
Deutschlands Gastronomie ist digitaler als ihr Ruf: 89 Prozent der 70.364 ausgewerteten Restaurants in 101 Städten, die eine Zahlungsart angeben, akzeptieren Kartenzahlung. Nur rund 8 Prozent nehmen ausschließlich Bargeld.
Zwischen den Städten gibt es ein deutliches Gefälle: Konstanz führt mit 97,6 Prozent Kartenakzeptanz das Ranking an, während in Ludwigshafen am Rhein jedes dritte Restaurant nur Bares annimmt – auffällig viele Bargeld-Hochburgen liegen im Ruhrgebiet.
Auch der Restauranttyp spielt eine Rolle: Imbisse akzeptieren am häufigsten nur Bargeld (20,4 Prozent), Burger-Restaurants am seltensten (3,3 Prozent). Zudem lässt jedes vierte Lokal seine Google-Maps-Angaben zur Zahlungsart ungepflegt.
So groß sind die Unterschiede in Deutschlands Städten
Wenn die heimische Küche kalt bleibt und wir uns auswärts verpflegen, stellt sich spätestens beim Bezahlen eine Frage: Geht der Griff ins Portemonnaie oder reichen Smartphone und Karte? Das hängt neben den eigenen Vorlieben vor allem davon ab, welche Zahlungsmöglichkeiten ein Restaurant anbietet. Und genau hier verändert sich gerade einiges: Laut einer Studie der Deutschen Bundesbank bezahlen wir in Deutschland erstmalig häufiger bargeldlos denn je. Auch die Politik zieht nach, denn laut des Koalitionsvertrag von Union und SPD sollen gastronomische Betriebe künftig verpflichtet werden, neben Bargeld mindestens eine digitale Bezahlmethode anzubieten, damit wäre „Cash only" passé. Trotzdem hat das Bare für viele Betriebe handfeste Vorteile: Es fallen keine Transaktionsgebühren an und das Trinkgeld landet direkt beim Personal.
Zeit also, sich die Realität der Lokale in Deutschland genauer anzuschauen: Wie verbreitet ist die reine Barzahlung in der deutschen Gastronomie eigentlich noch? Und in welchen Städten kommen Sie ohne Bargeld besonders sorglos durch den Tag?
Was haben wir für Sie genauer unter die Lupe genommen?
Für unsere Auswertung haben wir alle Google-Maps-Einträge gastronomischer Betriebe in den 101 einwohnerstärksten Städten Deutschlands erfasst. Berücksichtigt wurden alle Lokale, die in den jeweiligen Städten auf Google Maps auffindbar waren – insgesamt 70.364 Betriebe.
Anschließend haben wir für jedes Lokal ausgewertet, welche Angaben zur Zahlungsart im Google-Profil hinterlegt waren, ob Kartenzahlung möglich ist, ausschließlich Bargeld akzeptiert wird oder keine Information dazu vorliegt. Die Auswertung zeigt, was die Betriebe auf Google Maps angeben; einer Plattform mit Millionen Nutzenden und Bewertungen zu jedem Betrieb, die für viele Menschen der erste Schritt zur Orientierung bei der Auswahl eines Restaurants darstellt.
Das Ergebnis zeigt ein deutliches Gefälle zwischen den Städten. Und quer durch alle Regionen fällt vor allem eines auf: Deutschlandweit macht jedes vierte Lokal auf Google Maps gar keine Angabe dazu, wie Gäste bezahlen können. Warum es die Betriebe bares Geld kosten kann und welche Stadt beim digitalen Bezahlen vorangeht, lesen Sie in diesem Beitrag.
- Konstanz ist Deutschlands digitalste Restaurantstadt: 97,6 Prozent der Lokale mit Angabe bieten Kartenzahlung an. Es folgen Gütersloh (96,8 Prozent) und Kiel (95,8 Prozent).
- Ludwigshafen am Rhein und der Pott geht aufs Bargeld: 34,3 Prozent aller Restaurants akzeptieren dort nur Bares. Sechs Städte der Top 10 liegen im Ruhrgebiet.
- Der Restauranttyp entscheidet mit: Am häufigsten nur mit Bargeld zahlen Sie im Imbiss und bei Fast Food (20,4 Prozent). Am seltensten bei Burger-Restaurants (3,3 Prozent) und in italienischen Lokalen (3,9 Prozent).
