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Eine ältere Frau im Supermarkt, die Lebensmittel aus einem Kühlschrank herausholt.

Inflation: Das stille Schrumpfen des Geldes

Ursachen, Berechnung und Schutz für Sparer
Inflation bedeutet mehr als steigende Preise – sie entscheidet darüber, wie viel Ihr Geld morgen noch wert ist. Wer versteht, wie Inflation entsteht und gemessen wird, kann gezielt gegensteuern. Hier erfahren Sie die Ursachen, typische Fehler beim Sparen und wie Sie eine klare Strategie für Ihr Erspartes entwickeln.
Das Wichtigste in Kürze:
  • Inflation bedeutet: Das allgemeine Preisniveau steigt, Ihr Geld verliert Kaufkraft. Für denselben Betrag bekommen Sie weniger als zuvor.

  • Die Inflationsrate misst das Statistische Bundesamt monatlich über den Verbraucherpreisindex (VPI) – einen gewichteten Warenkorb typischer Haushaltsausgaben.

  • Wer Geld unverzinst auf dem Girokonto lässt, verliert bei einer Inflationsrate von 2 Prozent in zehn Jahren rund 18 Prozent seiner Kaufkraft.

Was ist Inflation? Kaufkraftverlust einfach erklärt

Inflation bezeichnet den anhaltenden Anstieg des allgemeinen Preisniveaus einer Volkswirtschaft. Das Ergebnis: Geld verliert an Kaufkraft – für denselben Betrag erhalten Sie weniger Waren und Dienstleistungen als zuvor.

Einzelne Preise steigen in einer Marktwirtschaft ständig und fallen auch wieder. Inflation liegt erst dann vor, wenn die Preise für ein breites Spektrum an Gütern und Dienstleistungen gleichzeitig und dauerhaft steigen. Steigen die Preise hingegen nur in einem Bereich, etwa für Sprit, spricht man von einem sektoralen Preisanstieg, nicht zwingend von Inflation.

Konkretes Beispiel: Sie kaufen wöchentlich Lebensmittel für 100 Euro. Bei einer Inflationsrate von 3 Prozent zahlen Sie ein Jahr später für denselben Einkauf 103 Euro. Ihre 100 Euro haben real nur noch eine Kaufkraft von etwa 97 Euro. Nach fünf Jahren mit gleichbleibender Inflationsrate von 3 Prozent kostet derselbe Einkauf bereits rund 116 Euro.

Was ist der Unterschied zwischen Inflation und Deflation?

Deflation ist das Gegenteil von Inflation: Das allgemeine Preisniveau sinkt. Das klingt zunächst positiv, ist wirtschaftlich aber gefährlich. Wenn Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten, dass Preise weiter fallen, verschieben sie Käufe – besonders bei größeren Anschaffungen wie Autos oder Haushaltsgeräten. Die Nachfrage bricht ein, Unternehmen produzieren weniger, die Arbeitslosigkeit steigt. Dieser Kreislauf ist schwer zu durchbrechen.

Was ist Hyperinflation und wann spricht man davon?

Hyperinflation bezeichnet eine extreme Form der Inflation, bei der die Preissteigerungen außer Kontrolle geraten. Als Schwellenwert gilt eine monatliche Inflationsrate von über 50 Prozent. Das bekannteste deutsche Beispiel ist die Hyperinflation von 1923: Der Wert der Mark verfiel so schnell, dass Scheine buchstäblich mit Schubkarren transportiert wurden, weil der Papierwert wertvoller war als der Nennwert. In Deutschland gilt eine Wiederkehr dieser Zustände heute als nahezu ausgeschlossen, da die EZB als unabhängige Institution Preisstabilität als gesetzliches Ziel hat.

Vier Ursachen, die Inflation auslösen – und warum die EZB 2 Prozent anstrebt

Inflation entsteht nicht durch einen einzelnen Faktor, sondern durch das Zusammenspiel verschiedener wirtschaftlicher Kräfte. Ökonominnen und Ökonomen unterscheiden vier wesentliche Ursachen.

  • Ursache 1: Angebotsinflation – wenn Produktion teurer wird

    Steigen die Produktionskosten, geben Unternehmen diese Mehrkosten an ihre Kundschaft weiter. Ein Beispiel: Wenn Energiepreise steigen, wird es für Bäckereien teurer, Brot zu backen. Der Brotpreis steigt. Da viele Produkte voneinander abhängig sind (Strom, Transport, Rohstoffe) zieht ein Preisanstieg an einer Stelle häufig weitere nach sich. Diesen Effekt nennt man auch Zweitrundeneffekte.

