
GreenTech-Markt in Deutschland
Die deutschen Unternehmen haben sich durch technische Innovationen einen Spitzenplatz an den weltweiten sogenannten GreenTech-Märkten erarbeitet. Sie hielten 2016 am Weltmarkt für Umwelttechnik und Ressourceneffizienz einen Anteil von 14 Prozent.
Das globale Marktvolumen für Umwelttechnik und Ressourceneffizienz lag im selben Jahr bei mehr als 3,2 Billionen Euro. Das belegt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.
Diese Summe setzt sich aus den Marktvolumina der sechs GreenTech-Leitmärkte zusammen:
- Energieeffizienz
- nachhaltige Wasserwirtschaft
- umweltfreundliche Erzeugung, Speicherung und Verteilung von Energie
- Rohstoff- und Materialeffizienz
- nachhaltige Mobilität
- Kreislaufwirtschaft
Die Chancen für die deutsche Industrie sind immens: Bis 2025 soll das globale Volumen der sechs grünen Leitmärkte auf mehr als 5,9 Billionen Euro steigen.
„Produkte und Verfahren der GreenTech-Märkte leisten einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz“, sagt Peter Herzog, Nachhaltigkeitsspezialist in der BayernLB. „Gleichzeitig erlauben sie ein nachhaltigeres Wirtschaftswachstum, das eine Verbesserung der Lebensverhältnisse ermöglichen kann.“
Grünes Wachstum: Was ist das?
Der GreenTech-Markt steht beispielhaft für die Grundidee des Green-Growth-Ansatzes. Dabei geht es um ein alternatives Wachstumsmodell. Die Idee: Der aufgrund von Umwelt- und Klimaschutz erforderliche Umbau der Wirtschaft muss nicht zwangsläufig zu einem Wohlstandsverlust führen. Er kann im Gegenteil ein starker Treiber für das Wachstum der Wirtschaft und damit für Wohlstand und Lebensqualität sein.
Durch die Erschließung neuer grüner Märkte, durch umwelt- und klimaverträgliche Innovationen und durch ein erfolgreiches Management der Ökosystemleistungen lassen sich, so das Konzept, neue Geschäftsfelder erschließen.

Wie groß ist das Potenzial von Green Growth?
Die deutschen Treibhausgasemissionen sollen bis 2030 um mindestens 65 Prozent und bis 2040 um mindestens 88 Prozent gegenüber 1990 sinken. Bis 2045 soll Deutschland Netto-Treibhausgasneutralität erreichen. Mit dem im März 2026 beschlossenen "Klimaschutzprogramm 2026" hat die Bundesregierung zudem ein Maßnahmenpaket vorgelegt, das mit 67 Maßnahmen bis 2030 zusätzlich mehr als 25 Millionen Tonnen CO2 einsparen soll.
Dazu sind umfangreiche Investitionen erforderlich: Der Umbau der Unternehmen erfordert massive Investitionen in Technik, Prozesse und Produkte. Die EU-Kommission schätzt, dass zur Erreichung der Klima- und Energieziele innerhalb der EU jährlich zusätzlich 180 bis 270 Milliarden Euro investiert werden müssen.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat errechnet, dass allein in Deutschland bis 2050 zusätzliche Investitionen in Höhe von 1,5 bis 2,3 Billionen Euro erforderlich sind, um die Wirtschaft zu dekarbonisieren. Hier eröffnen sich umfangreiche Einsatzmöglichkeiten für GreenTech.
2014 markierte (vielleicht schon) einen globalen Wendepunkt: In diesem Jahr wuchs zum ersten Mal die globale Wirtschaftsleistung, während die CO2-Emissionen sanken. Das führte zu einer Entkopplung von Wachstum und Energieverbrauch. Auch in den Folgejahren blieben die CO2-Emissionen bei wachsendem globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) zumindest stabil.
In Deutschland beobachten wir schon länger eine solche Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch und damit der CO2-Emissionen. So stieg das Bruttoinlandsprodukt zwischen 1990 und 2015 um rund 45 Prozent, während der Primärenergieverbrauch um 11 Prozent sank. Hauptursachen hierfür waren der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Steigerung der Energieeffizienz von Fertigungsprozessen und Produkten durch technischen Fortschritt.
