Folgen des Klimawandels für Unternehmen

Was der Klimawandel für Wirtschaft und Unternehmen in Deutschland verändert

Extreme Wetterereignisse und höhere Preise für Emissionsrechte setzen deutsche Unternehmen unter Druck. Vier von fünf Unternehmen erwarten, dass Klimaereignisse große Auswirkungen auf ihre Geschäfte haben werden. 

Auf knapp eine Billion US-Dollar beziffern 215 der weltweit größten Unternehmen ihr mit dem Klimawandel verbundenes wirtschaftliches Risiko. Schärfere Klimaschutz-Gesetze könnten zu Abschreibungen bei Geschäften führen, die nicht mehr rentabel betrieben werden können.

Das sind die Ergebnisse einer globalen Unternehmensbefragung des „Carbon Disclosure Projects“ (CDP). Der Think Tank verwaltet die mittlerweile weltweit größte Datenbank zu CO2-Emissionen, Klimarisiken und Reduktionszielen von Unternehmen.

Wasserstand eines Flusses

Stürme, Starkregen, Überschwemmungen oder Dürre: Diese und andere Risiken sind direkt mit dem Klimawandel verbunden. Die Folgen für die Wirtschaft reichen von Sturmschäden beispielsweise an Produktionsstätten über die Unterbrechung globaler Lieferketten bis hin zu Einbußen in der Stromproduktion durch Verknappung des Kühlwassers aufgrund von Trockenperioden.

Womit müssen deutsche Unternehmen rechnen? Wir sprechen mit Peter Herzog, Nachhaltigkeitsexperte bei der BayernLB, über die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels für Unternehmen.

Klimawandel
Interview mit
Peter Herzog
Nachhaltigkeitsexperte bei der BayernLB

Herr Herzog, müssen sich Unternehmen angesichts dieser Zahlen und Einschätzungen Sorgen um ihre Zukunft machen?

Sorgen nicht unbedingt, Gedanken schon. Insbesondere, weil die direkten Folgen des Klimawandels für den Menschen bereits spürbar sind.  Wir haben inzwischen in Deutschland schon doppelt so viele Hitzetage mit mehr als 30 Grad als noch in den achtziger Jahren.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die anhaltend hohen Temperaturen sehr große Auswirkungen auf Wirtschaft, Landwirtschaft und die Gesundheit der Menschen:

  • Die Ernteerträge bei Getreide und Kartoffeln sanken.
  • Die Hälfte der Händler in den Innenstädten klagte nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland über Umsatzeinbußen. Bei tropischen Temperaturen gingen die Menschen lieber an den Badesee als ins Einkaufszentrum.
  • Kernkraftwerke mussten aufgrund der hohen Wassertemperaturen der Flüsse ihre Leistung reduzieren. Sie durften ihr Kühlwasser nicht mehr in die Flüsse einleiten.  
  • Binnenschiffe konnten wegen des Niedrigwassers nicht mehr oder nur mit eingeschränkter Beladung fahren. Der dadurch verursachte Liefer- und Produktionsausfall belastete das Konzernergebnis des Chemieunternehmens BASF beispielsweise mit rund 250 Millionen Euro.
  • Der Energieversorger RWE musste wegen fehlender Kohlelieferungen zeitweise sein Kraftwerk in Hamm herunterfahren.

Und das sind nur einige Beispiele für die physischen Risiken des Klimawandels.

Ein Containerschiff auf einen Fluss

Nun macht ein heißer Sommer noch keinen Klimawandel, oder?

Da haben Sie Recht. Deshalb unterscheiden Meteorologen und Klimaforscher zwischen Wetter und Klima. Hitzesommer werden aber dann für Klimaforscher interessant, wenn sich Muster ändern.

Betrachtet man die zehn Jahre mit den höchsten Durchschnittstemperaturen in Deutschland seit 1881, dann stellt man fest: Acht davon hatten wir zwischen 2010 und 2018.

Klimaforscher rechnen mit einer deutlichen Zunahme von extremen Wetterereignissen. Dazu gehören Hitzewellen und Trockenheit, aber auch Starkregen, Überschwemmungen und Stürme.

Infografik: Temperaturtrend in Deutschland seit 1880

Hintergrund: Fakten zum Klimawandel

Deutschland ist zunehmend von den Folgen des Klimawandels betroffen. Der Anstieg der durchschnittlichen Tempe­ratur im Vergleich zum vorindustriellen Niveau ist mit 1,5 Grad Celsius hier deutlich höher als im globalen Mittel der Erde.

