Steuererklärung 2020 machen – trotz verpasster Abgabefrist

Fristen, Strafen, Bescheinigungen: 8 Tipps für Ihre Steuererklärung


Die meisten Steuerpflichtigen mussten bis Ende Oktober ihre Steuererklärung für 2020 abgeben. Doch selbst wenn Sie die Frist bereits verpasst haben – es ist auch im Nachhinein möglich, um eine Verlängerung zu bitten. 

Eine Frau sitzt mit einem Stift am Mund am Schreibtisch

Tipp 1: Prüfen Sie, ob Sie überhaupt zur Abgabe einer Steuererklärung 2020 verpflichtet sind

Nicht jeder Mensch in Deutschland ist verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Die Details hierzu sind in § 46 Einkommensteuergesetz geregelt. Grundsätzlich geht es darum, ob Sie Einkünfte hatten, für die Sie keine Einkommensteuer bezahlt haben, zum Beispiel aus einer selbstständigen Nebentätigkeit.

Dagegen müssen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Steuerklasse 1, die nur Einnahmen aus ihrer Festanstellung haben, keine Steuererklärung abgeben. Das Gleiche gilt für Verheiratete, die sich beide für die Steuerklasse 4 entschieden haben. (Ausnahme: Ein Ehepartner hatte das ganze Jahr oder zeitweise die Steuerklasse 5 oder 6. In diesem Fall muss eine Steuererklärung abgegeben werden.)

Wer als Arbeitnehmer zum Beispiel hohe berufliche Ausgaben hat, etwa in Form von teuren Arbeitsmitteln, einem separaten Arbeitszimmer oder einer beruflich genutzten Bahncard, kann diese zumindest anteilig als sogenannte „Werbungskosten“ von der Steuer absetzen und so Geld vom Staat zurückbekommen. Dies geschieht nach Prüfung durch das Finanzamt – und setzt natürlich das Einreichen einer Steuererklärung voraus.

Wichtig: Haben Sie im Jahr 2020 mehr als 410 Euro Kurzarbeitergeld bezogen, sind Sie dazu verpflichtet, eine Steuererklärung für 2020 abzugeben.

Tipp 2: Finden Sie heraus, welche Abgabefrist in Ihrem Fall für das Steuerjahr 2020 gilt

Seit 2019 gilt eine neue allgemeine Abgabefrist für Steuerzahler, die zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind. Dazu gehören zum Beispiel zusammenveranlagte Ehepartner mit Steuerklassenkombination 3 und 5, sowie Ehepaare mit Steuerfaktor 4. Die allgemeine Regelung besagt, dass die jährliche Einkommensteuererklärung bis zum 31. Juli beim Finanzamt eingegangen sein muss.

Der Bundestag hat jedoch aufgrund der Coronakrise in diesem Jahr beschlossen, die Frist bis zum 31. Oktober zu verlängern. Da der 31. Oktober in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, hatten Sie in den meisten Bundesländern bis zum 1. November 2021 Zeit, die Unterlagen beim Finanzamt einzureichen. Leben Sie in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder Saarland, galt für Sie aufgrund eines Feiertags als Fristenende sogar erst der 2. November 2021. 

Allerdings: Lassen Sie sich bei der Steuererklärung für 2020 von einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater unterstützen, können Sie Ihre Erklärung noch bis Ende Mai 2022 beim Finanzamt einreichen. 

Dazu kommt: Sind Sie nicht verpflichtet eine Steuererklärung abzugeben, reichen jedoch freiwillig eine ein, sind Sie nicht an die allgemeinen Fristen gebunden. Stattdessen haben Sie bis zu vier Jahre Zeit, die Erklärung nachzureichen. Für Ihre Steuererklärung 2020 bedeutet das: Ihre Frist läuft erst zum 31. Dezember 2024 ab.

Tipp 3: Haben Sie die für Sie geltende Frist bereits verpasst, können Sie auch rückwirkend um eine Verlängerung bitten

Grundsätzlich gilt: Haben Sie die Frist für Ihre Steuererklärung nicht eingehalten, kann das Finanzamt einen Verspätungszuschlag verlangen. Die Höhe dieser Strafzahlungen ist gesetzlich geregelt: Mindestens 25 Euro pro Monat werden fällig. Zwar liegt die Höhe der Strafe im Ermessungsspielraum des zuständigen Finanzamtes - je nach Auswirkung und Schwere der Verzögerung darf das Amt allerdings bis zu 25.000 Euro Strafe verhängen.

Es ist allerdings auch möglich, dass Ihre Sachberaterin oder Ihr Sachberater ein Auge zudrückt – besonders dann, wenn Sie zum Beispiel Ihre Steuererklärungen in der Vergangenheit immer pünktlich abgegeben haben.

