Renditechancen: Neue und alte Favoriten für den Vermögensaufbau

So investieren die Menschen in Deutschland und anderen Ländern

Auch wenn der Wunsch nach Sicherheit noch so groß ist: Angesichts des jahrelangen historischen Niedrigzinses haben die Menschen verstanden, dass die Geldanlage in klassische Sparformen wie Sparbuch, Tages- und Termingeld vor allem eins bringt: Verluste. Daher gibt es nun neue Favoriten beim Vermögensaufbau in Deutschland – mit einigen unerwarteten Überraschungen. In anderen Ländern gehört die Investition in alternative Anlageformen schon lange zur Normalität.

Das Wichtigste in Kürze:

  • In den vergangenen beiden Jahren haben deutlich mehr Menschen in Deutschland begonnen, in Aktien und andere Wertpapiere zu investieren.
  • Unter den Privatanlegerinnen und Privatanlegern in anderen Ländern hat sich die Wertpapierkultur schon länger etabliert.
  • Dabei gibt es unterschiedliche Schwerpunkte – ganz der jeweiligen Landeskultur entsprechend.

Deutschland – Interesse an Wertpapieren deutlich gestiegen

Blick auf Reichstag jenseits der Spree

In den vergangenen beiden Jahren ist in Deutschland das Interesse an Wertpapieren deutlich gestiegen. Zwar haben laut der Statistikplattform Statista im Jahr 2021 noch immer 47 Prozent der Menschen ihr Erspartes auf dem Girokonto geparkt. Aber deutlich mehr hiesige Anlegerinnen und Anleger nutzen Wertpapiere für ihre private Vermögensbildung.

Die DekaBank, das Wertpapierhaus der Sparkassen, hat 2021 ermittelt, dass mittlerweile 25 Prozent der Menschen ihr Geld auch in Aktien, Fonds, ETFs (Exchange Traded Funds) und Zertifikaten anlegen. Ein Jahr zuvor waren es noch 17 Prozent. Die Zahl der Wertpapierdepots liegt laut DekaBank nunmehr bei mehr als 25 Millionen.

Balkendiagramm mit Aktionärsquoten in ausgesuchten Ländern im Jahr 2021

Dabei steigt auch das Interesse an hochspekulativen Geldanlagen: Bei der Umfrage zur jährlichen Vermögensbarometerstudie der Sparkassen-Finanzgruppe „Die Deutschen und ihr Geld“ gaben ebenfalls im vergangenen Jahr sieben Prozent der Befragten an, sogenannte Kryptowährungen wie Bitcoin und Co. für eine geeignete Geldanlage zu halten. Diese Zahl ist vor allem im Jahresvergleich beachtlich: 2020 lag der Anteil der Nennungen mit drei Prozent noch bei weniger als der Hälfte dieses Wertes. Dabei sind die Anhänger dieser Anlageform laut Vermögensbarometer überdurchschnittlich häufig jung und männlich – vor allem Auszubildende, Studierende und Beamte begeistern sich dafür.

Aber: Ebenso wie die Ertragschancen der Kryptowährungen sind auch ihre Risiken immens. Einer Studie der Investmentbank JP Morgen zufolge kann der Kurs des Bitcoin auf bis zu 146.000 Dollar steigen. Doch das ist vorerst reine Theorie. In den vergangenen Jahren hat sich eine extreme Volatilität gezeigt. Diese Kursschwankungen sind gerade für Privatanlegerinnen und -anleger gefährlich, da sie den Verlauf nicht ständig kontrollieren. So können sie in kürzester Zeit ihre komplette Investition verlieren.


USA – Volkssport Aktienkauf

Favoriten für den Vermögensaufbau

Oft heißt es, an der Börse zu investieren, sei in den USA ein Volkssport. Aktuelle Zahlen bestätigen das: Studien zufolge legen mit 56 Prozent mehr als die Hälfte aller Haushalte Geld in Aktien, ETFs oder Fonds an. Schon seit Jahrzehnten investieren Privatanlegerinnen und -anleger zum Vermögensaufbau direkt an den Aktienmärkten oder in Fonds. ETFs sind bereits seit den 1990er-Jahren populär.

Aber: In den letzten Jahren vor Ausbruch der Corona-Pandemie zeichnete sich eine umgekehrte Entwicklung ab. In einer Umfrage des Versicherungskonzerns MetLife aus dem Jahr 2019 mit mehr als 8.000 US-Bürgerinnen und -Bürgern über 18 Jahren gab mit 55 Prozent gut die Hälfte an, nicht am Aktienmarkt zu investieren.