Nach Angaben des Statistischen Amts der EU verursachte im Jahr 2017 jeder Deutsche im Schnitt 11,3 Tonnen CO2-Äquivalente. Das liegt über dem EU-Durchschnitt von 8,8.

Zum Vergleich: In Frankreich lagen die pro-Kopf-Emissionen bei 7,2, in Großbritannien bei 7,7 Tonnen. Weltweit sind seit den 1960er-Jahren die pro-Kopf-Emissionen angestiegen. Dem Rückgang in der EU stehen ein konstant hohes Niveau in den USA und ein starker Anstieg in China gegenüber.

Neben extremen Wetterereignissen sprechen die befragten Unternehmen auch die Auswirkungen einer verschärften Regulierung an. Was kommt auf die Unternehmen zu?

Es lohnt sich darauf zu schauen, was die Regierungschefs beim Weltklimagipfel in Paris konkret beschlossen haben. Im Kern des Paris Agreement stehen zwei Ziele. Das eine ist die häufig zitierte Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf maximal zwei Grad Celsius.

Das andere – und dies ist nach meiner Einschätzung für Unternehmen sehr viel besser nachvollziehbar und greifbar – ist eine weitgehende Dekarbonisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Das bedeutet, dass bis 2050 die Produktionsprozesse in den Unternehmen so gestaltet sein müssen, dass möglichst keine CO2-Emissionen mehr entstehen.

Das ist eine enorme Herausforderung für energieintensive Branchen wie die Papier- und Zementindustrie, aber natürlich auch für die Energieversorger.

Gleichzeitig erwarten die Menschen zunehmend Produkte, die den hohen Klimastandards genügen, also beispielsweise besonders effizient mit Energie umgehen und die Umwelt schonen. Unternehmen müssen also kräftig in die Produktentwicklung investieren.

Inwiefern ist der Mittelstand betroffen?

Der Klimawandel der Welt macht keine Unterschiede: Die mittelständische Wirtschaft ist von diesen Entwicklungen genauso betroffen wie die global agierenden Großunternehmen. Auch der Mittelstand muss sich darüber Gedanken machen, wie sich das Klima auf seine Geschäftsmodelle und Kunden, seine Prozesse und Produkte auswirkt.   

Ein Arbeiter klettert auf ein Windrad

Doch es gibt nicht nur Risiken. Es eröffnen sich auch interessante Marktchancen. Beispiel: der weltweite GreenTech-Markt. Auf ihm werden unter anderem Produkte aus den Bereichen Energieeffizienz, nachhaltige Mobilität und Kreislaufwirtschaft gehandelt. Sein globales Marktvolumen lag 2016 bei rund 3,2 Billionen Euro. Bis 2025 rechnen Experten mit einem Anstieg auf 5,9 Billionen Euro.

Die Bundesregierung hat den Klimaschutzplan 2050 verabschiedet. Was bedeutet das für die Unternehmen?

Der Klimaschutzplan enthält konkrete CO2-Minderungsziele für wichtige Sektoren. So muss beispielsweise die Energiewirtschaft ihre Emissionen bereits bis 2030 um 62 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 senken. Für die Industrie liegt die Messlatte sogar bei 67 Prozent, für den Verkehrssektor bei 42 Prozent.

In den vergangenen Monaten hatten wir eine intensive Diskussion darüber, wie diese Ziele effizient erreicht werden können. Es ging vor allem darum, ob man auf eine Steuerung der Emissionsmenge setzen sollte, wie es im Emissionshandel geschieht. Oder besser auf eine Steuerung des Preises, also eine CO2-Steuer.

Jedes Unternehmen sollte gegebenenfalls einmal durchrechnen, welche Wirkungen eine CO2-Steuer von 40 oder 50 Euro pro Tonne auf das Geschäftsergebnis hätte. Damit bekommt es einen besseren Eindruck von den Auswirkungen.

 

 

Infografik: Sektorziele im Klimaschutzplan

Diskutiert werden auch erweiterte Berichtspflichten für die Unternehmen.

Genau. Wir haben ja bereits seit 2017 eine Nachhaltigkeitsberichtspflicht für kapitalmarktorientierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern. Sie müssen jährlich darüber berichten, was sie in den Bereichen Umwelt- und Klimaschutz, Mitarbeiter oder Korruptionsbekämpfung tun.

