6 Steuertipps zum Jahresende 2021

So können Sie noch mal richtig Geld sparen

Wer bis zum Jahresende noch einmal gezielt Geld ausgibt, kann sparen. Kurz vor dem Jahreswechsel kann es sich lohnen, die Bürokratiephobie zu überwinden und eine freiwillige oder ohnehin fällige Steuererklärung noch schnell einzureichen. Oft lässt sich so die Steuerlast nachträglich senken und eine willkommene Rückzahlung vom Finanzamt (FA) erwirken. Mit unseren sechs Tipps erfahren Sie, wie Sie kurz vor dem Jahres­wechsel steuerliche Vorteile geltend machen können.

Frau mit Tablet am Schreibtisch

Mit diesen sechs Tipps ist gut Steuern sparen:

Tipp 1: Steuererklärung(en) aus den Vorjahren nachreichen

Klar, das Ausfüllen von Steuererklärungen gehört nicht gerade zu den populärsten Zeitvertreiben. Und wer als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer in Steuerklasse IV ist und keine Nebeneinkünfte hat, mag sich freuen, nicht Jahr für Jahr eine Einkommensteuererklärung abzugeben zu müssen. Hier sorgt in der Regel die Firma dafür, dass ihre Steuern und Abgaben vollständig und korrekt an die Empfangsberechtigten Ämter und Sozialversicherungen fließen.

Dennoch wird es sich meist lohnen, eine Steuererklärung freiwillig abzugeben. Nur, wer seine Steuererklärung einreicht, kann zum Beispiel vom Lohsteuerjahresausgleich profitieren. Dafür räumt das FA sogar vier Jahre Zeit bis zur Abgabe ein. Das heißt: Wer jetzt noch eine freiwillige Steuererklärung für das Jahr 2017 abgeben möchte, kann diese nur noch bis zum 31. Dezember 2021 bei seinem FA einreichen – danach ist es zu spät.

Auch wenn es schwerfällt: Es lohnt es sich, innere Widerstände zu überwinden und vor dem Jahreswechsel schnell noch eine oder sogar mehrere freiwillige Steuererklärungen einzureichen. Und wen nun richtig der Ehrgeiz packt, der oder die könnte bis Silvester gegebenenfalls bis zu fünf Steuererklärungen einreichen – und sich im nächsten Jahr über einen schönen Geldsegen freuen.  

Tipp 2: Jobkosten geltend machen

Mit dem Job zusammenhängende Kosten werden vom FA per Werbekostenpauschale mit der jährlichen Steuerschuld verrechnet. Pauschal billigt das Finanzamt jedem Steuerpflichtigen 1.000 Euro Werbungskosten zu. Häufig liegen die tatsächlichen Arbeitskosten aber höher.

Jeder Euro, den die Jobkosten über der Werbekostenpauschale liegen und der in der Steuererklärung geltend gemacht wird, verringert die veranlagte Einkommensteuer. Das lässt sich ausnutzen, indem man solche Ausgaben eventuell noch vorzieht. Wer beispielweise im nächsten Jahr privat eine Fortbildung plant, kann diese jetzt bezahlen und die Kosten bereits in der Steuererklärung für 2021 absetzen.

Auch wer für die Arbeit längere Strecken pendelt, häufig verreist oder eine Zweitwohnung am Arbeitsplatz mietet, kann die entstandenen Kosten absetzen. Geltend machen lassen sich auch eigene Anschaffungen fürs Homeoffice. Jede private Investition in die Büroausstattung zu Hause kann steuerlich relevant sein.

Arbeitsmittel für Bücher und Büroausstattung bis 800 Euro netto können vollständig im Jahr des Kaufs abgesetzt werden. Überschreiten die Anschaffungskosten – etwa für einen Bürostuhl oder einen Schreibtisch – diesen Betrag, müssen die Kosten auf die Jahre der voraussichtlichen Nutzungsdauer aufgeteilt werden.

Ab dem Steuerjahr 2021 gilt die 800 Euro Obergrenze jedoch nicht mehr für Personal Computer, Peripheriegeräte und Software. PC, Drucker, Monitore und Co. können nun im Jahr des Kaufs steuerlich vollständig abgesetzt werden. Eine Aufteilung der Anschaffungskosten ist nicht mehr erforderlich. Mit dem Steuersparrechner der Stiftung Warentest lässt sich herausfinden, wie viel Steuerersparnis zusätzliche Jobkosten bringen.

Tipp 3: Handwerkerrechnungen optimal einsetzen

In fast jedem Haushalt fallen hin und wieder Renovierungs- und Reparaturarbeiten an. Handwerkerechnungen sind zwar oft kostspielig, ein Teil des Geldes lässt sich aber mit der Steuererklärung zurückholen. Denn 20 Prozent der in einer Handwerksrechnung enthaltenen Arbeits-, Fahrt- und Maschinenkosten können direkt von der Steuerschuld abgezogen werden.

Die jährliche Höchstgrenze für die Geltendmachung von Handwerkerleistungen beträgt 6.000 Euro. Jährlich werden also maximal bis zu 1.200 Euro als Steuerrabatt erstattet. Wer den Höchstbetrag 2021 bereits ausgeschöpft hat, sollte Renovierungs- und Reparaturen daher wo immer möglich ins nächste Jahr verschieben.

Damit Handwerksausgaben vom Finanzamt anerkannt werden, muss der rechnungsstellende Handwerker oder Betrieb eine ordnungsgemäße Rechnung ausstellen. Diese muss zudem per Überweisung oder elektronisch bezahlt werden. Barzahlungen gegen Quittung reichen dem Finanzamt nicht als Nachweis. Erforderlich ist ferner, dass der Arbeits- und Fahrtkostenanteil in der Rechnung separat ausgewiesen werden, da gegebenenfalls enthaltene Materialkosten steuerlich nicht absetzbar sind.