Vor allem die Jüngeren, nämlich die Generation Z (18- bis 24-Jährige) und Millennials (25- bis 34-Jährige), distanzierten sich in noch weitaus größerer Zahl von der Geldanlage an den Börsen. Viele der Befragten gaben an, ihr Geld lieber in privaten oder beruflichen Rentenplänen, also in die Altersvorsorge, zu stecken. Oder sie horten das Geld zu Hause. Dagegen nutzten die älteren Generationen weiterhin mehrheitlich die Börsen zum Vermögensaufbau.

Stimulus-Förderungen an Börsen investiert

Mit Lockdowns und Quarantänen im Zuge der Coronakrise kehrte sich dieser Trend offenbar wieder um: Laut einer Umfrage des US-Fernsehsenders CNBC hat fast ein Drittel der Anlegerinnen und Anleger, die während der Pandemie staatliche Konjunkturgelder erhalten haben, einen Teil davon an den Finanzmärkten investiert. Das gilt besonders für die 18- bis 34-Jährigen – also die Altersgruppe, die sich in den Jahren zuvor zurückgezogen hatte.

Mit 49 Prozent legte der CNBC-Studie zufolge knapp die Hälfte von ihnen das Fördergeld in einzelne Aktien, Kryptowährungen, Investmentfonds und ETFs an. Während der Pandemie seien viele Menschen nicht so sehr von ihrem Alltag abgelenkt gewesen. Sie hätten deutlich mehr Zeit mit ihren Smartphones verbracht. Mit der Möglichkeit, Trades über mobile Apps zu tätigen, sei es daher nicht verwunderlich, dass die Menschen einen Teil dieses Geldes zum Investieren verwendet hätten.

Attraktive Dividendenkultur

Ein wesentlicher Grund für die lebendige Aktienkultur in den USA ist die Dividendenpolitik der an den Börsen gelisteten Unternehmen: Sie schütten üblicherweise quartalsweise, also alle drei Monate, eine Dividende aus, einige Unternehmen sogar monatlich.

Außerdem legen zahlreiche Unternehmen Wert auf steigende Dividenden: Sie haben ihre Ausschüttungen über Jahrzehnte hinweg stetig erhöht und halten auch bei starken Kursrückgängen, wie etwa zu Beginn der Coronakrise oder während der Finanzkrise, an hohen Dividendenzahlungen fest.


King Cash – Menschen in der Schweiz investieren noch immer konservativ

Schweizer Flaggen an historischem Gebäude

Trotz Negativzinsen und Börsenboom: Die Schweizer Bevölkerung ist noch immer zurückhaltend, wenn es um die Anlage ihres Ersparten geht. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Online-Vergleichsdiensts Moneyland im Januar 2021 mit rund 1.500 Personen. Der Studie zufolge konnten die Befragten auf einer Skala von 1 (gar nichts) bis 10 (das ganze Vermögen) wählen.

Das Ergebnis: Cash ist bei Schweizer Anlegerinnen und Anlegern Moneyland zufolge weiterhin die beliebteste Anlageform: Demnach parken 80 Prozent der Befragten ihr Geld auf dem Sparkonto. Und: Viele Schweizerinnen und Schweizer legen sich noch immer ihr Geld unter die Matratze oder stecken es in den Sparstrumpf. Insgesamt 67 Prozent verwahren laut Moneyland Bargeld zu Hause.

Weit über die Hälfte der Menschen (59 Prozent) haben der Studie zufolge Geld in Pensionskassen, Lebensversicherungen und Vorsorgefonds angelegt. Gut die Hälfte davon, nämlich 30 Prozent, haben angegeben, Geld in Immobilien investiert zu haben. Dabei ist die Immobilienanlagequote auf dem Land mit 36 Prozent etwas größer als in den Schweizer Städten mit 28 Prozent.

Je vermögender die Menschen, desto eher investieren sie in Aktien und Gold

Lediglich 27 Prozent der Befragten hat ihr Geld an Börsen investiert. Damit haben Aktien seit Ausbruch der Corona-Pandemie kaum zugelegt. Aufschlussreich ist der Aktienbesitz in Abhängigkeit zum Vermögen : Je wohlhabender die Befragten, desto eher investieren sie ihr Geld in börsengelistete Unternehmen.

Während nur 22 Prozent der Personen mit einem Vermögen zwischen 20.000 und 50.000 Franken Aktien halten, tun dies bereits 32 Prozent der Personen mit einem Vermögen zwischen 50.000 und 100.000 Franken. Bei den Millionären sind es fast drei Viertel: nämlich 74 Prozent.

