
Beim Investieren zeigt sich der Unterschied zwischen den Geschlechtern weiterhin deutlich: Während 36 Prozent der Männer Wertpapiere besitzen, sind es bei den Frauen lediglich 21 Prozent.
Fehlendes Finanzwissen, begrenzter finanzieller Spielraum und die Angst vor Verlusten erschweren vielen Frauen den Einstieg an der Börse.
Verständliche Informationen, passende Beratung und regelmäßiges Sparen und langfristiges Investieren können den Weg zu mehr finanzieller Unabhängigkeit erleichtern.
Frauen investieren deutlich seltener in Wertpapiere als Männer
Rund 28 Prozent der Menschen in Deutschland besitzen aktuell Aktien oder andere Wertpapiere. Dieser Anteil ist gegenüber dem Vorjahr unverändert. Das heißt aber auch, dass 72 Prozent derzeit über keine Wertpapiere verfügen; 55 Prozent hatten nach eigener Aussage noch nie welche. Das zeigt das Vermögensbarometer 2026, eine repräsentative Umfrage des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands zum Weltspartag.

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Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist dabei deutlich: Frauen sind am Kapitalmarkt weiterhin wesentlich seltener vertreten als Männer. Auch wenn inzwischen etwa jede fünfte Frau (21 Prozent) Wertpapiere besitzt, investieren Frauen im Durchschnitt an der Börse immer noch weniger als Männer (36 Prozent).
65 Prozent der Frauen geben an, noch nie Aktien oder andere Wertpapiere besessen zu haben. Bei Männern sind es 45 Prozent.
Die Zahlen beschreiben Unterschiede zwischen den befragten Gruppen. Sie sagen nichts darüber aus, wie einzelne Frauen oder Männer finanziell aufgestellt sind oder welche Erfahrungen sie mit Wertpapieren haben. Die Lebenssituationen innerhalb beider Gruppen sind vielfältig.
Die geringere Beteiligung am Kapitalmarkt kann sich langfristig auf den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge auswirken. Geld auf einem Spar- oder Tagesgeldkonto ist in der Regel weniger Kursschwankungen ausgesetzt und kurzfristig verfügbar. Langfristige Wertpapieranlagen können dagegen die Möglichkeit eröffnen, am wirtschaftlichen Wachstum teilzuhaben. Sie sind jedoch mit Risiken und Wertschwankungen verbunden und sollten deshalb zur persönlichen Situation passen.
Welche Hürden erschweren Frauen den Einstieg in Wertpapiere?
Finanzwissen: Selbsteinschätzung und Wissenslücken prüfen
Frauen bewerten ihre Kenntnisse zu Geldanlage und Wertpapieren laut Vermögensbarometer dabei häufiger zurückhaltend als Männer. 40 Prozent der Frauen schätzen ihr Wertpapierwissen als „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ein. Bei den Männern liegt dieser Anteil bei 24 Prozent.
Auch beim allgemeinen Finanzwissen zeigt sich ein Unterschied: 32 Prozent der Frauen bewerten ihre Kenntnisse als gut oder sehr gut, bei den Männern sind es 48 Prozent.
Wer die richtigen Fragen stellt, entscheidet besser – unabhängig vom Vorwissen. Hilfreiche Fragen vor einer Anlageentscheidung sind: Wie lange kann das Geld angelegt bleiben? Welche Schwankungen sind persönlich auszuhalten? Wie breit ist die Anlage gestreut? Und welche Kosten entstehen?
Begrenzter finanzieller Spielraum: Rücklagen und Verpflichtungen berücksichtigen
Hohe Lebenshaltungskosten beeinflussen weiterhin die finanziellen Entscheidungen vieler Menschen. Mehr als die Hälfte der Befragten hat ihren Konsum in den vergangenen zwölf Monaten eingeschränkt. Bei Frauen liegt der Anteil mit 58 Prozent über dem der Männer mit 47 Prozent.
Auch beim Sparen zeigen sich Unterschiede: Fast jede zweite Frau legt weniger als 10 Prozent ihres monatlichen Nettoeinkommens zurück. Bei den Männern sind es nur 4 von 10. Wie viel Menschen sparen können, hängt jedoch nicht allein von persönlichen Entscheidungen ab. Einkommen, Beschäftigungsumfang, Teilzeit, Sorgearbeit, Erwerbsunterbrechungen für Kindererziehung oder Pflege sowie laufende Ausgaben beeinflussen den finanziellen Spielraum und können den Vermögensaufbau erschweren.
