Coronakrise: Soll ich jetzt Fondsanteile oder Aktien kaufen?

Über den Kauf und Verkauf von Wertpapieren und den richtigen Zeitpunkt dafür

Die Coronakrise ist nichts für schwache Nerven. Die Anleger am Aktienmarkt gehen derzeit durch ein wahres Wechselbad der Gefühle. Wir zeigen Ihnen, was Sie jetzt mit Ihrem Sparplan tun sollten und ob es sich lohnt, neu einzusteigen.

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Auch wenn der Blick auf die roten Zahlen schmerzt: Erst mit einem Verkauf Ihres Fonds erleiden Sie einen Verlust.
Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank

Seit dem Beginn der Coronakrise hat es dramatische Schwankungen an der Börse gegeben. Zuerst stürzte der deutsche Leitindex so tief ab wie zuletzt in der Finanzkrise 2008 / 2009. Zwischenzeitlich ging es so stark bergauf wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr.

Auch wenn die Schwankungen von Ende Februar bis Ende Oktober besonders heftig ausgefallen sind – an der Börse sind diese Bewegungen üblich: Seit seiner Einführung musste der Deutsche Aktien-Index (Dax) jede Menge Krisen überstehen.

Mal fielen sie kurz und heftig aus, mal länger und zäh. Aber am Ende hat der Dax die Kurstäler immer hinter sich gelassen – und seinen langfristigen Aufwärtstrend fortgesetzt.

Die Wertpapier-Experten der Deka halten die Pandemie für ein schwerwiegendes, jedoch temporäres Problem. Spätestens seit der Ankündigung eines Corona-Impfstoffes gegen das Virus bestehen gute Aussichten, dass wir eine nachhaltige Erholung an den Börsen erleben werden.

Dennoch kann es weiterhin zu schwankenden Kursen kommen. Vorerst ist aber nicht mehr damit zu rechnen, dass sie so heftig ausfallen werden.

Ich habe Wertpapiere und hohe Verluste – was soll ich tun?

Sie sollten die Nerven behalten. Beschäftigen Sie sich nicht stündlich mit den neuesten Corona-Zahlen und Börsenkursen. Überlegen Sie: Wie stellen Sie sich die Welt in ein oder zwei Jahren vor?

Der Impfstoff steht in mehreren Ländern kurz vor der Zulassung. Bald wird die Coronakrise und der Konjunktureinbruch überstanden sein. Bei so einer Betrachtung wird klar, dass langfristig orientierte Wertpapieranleger investiert bleiben können.

Wollen Sie unbedingt verkaufen, lautet die wichtigste Frage: Benötigen Sie das Geld aus Ihren Wertpapieranlagen aktuell, zum Beispiel, um kurzfristige Ausgaben wie einen Immobilienkauf zu finanzieren?

Ist dies nicht der Fall, spricht derzeit wenig dafür, aus laufenden Wertpapier-Investitionen auszusteigen. Denn: Einen realen Verlust erleidet der Wert Ihrer Anlagen bei einem voreiligen Verkauf. Geben Sie den langfristig angelegten Geldern lieber die Chance, sich nach Überwindung der Krise wieder zu entwickeln.

Soll ich jetzt Fondsanteile oder Aktien kaufen?

Das hängt davon ab, wie viel Geld Sie frei zur Verfügung haben – und wie gut Ihre Nerven sind. Erst einmal gibt es gute Chancen für weitere Kursgewinne.

Die aktuelle Marktlage bietet Einstiegsgelegenheiten, vor allem für langfristig orientierte Anleger. Es weiß allerdings niemand, ob wir schon wirklich die Tiefstkurse gesehen haben, oder ob es noch tiefer gehen wird.

