Mittelstandsfinanzierung in Zeiten des Umbruchs

Mit alternativen Finanzierungslösungen zahlungsfähig bleiben

Auch wenn sich die tatsächlichen Folgen bislang kaum verlässlich voraussagen lassen: 2021 wird Unternehmen vor enorme Herausforderungen stellen. Nach wie vor gestörte Lieferketten, weniger Aufträge, schwache Nachfrage und Produktionsketten, die nur unter Einschränkungen wieder anlaufen. Wie kann der Mittelstand trotzdem zahlungsfähig bleiben und seine Finanzierung sicher und liquiditätsschonend planen? Erfahren Sie alles über alternative Finanzierungsmodelle.

Die weltweite Corona-Pandemie stellte in den meisten Unternehmen die Planung innerhalb weniger Wochen auf den Kopf. Einige volkswirtschaftliche Prognosen erwarten die größte Rezession seit 1929. Alle wesentlichen Konjunkturindikatoren sind stark gesunken. Die einbrechende Nachfrage und Liquiditätsengpässe setzen dem Mittelstand zu. Dazu kommen ein beschleunigter Innovationsdruck und der dringende Bedarf nach neuen Strategien für die veränderte Normalität.

Inzwischen stehen viele Firmen vor harten Einschnitten oder mussten diese schon vornehmen. Zahlreiche Unternehmen kämpfen mit Liquiditätsschwierigkeiten. Für Investitionen bleibt wenig Spielraum. Doch gerade jetzt sind aktives Handeln und langfristige Planung gefragt. In den kommenden Monaten und Jahren wird es darum gehen, eigene Szenarien, Strategien und Lösungen zu entwickeln, um trotz Unsicherheit erfolgreich zu sein.

Zeiten des Umbruchs sind immer auch Chancen zur Neuorientierung. Es lohnt sich gerade jetzt, die bisherige Finanzplanung auf den Prüfstand zu stellen – und dabei sämtliche zur Verfügung stehenden alternativen Finanzierungsmöglichkeiten einzubeziehen.

Fließbänder in einer Fabrik

5 Tipps für die erste Analyse:

1. Hinterfragen Sie kritisch eigene Versäumnisse.

Wo stand das Unternehmen vor der Krise? Welches Level der Digitalisierung wurde bereits erreicht? Welche Investitionen waren geplant? Was wurde verschleppt? 

2. Managen Sie aktiv Ihre Liquidität.

Welche Möglichkeiten gibt es, die Liquidität besser zu planen? Welche Förderprogramme wurden verlängert, welche rechtlichen Erleichterungen gibt es?  

3. Passen Sie Ihre Lieferketten an.

Wie krisenbeständig sind die eigenen Lieferketten? Welche Möglichkeiten gibt es, Lieferketten sicher aufzustellen? Wo sind automatisierte Prozesse und Risikoprüfungen möglich?

4. Überprüfen Sie Ihre Finanzierungsmodelle.

Wie hoch ist der eigene Kapitalpuffer? Wie lässt sich die eigene Unternehmensfinanzierung gegebenenfalls anpassen? Welche Möglichkeiten bieten alternative Finanzierungsformen für aktuelle und künftige Investitionen? 

5. Ziehen Sie die richtigen Lehren aus der Krise.

Mit der richtigen Analyse sind Sie für kommende Herausforderungen besser gewappnet. Nutzen Sie eine Neuaufstellung und Restrukturierung als Chance in der Krise.

Der ideale Finanzierungsmix ist langfristig angelegt und bietet auch in Krisenzeiten Flexibilität.

Finanzierungsalternativen kennen

Mittelstandsfinanzierung kennt viele Facetten: Neben einem Kredit können solche ergänzenden Finanzierungsinstrumente Sale-and-lease-back, Factoring oder klassisches Leasing sein. Solche alternativen Finanzierungsinstrumente sorgen für Flexibilität – nicht nur in Krisenzeiten – und schonen das Eigenkapital.    

Ein Laptop in einer Fabrik

Die 3 wichtigsten alternativen Finanzierungsmöglichkeiten:

Leasing

Klassisches Leasing ist nicht nur in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten eine attraktive Option, um in Maschinen, Fahrzeuge, Immobilien oder Softwarelösungen zu investieren.  