Investieren beginnt nicht erst mit großen Summen. Viele Sparpläne starten bereits mit kleinen, regelmäßigen Beträgen. Ob das zur eigenen Situation passt, hängt unter anderem von Rücklagen, Kosten und Anlageziel ab.
Risiken realistisch einschätzen
37 Prozent der Befragten nennen schwer einschätzbare Risiken als häufigste Hürde beim Einstieg in Wertpapiere. Dazu kommt die Angst vor Verlusten: 35 Prozent der Frauen und 29 Prozent der Männer fürchten, Geld zu verlieren. Den Kapitalmarkt als schwer durchschaubar empfinden beide Geschlechter ähnlich häufig – rund 27 bis 28 Prozent. Diese Bedenken sind nachvollziehbar: Wertpapiere können im Wert schwanken, und Verluste sind möglich. Geld, das kurzfristig benötigt wird, sollte deshalb nicht in Anlagen mit hohen Kursschwankungen investiert werden.
Risiken lassen sich nicht vollständig ausschließen. Eine breite Streuung kann einzelne Anlagerisiken reduzieren. Regelmäßige Einzahlungen können zudem den Einstiegszeitpunkt verteilen. Wertschwankungen und Verluste lassen sich dadurch jedoch nicht ausschließen.
Vertrauen durch verständliche Informationen und transparente Kosten stärken
Jeweils 21 Prozent der Frauen und Männer geben an, kein Vertrauen in die Märkte zu haben. Komplexe Produktinformationen, unverständliche Sprache und die Sorge, eine falsche Entscheidung zu treffen, können diese Zurückhaltung verstärken.
Gute Beratung sollte zur persönlichen Lebenssituation passen, Risiken verständlich erläutern und Transparenz über Kosten schaffen. Wer sich ausreichend Zeit für eine Entscheidung nimmt, kann Angebote besser vergleichen und die eigene Wahl nachvollziehen.
Finanzbildung unterstützt selbstbestimmte Anlageentscheidungen
Finanzbildung sollte früh beginnen. Junge Frauen und Männer brauchen verständliche Informationen über Budgetplanung, Inflation, Altersvorsorge, Risiko und den Unterschied zwischen Sparen und Investieren.
Wichtig ist, dass Jugendliche Finanzentscheidungen kritisch prüfen und seriöse von unseriösen Angeboten unterscheiden können. Wer grundlegende Zusammenhänge versteht, kann später selbstbewusster und unabhängiger handeln.
Die Sparkassen unterstützen die Finanzbildung mit Angeboten wie Geld und Haushalt, dem Sparkassen-SchulService oder dem Planspiel Börse und erreichen damit jährlich Millionen Menschen.
Finanzbildung kann helfen, Anlageentscheidungen besser zu verstehen und Angebote kritisch zu prüfen. Sie kann jedoch begrenzte finanzielle Spielräume oder andere strukturelle Hürden nicht allein ausgleichen. Dafür braucht es neben verständlichen Informationen auch Rahmenbedingungen und Angebote, die zu unterschiedlichen Einkommen und Lebenssituationen passen.
In fünf Schritten den Vermögensaufbau planvoll angehen
Ulrich Reuter, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, betont anlässlich des Weltspartags: „Sparen bedeutet heute mehr, als Geld auf dem Sparbuch zurückzulegen. Es bedeutet auch, einen Teil des Ersparten langfristig zu investieren. Wertpapiere eröffnen den Menschen die Chance, am wirtschaftlichen Wachstum teilzuhaben und Schritt für Schritt eigenes Vermögen aufzubauen.“
Langfristig können Wertpapieranlagen höhere Erträge bieten als klassische Sparprodukte. Ihre Entwicklung ist jedoch nicht vorhersehbar, und Verluste sind möglich. Für die Planung können folgende Überlegungen hilfreich sein:
- Finanzielle Basis prüfen
Laufende Ausgaben, Verpflichtungen und mögliche Schulden erfassen. Eine Reserve für unerwartete Ausgaben einplanen.
- Ziel und Zeitraum festlegen
Klären, wofür das Geld gedacht ist und wann es voraussichtlich benötigt wird.
