Das bedeutet eine Scheidung für Ihre Finanzen

Alles Wichtige über Zugewinngemeinschaft, Unterhaltszahlungen und Versorgungsausgleich auf einen Blick

Wenn sich Eheleute trennen, gibt es viel zu regeln. Konten müssen aufgelöst, Versicherungen und Hausrat getrennt und gegenseitige finanzielle Ansprüche geklärt werden. Worum müssen Sie sich direkt nach einer Trennung kümmern? Was kostet eine Scheidung? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

In guten wie in schlechten Zeiten. Das versprechen sich Jahr für Jahr Paare, die gemeinsam den Rest ihres Lebens miteinander verbringen möchten. 2017 gab es in Deutschland über 400.000 Eheschließungen. Die unromantische Realität: 

Symbolbild: Gebrochenes Herz
Prozent

der Ehen werden später wieder geschieden – im Schnitt nach 15 Jahren (Statista 2017).

Was im ersten Moment vor allem emotional eine große Belastung ist, stellt für viele auch finanziell eine Herausforderung dar. Schließlich braucht nun jeder etwas Eigenes – eine eigene Bleibe, eigene Möbel und Geschirr, eigene Versicherungen, eventuell ein eigenes Auto.

Gerade wenn beide Partner während der Ehe nicht gleichermaßen für die finanzielle Absicherung zuständig waren, wird es da oft kniffelig. Wer ist also wem wie viel schuldig? Und für wie lange?

Grundsätzlich gilt:

Bei einer Scheidung gibt es einen finanziellen Ausgleich auf drei Ebenen.

  • Vermögen und Eigentum: Die materiellen Güter eines Paares werden untereinander aufgeteilt, also etwa das Geldvermögen, Immobilien und Hausrat.
  • Unterhalt: Um finanzielle Unterschiede auszugleichen, zahlt der Besserverdienende einen regelmäßigen Betrag an seinen Ex-Partner.
  • Versorgungsausgleich: Hierbei geht es um finanziellen Ausgleich für Rentenzahlungen. Ansprüche, die im Verlaufe der Ehe erworben wurden, werden zu gleichen Teilen auf beide Partner verteilt.

Vermögen und Eigentum

Wird es nicht anders – etwa in einem Ehevertrag – festgehalten, gilt: Eine Ehe ist eine Zugewinngemeinschaft. Im Falle einer Scheidung werden alle während der Ehezeit erwirtschafteten Vermögenswerte gerecht unter den Eheleuten aufgeteilt – sowohl Geldwerte als auch Immobilien oder andere Besitztümer. Egal, welcher der beiden Partner diese finanziert hat.

Als Ehezeit gilt die Zeit vom Tag der Hochzeit bis zum Tag der Trennung. Stichtag ist zumeist der Auszug aus der gemeinsamen Wohnung. Wichtig: Bringt ein Ehepartner bereits Vermögen oder Eigentum mit in die Ehe, erbt er oder bekommt etwas geschenkt, fällt dies nicht mit in die Aufteilungsmasse.

Damit vorhandenes Vermögen bei einer Scheidung berücksichtigt wird, muss dieses vor Gericht offengelegt werden. Ob beide Ehegatten jedoch wahre Angaben machen, wird nicht zwangsläufig überprüft. Im Falle einer Scheidung kann es für Sie vorteilhaft sein, wenn Sie einen Überblick darüber zu haben, was Ihr Partner verdient, ob er eine Lebensversicherung oder ein Aktiendepot hat. Gerade wenn Sie sich im Streit trennen, ist es ratsam, dass Sie alle wichtigen Informationen und Unterlagen kopieren. Kontoauszüge, Gehaltsbescheinigungen, Rentenversicherungen, Wertpapierauszüge, Bausparverträge, Rentenmitteilungen, Mieteinnahmen … All das kann Ihnen dabei helfen, bei einer Scheidung kein Geld zu verlieren.