So funktioniert’s: Gegen ein Entgelt, das den Wertverlust abdeckt, kann das Leasingobjekt genutzt werden. Der individuellen Ausgestaltung des Leasings sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Die Raten lassen sich monatlich über einen vereinbarten Zeitraum bezahlen oder abhängig von der tatsächlichen Nutzung (Pay-per-use) oder den tatsächlichen Einnahmen (Pay-as-you-earn) gestalten.

Vorteile:  Unternehmen können die Leasingzahlungen als Betriebsausgaben, wenn nach HGB bilanziert wird, steuerlich geltend machen. Das Leasingobjekt wird beim Leasinggeber, dem wirtschaftlich und rechtlichen Eigentümer, in der Bilanz geführt und ist damit für das Unternehmen bilanzneutral.

Sale-and-lease-back

Für kleine und mittlere Unternehmen kann Sale-and-lease-back eine Möglichkeit sein, stille Reserven zu heben, um kurzfristig Kapital freizusetzen – und die Vorteile von Leasing zu nutzen.

So funktioniert’s: Das Unternehmen wirft einen Blick auf die stillen Reserven im Betrieb, die für die Liquiditätsgewinnung gehoben werden können. Dazu gehören beispielsweise Maschinen und Anlagen oder auch Immobilien. Anschließend verkauft es das Objekt an die Leasinggesellschaft wie die Deutsche Leasing und least es von ihr wieder zurück.

Vorteile: Kapital kann kurzfristig freigesetzt werden, die eigene Bilanz bleibt vom Leasingobjekt unberührt und die Leasingzahlungen lassen sich steuerlich geltend machen.  

Factoring

Durch Factoring, also den Verkauf von Forderungen, lässt sich die Liquidität des eigenen Unternehmens direkt stärken.

So funktioniert’s: Die Deutsche Factoring Bank, eine Tochtergesellschaft der Deutsche Leasing Gruppe, kauft Geldforderungen aus Warenlieferungen oder Dienstleistungen. Dem Unternehmen als Factoringkunde steht damit Liquidität sofort zur Verfügung.

Vorteile: Vollständiger Schutz vor Forderungsausfällen und mehr Planungssicherheit. Zudem wird das Unternehmen zeitlich und personell entlastet, da die Debitorenbuchhaltung ebenfalls die Deutsche Factoring Bank übernimmt.

Aktuell gibt es eine spürbare Belebung bei den Themen Sale-and-lease-back und Factoring.

Wichtig: Für jedes Unternehmen passt eine andere Lösung

Sie sollten Ihren bisher gewählten Mix zur Unternehmensfinanzierung nicht einfach panikartig über den Haufen werfen. Jedes Unternehmen muss seinen individuellen Finanzierungsmix finden. Häufig ist dies eine Kombination aus den verfügbaren Optionen Sale-and-lease-back, Factoring oder klassischem Leasing, um dringend benötigte Liquidität freizusetzen.

Idealerweise ist Ihr Finanzierungsmix so langfristig angelegt, dass er eventuelle wirtschaftliche Krisen bereits im Vorfeld im Blick hat – und gleichzeitig Flexibilität bietet, die auch in schwierigeren Zeiten eine solide Unternehmensentwicklung ermöglicht und Raum für Zukunftsinvestitionen lässt.

„Der Veränderungsdruck für Unternehmen hat noch einmal an Tempo zugelegt.“

Kai Ostermann, Vorstandsvorsitzender Deutsche Leasing
Im Gespräch mit
Kai Ostermann
Vorstandsvorsitzender der Deutsche Leasing AG

Herr Ostermann, wie ist die Lage im deutschen Mittelstand?

Turbulent! Die Unsicherheit, was kommt, ist groß. Die Auswirkungen des reduzierten Wirtschaftsniveaus treffen den Mittelstand schwer.

Was heißt das konkret?

