Sind Frauen die Verliererinnen der Corona-Pandemie?

Studie bestätigt: Krise verstärkt bestehende Ungleichheiten und belastet Frauen stärker

Die Corona-Pandemie ist für alle Menschen belastend. Vielfach wurde aber in den vergangenen Monaten diskutiert, welche Folgen die Corona-Einschränkungen, wie beispielsweise Kita- und Schulschließungen, für die Gleichstellung der Geschlechter haben oder ob Frauen sozial wie finanziell deutlich härter betroffen sein werden als Männer. Die Meinungen dazu gehen weit auseinander: Die einen sprechen von „Retraditionalisierung“, andere sehen die Pandemie als „Gleichheitsbeschleuniger“. Eine Bestandsaufnahme.

Zwei Frauen tragen Mundschutz
Homeoffice ist nicht geschlechtsneutral.
Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, im "Spiegel"-Interview

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Coronakrise verstärkt soziale Ungleichheiten.
  • Traditionelle Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen spitzt sich in der Krise zu.
  • Neue Studie zeigt: Der Anteil an Familien, in denen die Frau die Kinderbetreuung überwiegend allein übernimmt, hat sich in der Corona-Pandemie verdoppelt.
  • Jede vierte Frau in Deutschland reduziert in der Coronakrise ihre Arbeitszeit, bei Männern ist es nur jeder Sechste.
  • Frauen bleibt in der Krise am Ende des Monats vielfach weniger Geld im Portemonnaie als Männern.
  • Deutschland hinkt bei der Gleichstellung der Geschlechter im Vergleich zu vielen anderen Ländern hinterher.

Coronakrise zementiert soziale Ungleichheiten

Wirft die Coronakrise Frauen auf dem Weg zur Gleichberechtigung um Jahrzehnte zurück? Jutta Allmendinger, Soziologin und Präsidentin des Berliner Wissenschaftszentrums für Sozialforschung (WZB), sprach in einem Gastbeitrag für „Zeit-Online“ von 30 Jahren Rückschritt und einer Retraditionalisierung der Rollenbilder – Frauen seien zurück am Herd und Männer die Versorger.

Was ist dran an diesen Befürchtungen?

Das letzte Jahr hat selbst die gelassensten Eltern und Familien in Verzweiflung gestürzt. Bereits im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 waren Kitas, Schulen, Sportvereine und andere Nachmittagsangebote wochenlang geschlossen. Die gesamte Infrastruktur für Kinder war plötzlich weggebrochen. Eltern waren, und sind es zum Teil immer noch, gezwungen, alles gleichzeitig zu kompensieren und meist zusätzlich weiterzuarbeiten.

Wie sieht der tatsächliche Zeitaufwand aus, den Väter und Mütter für Kinderbetreuung, Hausarbeit und Job während der Krise investieren?

Der Anteil an Familien, in denen die Frau die Kinderbetreuung überwiegend allein übernimmt, hat sich in der Corona-Pandemie verdoppelt, wie eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) belegt. Bei Paaren, die sich diese Arbeit bereits vor der Corona-Pandemie gleichberechtigt aufgeteilt haben, hat sich kaum etwas geändert – sie bleiben bei ihrer egalitären Arbeitsteilung.

Interessant ist auch die unterschiedliche Wahrnehmung: 24 Prozent der befragten Mütter haben ausgesagt, sie hätten die Kinderbetreuung im Lockdown allein gestemmt. Von den befragten Vätern sagen das nur fünf Prozent.

Traditionelle Arbeitsteilung spitzt sich in der Krise zu

7,9 Stunden verbringen Frauen im Schnitt mit Aufgaben wie Familienarbeit, Haushalt und Pflege von Angehörigen – ein Fulltimejob mit 2,5 Stunden mehr unbezahlter Sorgearbeit am Tag als bei Männern, wie die Studie „Eltern während der Coronakrise“ des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigt.

Obwohl Väter laut der Studie in der Krise aufgeholt haben und während der Schließungen von Kita und Schulen mehr Care-Arbeit leisteten als vorher, bleibt die tägliche Mehrarbeit aufseiten der Mütter konstant. Bereits 2018 stand im Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung, dass Mütter täglich mindestens 2,5 Stunden mehr Care-Arbeit leisten als Väter.