Trotzdem: Um sicherzustellen, dass Ihnen keine Verspätungszuschläge drohen, sollten Sie sich nach verpasster Abgabefrist umgehend beim Finanzamt melden. Denn auch rückwirkend können Sie beantragen, dass Ihre Frist verlängert wird. In der Regel gewährt das Finanzamt allerdings nur einen Aufschub von wenigen Wochen. Sprechen Sie dazu so schnell wie möglich mit Ihrer Sachbearbeiterin oder Ihrem Sachberater und geben Sie Ihre Steuererklärung auf jeden Fall innerhalb der neu vereinbarten Frist ab.

Tipp 4: Wägen Sie gründlich ab, ob Sie die Unterstützung einer Steuerberaterin oder eines Steuerberaters benötigen

Besonders für Selbstständige mit vielen Buchungen, aber auch für Privatpersonen mit unterschiedlichen Einkommensarten kann eine Steuerberaterin oder ein Steuerberater hilfreich sein. Diese helfen, wenn Sie sie sich selbst nicht gut mit dem Thema Steuern auskennen oder sich nicht damit auseinandersetzen möchten. Die Steuerberaterin oder der Steuerberater weiß, welche Beträge Sie beim Finanzamt geltend machen können und prüft Ihre Belege entsprechend. Ihre Beraterin oder Ihr Berater übernimmt auch die Kommunikation mit dem Finanzamt. Diese Zeitersparnis ist ein wichtiger Aspekt – besonders dann, wenn Sie die erste Abgabefrist bereits verpasst haben.

Wer sich mit Steuern auskennt oder weniger komplexe Steuervorgänge hat, kommt womöglich mit einer Alternative zur Steuerberatung besser aus, zum Beispiel mit einer entsprechenden Software. Der Vorteil: Sie sparen die Gebühr für die Steuerberaterin oder den Steuerberater. Auch haben Sie so die Chance, sich einzuarbeiten und zu lernen, welche Ausgaben Sie steuerlich absetzen können. Ebenfalls von Vorteil: Sie müssen Ihre Belege nicht in die Hände Dritter geben.

Tipp 5: Lassen Sie sich von einem Lohnsteuerhilfeverein beraten

Eine Steuerberatung ist Ihnen zu teuer, Sie wünschen sich aber trotzdem eine persönliche Ansprechpartnerin oder einen persönlichen Ansprechpartner? Dann suchen Sie sich Unterstützung bei einem Lohnsteuerhilfeverein. Der Verein ist günstiger als eine Steuerberatung und bietet trotzdem feste Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, mit denen Sie offene Fragen besprechen können – besonders dann, wenn Sie bereits die für Sie geltende Abgabefrist für die Steuererklärung 2020 verpasst haben.

Aber: Selbstständige und Unternehmen erhalten beim Lohnsteuerhilfeverein generell keine Unterstützung. Auch wenn Sie Mieteinnahmen oder Einnahmen aus Kapitalvermögen von mehr als 18.000 Euro bei Einzel- oder 36.000 Euro bei Zusammenveranlagung haben, dürfen Sie nicht auf die Unterstützung des Vereins zählen.

Tipp 6: Holen Sie die Steuerbescheinigung von Ihrer Sparkasse ein

Sie brauchen noch eine jährliche Steuerbescheinigung Ihrer Sparkasse, in der beispielsweise die Erträge aus Sparverträgen, Festgeldkonten, Bausparen, Aktien und Co. enthalten sind? Diese können Sie in der Regel bei Ihrer Sparkasse online beantragen. Bei Fragen sprechen Sie einfach Ihre Beraterin oder Ihren Berater an.

Tipp 7: Informieren Sie sich über Corona-bedingte steuerliche Besonderheiten

Viele Steuerzahlerinnen und Steuerzahler haben im letzten Jahr verstärkt im Homeoffice gearbeitet. Unter Umständen lassen sich entsprechende Mehrkosten in der Erklärung für 2020 steuerlich absetzen. Haben Sie in 2020 Kurzarbeitergeld bezogen, wirkt sich auch das auf Ihre Steuererklärung aus. Informieren Sie sich deshalb vor Abgabe Ihrer Steuererklärung auch rechtzeitig über steuerliche Besonderheiten aufgrund der Corona-Pandemie.

Tipp 8: Nehmen Sie im nächsten Jahr das Angebot der vorausgefüllten Steuererklärung (VaSt) in Anspruch

Die vorausgefüllte Steuererklärung (kurz: VaSt) ist ein Serviceangebot der Steuerverwaltung – und spart Zeit sowie Mühe. Das Angebot ermöglicht es Nutzerinnen und Nutzern Daten, die den Finanzämtern und Sozialversicherungen vorliegen, automatisch in die eigene Steuererklärung zu integrieren. Dazu gehören Lohnbescheinigungen des Arbeitgebers, Rentenbezugsmitteilungen, Beiträge zu Kranken- und Pflegeversicherungen sowie zu Riester- und Rürup-Renten. Nach Abruf müssen die Daten nur noch auf Richtigkeit kontrolliert und mit einer elektronischen Unterschrift bestätigt werden. Einzige Voraussetzung: Sie müssen sich zuerst über Elster registrieren.

(Stand: 10.11.2021)


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