Den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, ist so etwas wie der heilige Gral an den Aktienmärkten: Niemand findet ihn.
Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank

Wenn Sie nicht auf dem Höhepunkt des Marktes einkaufen, sondern weit darunter, verbessern Sie Ihre Chancen auf eine ordentliche Rendite. Gleichzeitig vermindert sich das Risiko, lange in der Verlustzone zu bleiben. Beide Effekte wirken sich auf Ihren Gewinn aus.

Weitere Möglichkeit: Einmalanlagen in kleinere Portionen aufteilen. Diese können Sie sukzessive investieren. Wichtig: Nutzen Sie nur vorhandenes Geld UND verschulden Sie sich nicht für neue Käufe.

Was soll ich mit meinem Fondssparplan machen?

Auch wenn der Blick auf die roten Zahlen schmerzt: Erst mit einem Verkauf Ihres Fondsportfolios erleiden Sie einen Verlust. Lassen Sie Ihre Fondssparpläne hingegen weiterlaufen – oder erhöhen Sie in der aktuellen Situation sogar Ihre Raten – zahlt es sich umso mehr aus, wenn die Kurse langfristig wieder steigen.

Dafür sorgt der sogenannte Durchschnittskosteneffekt (auch als Cost Average Effect bekannt). Denn bei niedrigen Kursen kaufen Sie für den gleichen Sparbetrag mehr Fondsanteile ein. Ihr Depot wächst – und damit auch sein Wert.

Gibt es auch Gewinner der Coronakrise?

Ja. Zum Beispiel Aktien von Firmen, die das Leben in der eigenen Wohnung angenehmer machen wie Online-Händler, Lieferdienste für Essen oder Streaming-Anbieter.

Auch Unternehmen, die Pharma- oder Gesundheitsprodukte herstellen oder an Impfstoffen arbeiten, profitieren aktuell von der Krise. Das gilt auch für die Lebensmittelbranche sowie für die Hersteller aktuell stark nachgefragter Waren wie Desinfektionsmittel und Schutzkleidung.

Bleiben Fonds weiterhin eine sinnvolle Geldanlage?

An Aktien geht gerade in der Niedrigzinszeit für den langfristigen Vermögensaufbau weiterhin kein Weg vorbei. Selbst wenn unvorhergesehene Ereignisse immer wieder einmal zu Rückschlägen führen.

Die Deka-Wertpapierexperten sehen bei ihrem Ausblick auf die gesamten 20er-Jahre weiterhin Aktien mit einem Potenzial von fünf Prozent Rendite pro Jahr klar an der Spitze. Die aktuellen Indexstände könnten sogar dafür sorgen, dass es eher etwas mehr werden wird. Dabei kann – und sollte – jeder die passende Fondslösung gemäß seiner persönlichen Risikoneigung wählen.

Coronavirus Aktien kaufen

Wie fügt sich die aktuelle Krise in das Gesamtbild?

Anleger haben in den vergangenen Jahrzehnten eine ganze Reihe von Schocks und Krisen durchstehen müssen. Von 2000 bis 2002 waren Nerven wie Drahtseile gefragt.

Der Anschlag vom 11. September 2001 sowie der Einbruch der neuen Märkte in der sogenannten Dot.com-Krise wirbelten die Finanzmärkte durcheinander, ebenso die Auswirkungen der Lehman-Pleite 2008. Auch die Euro-Krise 2010 setzte der Wirtschaft zu. Aber am Ende erholten sich die Kurse der meisten Unternehmen immer wieder – und setzten ihren Aufwärtstrend fort.

In der Vergangenheit gab es bei langfristigen Anlagen nur wenige Perioden, in denen Anleger mit einem Minus rausgegangen sind. Seit es den Dax gibt, schnitt er 23 Jahre lang im Plus ab – und nur neun Jahre im Minus.

Auch wenn es mal heftig werden kann: Durststrecken wurden meist zügig überwunden. Sie sollten also auch in der Coronakrise besonnen reagieren. Haben Sie Geduld, bewahren Sie Ruhe und nutzen Sie die niedrigen Kursstände für den Einstieg.


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