Die Ergebnisse sind Momentaufnahmen aufgrund der aktuellen Situation. Der Direktor der Studie, Norbert Schneider, geht aber davon aus, dass die Zeit, die Männer für Hausarbeit aufbringen, wieder sinkt, sobald sich die Lage normalisiert.

Symbolbild: Eine Hälfte vom Kuchen
Prozent

Die Anzahl der Paare, die sich vor der Krise die Sorgearbeit ungefähr gleichmäßig aufgeteilt haben, sinkt stark.

Befragungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung ergaben: Nur 60 Prozent derjenigen Paare mit Kindern unter 14 Jahren, die sich die Erziehungs- und Hausarbeit vor der Covid-19-Pandemie größtenteils teilten, tun dies auch während der Krise. Paare, die ein Haushaltseinkommen unter 2000 Euro haben, teilen sich die Arbeiten sogar nur zu 48 Prozent. Vielen Eltern blieben weniger Spielräume für eine faire Arbeitsteilung, da sie finanziell stark unter Druck stehen, so die Forscherinnen der Befragung.

„Homeoffice ist nicht geschlechtsneutral.“

Dass Homeoffice, vor allem in der Krise, nicht geschlechtsneutral sei, ist sich Jutta Allmendinger sicher, wie sie jüngst in einem „Spiegel“-Interview sagte.

Das Arbeiten von zu Hause wirkt sich unterschiedlich aus. Frauen, die im Homeoffice arbeiten, erledigen zusätzlich mehr Haus- und Sorgearbeit als Männer. Das sei kulturell geprägt, so Allmendinger. Dass das bei Vätern eher nicht der Fall sei, belegt auch die DIW-Studie, siehe oben.

Arbeitszeit von Frauen durch Corona stärker gesunken als die von Männern

Rund jede vierte Frau hat laut einer  Befragung der Hans-Böckler-Stiftung aufgrund der Corona-Einschränkungen – vor allem im ersten Lockdown 2020 – ihre Arbeitszeit reduziert oder sogar den Job aufgegeben, um die Kinderbetreuung oder andere familiäre Verpflichtungen stemmen zu können. Das heißt: Ihr ohnehin häufig geringeres Einkommen verringerte sich zusätzlich. Bei den Männern verkürzte nur jeder sechste seine Arbeitszeit.

Vor Ausbruch der Corona-Pandemie arbeiteten Frauen mit betreuungsbedürftigen Kindern in der Woche im Schnitt 31 Stunden, Männer 41. Rund um den ersten Lockdown in Deutschland im April 2020 reduzierten diese Frauen ihre Arbeitszeit im Durchschnitt auf 24, Männer auf 36 Stunden. Im Oktober 2020 lag die Differenz zwischen Müttern und Vätern bei 11 Stunden. Die Mütter arbeiteten rund 28, die Väter 39 Stunden die Woche, so weitere Ergebnisse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

Neben den geringeren Einnahmen bestehe zudem die Gefahr, dass Frauen, die ihre Arbeitszeit aufgrund von Corona deutlich reduzieren müssen, Schwierigkeiten haben könnten, die Arbeitszeit später auf das vorherige Niveau aufzustocken, so Bettina Kohlrausch, Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI).

Geschlechtergerechtigkeit im Ländervergleich

Auch über die Grenzen unseres Landes hinaus sind die Hauptgründe für  Geschlechterungleichheit dieselben. Forscherinnen und Forscher haben für eine aktuelle Studie der globalen Initiative Women Deliver und der französischen Organisation Focus 2030 im Juli und August 2020 Menschen aus 17 Ländern weltweit gefragt, wie sich die Coronakrise ihrer Meinung nach auf das Geschlechterverhältnis auswirkt. Die Ergebnisse: In allen Ländern, in denen Befragungen durchgeführt wurden, müssen Frauen mehr als Männer die Haus- und Pflegearbeit stemmen.