  • Ursache 2: Nachfrageinflation – wenn Nachfrage das Angebot übersteigt

    Wenn mehr Geld im Umlauf ist und die Nachfrage das verfügbare Angebot übersteigt, steigen die Preise. Produzenten können kurzfristig nicht so schnell mehr herstellen, wie die Nachfrage wächst – also erhöhen sie die Preise. Klassisches Beispiel: Wenn staatliche Konjunkturprogramme viel Geld in die Wirtschaft pumpen, ohne dass gleichzeitig die Produktion steigt, führt das zu Nachfrageinflation.

  • Ursache 3: Importierte Inflation – wenn Auslandspreise steigen

    Deutschland importiert Rohstoffe wie Öl, Gas und Metalle. Steigen die Weltmarktpreise für diese Güter (etwa durch geopolitische Krisen oder Lieferengpässe), verteuern sich auch importierte Vorprodukte. Das erhöht die Kosten für inländische Unternehmen und treibt letztlich die Verbraucherpreise nach oben. Die Ölpreisschocks der 1970er-Jahre und die Energiepreiskrise ab 2021 sind historische Beispiele für importierte Inflation.

  • Ursache 4: Geldmenge und Geldpolitik – wenn mehr Geld auf dieselben Güter trifft

    Wenn eine Zentralbank die Geldmenge ausweitet (etwa durch den Kauf von Staatsanleihen), steht mehr Geld zur Verfügung. Wächst die Geldmenge schneller als die reale Wirtschaftsleistung, steigen die Preise. Diesen Zusammenhang beschreibt die Quantitätstheorie des Geldes. In der Praxis ist der Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation nicht mechanisch, sondern hängt auch davon ab, wie schnell das Geld tatsächlich ausgegeben wird.

Warum strebt die EZB eine Inflation von genau 2 Prozent an?

Die Europäische Zentralbank hat Preisstabilität als primäres Ziel – konkret eine Inflationsrate von 2 Prozent im Euroraum. Dieser Zielwert ist kein Zufall. Er ist hoch genug, um einen Puffer gegen Deflation zu bieten, niedrig genug, um Vermögenswerte nicht zu schnell zu entwerten, und schafft Planungssicherheit für Unternehmen und Haushalte.

Wichtig: Das Ziel ist symmetrisch – Abweichungen nach unten sind für die EZB genauso unerwünscht wie Abweichungen nach oben. Eine dauerhaft zu niedrige Inflation wird also genauso aktiv bekämpft wie eine zu hohe. Diese Klarstellung hat die EZB im Juli 2021 im Rahmen ihrer neuen geldpolitischen Strategie offiziell festgelegt.

Um dieses Ziel zu erreichen, steuert die EZB vor allem den Leitzins: Höhere Leitzinsen verteuern Kredite, dämpfen die Nachfrage und bremsen die Inflation. Niedrigere Leitzinsen verbilligen Kredite, regen Investitionen an und können bei zu niedriger Inflation stimulierend wirken.

Wie die Inflationsrate berechnet wird: Warenkorb, VPI und HVPI erklärt

Die Inflationsrate ist keine Schätzung – sie wird monatlich nach einem standardisierten Verfahren gemessen. Grundlage ist der Verbraucherpreisindex (VPI), den das Statistische Bundesamt erhebt.

Was ist der Verbraucherpreisindex (VPI)?

Der Verbraucherpreisindex bildet die Preisentwicklung eines repräsentativen Warenkorbs ab. Dieser Warenkorb enthält rund 700 Waren und Dienstleistungen, die ein durchschnittlicher deutscher Haushalt regelmäßig kauft – von Brot und Miete bis zu Benzin und Pauschalreisen. Jeden Monat werden die aktuellen Preise dieser Güter erfasst und mit den Preisen aus dem Vorjahreszeitraum verglichen. Die prozentuale Veränderung ergibt die Inflationsrate.

Wie ist der Warenkorb gewichtet?

