Neues Jahr – neue Investitionen: Soll ich jetzt Aktien kaufen?

Diese Kennzahlen helfen Ihnen, eine Entscheidung zu treffen

Viele Menschen sind unsicher, ob sie nach den Kurseinbrüchen im Jahr 2022 nun Aktien kaufen sollten. Die Entwicklung der Vorjahre deutet darauf hin, dass es mittel- bis langfristig wieder aufwärts gehen könnte. Aber es gibt auch einige Kennzahlen, die die Privatanlegerinnen und -anleger beachten sollten, bevor sie sich für die Aktie eines bestimmten Unternehmens entscheiden.

Frau sitzt mit Hund auf ihrem Schoß am Schreibtisch und schaut auf Laptopbildschirm

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Kurse an den Aktienmärkten sind 2022 zeitweise um ein Drittel eingebrochen.
  • Daher sind viele Privatanlegerinnen und -anleger verunsichert, ob es eine gute Entscheidung für sie ist, jetzt in Aktien zu investieren.
  • Die Zeichen stehen zwar auf Erholung – aber es hilft generell, genauer hinzuschauen und einige Kennzahlen zu beachten.

Balance zwischen Rendite und Risiko

Viele Menschen haben eine vereinfachte Vorstellung vom Börsenhandel. Sie verbinden mit dem Kauf von Aktien zwei Extreme: Reichtum oder Pleite. Natürlich kann der Kurs jedes Papiers theoretisch über Nacht durch die Decke gehen – oder eine Bauchlandung hinlegen. Aber das sind Ausnahmen.

Die Erfahrung zeigt, dass der Aktienhandel nur bedingt etwas mit schnellem Reichtum oder plötzlichem Ruin zu tun hat. Gutes Geld verdienen die Menschen, die ein breit diversifiziertes Portfolio – also eine solide Bandbreite an Aktien von mehreren Unternehmen aus jeweils unterschiedlichen Branchen – langfristig anlegen. Denn so entwickelt sich eine gute Balance aus Rendite und Risiko. In den vergangenen 20 Jahren haben allein die im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Unternehmen insgesamt im Schnitt Jahr für Jahr eine Rendite von 7 bis 8 Prozent erwirtschaftet.

Berg- und Talfahrt führt zu neuen Höchstständen

Selbst in den vergangenen Krisenjahren, zuerst ausgelöst durch die Corona-Pandemie anschließend durch Inflation, Engpässe in den Lieferketten und dem Krieg in der Ukraine, sind die Kurse zwar zeitweise eingebrochen, haben sich dann aber wieder deutlich erholt.

So fiel der Dax mit dem Ausbruch der Coronakrise 2020 von Mitte Februar bis Mitte März 2020 – also innerhalb nur eines Monats – von 13.700 auf 8.900 Punkte. Er stieg bis Anfang Juni 2020 aber schon wieder auf 12.800 Punkte und erreichte noch bis Anfang des Jahres 2021 die Marke von 14.000 Punkten. Damit hatte er innerhalb eines Jahres zeitweise ein Drittel seines Werts verloren, um anschließend den alten Höchststand sogar zu übertreffen.

Allein von Anfang bis Ende 2021 legte der Dax um 2.000 Punkte auf rund 16.000 Punkte zu – und markierte wieder einen neuen Höchststand. Im Laufe des Jahres 2022 stürzte er aber auf rund 12.000 Punkte ab, und notierte zum Jahresende bei mehr als 14.000 Punkten. Börsenanalystinnen und -analysten gehen davon aus, dass er bis Ende 2023 wieder die Marke von 16.000 Punkten knacken wird.

Nicht nur Trends berücksichtigen – auch Kennzahlen beachten

Das heißt, es geht hoffentlich mittel- bis langfristig wieder aufwärts. Doch wenn Sie nun Ihr Geld in Aktien anlegen möchten, sollten Sie sich nicht nur auf einen prognostizierten Trend verlassen, sondern genauer hinschauen.

Einer der bekanntesten Indikatoren für die Entwicklung einer Aktie ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Dabei wird der Gewinn eines Unternehmens ins Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs gesetzt. Im Fokus steht dabei der erwartete Gewinn. Der Kurs eines Unternehmens wird durch den erwarteten Gewinn je Aktie geteilt.

Das Ergebnis gibt einen Hinweis darauf, ob sich die Investition lohnt. Eine Aktie mit einem KGV von unter 12 gilt im Normalfall als preiswert. Wenn das KGV dagegen über 20 notiert, erscheint es als hoch und die Aktie damit als teuer.