Tipp 4: Gesundheitskosten als „außergewöhnliche Belastungen“ zusammenfassen

Auch hohe Ausgaben für Krankheit und zur Linderung von Krankheitsfolgen können die persönliche Steuerlast senken. Darunter fallen unter anderem private Zahlungen für Brillen, Zahnersatz, Physiotherapie sowie für Krankenhausaufenthalte, Kuren und Medikamente.

Über ein ganzes Jahr gerechnet können hier schnell höhere Summen zusammenkommen. Überschreiten die nachweisbaren Krankheitskosten die steuerlich zumutbare Grenze, erkennt das Finanzamt sie als außergewöhnliche Belastung an. Wer seine individuelle, steuerliche Belastungsgrenze fast erreicht oder bereits überschritten hat, kann überlegen, anstehende Krankheitskosten in das laufende Steuerjahr zu holen und beispielsweise eine benötigte Brille noch im Dezember zu kaufen und – ganz wichtig – noch vor dem Jahreswechsel zu bezahlen.

Wie hoch die Belastungsgrenze Krankheitskosten im konkreten Einzelfall ist, hängt vom Jahreseinkommen und der Anzahl unterhaltspflichtiger Kinder ab. Laut Rechner der Stiftung Warentest beträgt die zumutbare Belastung eines kinderlosen Arbeitnehmers, der im Jahr 2021 Einkünfte in Höhe von 50.000 Euro hat, rund 2.846,00 Euro.

Weitere außergewöhnliche Belastungen im Sinne des Steuerrechts können Pflegekosten, Bestattungs- oder Unterhaltkosten sein. Auch hier kann es sich lohnen zu prüfen, ob die steuerlich relevante zumutbare Belastung im veranlagten Steuerjahr überschritten wurde. 

Tipp 5: Spenden als Sonderausgaben absetzen

Deutschland ist ein Land der Spenderinnen und Spender. Im Jahr 2021 wird hierzulande das Gesamtvolumen der Spenden zwölf Milliarden Euro deutlich übersteigen, prognostiziert das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DIZ).  Dazu habe auch die sehr große Unterstützung für die vom Hochwasser im Westen Deutschlands betroffenen Menschen beigetragen.  Was viele Spenderinnen und Spender nicht wissen: Vorausgesetzt, dass sich die jeweilige Spende nachweisen lässt und die Gemeinnützigkeit des Spendenempfängers vom FA anerkannt wird, können Spenden die eigene Steuerlast mindern. Spenderinnen und Spendern gegenüber zeigt sich der Staat sogar besonders großzügig: Bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags ihrer Einkünfte können Steuerpflichtige für ihre Spenden absetzen.

Für Spenden bis jeweils 300 Euro (vor 2021 bis 200 Euro) reicht als Nachweis ein Bareinzahlungs- oder Kontobeleg. Empfänger, Kontonummer, Buchungstag und Spendenbetrag müssen auf der Buchungsbestätigung zu erkennen sein. Liegt der Spendenbetrag über dieser Grenze, fordert das Finanzamt eine Spendenquittung beziehungsweise eine formale Zuwendungsbescheinigung des Empfängers. Mit dem Spendenrechner der Stiftung Warentest können Sie ermitteln, wie viel Steuern Sie mit Ihrer Spende sparen.

Tipp 6: Splittingvorteil nutzen

Der letzte Tipp wendet sich an Eheleute und eingetragene Lebenspartner und -partnerinnen. Diese sollten prüfen, ob ihre Lohnsteuerklasse für sie noch passend ist. Gerade kurz vor dem Jahresende kann dies sinnvoll sein. Denn Eheleute und eingetragene Lebenspartnerinnen und -partner haben die Wahl, sich für die Steuerklasse IV beziehungsweise IV plus Faktor für beide Parteien oder für die Kombination der Steuerklassen III und V zu entscheiden. (Durch den Faktor berück­sichtigt das Finanz­amt den Splitting­vorteil bereits während des Jahres.)

Bei annähernd gleichen Einkommen der Parteien wird für beide meist die Steuerklasse IV empfohlen. Verändert sich vorhersehbar das Verhältnis der Einnahmen zwischen den Partnern und Partnerinnen im kommenden Jahr erheblich, etwa durch eine anstehende Beförderung oder einen anderen Job, kann sich der Wechsel in eine andere Steuerklassenkombination lohnen. Die Kombination der beiden Steuerklassen III und V ist bei stark unterschiedlichen Einkommen steuerlich oft vorteilhaft, könnte längerfristig aber für eine Partei auch Nachteile mit sich bringen. Da gilt es sorgfältig abzuwägen.

Die Kombination der Steuerklassen III und IV lohnt sich besonders, wenn ein Ehepartner oder eine Ehepartnerin kurzfristig Lohn­ersatz­leistungen wie Eltern-, Arbeits­losen- oder Kurz­arbeitergeld erwartet. Die Partei, die den Lohn­ersatz bekommt, sollte die Steuerklasse III wählen. Denn für die Höhe des Lohn­ersatzes ist das letzte Netto­einkommen entscheidend. Dieses fällt in Steuerklasse III höher aus, weil weniger Steuern abgehen. Der Wechsel kann sich lohnen, selbst wenn dadurch die andere Partei die Klasse V erhält und mehr Lohn­steuer zahlen muss. Zu viel gezahlte Lohn­steuer können sich Paare im Rahmen ihrer Steuererklärung erstatten lassen.

(Stand 09.12.2021)


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