Nicht alle Posten zählen gleich viel. Ein Haushalt gibt mehr für Miete und Energie aus als für Schuhe – deshalb fließen diese Kategorien stärker in die Berechnung ein. Das nennt man Wägungsschema. Die wichtigsten Kategorien und ihre Gewichtung (Basisjahr 2020, gültig seit Februar 2023):

  • Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe: 25,9 %
  • Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke: 11,9 %
  • Verkehr (inkl. Kauf von Fahrzeugen und Kraftstoff): ca. 13 %
  • Gesundheit: 5,5 %
  • Bekleidung und Schuhe: 4,2 %
  • Pauschalreisen: 1,3 %

Quelle: Statistisches Bundesamt

Das bedeutet: Verdoppeln sich die Energiepreise, trifft das die Inflationsrate deutlich stärker als ein gleichwertiger Preisanstieg bei Schuhen.

Schritt für Schritt: So wird die Inflationsrate berechnet

Schritt 1: Der Warenkorb kostet im Januar 2024 genau 1.000 Euro.

Schritt 2: Im Januar 2025 kostet derselbe Warenkorb 1.030 Euro.

Schritt 3: Berechnung: (1.030 – 1.000) ÷ 1.000 × 100 = 3 Prozent

Ergebnis: Die Inflationsrate beträgt 3 Prozent. Alles, was im Januar 2024 noch 100 Euro kostete, kostet im Januar 2025 durchschnittlich 103 Euro.

Was ist der HVPI – und wofür wird er gebraucht?

Neben dem nationalen VPI gibt es den harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI). Er wurde von der Europäischen Union eingeführt, damit die Inflation aller Mitgliedstaaten nach einheitlicher Methode berechnet und verglichen werden kann. Die EU-Statistikbehörde Eurostat fasst die nationalen HVPI-Werte zu einer Gesamtinflationsrate für den Euroraum zusammen. Die EZB orientiert sich bei ihrer Geldpolitik am HVPI – nicht am nationalen VPI.

Warum weicht meine persönliche Inflation von der offiziellen Rate ab?

Der Warenkorb bildet einen statistischen Durchschnittshaushalt ab. Wer viel Auto fährt, spürt steigende Spritpreise stärker. Wer zur Miete wohnt und die Miete in einer wachsenden Stadt bezahlt, den treffen Mietsteigerungen härter. Wer hingegen ein schuldenfreies Eigenheim bewohnt, hat andere Kostenstrukturen. Die offizielle Inflationsrate ist das beste verfügbare Instrument für eine gesamtwirtschaftliche Aussage – ihre individuelle Preisentwicklung kann davon abweichen.

Ein weiterer Punkt: Kostenlose digitale Dienstleistungen fließen nicht in den Warenkorb ein, obwohl sie einen realen Nutzwert haben. Das bedeutet, der VPI erfasst den vollen Lebensstandard nicht vollständig.

Werden Preise günstiger, wenn die Inflationsrate sinkt?

Nein. Sinkende Inflation bedeutet nicht, dass Preise fallen – sie steigen nur langsamer. Lag die Inflationsrate 2023 bei 5,9 Prozent und fiel 2024 auf 2,2 Prozent, wurden Waren und Dienstleistungen 2024 erneut teurer, aber mit geringerem Tempo. Niedrigere Preise als im Vorjahr entstehen erst bei negativer Inflationsrate – also bei Deflation. Das ist historisch selten und wirtschaftlich problematisch.

Nominaler vs. realer Wert: Warum Ihr Kontostand trügt

Der Betrag auf Ihrem Kontoauszug ist der nominale Wert. Er sagt aber nichts darüber aus, was Sie sich dafür kaufen können – das zeigt erst der reale Wert.

Nominaler Wert: 10.000 Euro auf dem Konto. Diese Zahl bleibt konstant, solange Sie nichts abheben.

Realer Wert: Was Sie mit diesen 10.000 Euro tatsächlich kaufen können – dieser Wert sinkt mit steigender Inflation.

Rechenbeispiel: Kaufkraftverlust über Zeit

Sie legen 10.000 Euro auf ein Konto ohne Zinsen. Die Inflationsrate beträgt konstant 3 Prozent pro Jahr.

Nach einem Jahr: realer Wert = 10.000 ÷ 1,03 = 9.709 Euro

Nach fünf Jahren: realer Wert = 10.000 ÷ (1,03)^5 = 8.626 Euro

Nach zehn Jahren: realer Wert = 10.000 ÷ (1,03)^10 = 7.441 Euro

Auf dem Konto stehen nominal noch immer 10.000 Euro. Real haben Sie nach zehn Jahren jedoch fast ein Viertel Ihrer Kaufkraft verloren – ohne einen einzigen Euro ausgegeben zu haben.

