchen verblieb in allen Fällen positiv.

Gelungen ist dies dem Mittelstand dank seiner hohen Flexibilität und seiner hohen Rücklagen. Heute – zehn Jahre nach der großen Krise – steht der Mittelstand robuster da als je zuvor. Die hohen Gewinne der vergangenen Jahre wurden konsequent ins eigene Unternehmen reinvestiert. Das Ergebnis ist eine hohe Eigenkapitalquote als Sicherheitspolster, um Verluste abzufedern.

 

Konjunkturabschwung

6 Quickfacts auf einen Blick

1. S-Mittelstands-Fitnessindex erreicht neuen Höchststand:

Mit 102,1 Punkten hat der Index einen neuen Höchststand erreicht. Für 2019 und 2020 sind nur leichte Rückgänge auf hohem Niveau erwartet.

Infografik: Der Mittelstands-Fitness in Zahlen

2. Umsatzwachstumsraten nur leicht schwächer:

Umsatzwachstum 2018: 5,1 Prozent. 2019 und 2020 mit rund 4 Prozent nur leicht schwächere Wachstumsraten.

3. Binnenwirtschaft weiter als Wachstumsmotor:

Eine robuste private Konsumnachfrage, eine weiterhin dynamische Bauwirtschaft und eine nicht abflachende Investitionsbereitschaft sorgen für eine stabile Entwicklung.

4. Kräftige Investitionen ins Anlagevermögen:

Die seit Jahren kontinuierlich gestiegenen Umsätze haben zu einer hohen Kapazitätsauslastung geführt. Die Antwort darauf sind hohe Investitionen ins Anlagevermögen, die 2018 sogar noch einmal gesteigert wurden.

5. Hohe Eigenkapitalquoten, sichere Finanzierungsstruktur:

Mittelständler glauben an die Zukunft und investieren auch 2019 kräftig weiter: 31 Milliarden Euro zugesagte Investitionskredite durch die Sparkassen im ersten Halbjahr 2019. Hohe Eigenkapitalquoten sorgen für eine sichere Finanzierungsstruktur.

6. Keine Blase in der Mittelstandsfinanzierung:

Zombie-Unternehmen sind kein Phänomen des deutschen Mittelstands. Hohe Kreditvergabestandards sorgen dafür, dass sich trotz immer niedrigerer Finanzierungskosten keine gefährliche Blase in der Mittelstandsfinanzierung bilden konnte. Unternehmen werden nicht künstlich durch die übermäßige Zufuhr preiswerter Kredite am Leben erhalten. 

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