- Jedes vierte Restaurant nutzt die Chancen nicht: 18.072 der 70.364 untersuchten Lokale (25,7 Prozent) geben auf Google Maps gar nicht an, ob Karten- oder Barzahlung möglich ist.
- Die Zahlungsart sagt nichts über die Qualität: Reine Bargeld-Lokale sind mit durchschnittlich 4,45 Sternen sogar minimal besser bewertet als Restaurants mit Kartenzahlung (4,44 Sterne).
Jedes vierte Restaurant nutzt sein digitales Aushängeschild nicht
Öffnungszeiten, Bewertungen, Fotos vom Essen, die Speisekarte und natürlich die Frage, ob man mit Karte bezahlen kann: Google Maps liefert all diese Informationen innerhalb weniger Sekunden. Und sie können den Ausschlag dafür geben, ob ein Gast ein Restaurant besucht oder sich doch für das Lokal gegenüber entscheidet. Für Gastronomen ist der Google-Eintrag deshalb weit mehr als eine digitale Adresse. Er ist das digitale Aushängeschild, vergleichbar mit dem Schaufenster eines Geschäfts.
Gerade deshalb überrascht eine Erkenntnis unserer Auswertung besonders: 18.072 Restaurants von 70.364 untersuchten Betrieben, über ein Viertel, machen auf Google Maps überhaupt keine Angabe dazu, ob man bar oder mit Karte zahlen kann. In 66 Prozent aller Lokalen wird die digitale Zahlung ausgewiesen, während nur knapp 8 Prozent angeben, ausschließlich Bargeld zu akzeptieren. Dass nur rund 8 Prozent der Restaurants ausschließlich Bargeld akzeptieren zeigt, dass Deutschland beim Bezahlen in der Gastronomie längst deutlich digitaler ist, als sein Ruf als „Bargeldland" vermuten lässt.
Ein Tipp für Gastronomen und Gastronominnen: Wenn Sie Ihr Google-Profil bisher nicht vollständig gepflegt haben, sollten Sie die Zahlungsarten unbedingt ergänzen. Es dauert nur wenige Minuten, schafft aber Klarheit und kann darüber entscheiden, ob ein Gast sich für Ihr Restaurant oder das gegenüber entscheidet.
Konstanz ist die digitalste Stadt Deutschlands
In der „Smart Green City“ Konstanz bindet die Stadt nicht nur Digitalisierung strategisch in die Stadtentwicklung ein, sondern auch in die Gastronomie. In der Stadt am Bodensee bieten rund 98 Prozent aller Restaurants, die einen Google-Maps-Eintrag dazu haben, Kartenzahlung an. Damit erreicht Konstanz den höchsten Wert im gesamten Ranking. Von 244 untersuchten Lokalen mit klarer Angabe akzeptieren nur fünf ausschließlich Bargeld. Damit ist Konstanz Deutschlands digitalste Gastrostadt.
Dahinter folgen Gütersloh mit 97 Prozent und Kiel mit 96 Prozent. Auch die großen Metropolen mischen ganz vorne mit. München erreicht 95 Prozent. Auch Hamburg liegt mit knapp 95 Prozent unter den Top 10. Über alle 100 untersuchten Städte hinweg liegt der Anteil digitaler Zahlungen bei 89 Prozent.
Auffällig ist die Häufung im Norden und Süden: Mit Kiel, Rostock und Flensburg schaffen es gleich drei Küstenstädte in die Top 6, dazu die bayerischen Städte München, Erlangen und Ingolstadt.
Deutschlands Bargeld-Hauptstadt: In Ludwigshafen ist fast nur Bares wahres
Am anderen Ende der Skala steht Ludwigshafen am Rhein. Hier akzeptiert rund jedes dritte Restaurant ausschließlich Bargeld. Keine andere Stadt hält so stark am Bargeld fest. Wer hier essen geht, sollte für alle Fälle Scheine und Münzen dabeihaben.
Dahinter zeigt sich ein regionales Muster: Sechs der Top-zehn Bargeld-Städte liegen im Ruhrgebiet. Witten, Duisburg mit 26 Prozent, Gelsenkirchen, Lünen und Gera mit 22 Prozent und Worms mit 21 Prozent reihen sich dicht hintereinander ein. Ein möglicher Grund liegt in der Betriebsstruktur: In den Ruhrgebietsstädten prägen viele kleine Imbisse und inhabergeführte Lokale das Bild und gerade diese setzen, wie unsere Auswertung zeigt, besonders häufig aufs Bare.