Was bedeutet das für Ihre Geldanlage?

Eine Rendite von 2 Prozent klingt positiv. Liegt die Inflationsrate aber bei 3 Prozent, verlieren Sie real 1 Prozent Kaufkraft pro Jahr. Erst wenn Ihre Rendite nach Steuern und Kosten die Inflationsrate übersteigt, wächst Ihr Vermögen real. Diese Differenz nennt man Realrendite.

Formel Realrendite (vereinfacht): Nominalrendite minus Inflationsrate = Realrendite

Beispiel: 4 % Nominalrendite – 2 % Inflation = 2 % Realrendite

Warum fühlt sich Inflation oft höher an als die offizielle Rate?

Es gibt nachvollziehbare psychologische Gründe dafür. Menschen nehmen Preiserhöhungen bei Alltagsgütern (Brot, Benzin, Butter) besonders intensiv wahr, weil sie diese Dinge regelmäßig kaufen. Wenn gleichzeitig Elektronik oder Kleidung günstiger wird, registrieren sie das seltener bewusst. Hinzu kommt Erinnerungsverzerrung: Ein Liter Milch für 1,50 Euro wirkt teuer, wenn man sich an 80 Cent vor 15 Jahren erinnert – dabei sind in dieser Zeit auch Löhne und Gehälter gestiegen. Die offizielle Inflationsrate bildet die Realität im Durchschnitt gut ab, auch wenn sie Ihre persönliche Ausgabenstruktur nicht exakt widerspiegelt.

Geld vor Inflation schützen: Kurzfristige und langfristige Optionen im Vergleich

Der Kaufkraftverlust durch Inflation lässt sich nicht vollständig vermeiden – aber er lässt sich mit der richtigen Anlagestrategie deutlich begrenzen oder ausgleichen. Die Grundregel: Ihre Rendite nach Steuern und Kosten muss höher sein als die Inflationsrate. Erst dann wächst Ihr Vermögen real.

Kurzfristige Optionen: Für Geld, das Sie innerhalb von drei Jahren brauchen

Tagesgeld: Flexibel verfügbar, aktuell mit marktüblichen Zinsen. Geeignet als Notgroschen oder für kurzfristige Sparziele. Achten Sie darauf, dass der Zinssatz die Inflationsrate übersteigt – das ist nicht immer gegeben und kann sich bei Tagesgeld jederzeit ändern.

Festgeld: Sie legen Geld für einen festen Zeitraum zu einem garantierten Zinssatz an. Wenn Sie sich einen Zinssatz oberhalb der Inflationsrate für mehrere Jahre sichern können, ist Festgeld eine planbare Absicherung. Nachteil: Das Geld ist während der Laufzeit nicht verfügbar.

Was Sie in jedem Fall tun sollten: Reichen Sie bei Ihrer Bank einen Freistellungsauftrag ein. So bleiben Kapitalerträge bis zum jährlichen Sparerpauschbetrag (1.000 Euro für Einzelpersonen, 2.000 Euro für Ehepaare) steuerfrei.

Langfristige Optionen: Für Geld, das Sie zehn Jahre oder länger nicht benötigen

Aktienfonds und ETFs: Aktien gelten historisch als eine der wirksamsten Möglichkeiten, langfristig Kaufkraft zu erhalten und zu mehren. Unternehmen können gestiegene Kosten an Kundinnen und Kunden weitergeben – moderate Inflation lässt nominelle Umsätze und Gewinne steigen, was Aktienkurse tendenziell stützt. Breit gestreute ETFs (börsengehandelte Indexfonds) investieren in viele Unternehmen gleichzeitig und verteilen das Risiko. Aktienkurse schwanken – kurzfristige Verluste sind möglich. Deshalb eignen sich Aktienfonds ausschließlich für Geld, das Sie langfristig nicht brauchen.

Immobilien: Wohnen macht rund ein Viertel des Warenkorbs aus, und Baukosten steigen mit der Inflation. Immobilien können daher einen strukturellen Inflationsschutz bieten – als Kapitalanlage durch Mieteinnahmen und mögliche Wertsteigerungen, als Eigennutzung durch ersparte Mietzahlungen. Wichtig: Immobilienpreise sind regional sehr unterschiedlich, Instandhaltungskosten fallen laufend an, und Mieteinnahmen sind steuerpflichtig. Wer die Immobilie über ein Darlehen finanziert, profitiert davon, dass die reale Schuldenlast bei anhaltender Inflation sinkt – vorausgesetzt, das Einkommen steigt in ähnlichem Maß.