Wenn wir vom deutschen Mittelstand sprechen, sprechen wir von mehr als 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland, die knapp zwei Drittel aller Arbeitnehmer beschäftigen. Manche Schlüsselindustrien wie der Maschinenbau oder die Automobilindustrie befanden sich bereits vor der Corona-Pandemie im Abschwung. Nach fast einem Jahrzehnt ununterbrochenen Wachstums erlebten exportorientierte Branchen deutlichen Gegenwind, und das schon seit einiger Zeit. Die weltweiten Lockdowns verschärften deren Situation nochmals zusätzlich.

Für andere, stark wachsende Branchen wie die Tourismusbranche, kam die Corona-Krise aus dem Nichts – sozusagen von „Boom“ auf null. Und dann erleben wir das andere Extrem: Zum Beispiel Firmen im Medizintechnikbereich, die trotz Ausweitung ihrer Produktion den Auftragsbedarf nicht decken können.

Aber offenbart die Krise nicht auch Schwächen, die in den unternehmerischen Verantwortungsbereich fallen?

Das stimmt. Die Krise hat auch unternehmerische Schwächen offengelegt: zum Beispiel zu kleine Kapitalpuffer oder ein zu geringes Level der eigenen Digitalisierung. Wir sehen aber auch ein hohes Engagement an Kreativität und Unternehmertum, vor allem im Bereich Digitalisierung. Der damit einhergehende Strukturwandel in Deutschland wird weiter beschleunigt. Der Veränderungsdruck für Unternehmen hat noch einmal an Tempo zugelegt.

Wie geht es weiter?

Wir befinden uns momentan erst am Anfang einer Wirtschaftskrise globalen Ausmaßes: An vielen Stellen ist bisher nur der Gipfel des Eisberges sichtbar. Wie hart werden die wirtschaftlichen Folgen wirklich sein? Wie viele Insolvenzen wird es tatsächlich geben? Das hat auch Folgen für den Planungshorizont des deutschen Mittelstands.

Gibt es auch gute Seiten der Corona-Pandemie?

Die Corona-Pandemie scheint wie ein Transformationskatalysator zu wirken: Viele Mittelständler gewichten das Thema Digitalisierung für sich neu. Laut einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer wollen knapp vierzig Prozent der Industrieunternehmen verstärkt auf Digitalisierung im Unternehmen setzen. Das zeigt, dass sich der Mittelstand aktiv den Herausforderungen der Krise stellt.  

Das heißt, der Mittelstand von morgen muss sich anders aufstellen?

Der deutsche Mittelstand an sich ist adaptiv. Das hat er in vergangenen Krisenzeiten immer wieder unter Beweis gestellt. Sei es zuletzt zu Beginn der 2000er, als Deutschland noch als „kranker Mann Europas“ galt, oder im Rahmen der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Die Widerstands- und Anpassungsfähigkeit des deutschen Mittelstands ist eine bemerkenswerte Eigenschaft, auf der nicht zuletzt der Erfolg des vergangenen Wirtschaftsjahrzehnts Deutschlands ruht.  

Was heißt das für die veränderte Normalität?

Ich bin davon überzeugt, dass diese Fähigkeiten auch in einer „Post-Corona-Ära“ bedeutsam bleiben. Gegebenenfalls werden Lieferketten um lokale Zwischenlager erweitert. Ein grundlegendes Zurückdrehen der internationalen Ausrichtung der deutschen Industrie sehe ich hingegen nicht – das wäre weder leistbar noch wirtschaftlich sinnvoll. Die globalen Wirtschaftsstrukturen werden sich verändern, auch im Sinne von mehr Nachhaltigkeit für Gesellschaft und Umwelt. Eine Abkehr von der Globalisierung würde aber erhebliche Wohlstandsverluste für alle nach sich ziehen.  

Was kommt als nächstes?

Eine Phase der Konsolidierung. Wir werden einen Trend zu größeren unternehmerischen Zusammenschlüssen, Partnerschaften und Allianzen sehen. Diese Entwicklung wird durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie begünstigt. Die ursächlichen Gründe dafür liegen aber tiefer im bereits angesprochenen Strukturwandel. Darauf erfolgreich zu reagieren gelingt denjenigen, die es schaffen, den Spagat zwischen ausreichend finanziellen Mitteln und parallelem Veränderungsdruck und damit einhergehenden Zukunftsinvestitionen zu meistern.

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