Zudem haben Frauen laut Teilnehmerinnen und Teilnehmern schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Zahlen und Fakten:

  • Laut Unicef leisten Frauen weltweit schon in normalen Zeiten dreimal mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer: Diese Art der Arbeit steigt durch die Corona-Pandemie laut den Vereinten Nationen (UN) exponentiell an.
  • In Deutschland arbeitet fast jede zweite Frau in Teilzeit.
  • Die Altersrente von Frauen ist im Schnitt nur halb so hoch wie die von Männern.
  • Rund 90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen. Diese sind in der Krise finanziell besonders schwer belastet.
  • Weltweit sind 70 Prozent des Personals in sozialen und Pflegeberufen laut UN-Women Frauen.
  • In der EU sind fast 80 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitssektor weiblich.
  • In Deutschland arbeiten 75 Prozent Frauen in den „systemrelevanten“ Berufen (DIW).
  • Berufe, die sich größtenteils durch schlechte Bezahlung und unbefriedigende Arbeitsbedingungen auszeichnen.
  • Häusliche Isolation aufgrund von Corona fördert Gewalt gegen Frauen.

Frauen in der Teilzeitfalle

Fast jede zweite Berufstätige in Deutschland arbeitet in Teilzeit oder ist geringfügig beschäftigt. Bei den Männern ist das nur rund jeder Zehnte. Eine extreme Ungleichverteilung der Arbeitszeiten in Deutschland, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (2019) hervorgeht.

Nur 37 Prozent der Väter gehen Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) von 2019 in Elternzeit. Drei von vier Vätern, die in Elternzeit gehen, nehmen lediglich die zwei Partnermonate, die man zusätzlich beantragen kann.

Symbolbild: Geldscheine
Prozent

So hoch war der Gender Pay Gap (der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen) 2020 in Deutschland

Frauen gehen dagegen nach der Geburt der Kinder viel länger in Elternzeit und kehren danach oft nur in eine Teilzeitbeschäftigung zurück. Das bedeutet weniger Einkommen, Karriereeinschnitte, weniger Einzahlungen in die gesetzliche Rente und somit eine größere Gefahr für Altersarmut. Eine Falle, aus der Frauen dann kaum noch herauskommen.

Die Gründe dafür sind keine Überraschung: Die Lohnlücke – der Gender Pay Gap – zwischen Männern und Frauen ist noch immer da und lag in Deutschland laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2020 bei 18 Prozent. Das hat sich in den letzten 15 Jahren kaum verändert. Deutschland hat einen der höchsten Gender Pay Gaps in Europa.

Männer bringen im Durchschnitt mehr Geld nach Hause. Auf das Einkommen der Frauen kann daher eher verzichtet werden, also stecken diese zurück. Was für sie finanzielle Einbußen und langfristig auch weniger Rente bedeutet.

Vor allem Paare mit wenig Geld können es sich häufig nicht leisten, auf das meist höhere Einkommen des Mannes zu verzichten und haben unter dem Druck der Krisensituation kurzfristig keine andere Wahl.

Wichtig, weiblich, unterbezahlt – Frauen in systemrelevanten Berufen

Der Begriff „systemrelevant“ ist im Jahr 2020 zum Schlagwort geworden. Genauer gesagt geht es um systemrelevante Berufe, die in der Coronakrise als unverzichtbar eingestuft wurden. Berufe, die sich aber auch durch schlechte Bezahlung und unbefriedigende Arbeitsbedingungen auszeichnen.

Wer übt diese Berufe größtenteils aus? Frauen. Der Frauenanteil liegt laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in diesen Berufsgruppen bei knapp 75 Prozent.

Vier systemrelevante Berufsgruppen mit hohem Frauenanteil*:

  • Verkaufsberufe: 82 Prozent Frauenanteil
  • Alten- und Krankenpflege: 84 Prozent Frauenanteil
  • Erziehung- und Sozialberufe: 83 Prozent Frauenanteil
  • Reinigungsberufe: 81 Prozent Frauenanteil

*Quelle: DGB-Index Kompakt 01/2020

Dass die Arbeitsleistungen von Frauen nicht erst seit der Krise das Rückgrat unseres Systems bilden, ist aufgrund der Coronakrise nun noch mehr Menschen klargeworden. Frauen halten den Laden zusammen, wie Angela Merkel neulich sagte. Klingt prima. Wo liegt nun das Problem?