Inflationsgeschützte Anleihen: Staatsanleihen mit Inflationsschutz, sogenannte inflationsindexierte Anleihen, passen Zins- und Rückzahlungen an die Inflationsrate an. Sie eignen sich für sicherheitsorientierte Anleger und Anlegerinnen, die Kaufkraftverlust systematisch absichern wollen.

Welche Mischung ist sinnvoll?

Eine Kombination verschiedener Anlageklassen gleicht Schwankungen bestmöglich aus und verbindet Sicherheit mit Renditechancen. Wie die Gewichtung aussieht, hängt von drei Faktoren ab: Ihrem Anlagehorizont, Ihrer Risikobereitschaft und Ihrem geplanten Verwendungszweck.

So finden Sie die passende Geld­anlagen und optimieren Ihr Vermögen

Schritt für Schritt: So wählen Sie die passende Strategie gegen Kaufkraftverlust

  • Schritt 1: Notgroschen sichern

    Legen Sie zunächst drei bis sechs Nettoeinkommen als liquide Reserve zurück. Dieses Geld gehört auf ein Tagesgeldkonto – zugänglich, aber nicht auf dem Girokonto unverzinst geparkt.

  • Schritt 2: Anlagehorizont bestimmen

    Fragen Sie sich: Wann brauche ich dieses Geld? Bis drei Jahre → kurzfristige Anlage. Drei bis zehn Jahre → mittelfristige Anlage. Mehr als zehn Jahre → langfristige, renditeorientierte Anlage.

  • Schritt 3: Risikobereitschaft einschätzen

    Können Sie es verkraften, wenn Ihr Depot kurzfristig 20 bis 30 Prozent an Wert verliert, ohne zu verkaufen? Wenn ja: Aktienanteil kann höher sein. Wenn nein: Sicherheitsorientierte Anlagen stärker gewichten.

  • Schritt 4: Anlageform wählen

    Zeithorizont unter 3 Jahren + niedriges Risiko → Tagesgeld / Festgeld

    Zeithorizont 3–10 Jahre + mittleres Risiko → Mischfonds / Anleihen

    Zeithorizont über 10 Jahre + mittleres bis höheres Risiko → ETFs / Aktienfonds

    Langfristig + ausreichend Kapital + höheres Engagement → Immobilien

  • Schritt 5: Freistellungsauftrag einrichten

    Erteilen Sie Ihrer Bank einen Freistellungsauftrag bis zur Höhe des Sparerpauschbetrags. Zinserträge bleiben so steuerfrei.

  • Schritt 6: Regelmäßig überprüfen

    Überprüfen Sie Ihre Anlage einmal jährlich: Hat sich Ihre Lebenssituation verändert? Stimmt die Mischung noch mit Ihrem Zeithorizont überein? Liegt Ihre Rendite noch über der aktuellen Inflationsrate?

Diese fünf Fehler kosten Sparer Kaufkraft – und wie Sie sie vermeiden

  • Fehler 1: Geld unverzinst auf dem Girokonto lagern

    Das Girokonto ist für den täglichen Zahlungsverkehr gedacht – nicht als Sparinstrument. Geld, das dort liegt, wird nicht verzinst. Bei einer Inflationsrate von 2 Prozent verlieren 10.000 Euro auf dem Girokonto in zehn Jahren real rund 1.800 Euro Kaufkraft. Lösung: Alles, was über den laufenden Bedarf und den Notgroschen hinausgeht, auf ein verzinstes Konto oder in eine Anlage mit Realrendite umschichten.

  • Fehler 2: Zinsen nicht mit der Inflationsrate vergleichen

    Ein Festgeld mit 1,5 Prozent Zinsen klingt besser als nichts. Liegt die Inflationsrate bei 2,5 Prozent, verlieren Sie trotzdem real 1 Prozent Kaufkraft pro Jahr. Prüfen Sie immer die Realrendite: Nominalzins minus Inflationsrate. Nur ein positiver Wert bedeutet echten Vermögenszuwachs.

