Wie sich der Leitzins auf Ihre Zinsen auswirkt

Wir zeigen, wie die EZB die Geldpolitik steuert


Was hat die Europäische Zentralbank (EZB) mit Ihren Sparplänen und Geldanlagen, dem Tagesgeldkonto und Ihrem Plan vom Häuschen im Grünen oder der schicken Stadtwohnung zu tun? Möglicherweise einiges. Denn die Entwicklung des EZB-Leitzinses kann den Zinssatz Ihres Darlehens beeinflussen – und sogar die Kaufpreise für Immobilien selbst. Erfahren Sie mehr über diesen Zusammenhang.

Der Leitzins – die wichtigsten Fakten

  • Die EZB legt die Höhe des leitenden Zinssatzes im Euroraum in Prozent fest.
  • Ist dieser niedrig, können sich europäische Geschäftsbanken und Sparkassen, die zu Transaktionen mit der EZB zugelassen sind, zu guten Konditionen Geld bei ihr leihen und den Kundinnen und Kunden Kredite mit entsprechend günstigen Zinsen zur Verfügung stellen.
  • Die Zinsen bei der Geldanlage orientieren sich ebenfalls an den Vorgaben der Notenbank. Zinsen auf Sparguthaben fallen bei einem niedrigen Leitzins gering aus.

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Ziel der EZB ist es, dass sich die Preise im Euroraum stabil entwickeln. Mittelfristig soll dafür die Inflationsrate im Euroraum bei zwei Prozent liegen. Zwischenzeitlich ist sie auf über acht Prozent gestiegen und so hoch wie noch nie seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Die Bundesbank geht im kommenden Herbst 2022 sogar von einer Inflationsrate von zehn Prozent aus. Um die Preissteigerungen abzubremsen, dient der Leitzins – beziehungsweise genau genommen drei verschiedene Leitzinssätze – als Steuerungsinstrument.

Üblicherweise steigen die Preise schnell, wenn die Wirtschaft boomt und deswegen viel gekauft wird, also die Nachfrage hoch ist. Dann erhöhen Notenbanken die Zinsen, um die Nachfrage und damit den Anstieg der Preise abzubremsen. Flacht bei langsamerem Wachstum der Preisanstieg ab, können die Zinsen gesenkt werden. Mit niedrigsten Zinsen, so die Argumentation der EZB in den vergangenen Jahren, würden zum Beispiel Finanzierungen für Investitionen günstiger, die Wirtschaft käme in Schwung, die Nachfrage würde anziehen und damit die Inflation steigen.

Prozent

bei diesem Prozentsatz sollte die Inflationsrate im Optimalfall liegen

In der Finanzkrise, während der Staatsschuldenkrise Griechenlands und in der Corona-Pandemie haben die Notenbanken weltweit die Leitzinsen drastisch gesenkt. Sie hatten Sorge, dass wegen der großen Unsicherheiten niemand mehr Geld verleihen und das Wirtschaftsleben gänzlich zum Stillstand kommen würde. Eine derartig lange Phase des Niedrigzinses gab es jedoch noch nie zuvor. Der Leitzins ist seit 2008 von 4,25 Prozent auf 0 Prozent gesenkt worden.

Nun hat die EZB erstmals seit elf Jahren den Leitzins kräftig von null auf 0,50 Prozent erhöht – doppelt so hoch wie erwartet. Den Negativzins von minus 0,50 Prozent für geparkte Gelder von Geschäftsbanken hat die EZB im Sommer 2022 abgeschafft. Die Zinserhöhungen haben auch Auswirkungen auf Ihre finanziellen Pläne als Privatkundin oder Privatkunde.

Die 3 Leitzinssätze der EZB

In den Medien ist oft vom „Leitzins der EZB“ die Rede. Tatsächlich legt die Zentralbank aber drei verschiedene Leitzinssätze fest:

  1. den Hauptrefinanzierungssatz
  2. den Spitzenrefinanzierungssatz
  3. den Einlagesatz

Der Hauptrefinanzierungssatz

Wenn vom „Leitzins der EZB“ die Rede ist, ist in der Regel der Hauptrefinanzierungssatz gemeint. Der Hauptrefinanzierungssatz sagt aus, zu welchen Konditionen die Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank Geld ab einer Woche Laufzeit leihen können.

Der Spitzenrefinanzierungssatz

Zu diesem Zinssatz können sich Geschäftsbanken bei der EZB sehr kurzfristig (über Nacht) Geld leihen.

Der Einlagesatz

Zu diesem Zinssatz können Geschäftsbanken bei der EZB sehr kurzfristig (über Nacht) Geld parken. Der Einlagesatz liegt seit der Erhöhung des Leitzins auf 0,5 Prozent derzeit bei 0 Prozent. Sparende können künftig damit rechnen, dass die Negativzinsen für ihr Geld auf Girokonten entfallen werden.

Auswirkungen auf das Tagesgeld

Der Spitzenrefinanzierungssatz und der Einlagesatz haben bei den Kreditinstituten vor allem Auswirkungen auf die Zinsen beim Tagesgeld. Denn braucht eine Sparkasse oder Bank sehr kurzfristig Geld, bekommt sie es bei der EZB zum Spitzenrefinanzierungssatz. Sie wird deshalb nicht bereit sein, bei einem Wettbewerber mehr für einen kurzfristigen Kredit auszugeben als diesen Zinssatz. So müssen Banken und Sparkassen also günstiger bleiben, um ein Geschäft abzuschließen. Dadurch ist der Spitzenrefinanzierungssatz faktisch die Obergrenze für Zinsen beim Tagesgeld.