Übrigens: Nicht nur Vermögen wird nach einer Trennung geteilt, auch gemeinsame Schulden bleiben nach einer Scheidung für beide Partner bestehen.

Unterhalt

Im Trennungsjahr ist der Allein- oder Hauptverdiener in der Regel dazu verpflichtet, Unterhalt (Trennungsunterhalt) an seinen Ex-Partner zu zahlen. Diese Zahlungen dienen dazu, dass der finanzschwächere Ehepartner abgesichert ist und so leichter in ein neues Leben starten kann.

Grundsätzlich gilt: Nach einer Scheidung sollen beide Ehepartner für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen. Um auch nach dem Trennungsjahr noch Anspruch auf Geld vom Ex-Partner zu haben, müssen deshalb besondere Voraussetzungen erfüllt sein.

Ein Grund für nachehelichen Unterhalt ist etwa die Betreuung gemeinsamer Kinder. Bis zum dritten Geburtstag des jüngsten Kindes hat der Betreuende Anspruch auf den sogenannten Betreuungsunterhalt. Danach muss er für sich selber sorgen.

Weitere Gründe für einen andauernden Unterhalt vom Ex-Partner können Krankheit oder Alter sein. Auch wegen Erwerbslosigkeit oder während einer Ausbildung steht Getrennten Unterhalt zu.

Der Kindesunterhalt ist davon unabhängig. Wer die gemeinsamen Kinder betreut, erhält monatlich Geld vom anderen Elternteil. Davon wird Unterkunft, Verpflegung und Kleidung für den Nachwuchs bezahlt.

Die Höhe des Kindesunterhalts richtet sich zumeist nach der Düsseldorfer Tabelle. Diese liefert Richtwerte, die je nach Alter der zu versorgenden Kinder unterschiedlich hoch sind. Achtung: Dem Zahlenden muss selber ausreichend Geld zum Leben bleiben. Der monatliche Eigenbedarf liegt derzeit bei 1.200 Euro.

Versorgungsausgleich

Im Verlauf einer Ehe ersteht ein Paar nicht nur gemeinsames Eigentum und erwirtschaftet Vermögen. Wer arbeitet, sammelt über die Jahre zudem Punkte für die Rente – wichtig, um auch in Zukunft abgesichert zu sein.

Bei einer Scheidung werden die in der Ehezeit erworbenen Rentenpunkte beider Ehepartner gerecht aufgeteilt. Dies ist vor allem für den Partner wichtig, der weniger oder gar nicht in die Rentenversicherung eingezahlt hat.

Symbolische: Ausgeglichene Waage
Prozent

der Rentenansprüche, die in der Ehe gesammelt werden, erhält jeder Ehepartner

Übrigens: Mit Durchführung des sogenannten Versorgungsausgleichs werden nicht nur die Ansprüche aus der gesetzlichen Rente geteilt. Auch eine Beamtenpension, Riester- oder Rürup Rente, betriebliche Altersvorsorge oder private Absicherung werden herangezogen. Über die genaue Aufteilung der Rentenansprüche entscheidet das Gericht im Scheidungsverfahren ohne gesonderten Antrag. Lediglich Paare, die weniger als drei Jahre verheiratet waren, müssen dies beantragen.

Illustration: Rechenbeispiel des Versorgungsausgleichs bei einer Scheidung

Frisch getrennt: Das sollten Sie jetzt regeln

Zu wissen, womit Sie finanziell nach einer Scheidung rechnen müssen, ist die eine Sache. Genauso wichtig ist es jedoch, direkt nach der Trennung die eigenen Finanzen in die Hand zu nehmen. Eine Checkliste für Sie:

1. Ein eigenes Konto sichern

Als verheiratetes Paar ist es nicht unüblich, dass beide Eheleute über ein gemeinsames Konto verfügen. Nach einer Trennung sollten Sie so schnell es geht ein eigenes Bankkonto einrichten und eigene Zahlungen auf das neue Konto umleiten. Sie sollten sich zudem die Hälfte des gemeinsamen Geldes überweisen. Schließlich gehört Ihnen die Hälfte des Guthabens, das Sie gemeinsam bis zum Tag der Trennung erwirtschaftet haben.

