5 wichtige Fakten zur Inflation

Alles was Sie über die Geldentwertung wissen müssen

Die Inflation trifft alle. Aber was bedeutet Inflation für Sie und Ihren Geldbeutel? Und wie schützen Sie Ihr Geld vor der Entwertung?

100 Euro sind 100 Euro. Eine einfache Sache, wie es scheint. Aber so einfach ist es nicht. 100 Euro sind jetzt 100 Euro. Nur: Morgen kann das schon anders sein.

Der Grund heißt Inflation. Oder besser gesagt: Die Kaufkraft des Geldes ändert sich. Bei Inflation werden Waren und Dienstleistungen teurer. 100 Euro sind zwar noch 100 Euro. Aber Sie können weniger dafür kaufen.

Hier 5 wichtige Fakten im Überblick:

1. Die Inflationsrate ist aktuell sehr niedrig

Den Begriff Inflation kennt jeder – und verbindet damit steigende Preise. War die Butter vergangenes Jahr nicht günstiger? Und Benzin hat auch schon mal weniger gekostet, oder? Tatsächlich täuscht der Eindruck. Die Inflation in Deutschland ist momentan vergleichsweise niedrig. Sie lag 2019 bei 1,4 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit drei Jahren. Zum Vergleich: In den 1970er Jahren schwankte die Inflationsrate zwischen drei und sieben Prozent.

Laut Statistischem Bundesamt wurden 2019 vor allem Gemüse (+ 6,3 Prozent), Gas (+ 3,9 Prozent) und Strom (+ 3,4 Prozent) teurer. Günstiger wurden dagegen beispielsweise Handys (- 6,8 Prozent) und Obst (- 3,3 Prozent).

2. Ökonomen begrüßen die Inflation

Illustration: Alte Eintrittskarte fürs Kino für 50 Pfennig

Stabile Preise sind für Verbraucher etwas Angenehmes. Sie sorgen für Ruhe und Verlässlichkeit. Niemand muss sich beim Blick auf die Preise im Supermarkt-Regal besonders ärgern. Andererseits, und dies bereitet Wirtschaftsexperten Sorgen, können niedrige oder sinkende Preise dazu führen, dass Unternehmen Investitionen aufschieben und so das Wirtschaftswachstum bremsen.

Die Europäische Zentralbank gibt deshalb als Ziel eine Inflationsrate von rund zwei Prozent aus. Langsam steigende Preise sollen Verbraucher und Unternehmer ermutigen, Anschaffungen zu tätigen und nicht aufzuschieben. Nach dem Motto: Lieber jetzt zugreifen, als später mehr bezahlen.

3. Die Inflation schlägt schleichend zu

Illustration: Eintrittskarte fürs Kino für 12 Euro

 

Während Sie sich beim Einkaufen über die relativ stabilen Preise freuen, wird die Inflation zum Problem, sobald Sie sich Gedanken über Ihre Geldanlage machen. Vor allem bei einem langen zeitlichen Horizont: Zwei Prozent weniger Kaufkraft in einem Jahr macht vielleicht nicht viel aus. Über zehn Jahre oder mehr gerechnet, bedeutet diese aber sehr wohl eine deutliche Minderung.

Hier eine Modellrechnung, was mit 100 Euro passiert, wenn das EZB-Ziel von zwei Prozent Inflationsrate erreicht werden sollte:

Jahr Kaufkraft Jahresbeginn Inflationsrate Kaufkraft Jahresende
2020 100,00 Euro 2,0 Prozent 98,00 Euro
2021 98,00 Euro 2,0 Prozent 96,04 Euro
2022 96,04 Euro 2,0 Prozent 94,12 Euro
2023 94,12 Euro 2,0 Prozent 92,24 Euro
2024 92,24 Euro 2,0 Prozent 90,39 Euro
2025 90,39 Euro 2,0 Prozent 88,58 Euro
2026 88,58 Euro 2,0 Prozent 86,81 Euro
2027 86,81 Euro 2,0 Prozent 85,08 Euro
2028 85,08 Euro 2,0 Prozent 83,37 Euro
2029 83,37 Euro 2,0 Prozent 81,71 Euro
2030 81,71 Euro 2,0 Prozent 80,07 Euro

Unser Rechenbeispiel zeigt: 100 Euro sind zwar immer noch 100 Euro. Real hat das Geld in elf Jahren aber knapp ein Fünftel an Kaufkraft verloren. Schleichend sorgt die Inflation dafür, dass aus 100 Euro circa 80 Euro werden, gemessen an dem Wert im Jahr 2020.

