
Eine Stop-Loss-Order kann ein Wertpapier automatisch verkaufen, wenn der von Ihnen festgelegte Kurs erreicht oder unterschritten wird.
Sie kann Verluste begrenzen oder Gewinne absichern, garantiert bei schnellen Kursbewegungen aber keinen bestimmten Verkaufspreis.
Stop-Limit-Orders bieten eine Preisgrenze, können jedoch unerledigt bleiben; prüfen Sie deshalb Ihre Order-Einstellungen und Kosten genau.
Wer in Wertpapiere investiert, kennt das: Der Kurs einer Aktie kann innerhalb kurzer Zeit fallen – etwa nach Unternehmensnachrichten oder in einer unruhigen Börsenphase. Gerade wenn Sie nicht ständig auf Ihr Depot schauen möchten, kann eine Stop-Loss-Order helfen. Sie ist ein Auftrag an Ihre Sparkasse, Ihre Bank oder Ihren Broker, ein Wertpapier bei einem vorher bestimmten Kurs automatisch zu verkaufen.
Das klingt nach einem Sicherheitsnetz. Das kann es auch sein. Doch schützt eine solche Order nicht vor jedem Risiko. Damit Sie entscheiden können, ob sie zu Ihrer Anlagestrategie passt, sollten Sie ihre Funktionsweise und ihre Grenzen kennen.
Was ist eine Stop-Loss-Order?
Eine Stop-Loss-Order ist eine Verkaufsorder mit einer Bedingung: Sie legen einen Kurs fest, bei dem der Verkauf angestoßen werden soll. Fällt der Kurs Ihres Wertpapiers auf diesen Wert oder darunter, wird die Order ausgelöst. Anschließend versucht das Handelssystem, die Position zu verkaufen.
Das Loss in Stop-Loss steht für Verluste: Was bedeutet, dass Sie damit Ihre Verluste stoppen oder begrenzen können. Allerdings können Sie die Stop-Loss-Order auch nutzen, wenn Ihre Position im Plus ist. Liegt Ihr Stop-Loss-Betrag oberhalb des Wertpapier-Kaufpreises können Sie bei rückläufigen Kursen zumindest einen Teil des Gewinns mitnehmen. Für Anlegerinnen und Anleger ist das vor allem dann hilfreich, wenn sie eine Position nicht fortlaufend beobachten können oder wollen. Statt bei jeder Kursschwankung selbst zu handeln, wird eine vorher festgelegte Regel automatisch umgesetzt.
Wichtig: Eine Stop-Loss-Order ist keine Garantie für einen bestimmten Verkaufspreis. Wird sie ausgelöst, kann sie – abhängig vom gewählten Ordertyp – zu einer normalen Verkaufsorder werden. Zu welchem Preis sie tatsächlich ausgeführt wird, hängt dann vom Markt und der aktuellen Nachfrage ab.
So funktioniert der Schutz in der Praxis
Angenommen, Sie kaufen eine Aktie für 100 Euro. Sie möchten Ihre möglichen Verluste begrenzen und setzen deshalb eine Stop-Loss-Order bei 85 Euro. Solange der Kurs über 85 Euro liegt, passiert nichts. Sinkt er auf 85 Euro, wird der Auftrag aktiviert.
Stop-Loss-Order bei Verlusten
Bei einer klassischen Stop-Order wird daraus in der Regel eine unlimitierte Verkaufsorder. Das Wertpapier wird dann zum nächstmöglichen Preis verkauft. In einem ruhigen Markt kann das nahe bei 85 Euro sein. In einem volatilen Markt kann der tatsächlich erzielte Preis jedoch deutlich niedriger liegen – beispielsweise, wenn der Kurs plötzlich von 86 auf 80 Euro fällt. Dieses Risiko wird auch Kurslücke genannt.
Die Order kann Ihnen also helfen, große Verluste zu vermeiden. Sie kann aber nicht garantieren, dass Ihre Aktie genau zum von Ihnen gesetzten Wert verkauft wird.