Durch die verbesserte Energie- und Ressourceneffizienz konnten nicht nur die Produktionskosten in den Unternehmen gesenkt werden. Folge des sparsamen Umgangs mit den Ressourcen war auch eine deutliche Reduzierung der Umweltauswirkungen der Produktion. Dazu beigetragen hat allerdings auch die Verlagerung besonders umweltschädlicher Industrien in Länder mit oft niedrigeren Umweltstandards.

Warum Unternehmen jetzt aktiv werden müssen
Der Klimaschutz kennt nicht nur Gewinner. Schon heute ist absehbar, dass sich die Wirtschaft in den kommenden Jahren und Jahrzehnten grundlegend verändern wird.
In einigen Branchen steht das aktuelle Geschäftsmodell auf der Kippe: etwa bei den Betreibern fossiler Kraftwerke oder den mit Kohleabbau befassten Sektoren.
Andere Branchen werden die derzeit genutzten Anlagen und Technologien wie den fossilen Verbrennungsmotor nicht mehr in heutigem Umfang einsetzen können. Das wiederum beeinflusst die Geschäfts- und Ertragspotenziale von Unternehmen und damit ihre Bonität, Dividendenfähigkeit und auch die Aktienkurse.
Auch Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen müssen sich auf Veränderungen einstellen. Einige Berufe werden wegfallen, neue werden entstehen. Die Anforderungen an die Bereitschaft zur Neuorientierung und Qualifikation steigen.
Grüne Finanzprodukte holen auf
Das grüne Wachstum ist ohne grüne Finanzprodukte kaum vorstellbar. Hier hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Beinahe schon etabliert sind Green Bonds, bei denen der Emissionserlös gezielt in Klima- und Umweltschutzprojekte investiert wird oder solche Projekte refinanziert werden.
Noch vergleichsweise neu sind entsprechende Ansätze auf der Finanzierungsseite. So werden beispielsweise bei Green Loans die aufgenommenen Mittel zweckgebunden in ökologische Projekte investiert.
Bei Sustainability Linked Loans hängen die Finanzierungskonditionen davon ab, wie sich die Leistungen der Unternehmen für den Klimaschutz und eine nachhaltige Entwicklung entwickeln.
Klima- und Nachhaltigkeitsziele der internationalen Staatengemeinschaft:
Im Jahr 2015 hat sich die internationale Staatengemeinschaft gleich auf zwei ambitionierte Ziele verständigt:
- Mit der 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung wurden 17 Sustainable Development Goals (SDGs) beschlossen. Sie sollen bis 2030 weltweit zu mehr Wohlstand, sozialer Teilhabe und Umweltschutz beitragen.
- Mit dem Pariser Klimaabkommen wurde vereinbart, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und möglichst auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken. Dafür soll in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts ein Gleichgewicht zwischen ausgestoßenen Treibhausgasen und deren Aufnahme durch natürliche oder technische Senken erreicht werden.
Green Growth: Vier Hauptziele
Wie kann man aber beide Ziele – die Verbesserung der auch materiellen Lebensbedingungen und das dafür erforderliche Wirtschaftswachstum und die Klimaziele – im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung in Einklang bringen?
Und dies, wenn man bedenkt, dass das Wachstum der Wirtschaft in der Vergangenheit regelmäßig mit einem steigenden Verbrauch von Ressourcen und Energie und damit mit steigenden CO2-Emissionen verbunden war?
Dazu entwickelte die OECD die Idee von Green Growth. Mit den Green Growth Indicators misst sie seit 2014 den Fortschritt bei der Umsetzung.
Die vier Hauptziele sind:
- Schaffung einer CO2-armen, ressourceneffizienten Wirtschaft
- Erhalt des Naturkapitals, insbesondere durch geschlossene Stoffkreisläufe
- Verbesserung der Lebensqualität der Bevölkerung
- Umsetzung geeigneter Politikmaßnahmen und Nutzung der sich durch ein klima- und umweltverträgliches Wachstum ergebenden wirtschaftlichen Chancen


