Wer einen Kredit aufnimmt, kann nur schlecht mit Geld umgehen? Stimmt das?

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Das ist ein Vorurteil. In manchen Situationen sind Kredite sehr sinnvoll.

Günstige Kredite können verführerisch sein. Denn sie versprechen uns die schnelle Erfüllung unserer Wünsche. Natürlich ist es in Ordnung, sich Träume zu erfüllen. Einfach, weil es gerade zum Leben passt. Und: Für Investitionen in unsere Zukunft ist eine Kreditaufnahme ohnehin oft sehr sinnvoll. Dennoch sollte sie jeder grundsätzlich gut durchdenken.

 

Der Mensch ist ein homo aestheticus. Das ist wissenschaftlich bewiesen und bedeutet, dass wir überaus großen Wert auf schöne Dinge legen. Reisen an sonnige Orte, schicke Kleidung, eine geschmackvoll eingerichtete Wohnung und schnittige Autos stehen ganz oben auf der Liste. Das ist nicht verwerflich, sondern Teil unserer Veranlagung. Schon in der Antike haben die Menschen sehr viel Zeit für ihr Aussehen aufgewendet.

Auch ganz fernab vom Thema Schönheit haben wir viele Träume: Manche wollen mit einer Harley Davidson über die Route 66 fahren oder zur Biennale nach Venedig fliegen. Andere nach Neuseeland reisen, um dort auf den Spuren der Hobbits zu wandern oder die Kultstätten der Maori zu bewundern. Am besten mit der ganzen Familie.

 

Viele wollen mehr

All das kostet Geld. Womöglich auch Geld, über das wir nicht automatisch verfügen, sondern für das wir einen Kredit aufnehmen müssen. Grundsätzlich ist das in Ordnung. Vorausgesetzt, dass wir die dafür anfallenden Raten zuverlässig zurückzahlen können.

Außerdem sollte gewährleistet sein, dass wir weiterhin jeden Monat so wichtige Dinge wie Altersvorsorge, Sparbeträge und Absicherungen bezahlen können. Ist das der Fall, steht der Kreditaufnahme nichts entgegen, denn so gehen wir verantwortungsbewusst mit unseren Finanzen um.

 

Ganz wichtig: Finanzen immer im Griff haben

Aber bei manchen gewinnen die Träume die Oberhand: Sie nehmen Kredite auf, die sie nicht zurückzahlen können. Über Menschen, die sich so verhalten, sagt der Volksmund, dass sie nicht mit Geld umgehen können.

Es ist aber auch zu verführerisch. Gerade jetzt, da überall günstige oder gar zinslose Finanzierungen zu haben sind, ist es nicht mehr nötig zu sparen, um sich Wünsche zu erfüllen. Viele Menschen kaufen sich lieber heute als morgen, wovon sie schon lange geträumt haben – oft auch zu viel davon.

Das kann zu einem echten Problem werden. So zeigt eine aktuelle Übersicht des Statistik-Portals statista, dass allein im vergangenen Jahr durchschnittlich rund zwei Prozent aller Ratenkredite ausgefallen sind. Die Schuldner konnten sie nicht mehr bezahlen. Bei den 20- bis 40-Jährigen waren es sogar rund drei Prozent.

 

Über Geld spricht man doch. Oder: Man sollte es zumindest

Eine andere Umfrage hat herausgefunden, dass Geld weitestgehend noch immer ein Tabuthema ist, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete. Demnach gaben zwar 86 Prozent der Befragten an, die in einer Beziehung leben, mit ihren Lebensgefährten über ihr Erspartes, ihr Monatsgehalt oder den Preis für das neue Auto zu sprechen.

Doch sehr viel geringer fällt diese Zahl laut der Umfrage mit Blick auf andere Beziehungen aus: Mit den eigenen Eltern reden nur 35 Prozent der Umfrage-Teilnehmer, mit engen Freunden 32 Prozent und mit den Geschwistern oder den eigenen Kindern gar nur 18 bzw. 17 Prozent. Meist heißt es nach wie vor: Über Geld spricht man nicht. Auch nicht mit einem Finanzberater: Den konsultieren demzufolge nur ein Fünftel der Befragten.

Doch gerade wenn es knapp wird, oder eine wichtige Anschaffung ins Haus steht, sollte man darüber sprechen. Vor allem dann, wenn man erwägt, einen Kredit aufzunehmen. Vor allem das offene Gespräch mit einem kompetenten Finanzberater hilft, sich besser darüber klar zu werden, wie man sich entscheidet sollte.

Denn ist eine Kreditaufnahme gut durchdacht, kann sie sehr sinnvoll sein. Vor allem dann, wenn es sich um Investitionen in unsere Zukunft handelt oder dafür sorgt, dass wir unseren Alltag einfacher bewältigen können.

 

Kredite können Zeit und Geld sparen

Was kann das sein? Unter anderem ein eigenes Zuhause, um keine überteuerten Mieten mehr zahlen zu müssen. Oder ein Auto, in dem wir an unseren Arbeitsplatz gelangen, den wir sonst nur schwer erreichen könnten. Auch Geldbedarf für eine Aus- oder Weiterbildung kann für eine Kreditaufnahme sprechen.

Denn sie ermöglicht bessere Aussichten auf dem Arbeitsmarkt und meist ein höheres Einkommen. Oftmals gibt es die Möglichkeit, geförderte (und somit günstigere) Darlehen zu erhalten. Oder der Arbeitgeber unterstützt eine Weiterbildung anteilig.

Es sind auch viele Dinge des täglichen Gebrauchs, die sich schnell bezahlt machen – eine Waschmaschine zum Beispiel: Sie spart Zeit und Geld. Denn sie ist auf Dauer sehr viel günstiger als der Gang in einen Waschsalon.

In diesen und sicherlich auch vielen anderen Fällen sind Kredite sehr sinnvoll und kein Zeichen dafür, dass man nicht mit Geld umgehen kann. Wer kein Risiko eingehen möchte, kann sich jederzeit den Rat eines erfahrenen Finanzberaters einholen – und so herausfinden: Wie viel Kredit kann ich mir eigentlich leisten?

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