Stop-Loss-Order bei Gewinnen
Ein weiteres Beispiel zeigt, dass Sie damit auch Ihre Gewinne realisieren können: Sie haben eine Aktie zu 100 Euro gekauft. Mittlerweile ist sie 150 Euro wert und Sie setzen Sie einen Stop-Loss bei 130 Euro. Sobald der Kurs auf die gesetzte Schwelle fällt, wird die Order ausgeführt. Angenommen, der Verkauf kann zum Limitpreis durchgeführt werden, haben Sie sich damit einen Gewinn von 30 Euro (abzüglich Ordergebühren) gesichert.
Stop-Loss und Stop-Limit: Was ist der Unterschied?
Neben der Stop-Loss-Order gibt es die Stop-Limit-Order. Beide Ordertypen starten mit einem Stop-Kurs. Der entscheidende Unterschied liegt darin, was danach geschieht:
- Stop-Loss: Sobald der festgelegte Kurs erreicht ist, wird eine Verkaufsorder ohne Preisgrenze ausgelöst. Die Position kann dadurch meist zügig verkauft werden, der endgültige Preis ist aber offen.
- Stop-Limit: Sie setzen zusätzlich ein Limit. Nach dem Auslösen darf nur zu diesem Limit oder einem höheren Preis verkauft werden. Das verhindert einen Verkauf weit unter Ihrer Preisvorstellung, kann aber dazu führen, dass die Order nicht ausgeführt wird.
Ein Beispiel: Sie haben einen Stop bei 85 Euro und ein Limit bei 82 Euro gesetzt. Fällt der Kurs direkt auf 80 Euro, darf nicht verkauft werden. Sie behalten das Wertpapier, obwohl der Kurs weiter fallen könnte. Bei stark volatilen Kursen ist das eine wichtige Abwägung.
Stop-Loss-Order platzieren: Schritt für Schritt
Wie Sie eine Order platzieren, hängt von Ihrem Depotanbieter ab. Meist wählen Sie im Online-Banking oder in der Depot-App zunächst das Wertpapier aus. Danach gehen Sie typischerweise so vor:
Öffnen Sie die Verkaufsmaske für Ihre Position.
Wählen Sie als Ordertyp „Stop-Loss“ oder „Stop-Limit“.
Tragen Sie den Stop-Kurs ein, bei dem der Auftrag ausgelöst werden soll.
Bei einer Stop-Limit-Order legen Sie zusätzlich das Limit fest.
Bestimmen Sie die Gültigkeit der Order, zum Beispiel nur für einen Tag oder bis zu einem bestimmten Datum.
Prüfen Sie Handelsplatz, Stückzahl und Angaben sorgfältig, bevor Sie die Order erteilen.
Beim Trading werden solche Instrumente häufig genutzt. Für private Anlegerinnen und Anleger gilt dennoch: Eine Stop-Loss-Order ersetzt keinen Plan. Überlegen Sie vorab, warum Sie das Wertpapier gekauft haben, wie viel Risiko Sie tragen können und wann Sie Ihre Entscheidung überprüfen möchten.
Welcher Stop-Kurs ist sinnvoll?
Einen Stop-Kurs, der für alle passt, gibt es nicht. Setzen Sie ihn zu eng, kann eine normale tägliche Schwankung die Order auslösen – und Ihre Aktie wird verkauft, obwohl sich der Kurs kurz darauf erholt. Setzen Sie ihn sehr weit entfernt, nehmen Sie relativ hohe Verluste in Kauf.
Als Orientierung können Sie sich fragen: Welchen Rückgang kann und will ich finanziell sowie emotional akzeptieren? Berücksichtigen Sie außerdem, wie stark das Wertpapier üblicherweise schwankt. Aktien junger Unternehmen oder Fonds mit besonderen Schwerpunkten bewegen sich oft stärker als breit gestreute Anlagen. Auch die Entwicklung des gesamten Markts spielt eine Rolle.