4. Sparer tappen in die Realzinsfalle

Eine andere Schwierigkeit ergibt sich aus der sogenannten Realzinsfalle. Im Moment ist die Inflationsrate zwar niedrig. Die Zinsen der meisten Anlageprodukte sind aber noch niedriger. Heißt: Wenn Sie auf im Moment auf sehr niedrig verzinste Tages- oder Festgeldkonten setzen, verlieren Sie Geld.

Beispiel: Sie bekommen auf 100 Euro Festgeld 0,7 Prozent Zinsen. Bei einer Inflationsrate von 1,4 Prozent liegt der Realzins bei minus 0,7 Prozent. Obwohl Sie Ihr Geld fest angelegt hatten, ist das Geld real weniger geworden: Aus den 100 Euro wurden 99,30 Euro.

Andererseits: Hätten Sie das Geld in Ihrem Sparschwein gespart, wäre es jetzt 98,60 Euro weit.

Läuft nicht so gut: Die Beziehung von Inflation und Zinsen

Grafik: Entwicklung der Inflation in den letzten Jahren

5. Wie Sie Inflation und Niedrigzins entkommen

Welche Wege gibt es aus dem Dilemma der Realzinsfalle. Die einzige Möglichkeit ist, das Geld zu investieren. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Welche die Richtige ist, ist für jeden Anleger verschieden.

Viele Menschen denken derzeit an eine Investition in Immobilien. Entweder als reine Geldanlage, mit der Chance, das Haus oder die Wohnung zu vermieten und sich so zusätzliche Einnahmen zu sichern. Zusammen mit einer möglichen Wertsteigerung kommen Sie so unter Umständen auf eine Rendite, die höher liegt als die Inflationsrate.

Oder Sie bewohnen die Immobilie selbst. So investieren Sie gleichzeitig in Ihre Altersvorsorge. Das Investment in eine Immobilie gestaltet sich mancherorts allerdings schwierig, weil die Preise aufgrund der hohen Nachfrage bereits sehr hoch sind.

Wenn Sie die Immobilie über einen Kredit finanziert haben, kann sich eine höhere Inflationsrate positiv auswirken: Wenn das Geld weniger wert ist, sinkt die Höhe der Schulden.

Viele Menschen setzen auf Fonds

Eine andere Möglichkeit ist, das Geld in andere Investitionsformen  wie Aktien, Staatsanleihen oder Rohstoffe anzulegen. Hier gibt es ebenfalls Risiken, aber auch die realistische Chance, eine höhere Rendite als die Inflationsrate zu erzielen. Das gilt vor allem für den Aktienmarkt. Eine attraktive Anlagemöglichkeit sind Aktienfonds, weil hier eine gute Renditeerwartung auf eine breite Streuung des Risikos trifft. Da Aktienfonds konjunkturell bedingten Schwankungen unterliegen, setzt diese Anlageklasse eine gewisse Risikobereitschaft voraus. Lange Haltedauern sowie eine breite und weitsichtige Streuung der im Fonds enthaltenen Werte vermindern das Risiko jedoch beträchtlich. So hat die Entwicklung von Aktienfonds in der Vergangenheit gezeigt, dass sie langfristig über klare Renditevorteile im Vergleich zu anderen Anlagen verfügen.

In jedem Falle ist es trügerisch, nichts mit dem Vermögen zu machen und so vermeintlich auf die sichere Karte zu setzen. Die Inflation sorgt dafür, dass Ihr Geld schleichend weniger wert wird. Deshalb gilt bei der Kaufkraft: 100 Euro bleiben nur 100 Euro, wenn Sie die Inflation schlagen und der Realzinsfalle entkommen.