- Risiken einschätzen
Überlegen, welche Wertschwankungen zum Ziel und zur persönlichen Situation passen. Kurzfristig benötigtes Geld gesondert betrachten.
- Anlagen vergleichen
Streuung, Kosten, Risiken und Produktmerkmale prüfen. Nur Angebote wählen, die verständlich sind.
- Regelmäßigkeit und Überprüfung planen
Einen realistischen Sparbetrag festlegen und die Anlage in angemessenen Abständen daraufhin prüfen, ob sie noch zu den Zielen passt.
Auch bei gemeinsamem Vermögen ist es wichtig, dass beide Partnerinnen und Partner wissen, welche Anlagen, Verträge und Vorsorgeansprüche bestehen. Karolin Schriever betont: „Wir mischen uns nicht in die Beziehungen unserer Kunden und Kundinnen ein. Mir liegt aber sehr daran, Frauen zu ermutigen. Sie sollten ebenso viel Wissen über und Zugang zum gemeinsamen Vermögen haben. Und sie sollten sich aktiv kümmern, mindestens umfassend Bescheid wissen.“
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Die dargestellten Wertentwicklungen dienen ausschließlich der Veranschaulichung anhand der gewählten Parameter. Jegliche Kosten für den Kauf und Verkauf der Wertpapiere werden dabei nicht berücksichtigt.
Wertpapiere: einfacher Zugang und persönliche Beratung
Damit kapitalmarktbasierte Vorsorge mehr Menschen erreicht, sollte sie verständlich, einfach zugänglich und auf unterschiedliche Lebensphasen zugeschnitten sein. Mit konkreten Lösungen wie S-Neo ermöglichen die Sparkassen einen digitalen Zugang zum Wertpapiersparen über die App „Sparkasse“ – ein wichtiger Meilenstein zum langfristigen Vermögensaufbau.
Angesichts des demografischen Wandels gewinnen ergänzende betriebliche und private Vorsorge weiter an Bedeutung. Wer persönliche Unterstützung wünscht, sollte sich dazu individuell beraten lassen.
Ein realistischer Plan zählt mehr als der perfekte Einstiegszeitpunkt
Viele Frauen nutzen die Möglichkeiten des Kapitalmarkts bislang noch nicht. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Manche fühlen sich bei Finanzthemen unsicher, andere haben nur wenig finanziellen Spielraum oder möchten Risiken zunächst besser verstehen.
Der Einstieg in den Vermögensaufbau muss nicht auf einen perfekten Zeitpunkt warten. Ein realistischer Plan, regelmäßiges Sparen und ein langfristiger Blick sind oft wichtiger als große Anfangsbeträge oder umfassendes Vorwissen. Entscheidend ist, Anlageentscheidungen gut informiert und passend zur eigenen Lebenssituation zu treffen.
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Häufige Fragen zum Thema Frauen an der Börse
Ja. Rund 36 Prozent der Männer besitzen laut Vermögensbarometer 2026 aktuell Wertpapiere, bei den Frauen sind es 21 Prozent.
Am häufigsten werden schwer einschätzbare Risiken genannt. 37 Prozent der Befragten des Vermögensbarometers 2026 empfinden sie als Hürde. Zudem haben viele Angst vor Verlusten: 35 Prozent der Frauen und 29 Prozent der Männer fürchten, Geld zu verlieren. Weitere Gründe sind, dass der Kapitalmarkt als schwer durchschaubar empfunden wird und Befragte angeben, ihnen fehle Vertrauen in die Märkte.
Eine pauschale Summe gibt es nicht. Finanzentscheidungen sind etwas sehr Persönliches und hängen unter anderem von Einkommen, Ausgaben, Lebenssituation, Finanzwissen, Erfahrungen, persönlicher Risikobereitschaft, Anlageziel und Zeithorizont ab. Vor einem Sparplan sollten die wichtigsten laufenden Verpflichtungen und eine ausreichende Notfallreserve berücksichtigt werden.
Das hängt von den persönlichen Zielen und der Risikobereitschaft ab. Für langfristige Ziele können breit gestreute Fonds oder ETFs eine Möglichkeit sein. Vor einer Entscheidung sollten Anlegerinnen und Anleger die Risiken, Kosten und Produktmerkmale verstehen und bei Bedarf eine qualifizierte Beratung nutzen.