Im System selbst. Fast alle diese Berufe haben gemeinsam, dass sie unterdurchschnittlich bezahlt sind und überdurchschnittlich schlechte Arbeitsbedingungen bieten: Überstunden, Schicht-, Wochenend- und Nachtarbeit. Zudem wird diesen Berufsgruppen eine vergleichsweise geringe Wertschätzung entgegengebracht. Sorgearbeit, die als vorwiegend weibliche Tätigkeit betrachtet wird, wird zu Hause „umsonst“ geleistet und somit in der Arbeitswelt in professioneller Form, zum Beispiel im Pflegesektor, nicht als ökonomisch ausreichend nützlich anerkannt.

Ein doppeltes Dilemma: Da Frauen oft die systemrelevanten und zugleich kontaktintensiveren Jobs wie Krankenschwester, Pflegerin, Erzieherin oder Verkäuferin ausüben, sind sie der Gefahr, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, oft stärker ausgesetzt als Männer.

Der nächste Schritt könnte sein, die professionelle Sorgearbeit auch durch angemessene Entlohnung und verbesserte Arbeitsbedingungen stärker wertzuschätzen. Pflegerinnen und Pfleger, die bei Bund oder Ländern beschäftigt sind – in Deutschland sind das rund 2,3 Millionen Menschen – dürfen sich ab 1. März 2021 über mehr Zulagen und einen Monat später über mehr Gehalt freuen.

Ab 1. Juli 2021 steigt zudem der Mindestlohn für qualifizierte Pflegekräfte auf bis zu 15,40 Euro an.

Vielleicht hilft dieses durch die Coronakrise verstärkte Bewusstsein für die systemrelevanten Berufe, zu ändern, was seit Jahren von vielen Seiten gefordert wird.

Auswirkungen der Arbeitseinschränkungen durch Corona

Kurzarbeit soll die Krise am Arbeitsmarkt abfedern, um den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie entgegenzuwirken und Kündigungen zu vermeiden. Das Kurzarbeitergeld ersetzt einen Teil des durch vorübergehenden Arbeitsausfall weggefallenen Nettoeinkommens – maximal zwei Drittel. Unter bestimmten Voraussetzungen gibt es Erhöhungen.

Frauen und Männer sind in Deutschland während der Corona-Pandemie annähernd gleich häufig von Kurzarbeit betroffen. Frauen bleibt in der Krise am Ende des Monats aber vielfach weniger Geld im Portemonnaie als Männern. Dafür gibt es mehrere Gründe:

1. Minijobs

Beschäftige in Minijobs sind nicht durch Kurzarbeit geschützt. Über 60 Prozent der geringfügig Beschäftigten in Deutschland sind weiblich.

2. Kleinselbstständige

Auch Selbstständige sind von der Coronakrise viel stärker bedroht als zum Beispiel Beschäftigte im Öffentlichen Dienst oder in der Industrie. Unter den Kleinselbstständigen finden sich viele Frauen: Frisörinnen, Buchhändlerinnen, Schneiderinnen, Physiotherapeutinnen, Künstlerinnen. Ihnen ist aufgrund der wochenlangen Kontaktbeschränkungen und vorübergehenden Schließungen vielfach die komplette wirtschaftliche Basis weggebrochen.

3. Teilzeitbeschäftigung

Fast jede zweite Frau in Deutschland arbeitet in Teilzeit. Bei den Männern sind es gerade mal ungefähr acht Prozent. Das bedeutet für Frauen von vornherein weniger Einkommen. Im Falle von Kurzarbeit kommen viele Frauen somit an ihre finanziellen Grenzen.

4. Aufstockung des Kurzarbeitergeldes

Das Kurzarbeitergeld wird im Schnitt bei Frauen etwas seltener aufgestockt als bei Männern. Das ergab eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung (2020). Zum Teil kommen diese Unterschiede dadurch zustande, dass Frauen häufiger in kleineren Dienstleistungsbetrieben ohne Tarifvertrag arbeiten, in denen generell weniger bezahlt wird.