Manche Trader passen den Stop-Kurs nach steigenden Kursen an, um erzielte Gewinne abzusichern. Das wird häufig als nachgezogener Stop bezeichnet. Ob diese Vorgehensweise für Sie geeignet ist, hängt von Ihrer Anlagestrategie ab. Häufiges Ändern kann zu unnötigem Trading führen und dabei Kosten verursachen.
Es gibt auch einen sogenannten Trailing Stop-Loss, der dem Kurs in einem festgelegten Abstand folgt (trailing ist Englisch für folgen). So liegt Ihr Verkaufslimit beispielsweise immer 10 Prozent unter dem höchsten Kurs, den die Aktie oder das Wertpapier erreicht hat.
Der Abstand kann auch ein fester Eurobetrag sein, statt sich prozentual auf den Kurs zu beziehen. Beispiel: Sie legen einen Trail-Betrag von 10 Euro fest für eine Aktie, die bei 100 Euro steht. Die Aktie steigt recht kontinuierlich auf 120 Euro. Sobald sie um 10 Euro auf 110 Euro fällt, wird Ihre Stop-Loss-Order ausgeführt. Wäre die Aktie direkt von 100 Euro auf 90 Euro gefallen, hätte die Order bei 90 Euro gegriffen.
Vorteile einer Stop-Loss-Order
- Verluste begrenzen
Sie kann Verluste begrenzen, wenn ein Kurs stark sinkt.
- Automatische Umsetzung
Sie setzt eine zuvor getroffene Entscheidung automatisch um, auch wenn Sie nicht online sind.
- Weniger Bauchentscheidungen
Sie kann helfen, in hektischen Börsenphasen nicht ausschließlich aus dem Bauch heraus zu handeln.
- Zusätzliche Regel fürs Depot
Sie lässt sich für einzelne Wertpapiere einsetzen und gibt Ihrer Depotstruktur eine zusätzliche Regel.
- Entlastung für Einsteiger
Besonders für Menschen mit ersten Anlageerfahrungen kann die klare Grenze entlasten. Eine Order nimmt Ihnen allerdings nicht die Aufgabe ab, Ihre Geldanlage regelmäßig zu prüfen.
Nachteile und Risiken: Das sollten Sie beachten
Der größte Nachteil: Eine Stop-Loss-Order kann zum Verkauf führen, obwohl sich der Kurs danach rasch erholt. Das passiert etwa bei kurzfristigen Ausschlägen. Dann sind Sie nicht mehr investiert und mögliche spätere Gewinne gehören nicht mehr Ihnen.
Zudem kann die Order bei schnellen Kursbewegungen unter dem Stop-Kurs ausgeführt werden. Das gilt insbesondere, wenn wenige Kaufinteressierte am Markt sind. Auch bei einer Stop-Limit-Order besteht ein Risiko: Liegt der Kurs unter Ihrem Limit, wird möglicherweise gar nicht verkauft.
Achten Sie auch auf die Kosten. Das Setzen oder Ändern einer Order kann je nach Preis- und Leistungsverzeichnis kostenfrei sein. Wird die Order ausgeführt, fallen jedoch üblicherweise die Entgelte einer Wertpapier-Verkaufsorder an. Informieren Sie sich daher vorab bei Ihrem Depotanbieter über die Konditionen.
Sollte ich immer einen Stop-Loss setzen?
Nein. Ob ein Stop-Loss sinnvoll ist, hängt von Ihrer Strategie, Ihrem Anlagehorizont und dem Wertpapier ab. Wer langfristig und breit gestreut investiert, kann kurzfristige Kursbewegungen anders bewerten als jemand, der einzelne Aktien oder gar gehebelte Zertifikate handelt. Eine automatische Verkaufsregel sollte zu Ihrem Ziel passen.
Nehmen Sie sich deshalb Zeit: Prüfen Sie, welchen möglichen Verlust Sie tragen können, lesen Sie die Bedingungen Ihres Anbieters und achten Sie auf die gewählte Börse. Wenn Sie unsicher sind, kann ein Gespräch mit Ihrer Beraterin oder Ihrem Berater helfen.
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