Vom Imbiss bis zur Pizzeria: So bar is(s)t Deutschland
Ob Gäste mit Karte zahlen können, hängt nicht nur davon ab, in welcher Stadt sie unterwegs sind, sondern auch davon, für welche Art von Restaurant sie sich entscheiden. Wer auf dem Weg zum Imbiss ist, sollte besser ein paar Scheine dabeihaben, denn in 20 Prozent aller Imbisse wird ausschließlich Bargeld akzeptiert. Hier akzeptiert also jedes fünfte Lokal mit Zahlungsangabe ausschließlich Bargeld, mit Abstand der höchste Wert aller Kategorien.
Wer nur mit dem Handy und dem Schlüssel vor die Tür geht, hat vor allem in amerikanischen Restaurants gute Chancen. Nur 3,3 Prozent aller untersuchten Restaurants bieten ausschließlich Bargeld an, dicht gefolgt von italienischen Restaurants mit 3,9 Prozent. Bei Burger-Läden dürfte die junge, oft filialisierte Branche eine Rolle spielen, moderne Kassensysteme gehören hier meist von Anfang an dazu.
Wo viele kleine, inhabergeführte Betriebe mit niedrigen Beträgen wirtschaften, wie beim Imbiss, fallen die Gebühren pro Kartenzahlung stärker ins Gewicht. Wo dagegen höhere Rechnungen und größere oder filialisierte Strukturen üblich sind, ist das Terminal fast schon Standard.
Fun-Fact: Restaurants, die ausschließlich bar kassieren, scheinen nicht darunter zu leiden. Reine Bargeld-Restaurants kommen im Schnitt auf 4,45 Sterne und liegen damit sogar hauchdünn vor den digital zahlenden Lokalen mit 4,44 Sternen.
Fazit und Ausblick
Deutschland gilt als Bargeld-Nation, doch an der Restaurantkasse stimmt dieses Selbstbild kaum noch. Unsere Auswertung von 70.364 Restaurants in den 101 größten Städten zeigt: 89 Prozent der Lokale mit Zahlungsangabe akzeptieren Karte. Bargeld als einzige Option ist damit nur noch die Ausnahme. Am hartnäckigsten hält es sich in Ludwigshafen am Rhein, wo jedes dritte Restaurant (34,3 Prozent) nur Scheine und Münzen nimmt, sowie im Ruhrgebiet mit Städten wie Witten, Duisburg und Gelsenkirchen. Wer dort essen geht, sollte weiter Bargeld einstecken. Anderswo, etwa in Konstanz (97,6 Prozent Kartenakzeptanz), zahlt man fast überall mit Karte. Am schönsten ist es aber, wenn wir als Kundschaft die freie Wahl haben und für alle Zahlungsmöglichkeiten gut vorbereitet sind.
Methodik
Grundlage dieser Auswertung sind die öffentlich einsehbaren Google-Maps-Angaben von 70.364 Restaurants in den 101 einwohnerstärksten Städten Deutschlands. Die Daten wurden am 30. Juli 2026 mithilfe des Datendienstes Outscraper ausgelesen und anschließend strukturiert ausgewertet. Berücksichtigt wurden Lokalitäten, die als “Restaurant” hinterlegt sind, wobei die Küchenrichtung, Öffnungszeiten, Lage, das Angebot und die Bedingungen für den Erwerb und Verzehr von Speisen sehr unterschiedlich sein können. Für jedes Restaurant haben wir erfasst, ob im Profil eine digitale Zahlung, ausschließlich Bargeld, beides oder gar keine Zahlungsart angegeben ist. Alle Prozentwerte beziehen sich dabei ausschließlich auf Restaurants mit vorhandener Zahlungsangabe: Die 18.072 Lokale ohne jede Angabe (rund ein Viertel des Bestands) wurden herausgerechnet. Für die Analyse nach Küchen haben wir die Restaurants anhand ihrer Google-Kategorien zu übergeordneten Gruppen zusammengefasst. Die Zahlen bilden ausschließlich die auf Google Maps hinterlegten Angaben ab. Die tatsächliche Praxis vor Ort kann variieren; Angaben können fehlen, falsch oder veraltet sein. Eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität der zugrunde liegenden Daten und dieser Datenauswertung kann trotz großer Sorgfalt nicht übernommen werden.
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