Eine Frau zieht einen 10-Euro-Schein aus dem Geldbeutel

Häufige Fragen

Die Preise von Waren und Dienstleistungen schwanken. Mal ist der Liter Milch teurer, dann wieder günstiger. Von Inflation spricht man jedoch erst, wenn sich zeigt, dass sich die Kosten für alle Güter kontinuierlich erhöhen. Die Konsequenz: Für einen Euro können Sie sich weniger kaufen als zuvor. Er ist weniger wert. Man spricht hier auch von einer Geldentwertung.

Das Wort Inflation stammt vom lateinischen Begriff “inflatio”, was so viel wie “aufschwellen” bedeutet. Inflatio bezieht sich auf die lateinischen Begriffe “inflare” und “flare”, welche beide mit “etwas aufblasen” in Verbindung gebracht werden.

Die deutsche Form „Inflation“ wurde zum ersten Mal 1929 im Rechtschreibduden vermerkt.

Für steigende Verbraucherpreise gibt es verschiedene Ursachen, die häufig auch gemeinsam auftreten. Zum Beispiel, wenn die Nachfrage größer ist als das Angebot. Oder wenn sich die Kosten für Unternehmen verändern, zum Beispiel Rohstoffe teurer werden oder Löhne steigen. Um weiterhin Gewinne zu machen, geben die Unternehmen erhöhte Kosten an Verbraucher weiter.

Auch wenn die Zentralbanken die Geldmenge erhöhen, indem sie einem Staat mehr Geld zukommen lassen, steigt die Inflationsrate. Denn: Wo es mehr Geld gibt, kann auch mehr Geld ausgegeben werden. Die Nachfrage steigt, und damit steigen auch die Preise, da die Geldmenge stärker wächst als die Anzahl der zum Verkauf stehenden Güter.

Von einer Nachfrageinflation spricht man, wenn die Ursache bei den Nachfragern liegt.

  • Steigt die Nachfrage, obwohl die Produktion durch die Anbieter stagniert, ist folglich die Nachfrage höher als das Angebot und es kommt zu steigenden Preisen.
  • Hingegen spricht man von einer Angebotsinflation, wenn das Ungleichgewicht am Markt durch eine Unterproduktion zustande kommt. Dann steigen die Preise, weil das Angebot geringer als die Nachfrage ist.

Stellen Sie sich Ihren typischen Einkaufswagen vor: Brot, Milch, Käse, etwas Fleisch und eine Flasche Wein. Nun schreiben Sie sich bei jedem Einkauf auf, was jede dieser Waren kostet. Anhand dessen können Sie einfach erkennen, wie sehr die Preise steigen oder sinken. So misst das Statistische Bundesamt jeden Monat die Preissteigerung im Land.

In einem imaginären Warenkorb liegen hier die Produkte, die ein deutscher Durchschnittshaushalt benötigt. Darin zu finden sind unter anderem die Ausgaben für eine Wohnung, Wasser, Gas, Nahrungsmittel, Gesundheit und Freizeit. Addiert ergibt sich daraus der sogenannte Verbraucherpreisindex. Auf dessen Basis wird dann die Inflationsrate errechnet.

Eine zu starke Inflationsrate hat verschiedene Folgen für die Wirtschaft: Durch die Preissteigerung können sich die Menschen für ihr Geld weniger kaufen. Durch den Verlust der Kaufkraft sinkt der Wert des Geldes.

Auch für Unternehmen ist Inflation ein Thema, denn bei höheren Preisen investieren diese weniger. Durch die geringere Nachfrage müssen Unternehmen ebenfalls ihre Abgabepreise erhöhen, um ihre Kosten zu decken.

Die Inflationsrate ist ein wichtiger Indikator für das Preisniveau. Auch Sparanlagen und Schulden unterliegen der Geldentwertung. Dadurch verringert sich die Sparneigung der Menschen, die vermehrt in Sachwerte investieren.

Es gibt die folgenden drei Inflationsformen: Offene Inflation, verdeckte Inflation und zurückgestaute Inflation.