Fast ein Fünftel der Bevölkerung investiert in Gold. Etwas weniger verbreitet sind andere Edelmetalle wie Silber oder Platin. Aber auch bei dem gelben Edelmetall ist die Tendenz eindeutig: Je reicher die Anlegerinnen und Anleger sind, so die Ergebnisse der Studie, desto häufiger haben sie Gold.

Anlage in Kryptowährungen: Risiko ist vor allem etwas für Jüngere

Bei risikoreicheren Investments wie etwa in Kryptowährungen bleiben die Menschen in der Schweiz weiterhin zurückhaltend. Sie sind – ebenso wie in Deutschland – vor allem bei jüngeren Anlegerinnen und Anlegern beliebt: Laut der Umfrage gaben 5 Prozent der 50- bis 74-Jährigen an, in Bitcoin zu investieren, bei den 26- bis 49-Jährigen waren es 14 Prozent und bei den 18- bis 25-Jährigen 15 Prozent.


Unterschiede in Skandinavien – aber Investmentkultur insgesamt sehr ausgeprägt

Häuser und Staatsflagge auf schwedischer Felseninsel

Die Investition in Wertpapiere ist für die Menschen in den nordischen Ländern selbstverständlich: So gehören etwa in Schweden neben Aktien vor allem Fonds zu den bevorzugten Anlageklassen der Privatanlegerinnen und -anleger, außerdem verbriefte Derivate. Bei Derivaten handelt es sich um Finanzinstrumente, deren Preis von der Entwicklung eines Basiswerts wie etwa Aktien abhängt. Verbrieft bedeutet, dass die Derivate über die Börse oder direkt mit dem Emittenten gehandelt werden.

62 Prozent der Schwedinnen und Schweden besaßen 2021 Aktien- oder Fondsbestände. Außerdem fließen dort 2,5 Prozent der Beiträge in die sogenannte Prämienrente und werden über Fonds mit geringen Kosten gewinnbringend angelegt.

Das Aktienvermögen der privaten schwedischen Haushalte stieg nach Angaben der staatlichen schwedischen Statistikbehörde SCB allein in der ersten Jahreshälfte 2021 um 259 Milliarden Schwedische Kronen (gut 24,5 Milliarden Euro) und belief sich damit auf knapp 1,5 Billionen Schwedische Kronen (knapp 142,3 Milliarden Euro).

Am Ende des ersten Corona-Jahres, im Dezember 2020, waren an der schwedischen Börse 2,1 Millionen Privatanlegerinnen und -anleger registriert. Damit stieg ihre Zahl im Vergleich zu 2019 um 241.578 oder 11 Prozent – obwohl die schwedische Börse zwischenzeitlich pandemiebedingt um 30 Prozent eingebrochen war.

Menschen in Finnland vergleichsweise zurückhaltend – doch weit börsenaffiner als Deutsche

Favoriten für den Vermögensaufbau

Eine Umfrage des finnischen Bankhauses Aktia aus dem Jahr 2021 zeigt zwar, dass die Privatanlegerinnen und -anleger in Finnland in Sachen Geldanlage weit hinter ihren schwedischen Nachbarinnen und Nachbarn zurückbleiben. 46 Prozent von ihnen investieren in Aktien, Fonds und andere Wertpapiere. Doch damit bewegen sie sich aber noch immer deutlich oberhalb der 25 Prozent der Menschen in Deutschland.

Und: Allein im Vergleich zum Jahr 2019 ist laut Aktia der Anteil der finnischen Anlegerinnen und Anleger um fünf Prozentpunkte gestiegen. Auch die Zahl der Menschen, die mehrmals pro Jahr investieren, hat seit der Umfrage von 2019 zugelegt, insbesondere bei Frauen, jungen Erwachsenen und Personen mit niedrigem Einkommen.


Deutschland holt bei der Wertpapierkultur auf

Die Erhebungen aus dem Jahr 2021 zeigen deutlich, dass die Menschen in Deutschland zunehmend auf Wertpapiere setzen. Aus gutem Grund: Nicht erst seit dem drastischen Anstieg der Preise in den letzten Monaten des Jahres 2021, sondern schon seit 2010 liegt die Verzinsung von Tagesgeld, Festgeld und Spareinlagen zum Teil deutlich unter der Inflationsrate. Und mit dem sprunghaften Zuwachs der Inflation seit Beginn des Krieges in der Ukraine ist der reale Wertverlust festverzinslicher Anlagen noch nie so hoch wie jetzt.

Daher ist die Entscheidung, Geld an der Börse, in Fonds oder Derivaten anzulegen gerade für den langfristigen Vermögensaufbau der Situation entsprechend angemessen. Denn diese Investitionen können nicht nur dazu beitragen, das Ersparte deutlich zu mehren, sondern auch den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand beizubehalten.


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