5. Hohe Versteuerung durch Ehegattensplitting

Aufgrund der immer noch bestehenden Lohnlücke zwischen Männern und Frauen verdienen Ehemänner in den meisten Fällen deutlich mehr als ihre Ehefrauen. Für viele verheiratete Frauen bedeutet das eine hohe Besteuerung nach der ungeliebten Steuerklasse V. Von ihrem ohnehin geringeren Einkommen bleibt nur wenig übrig. Kurzarbeitergeld verstärkt diesen negativen Effekt zusätzlich.

Gleichstellung – Deutschland im Ländervergleich

Deutschland landet beim Gleichstellungsindex der EU-Kommission von 2020 auf Platz 12. Dieser misst, wie nah die EU-Staaten an der Verwirklichung einer geschlechtergerechten Gesellschaft sind. Viele Länder, die auch in der Coronakrise politisch erfolgreich regieren, sind bei der Gleichstellung der Geschlechter deutlich weiter als Deutschland. Spitzenreiter ist seit Jahren Island.

Auch bei den Quoten für mehr Geschlechtergerechtigkeit in Führungspositionen schneidet Deutschland im Vergleich zu 31 anderen europäischen Ländern schlecht ab.

Dabei haben Länder und Unternehmen, die auf Vielfalt und Gleichberechtigung achten, gute Erfahrungen gemacht. Sie sind vielfach wirtschaftlich erfolgreicher, insgesamt widerstandsfähiger und somit besser auf Krisen vorbereitet.

Auch die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern ist im Ländervergleich hoch. Die Altersrente von Frauen ist in Deutschland im Schnitt fast zur Hälfte niedriger als bei Männern. Ursache ist vor allem der hohe Teilzeitanteil von Frauen in Deutschland. Das heißt, Frauen verdienen im Leben nur halb so viel wie Männer. Im OECD-Vergleich ist Deutschland hier Schlusslicht.

Mitverantwortlich daran sind auch die großen Lohnunterschiede in Deutschland. Der Lohnabstand zwischen Frauen und Männern liegt mit 18 Prozent über dem Schnitt der OECD-Staaten.

Die Krise als Chance

Die Corona-Pandemie macht deutlich: Wir fallen nicht in Rollenbilder zurück, die es vor 30 Jahren gab, wie Jutta Allmendinger befürchtet. Doch aktuelle Studien belegen nun, dass sich vorhandene Ungleichheiten aufgrund der Krise verfestigen.

Frauen schultern in der Krise oft die Mehrarbeit und halten die Gesellschaft am Laufen. Vor allem Frauen mit mittlerem und geringem Einkommen, Beschäftigte in systemrelevanten Berufen und alleinerziehende Frauen bekommen die Auswirkungen der Coronakrise sozial wie ökonomisch am stärksten zu spüren.

Ein System, das schon in Nichtkrisenzeiten nicht selten an der Belastungsgrenze arbeite, wird in der Krise von den Schlechtbezahlten und Doppeltbelasteten zusammengehalten, wie der Deutsche Frauenrat schreibt.

Aus der Coronakrise lernen heißt, sich nicht nur der Frage stellen, wie sich die wirtschaftlichen Einbrüche durch die Corona-Pandemie erholen. Die Politik sollte sich auch die Frage stellen, ob die durch die Krise zugespitzten sozialen Ungleichheiten im Anschluss wieder korrigiert werden können.

Ansätze für Lösungen gibt es seit Jahren, zum Beispiel vonseiten der Bundesregierung, der Gewerkschaften, von einzelnen Parteien, Frauenvertretungen sowie Forscherinnen und Forschern:

  • innovative Betreuungsmodelle
  • betriebliche Angebote zu orts- und zeitflexiblem Arbeiten
  • paritätische Reformierung der Elternzeit (Ausbau der Partnermonate beim Elterngeld)
  • gleicher Lohn für vergleichbare Arbeit
  • Aufwertung sozialer Dienstleistungsberufe
  • höhere Tarifierung in sogenannten Frauenberufen
  • Abschaffung von Anreizen für traditionelle Arbeitsteilung bei Paaren (Reform des Ehegattensplittings).

Die Liste ist lang. Nun könnten Taten folgen. Der Weg zur Geschlechtergerechtigkeit ist nach wie vor weit. Das zeigt sich in der Krise einmal mehr.

(Stand: 8. März 2021)


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