Im Gespräch ist jetzt eine zusätzliche Berichterstattung für Unternehmen. Sie soll insbesondere ihre Anleger und Kreditgeber, aber auch Kunden und Geschäftspartner darüber informieren, wie sie mit Klimarisiken umgehen. Das Financial Stability Board (FSB) hat hierzu eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die „Task-Force on Climate-related Financial Disclosures“, kurz TCFD. Sie hat Vorschläge für einen solchen Klimarisikobericht veröffentlicht.

Beispiele: Wie berücksichtigen Unternehmen klimabezogene Risiken in ihrer Unternehmensführung? Wie wirken sich klimabezogene Risiken auf die Geschäftstätigkeit, Strategie und Finanzplanung des Unternehmens aus? Wie identifiziert, beurteilt und steuert das Unternehmen klimabezogene Risiken?

Bislang handelt es sich noch um Empfehlungen. Erste Konzerne kommen ihnen aber bereits auf freiwilliger Basis nach. Ob, und wenn ja, wann und für welche Unternehmen daraus eine Berichtspflicht werden kann, ist derzeit noch nicht absehbar.

Infografik: CO2-Verbrauch pro Kopf im Ländervergleich

Hintergrund: Risiken des Klimawandels

Grundsätzlich können im Zusammenhang mit dem Klimawandel drei Kategorien von Risiken unterschieden werden:

  1. Physische Risiken umfassen die direkten Auswirkungen der Klimaerwärmung. Es wird zwischen chronischen Veränderungen, zum Beispiel dem Anstieg des Meeresspiegels, und akuten Ereignissen wie einer Veränderung der Häufigkeit und Stärke von Extremwetterereignissen, unterschieden.
  2. Transitionsrisiken umfassen Risiken, die sich aufgrund von technologischen Neuerungen, klimapolitischen Maßnahmen wie einer CO₂-Abgabe und der Ausweitung des Emissionshandels oder aus Veränderungen des Kundenverhaltens ergeben könnten.
    Dazu gehören auch Risiken von wertlos gewordenen Vermögenswerten, etwa im Bereich fossiler Energie („Stranded Assets“).
  3. Klimabedingte Haftungsrisiken umfassen insbesondere durch Klimageschädigte geltend gemachte Forderungen gegenüber den Verursachern des Klimawandels.
    Beispiele sind hier die Klage eines peruanischen Bauern gegen den deutschen Energiekonzern RWE sowie der Stadt New York gegen Exxon Mobil wegen falscher Angaben zu den Folgen des Klimawandels.

Was können Unternehmen konkret tun, um sich gegen die Risiken des Klimawandels zu wappnen?

Es gibt eine ganze Reihe von Ansatzpunkten für die Wirtschaft. In erster Linie ist sicherlich die Integration von Klimarisiken in das eigene Risikomanagementsystem entscheidend. Basis ist eine systematische Analyse der möglichen Auswirkungen des Klimawandels.

Das Risikomanagement muss folgende Fragen beantworten:

  • Wie hoch sind meine direkten und indirekten CO2-Emissionen und wo gibt es Ansatzpunkte, diese zu reduzieren?
  • Inwiefern sind meine Kunden vom Klimawandel betroffen und welche Auswirkungen hat dies auf ihre Nachfrage nach meinen Produkten?
  • Wie anfällig sind meine Zulieferer und Lieferwege beispielsweise für extreme Wetterereignisse?
  • Wie gefährdet sind meine Standorte hinsichtlich der Folgen des Klimawandels, zum Beispiel bei steigendem Meeresspiegel oder häufigeren Überschwemmungen durch Hochwasser?

In einem zweiten Schritt müssen Unternehmen dann die geeigneten Maßnahmen auf Grundlage der Analyse entwickeln. Zum Beispiel eine Leistung weiterentwickeln, Zulieferer diversifizieren oder Standorte verlagern. Die Anpassung an den Klimawandel muss in mehreren Schritten erfolgen. Diese Aufgabe hat das Risikomanagement zu leisten.

Interessant kann auch die Risikovorsorge durch Versicherungen sein. Zum Beispiel gegen Extremwetterereignisse und Betriebsunterbrechungen. Unternehmen müssen diese Versicherungen auch einpreisen.

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