  • Fehler 3: Bei Kursschwankungen zu früh aus Aktienfonds aussteigen

    Wer in einen breit gestreuten Aktienfonds oder ETF investiert und bei einem Kursrückgang verkauft, realisiert Verluste und verpasst die Erholung. Historisch haben sich breite Aktienindizes nach Rückgängen erholt. Auch wenn sich daraus keine Entwicklungen für die Zukunft ableiten, haben langfristige Investitionen in der Vergangenheit die Inflation übertroffen. Aktienfonds sind für den langen Zeithorizont gedacht. Wer Geld kurzfristig braucht, sollte es dort nicht anlegen.

  • Fehler 4: Auf eine einzige Anlageklasse setzen

    Wer ausschließlich auf Tagesgeld setzt, verliert in Niedrigzinsphasen Kaufkraft. Wer nur in Aktien investiert, ist Kursschwankungen ohne Puffer ausgesetzt. Wer nur in Immobilien investiert, hat wenig Liquidität. Eine Mischung aus mehreren Anlageklassen – abgestimmt auf Zeithorizont und Risikobereitschaft – ist stabiler als jede Einzelanlage. In einem Beratungsgespräch können die Anlageformen ermittelt werden, die am besten zu den eigenen Möglichkeiten und Zielen passen.

  • Fehler 5: Inflationsschutz aufschieben, weil die Rate gerade niedrig ist

    Inflation entwickelt sich nicht gleichmäßig – sie kann schnell ansteigen, wie die Jahre ab 2021 gezeigt haben. Wer dann noch gar nicht investiert, muss bei hohen Kursen oder schlechten Konditionen einsteigen. Frühzeitiges Investieren, auch in kleinen Beträgen über Sparpläne, nutzt den Zinseszinseffekt und ist unabhängig vom aktuellen Inflationsniveau sinnvoll.

Inflation und ihre Folgen: Wer verliert, wer profitiert?

Inflation wirkt nicht für alle gleich. Je nach Vermögensstruktur, Einkommen und Schuldenstand sind die Auswirkungen unterschiedlich.

Wer durch Inflation besonders belastet wird

Sparer und Sparerinnen mit niedrig verzinsten Konten: Wer Geld auf einem Sparkonto mit 0,1 Prozent Zinsen hält und die Inflation liegt bei 3 Prozent, verliert real 2,9 Prozent seines Vermögens pro Jahr – ohne es zu merken, weil der nominale Kontostand gleichbleibt.

Rentnerinnen und Rentner sowie Menschen mit niedrigen Einkommen: Ein größerer Anteil ihres Einkommens fließt in Grundbedürfnisse wie Nahrungsmittel, Energie und Wohnen – genau die Bereiche, die bei hoher Inflation besonders stark steigen. Die deutschen Renten sind an die Lohnentwicklung gekoppelt; seit 2024 sind sie stärker als die Inflation gestiegen. In Phasen sehr hoher Inflation kann diese Anpassung jedoch zeitverzögert erfolgen.

Menschen mit Festgehältern ohne Lohnanpassung: Wer dasselbe nominale Gehalt bekommt, aber die Preise steigen, verliert reale Kaufkraft. Lohnverhandlungen und Tarifabschlüsse sind deshalb in Inflationsphasen von besonderer Bedeutung.

Wer durch Inflation weniger belastet oder sogar entlastet wird

Personen mit Schulden und variablem Einkommen: Wenn Geld weniger wert wird, sinkt auch die reale Last eines bestehenden Kredits. Ein Baudarlehen über 200.000 Euro wird real leichter, wenn das Einkommen mit der Inflation steigt. Voraussetzung: Der Kreditnehmer oder die Kreditnehmerin behält den Arbeitsplatz und profitiert von steigenden Löhnen.

Eigentümer und Eigentümerinnen von Sachwerten: Wer Immobilien, Aktien oder Rohstoffe hält, besitzt Vermögenswerte, deren nominaler Wert mit der Inflation tendenziell steigt. Sachwerte gelten deshalb als struktureller Inflationsschutz – wenngleich ohne Garantie im Einzelfall.

Zusammenfassung: Welche Maßnahme ist für Sie die richtige?

Inflation bedeutet Kaufkraftverlust – für jeden, der Geld hält, ohne es zu investieren. Die folgenden Aussagen helfen Ihnen, die richtige Entscheidung zu treffen. Die beste Möglichkeit ist jedoch ein Beratungsgespräch in ihrer Sparkasse. Hier können Möglichkeiten, Ziele und Wünsche am besten aufeinander abgestimmt werden.