Bei der offenen Inflation sind der Preisanstieg und somit die Verschlechterung des Geldwertes für jeden erkennbar. Hingegen wirkt das Preisniveau bei der verdeckten Inflation stabil, die Inflation ist nicht sofort zu erkennen. Dies ist der Fall, wenn die Preise gleichbleiben, aber sich die Qualität der Güter verschlechtert und der eigentliche Geldwert sinkt. Ein Schwarzmarkt kann die Konsequenz sein.

Bei der zurückgestauten Inflation hält der Staat das Preisniveau durch vorgeschriebene Fest- und Höchstpreise künstlich stabil. Daher ist auch hier die Preiserhöhung nicht für jeden erkennbar. Werden die staatlichen Maßnahmen zur Stabilisierung der Preislage außer Kraft gesetzt, führt dies schlagartig zur Auflösung des Preisstaus. Die Veränderung der Preise wird dann sichtbar.

Bei der Geschwindigkeit gibt es in der Volkswirtschaftslehre vier Inflationsarten:

  • Schleichende Inflation (geringe Preissteigerung)
  • Trabende Inflation (mittlere Preissteigerung)
  • Galoppierende Inflation (sehr starke Preissteigerung) bis hin zur
  • Hyperinflation (extrem hohe Preissteigerung).

Bei der schleichenden Inflation liegt die Inflationsrate bei weniger als fünf Prozent. Das Preisniveau steigt dabei nahezu unmerkbar, aber konstant.

Bei einer galoppierenden Inflation, welche bereits einen Extremfall darstellt, erhöht sich die Preislage hingegen deutlich. Dies ist eine Gefahr für die Wirtschaft. Den Menschen ist bewusst, dass sie immer weniger für ihr Geld kaufen können. Das kann im Extremfall zur Folge haben, dass sich die Bürger in Sachwerte flüchten, Ersatzwährungen verwenden oder ihre Güter tauschen.

Sinken langfristig die Preise für Waren und Dienstleistungen, spricht man von einer Deflation. Demnach ist die Deflation ein Prozess, bei dem der Wert des Geldes aufgewertet wird.

Die Gründe hierfür sind ebenfalls unterschiedlich. Ist das Angebot zum Beispiel durch Überproduktion oder sinkende Exporte größer als die Nachfrage, führt dies zu fallenden Preisen. Doch auch wenn die Produktion oder Beschäftigung eines Staates sinkt, kann es zur Deflation kommen.

Verbraucher reagieren darauf mit weniger Konsum, um sich auf schwierige Zeiten vorzubereiten. Oder sie schieben Investitionen auf, da sie auf einen günstigeren Preis in der Zukunft hoffen.

Das beeinflusst die Wirtschaft negativ: Unternehmen müssen auf die sinkenden Preise reagieren. Sie produzieren weniger, erwirtschaften weniger Gewinn und müssen als Konsequenz Löhne senken oder Mitarbeiter entlassen. Das hat eine steigende Arbeitslosigkeit und eine sinkende Nachfrage zur Folge. Man spricht von der Deflationsspirale.

Auch ein Rückgang der Geldmenge im Geldumlauf kann zu einer Deflation führen. In diesem Fall erhöht sich der Geldwert und die Kaufkraft steigt. Bei einer Deflation kommt es zu einer Wertsteigerung der Schulden eines Landes.  Banken geben weniger Kredite aus.

Die Folgen von Inflation und Deflation zeigen: Ein extremer Preisanstieg oder Preisverfall ist nicht wünschenswert. Die EZB hat deshalb den Auftrag, für Preisstabilität und somit für eine solide Wirtschaft zu sorgen.

Sie kann die Inflationsrate mit verschiedenen Instrumenten beeinflussen, indem sie beispielsweise die Geldmenge verringert oder erhöht. Eine Inflationsrate von null bis zwei Prozent gilt als ungefährlich. Ein Anstieg von jährlich zwei Prozent ist sogar erwünscht, da so die Wirtschaft kontinuierlich wächst.

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