Früher in Rente oder länger arbeiten?

Individuelle Ziele verfolgen

Wie sind Ihre Pläne? Möchten Sie bis zum regulären Renteneintritt arbeiten oder lieber früher in den Ruhestand gehen? Oder haben Sie vor, sogar länger zu arbeiten? Ein früherer Renteneinstieg ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Allerdings müssen Sie eventuell Abzüge in Kauf nehmen.

Früher in Rente oder länger arbeiten?

Umfrage: Wann die Deutschen in Rente gehen wollen

Fakt ist: Die meisten Deutschen möchten lieber eher als später in den Ruhestand. Das zeigt eine Umfrage aus dem Jahr 2014. Nur sechs Prozent der Deutschen wollen länger als gesetzlich vorgesehen arbeiten.

Infografik: Wann wollen die Deutschen in Rente gehen?

Quelle: Statista 2015

Möglichkeiten für einen früheren Einstieg in die Rente

Vom regulären gesetzlich vorgesehenen Renteneintritt gibt es Ausnahmen. Meist sind sie mit Abschlägen verbunden, das heißt: Die Betroffenen müssen auf Geld verzichten. Aber nicht in jedem Fall. Es folgt ein kurzer Überblick:

Rente ab 63 nach 45 Arbeitsjahren

Das neue Rentenpaket aus dem Jahr 2014 macht es möglich: Versicherte, die 45 Jahre Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung gezahlt haben, können bis zu zwei Jahre früher in den Ruhestand gehen. Ohne Abzüge. Da die Regelarbeitszeit seit 2012 bis 2029 schrittweise von 65 auf 67 Jahre steigt, wird auch der mögliche frühere Renteneintritt für Versicherte angehoben. Das beginnt mit dem Jahrgang 1953. Ab 1964 Geborene können nach 45 Arbeitsjahren dann erst mit 65 Jahren ohne Abschläge in Rente.

Rente ab 63 mit Abzügen

Wer auf mindestens 35 Jahre Versicherungsjahre kommt, kann ebenfalls ab 63 Jahre in Rente. Allerdings mit Abschlägen. Für jeden Monat früher sind das 0,3 Prozent weniger Rente. Der vorgezogene Ausstieg will also gut überlegt sein. Die Abzüge bleiben lebenslang. Und noch etwas: Die Altersgrenze für die abschlagfreie Rente steigt ab dem Jahrgang 1953 schrittweise an. Jahrgänge ab 1964 können nach 35 Arbeitsjahren frühestens mit 65 Jahren und mit Abschlägen in den wohlverdienten Ruhestand.

Rente wegen Schwerbehinderung

Schwerbehinderte mit einem Behinderungsgrad von mindesten 50 Prozent können bereits mit 60 Jahren in Rente gehen – sofern sie vor 1952 geboren sind und eine Mindestversicherungszeit von 35 Jahren erfüllen. Das Mindestalter für die vorgezogene Altersrente wegen Schwerbehinderung steigt für später Geborene schrittweise auf 62 Jahre an. Doch das geht nur mit Abschlägen: 0,3 Prozent pro Monat – ein Leben lang. Der Rentenbeginn ohne Abzüge steigt für Schwerbehinderte stufenweise von 63 auf 65 Jahre an.

Früher in Rente oder länger arbeiten?

Erwerbsminderungsrente

Wer aus gesundheitlichen Gründen früher aus dem Arbeitsleben ausscheiden muss, kann einen Anspruch auf eine Rente wegen Erwerbsminderung haben. Voraussetzung ist unter anderem, dass mindestens fünf Jahre Beiträge in die Sozialversicherung gezahlt wurden. Die Rentenversicherung prüft natürlich, ob und in welchem Umfang der Versicherte noch arbeiten kann. Mit dem Rentenpaket wird seit dem 1. Juli 2014 die Zurechnungszeit bei neuen Anträgen um zwei Jahre verlängert. Versicherte mit Erwerbsminderungsrente werden so gestellt, als hätten sie bis zum 62. Lebensjahr gearbeitet. Das bedeutet: mehr Rente.

Altersteilzeit

Auch durch Altersteilzeit können Sie Ihre Lebensarbeitszeit verkürzen. Staatlich gefödert wird das zwar nicht mehr. Aber viele Arbeitgeber geben ihren Mitarbeitern die Möglichkeit zur Altersteilzeit.

Das beliebteste Modell ist das Blockmodell. Es besteht aus zwei gleich großen Blöcken. Im ersten Block arbeitet der Angestellte voll weiter – für das halbe Gehalt. Dieses wird aber vom Chef aufgestockt. Um mindestens 20 Prozent. Zusätzlich stockt er den Beitrag für die Rentenversicherung auf – auf 90 Prozent des bisherigen Bruttogehalts seines Angestellten.

Dann folgt die Freistellungsphase, also Block zwei. Der Alterszeitler arbeitet nicht mehr, bekommt aber weiterhin das für die Arbeitsteilzeit vereinbarte Gehalt. Und es fließen weiterhin Beiträge in die Rente. Das bringt wertvolle Entgeltpunkte. Fragen Sie Ihren Arbeitgeber, ob er Arbeitsteilzeit anbietet und zu welchen Konditionen.

Sonderregelungen

Für bestimmte Berufsgruppen gibt es Sonderregelungen für einen früheren Renteneinstieg. Zum Beispiel für ehemalige Mitarbeiter im Bergbau oder für Beamte.

Wer länger arbeiten möchte

Ihr Job macht Ihnen Spaß, Sie fühlen sich fit oder Sie möchten einfach noch weiter Geld verdienen. Es gibt viele gute Gründe, sich nicht zum gesetzlich vorgesehenen Renteneintritt aufs Altenteil zu setzen. Dabei haben Sie zwei Möglichkeiten. Entweder Sie gehen in den Ruhestand und arbeiten als Rentner weiter. Oder Sie bleiben in Ihrem Job und beantragen die Rente erst später. Das setzt voraus, dass Ihr Chef mitmacht.

Gehen Sie später in Rente, erarbeiten Sie sich einen deutlich höheren Rentenanspruch. Für jeden Monat 0,5 Prozent mehr! Zudem zahlen Sie und Ihr Arbeitgeber weiter Beiträge zur Rentenversicherung ein. Arbeiten Sie als Renter weiter, bekommen Sie zusätzlich zu Ihrer Rente noch ein Gehalt. Planen Sie möglichst frühzeitig, ob und zu welchen Bedingungen Sie länger arbeiten wollen.

Lassen Sie sich bei Ihrer Rentenversicherung beraten. Und sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber, wie er zu dem Thema steht. Angesichts des zunehmenden Mangels an Fachkräften sind Chefs oft sogar dankbar, wenn ein gestandener Mitarbeiter länger bleibt.