  • Wenn Sie Geld in den nächsten ein bis drei Jahren brauchen → Tagesgeld oder Festgeld mit Zinsen über der Inflationsrate wählen.
  • Wenn Sie einen Zeithorizont von mehr als zehn Jahren haben und Schwankungen verkraften können → breit gestreute ETFs oder Aktienfonds sind historisch der wirksamste Schutz gegen Inflation.
  • Wenn Sie noch keinen Notgroschen haben → zuerst drei bis sechs Nettoeinkommen auf einem Tagesgeldkonto sichern, bevor Sie langfristig investieren.
  • Wenn Ihre aktuelle Rendite nach Steuern unterhalb der Inflationsrate liegt → prüfen Sie, ob eine Umschichtung sinnvoll ist.
  • Wenn Sie unsicher sind, welche Anlage zu Ihrer Situation passt → lassen Sie sich beraten. Die Beraterinnen und Berater Ihrer Sparkasse helfen Ihnen dabei, Ihre persönliche Strategie zu entwickeln.

Merksatz: Geld, das nicht arbeitet, verliert durch Inflation real an Wert. Die Frage ist nicht, ob Sie investieren sollten, sondern wie – abgestimmt auf Ihren Zeithorizont und Ihre Risikobereitschaft.

Checkliste: Bin ich gut gegen die Inflation aufgestellt?
  • Ich habe einen Freistellungsauftrag bei meiner Sparkasse oder Bank eingereicht.
  • Mein Notgroschen liegt auf einem verzinsten Tagesgeldkonto, nicht auf dem Girokonto.
  • Ich kenne die Realrendite meiner aktuellen Anlage (Nominalzins minus Inflationsrate).
  • Ich habe Geld, das ich langfristig nicht brauche, in renditeorientierte Anlagen investiert oder plane dies.
  • Ich überprüfe meine Anlage mindestens einmal jährlich auf Aktualität.
  • Ich habe meine Geldanlage auf mehrere Anlageklassen verteilt.
  • Ich weiß, wie hoch die aktuelle Inflationsrate in Deutschland ist.


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Häufige Fragen zur Inflation

  1. Inflation kann die reale Last von Schulden verringern. Wer einen Kredit zu einem festen Zinssatz aufgenommen hat und dessen Einkommen mit der Inflation steigt, zahlt den Kredit real mit weniger wertvollem Geld zurück. Voraussetzung ist, dass das Einkommen tatsächlich steigt und die Inflation nicht zu wirtschaftlichen Verwerfungen wie höherer Arbeitslosigkeit führt.


  2. Inflation kann die reale Last eines laufenden Kredits senken. Der Grund: Die monatliche Rate bleibt bei einem Darlehen mit festem Zinssatz gleich, während Geld durch Inflation an Kaufkraft verliert. Wenn gleichzeitig Ihr Einkommen steigt, wird die Rückzahlung wirtschaftlich leichter tragbar. Aber: Das gilt nur, wenn die Löhne tatsächlich mitwachsen. Bei neuen Krediten kann hohe Inflation außerdem dazu führen, dass die Zinsen steigen und Finanzierungen teurer werden.


  3. Die Kerninflation zeigt die Preisentwicklung ohne besonders schwankungsanfällige Bereiche wie Energie und Nahrungsmittel. Sie soll den längerfristigen Preistrend besser sichtbar machen. Die Gesamtinflationsrate umfasst dagegen alle Güter und Dienstleistungen des Warenkorbs. Deshalb können sich beide Werte unterscheiden: Steigen etwa Energiepreise kurzfristig stark, erhöht das die Gesamtinflation deutlich, während die Kerninflation weniger stark reagiert.


  4. Inflation kann dazu führen, dass Rentnerinnen und Rentner Kaufkraft verlieren, wenn die Preise schneller steigen als die Renten. Die gesetzliche Rente wird zwar regelmäßig angepasst, orientiert sich dabei aber vor allem an der Lohnentwicklung und nicht direkt an der aktuellen Inflation. Deshalb kann es vor allem in Phasen hoher Teuerung zu Verzögerungen kommen. Dann reicht die Rentenerhöhung zunächst nicht aus, um die gestiegenen Lebenshaltungskosten vollständig auszugleichen.

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