Null-Inflation in Deutschland: Was das bedeutet und wie es mit den Preisen weitergeht

Inflation im Euroraum sogar negativ – vor allem Aktien profitieren

Der Preisanstieg in Deutschland kommt zum völligen Stillstand, die Inflationsrate betrug im August null Prozent. Was bedeutet die Null-Inflation? Und wie geht es weiter?

Eine Frau mit Mundschutz beim Einkaufen im Supermarkt

So entwickeln sich die Preise

Die Preise für Verbraucher in Deutschland bleiben stabil: Im August lag die Inflationsrate  bei null Prozent. Dies ermittelte das Statistische Bundesamt. Im Vormonat Juli waren die Preise sogar um 0,1 Prozent gesunken – die sogenannte Deflation hatte erstmals seit 2016 eingesetzt.

Experten führen als Grund unter anderem die gesenkte Mehrwertsteuer an. Um den Konsum anzuschieben und die Corona-Krise zu bekämpfen, reduzierte die Bundesregierung den regulären Steuersatz von 19 auf 16 Prozent, der ermäßigte beträgt derzeit fünf statt sieben Prozent. Das gilt bis Jahresende. Das Statistische Bundesamt schätzt, dass ohne Mehrwertsteuersenkung die Inflation bei etwa 1,6 Prozent liegen würde.

Waren werden günstiger, Preise für Dienstleistungen steigen nur leicht

Die Preise für Waren aller Art fielen im August im Durchschnitt um 1,3 Prozent. Auffällig waren die Energiepreise: Benzin und Haushaltsenergie wurden um 6,3 Prozent billiger.

Teurer wurden Dienstleistungen – allerdings ist der Anstieg so gering wie nie zuvor. Sie kosteten ein Prozent mehr als zuvor. Die Nahrungsmittelpreise erhöhten sich um 0,7 Prozent. Außerdem stiegen auch die Wohnungsmieten. Mieter mussten 1,4 Prozent mehr bezahlen als im Vormonat

Wie wird die Inflationsrate berechnet?

Um ein möglich realistisches Bild von der Preisentwicklung zu bekommen, hat das Statistische Bundesamt einen imaginären Warenkorb zusammengestellt. Dieser enthält Produkte, die ein deutscher Durchschnittshaushalt benötigt. Dazu kommen Ausgaben fürs Wohnen und Nebenkosten, Nahrungsmittel, Gesundheit sowie Freizeit und Mobilität. Das wird zusammengerechnet und mit den Preisen des Vormonats verglichen. 

Inflation in der Eurozone rutscht ins Minus

Im Euroraum insgesamt rutschte die Inflation ins Minus. Die Europäische Statistikbehörde Eurostat ermittelte in ihrer Schätzung eine Teuerungsrate von 0,2 Prozent. Das liegt vor allem an dem Punkt Energie, der um satte 7,8 Prozent günstiger wurde.

Besonders stark fielen die Preise in Zypern (-2,9 Prozent) und Griechenland (-2,1 Prozent). Stabil blieb das Preisniveau neben Deutschland in Frankreich (+0,2 Prozent) und Italien (- 0,5 Prozent).


Was bedeutet die Null-Inflation?

Die Preise in Deutschland bleiben stabil. Das ist gut für die Verbraucher – oder? Deka-Chefvolkswirt Dr. Ulrich Kater erklärt, warum die Inflationsrate im Moment so niedrig ist, was das für die Konsumenten bedeutet und wie es mit unseren Preisen weitergeht.

Dr. Kater
Im Gespräch mit
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka

Die Inflationsrate liegt im August bei null Prozent. Was sind die Gründe dafür?

Die Corona-Krise schlägt vor allem bei Dienstleistungen zu. Die niedrige Nachfrage sorgt hier für den schwächsten Preisanstieg seit Beginn der gesamteuropäischen Datenerhebungen im Jahr 2001. Nationale Daten aus Europa zeigen auffallend niedrige Werte in Bereichen, die mit Tourismus zu tun haben. Das könnte temporär sein und sich in den kommenden Monaten normalisieren, wenn die Feriensaison zu Ende ist.

Aber selbst, wenn wir hier erhebliche Sondereffekte unterstellen, hat sich der Preisauftrieb bei Dienstleistungen drastisch verlangsamt. Natürlich hat in Deutschland auch die Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung zur niedrigen Inflation beigetragen. Dazu kommt immer noch der extrem niedrige Ölpreis – auch eine Corona-Folge.

Was bedeutet die Null-Inflation für Verbraucher?

Die Verbraucher sind wenigstens neben den Corona-Belastungen nicht auch noch von einer Geldentwertung für die Dinge des täglichen Bedarfs betroffen. Die zusätzlichen Gelder, die in den vergangenen Monaten geschaffen worden sind, haben sich erst einmal auf den Konten der privaten Haushalte gesammelt.

Von dort aus gehen sie nicht in den Konsum, wo sie die Inflation treiben würden, sondern eher in Vermögenswerte, wie etwa Aktien. Dort gibt es Preissteigerungen. Viele private Haushalte haben in den vergangenen Jahren mit dem Aktiensparen begonnen. Wer konsequent mit einem Sparplan dabei war, für den sind die Kurssteigerungen bei Aktien auch Vermögenssteigerungen.

Was erwarten Sie: Ist die niedrige – oder nicht vorhandene – Inflation ein kurzfristiges Phänomen oder ein Dauerzustand?

Für die kommenden Jahre sind moderate Inflationsraten im Bereich von einem bis drei Prozent zu erwarten. Für die Notenbanken und die Regierungen wäre dies der Idealzustand, da sich dann die Schulden langsam entwerten. Vor allem wenn die Zinsen weiterhin bei null bleiben. Niedrigere Inflation ist schlecht. Dann steigt die Gefahr, dass die Inflationsrate sogar in den negativen Bereich rutscht. Das würde es erschweren, die Verschuldung zu bewältigen.

Höhere Raten sind aber ebenfalls gefährlich, da sich eine Inflationsspirale in Gang setzen könnte. Die Gefahr höherer Inflation steigt in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre jedoch an – soweit wir das heute überhaupt vorhersagen können.


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