Durch Energiekrise, Inflation und drohende Rezession ist die Situation für viele Unternehmen aktuell sehr herausfordernd. Daher ist es wichtig, dass Sie auch auf andere Kennzahlen achten, bevor Sie in die Aktien eines oder mehrerer Unternehmen investieren. Zu diesen Kennzahlen gehören Buchwert, Cashflow und Dividende ebenso wie Verschuldung und Zinsdeckungsgrad.

Buchwert

Der Buchwert zielt auf die Substanz eines Unternehmens ab. Er berechnet sich, indem die Vermögensgegenstände und Schulden eines Unternehmens summiert, zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten bewertet und mit den Zu- oder Abschreibungen verrechnet werden.

Cashflow

Für viele Analysten und Investoren ist der Cashflow (Geldfluss) noch wichtiger als der Gewinn. Der Cashflow umfasst die Geldmenge, die ein Unternehmen nach Abzug aller Ausgaben und Investitionen zur Verfügung hat. Im Unterschied zum Gewinn dürfen fiktive Ausgaben wie Abschreibungen und Rückstellungen – also nicht zahlungswirksame Vorgänge – nicht im Cashflow erscheinen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang das Kurs-Cashflow-Verhältnis. Das errechnet sich, indem man den Aktienkurs durch den Cashflow je Aktie teilt. Hier gilt prinzipiell: Je niedriger, desto günstiger ist ein Unternehmen bewertet.

Dividende

Die Höhe der Dividende ist keine feste Größe, da die Unternehmen sie jedes Jahr auf der Hauptversammlung festlegen. Solange sie die Dividende mit ihrem Tagesgeschäft verdienen, ist die Dividende ein sehr positives Signal für Anlegerinnen und Anleger. Unternehmen, die ihre Dividende über viele Jahre in Folge anheben, gelten als besonders verlässlich.

Verschuldung

Die Verschuldung ist besonders aussagekräftig. Sie wird unter anderem ins Verhältnis zum Gewinn oder zum Eigenkapital eines Unternehmens gesetzt. Als niedrig verschuldet gelten Unternehmen, deren Nettoverschuldung maximal doppelt so hoch ist wie ihr operativer Gewinn. Dagegen gilt eine Verschuldung als hoch, die das operative Ergebnis um mehr als das Vierfache übersteigt. Ratingagenturen bezeichnen zudem Firmen als moderat verschuldet, deren Verschuldung weniger als 35 Prozent des Eigenkapitals beträgt – bei mehr als 50 Prozent gelten sie aber als hochverschuldet.

Zinsdeckungsgrad

In Verbindung mit der Verschuldung ist auch der Zinsdeckungsgrad relevant: Je höher dieser ausfällt, desto besser kann ein Unternehmen seine Zinsen aus dem operativen Geschäft zahlen. So gilt etwa ein Zinsdeckungsgrad von sechs als guter Wert, denn dann erwirtschaftet ein Unternehmen operativ sechsmal so viel, wie es benötigt, um seine Zinsen zu tilgen.

Kaufen oder nicht kaufen?

Trends und Kennzahlen sind bei dem Handel mit Aktien sehr hilfreiche Wegbegleiter – ebenso wie die Beobachtung der gesamtwirtschaftlichen Situation. Die ist noch immer kompliziert: Generell blicken viele Expertinnen und Experten nach einem Jahr Krieg in der Ukraine und hohen Energiepreisen eher zuversichtlich auf das neue Jahr. Aber die Bundesbank rechnet für 2023 noch mit einer Inflation von 7,2 Prozent. Damit fällt sie weiterhin hoch aus.

Das bedeutet einerseits, dass das Unternehmensgeschäft nicht so leicht steuerbar ist wie in Zeiten mit niedriger Inflation. Andererseits bedeutet es für Anlegerinnen und Anleger, dass es kaum ein besseres Mittel als die Investition in Aktien gibt, um möglichst wenig Geld zu verlieren – oder vielleicht sogar Gewinne zu machen.

Gerade für Neueinsteigerinnen und -einsteiger scheint der Zeitpunkt nun günstig, um Aktien zu kaufen. Denn die meisten Kurse bewegen sich noch deutlich unter ihren alten Höchstständen. Und die Prognosen der meisten Börsenprofis sind zuversichtlich. Welche Aktien aber tatsächlich Gewinne verbuchen werden, lässt sich nur nach genauer Analyse vorhersagen – und dennoch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit.

Gehören Sie zu den eher unerfahrenen Anlegerinnen oder Anlegern? Dann sollten Sie sich die Unternehmen Ihres Interesses mithilfe der genannten Kennzahlen vorher genauer anschauen. Oder Sie lassen sich von der Sparkasse oder Bank Ihres Vertrauens beraten. Generell sollten Sie immer auf ein gut diversifiziertes Portfolio setzen. Im Jahr 2023 ebenso wie in allen anderen Jahren.

(Stand: 09.01.2023)


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