Beim Einlagesatz ist es genau umgekehrt. Die Kreditinstitute können zu diesem Satz kurzfristig Geld bei der EZB anlegen. Sie würden bei ihren Wettbewerbern nicht weniger Zinsen akzeptieren, wenn sie bei der EZB mehr bekommen. Oder in Zeiten negativer Zinsen: Sie würden nicht woanders mehr bezahlen, wenn es bei der EZB günstiger wäre. Die Banken und Sparkassen müssen also mehr Zinsen (beziehungsweise weniger negative) bieten, um ein Geschäft abzuschließen. Dadurch bildet der Einlagesatz faktisch den minimalen Zinssatz für Tagesgeld.

Auswirkung auf Geldanlagen

Zinsentscheidungen der Notenbanken haben Auswirkungen auf Ihre Finanzen. Eine Senkung der Leitzinsen lässt zwar Kredite preiswerter und somit attraktiver werden, sie reduziert aber zugleich die Verzinsung von Anlageprodukten.

Gerade wenn sich der Leitzins langfristig auf einem niedrigen Niveau bewegt, haben Sparende wenig Möglichkeiten, ihr Geld auf dem Sparbuch oder auf dem Tagesgeldkonto zu vermehren. Alternative Formen der Geldanlage in Sachwerten wie Fonds, Aktien oder Immobilien helfen beim Vermögensaufbau.

Tipp: Je nachdem, wie langfristig Sie ihr Geld anlegen wollen und wie schnell Sie auf Zinsveränderungen reagieren möchten, lohnt es sich, die Zinsentwicklung im Auge zu behalten und Ihre Anlageform danach zu wählen. Banken, Unternehmen, Verbraucher und Verbraucherinnen haben nun die Möglichkeit, sich auf die neue Situation einzustellen. Die Berater und Beraterinnen der Sparkassen beantworten Ihnen gern Ihre Fragen.

Auswirkungen auf die Baufinanzierung

Der wichtigste Leitzins der EZB ist der Hauptrefinanzierungssatz. Sinkt er, können die Kreditinstitute günstiger Geld bei der Zentralbank leihen; ein Zinsanstieg bedeutet zumeist steigende Kosten für Finanzierungen. Banken und Sparkassen berücksichtigen die Zinsen – und deren Veränderungen – bei neuen Abschlüssen. Möglicherweise reagieren Institute unterschiedlich stark und unterschiedlich schnell, weil sie untereinander in Wettbewerb stehen. In der Niedrigzinsphase konnten viele Kundinnen und Kunden außergewöhnlich günstig Kredite aufnehmen für Kauf oder Umbau von Haus oder Wohnung. Mit steigenden Zinsen werden Preisvergleiche und Förderprogramme wieder wichtiger.

Tipp: In Zeiten günstiger Baufinanzierungen lohnt sich eine lange Zinsbindung. So vermeiden Sie, dass Sie am Ende der Laufzeit über eine hohe Restschuld eine Anschlussfinanzierung zu höheren Zinsen abschließen müssen – wenn die Zinsen für Darlehen bis dahin gestiegen sind. Wer den Immobilienkauf oder eine energetische Sanierung erst in Zukunft plant, kann sich mit einem Bausparvertrag die aktuellen Zinsen für später sichern, denn diese werden perspektivisch vorraussichtlich weiter steigen.

 

(Stand: 30. August 2022)



Wichtige Fragen und Antworten zum Leitzins:

Mit dem Begriff „Leitzins“ ist meist der Hauptrefinanzierungssatz der EZB gemeint. Er ist der wichtigste der drei Leitzinssätze der EZB. Zentrales Ziel der Europäischen Zentralbank ist es, die Inflationsrate im Euroraum mittelfristig stabil bei zwei Prozent zu halten. Die Leitzinsen beeinflussen auch, zu welchen Konditionen Kundinnen und Kunden bei ihrer Sparkasse oder Bank eine Baufinanzierung bekommen – und wie hoch die Zinsen bei der Geldanlage ausfallen.

Die aktuellen Werte der drei EZB-Leitzinssätze sowie deren Entwicklung in den vergangenen Jahren können Sie bei der Deutschen Bundesbank herunterladen und einsehen.

Der EZB-Rat entscheidet über die Leitzinsen im Rahmen seiner Festlegung der geldpolitischen Beschlüsse im Euroraum. Er ist das oberste Beschlussorgan der Europäischen Zentralbank.

Eine der wichtigsten Aufgaben der Europäischen Zentralbank ist es, die Preise im Euroraum stabil zu halten. Preisstabilität ist für die EZB gegeben bei Inflationsraten um die zwei Prozent.

Mit hohen Leitzinsen nehmen die Notenbanken Geld aus dem Markt, Menschen legen Geld eher zur Seite, als es für Konsum auszugeben. So bremsen die Notenbanken die Nachfrage – und damit den Anstieg der Preise. Umgekehrt können niedrige Leitzinsen die Nachfrage erhöhen – auch weil günstiger auf Kredit gekauft werden kann. Auch Darlehen für Immobilienfinanzierungen können günstiger abgeschlossen werden. Die EZB hat in den vergangenen Jahren versucht, so die Inflation anzuschieben. Ziel der Europäischen Zentralbank ist eine stabile Preisentwicklung bei einer mittelfristigen Inflationsrate von zwei Prozent.


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