„Nicht jeder kann 70 Prozent seines Einkommens sparen“

Das sagen Experten zum Frugalismus-Trend

Ob wirklich jeder mit eisernem Sparwillen ein Vermögen schaffen und vorzeitig in Rente gehen kann? Wir haben zwei Experten aus der Sparkassen-Finanzgruppe um ihre Einschätzung gebeten.

Frugalisten führen einen sehr sparsamen Lebensstil, um einen möglichst großen Anteil ihres Einkommens in Aktien oder Immobilien investieren zu können. Das so geschaffene Vermögen soll den frühen Abschied aus dem Job ermöglichen und bis ans Lebensende reichen (mehr zu Frugalismus). Kann das jeder? Wir haben zwei Finanzexperten von Sparkasse und Deka Bank gefragt, wie sie die Strategie bewerten. Andrea Machost, Direktorin Private Banking von der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert und die Volkswirtin Frau Dr. Gabriele Widmann von der Deka-Bank erklären, was sie vom Frugalismus halten.

1. Kann jeder mithilfe des frugalen Lebensstils frühzeitig in Rente gehen?

Andrea Machost (Sparkasse): „Nicht jeder kann – so wie es Frugalisten machen – 70 bis 80 Prozent seines Einkommens sparen. Das können sich nur Menschen mit einem verhältnismäßig hohen Einkommen leisten. Geringverdiener können die Sparrate, die man benötigt, um mehr als zwanzig Jahre vor dem gesetzlichen Rentenalter in den Ruhestand zu gehen und bis ans Lebensende allein vom angesparten Vermögen zu leben, kaum erreichen. Eine Altersvorsorge für den Ruhestand ab Mitte 60 können sich dagegen auch Menschen mit geringem Einkommen aufbauen. Damit möglichst früh zu starten – das ist etwas, das man sich von den Frugalisten unbedingt abschauen sollte!“

Dr. Gabriele Widmann (Deka): „Damit sie in wenigen Jahren ein nennenswertes Vermögen aufbauen können, brauchen Frugalisten eine sehr hohe Rendite. Da führt kein Weg an risikoreicheren Anlageformen wie beispielsweise Aktien vorbei. Doch wenn die Aktienkurse ausgerechnet kurz vor dem geplanten Ausstieg fallen, gerät die Finanzierung der Frührente in Gefahr. Unseren Kunden, die den Ruhestand mit etwa 67 planen, empfehlen wir, ihr Vermögen grundsätzlich breit zu streuen. Dabei können die risiko- und damit auch chancenreicheren Anlagen einen durchaus gewichtigen Anteil haben. Wegen deren höheren Kursschwankungen und den damit verbundenen Verlustrisiken ist es wichtig, in den letzten Jahren vor dem Renteneintritt sukzessive in sicherere Anlageformen umzuschichten. Die risikoreiche Anlagestrategie der Frugalisten ist nicht für jeden geeignet.“

2. Frührente mit Mitte 30 – was bedeutet das tatsächlich?

Dr. Widmann: „Frugalisten führen nicht nur während der Ansparphase ein sehr bescheidenes Leben, sondern rechnen meist auch für die Ruhestandsphase mit geringen Lebenshaltungskosten. Wer schon mit Mitte 30 aussteigt, muss möglicherweise mehr als 60 Jahre lang von seinem Vermögen leben können. Große Reisen oder kostenintensive Hobbys sind da nicht drin. Hier sollte sich jeder selbst fragen, wie viel Geld er oder sie für einen erfüllenden Ruhestand benötigt, und ob sich das mit einem sehr frühen Abschied aus dem Erwerbsleben vereinbaren lässt.“

Machost: „Wenn Menschen sich in den Ruhestand begeben, fällt ihnen häufig der Wechsel oft auch durchaus schwer, weil plötzlich die Struktur des Arbeitslebens und die sozialen Kontakte aus dem Job wegfallen. Wer schon in seinen Dreißigern nicht mehr arbeiten muss, hat oder sucht sich trotzdem Aufgaben, die die Tage füllen. Die meisten Frugalisten sprechen deshalb auch nicht von Ruhestand, sondern von finanzieller Unabhängigkeit, die es ihnen ermöglicht, die Dinge zu tun, auf die sie Lust haben und die sie erfüllen. Arbeiten zu können, es aber nicht zu müssen – das ist eine komfortable Situation.“

3. Kann jeder zum Anlagespezialisten werden?

Machost: „Ja, es kann durchaus jeder lernen, wie der Finanzmarkt funktioniert, welche Anlagestrategien und Produkte es gibt und basierend auf diesem Wissen den eigenen Vermögensaufbau selbst in die Hand nehmen. Es erfordert jedoch Zeit und intensive Auseinandersetzung. Frugalisten tun das, weil sie kein Geld für die Beratung oder das Portfolio-Management durch Experten ausgeben möchten. Und weil sie sehr interessiert an Finanzthemen sind. Das geht aber nicht jedem so. Viele Menschen lassen sich bei Fragen zur Geldanlage und Altersvorsorge lieber beraten. Und das ist gut und richtig so, denn es ist nicht nur eine Wissens- und Kompetenzfrage sondern auch eine der zu investierenden Zeit.“

Dr. Widmann: „Wer sein Geld intelligent für sich arbeiten lassen will, sollte sich die digitale Vermögensverwaltung bevestor anschauen. Mit bevestor kann jeder ganz einfach Erfahrungen mit Geldanlagen sammeln. Das funktioniert schon ab 25 Euro pro Monat und ohne feste Laufzeit, das heißt das Geld ist jederzeit verfügbar. Ein Anlageassistent hilft dabei, den eigenen Anlegertyp zu ermitteln und das passende Portfolio auszuwählen. Es ist auch möglich, seinem Portfolio individuelle Themen beizumischen – zum Beispiel Nachhaltigkeit oder Industrie 4.0. Und das Beste daran: Die Experten der Deka verwalten das Depot professionell.“

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