Damit Ihr Noch-Partner das gemeinsame Konto nicht ausreizen und Schulden machen kann, sollten Sie zudem bestehende Dispo-Kredite kündigen und Einzugsermächtigungen widerrufen. Denn: Bei gemeinsamen Konten und Verträgen haften Sie gemeinsam. 

2. Eigene Versicherungen abschließen

Ob Krankenversicherung, Haftpflicht- oder Hausratversicherung: Häufig schließt einer der Ehepartner einen Versicherungsvertrag ab, der andere gilt als mitversichert. Spätestens mit einer Scheidung laufen diese Mitversicherungen jedoch ab. Verschaffen Sie sich nach einer Trennung deshalb schnellstmöglich einen Überblick darüber, welche Versicherungsverhältnisse bestehen und ob Sie selber Versicherungsnehmer sind.

Krankenversicherung: Arbeiten beide Eheleute, so besteht für jeden eine eigene Krankenversicherung. Ist einer bislang über den Partner familienversichert, kann dieses Versicherungsverhältnis bis zu drei Monate nach der Scheidung bestehen bleiben.

Private Haftpflicht: Diese Versicherung hat in der Regel ein Ehepartner abgeschlossen, der andere gilt als mitversichert. Dieses Versicherungsverhältnis endet am Tag der Scheidung. Gemeinsame Kinder sind auch darüber hinaus weiterhin versichert.

Hausratversicherung: Sie besteht weiterhin für denjenigen, der die Versicherung abgeschlossen hat. Bleibt er in der gemeinsamen Wohnung, ändert sich nichts am Vertrag. Zieht er in ein neues Zuhause, muss dies dem Versicherer gemeldet werden. Der andere Partner ist dazu angehalten eine eigene Versicherung abzuschließen.

Lebensversicherung: Eine Lebensversicherung bleibt auch nach einer Scheidung bestehen. Da als Begünstigter häufig der Ehepartner eingetragen ist, sollte das nach einer Trennung umgehend geändert werden.

Auch wenn der Versicherungsschutz für Mitversicherte bis zur Scheidung bestehen bleibt, ist es ratsam, sich bereits bei einer Trennung um eigene Versicherungen zu kümmern. 

3. Neue finanzielle Situation umreißen

Bei einer Trennung ist es wichtig, dass Sie in die Zukunft schauen. Überschlagen Sie deshalb, wie viel Geld Ihnen durch eigenes Einkommen, Unterhalt oder sonstige Leistungen zur Verfügung stehen wird.

Können Sie mit Geld von Ihrem Ex-Partner rechnen? Wenn ja: mit wie viel? Was werden Sie eine eigene Wohnung, ein eigenes Auto oder Versicherungen kosten? Denken Sie auch daran, dass Sie in eine andere Steuerklasse wechseln werden. Das kann mitunter eine finanzielle Belastung sein.

Lächelnde Frau unter einem Baum

4. Sich über finanzielle Unterstützung informieren

Es gibt immer wieder Fälle, in denen es nach einer Trennung schwer ist, finanziell über die Runden zu kommen. Oft liegt das daran, dass der Ex-Partner nicht in der Lage ist, den nötigen Unterhalt zu zahlen oder dieser einfach nicht ausreicht.

Dann kann Ihnen beispielsweise ein Unterhaltsvorschuss helfen. Diese staatliche Leistung unterstützt Sie dabei, den Lebensunterhalt Ihrer Kinder zu finanzieren. Als Alleinerziehende, die auf Arbeitslosengeld II angewiesen ist, können Sie zudem einen Mehrbedarf geltend machen. 

5. Kosten für die Scheidung einplanen

Bei einer Scheidung fallen grundsätzlich Kosten für Anwalt und Gericht an. Wie hoch diese Kosten sind, berechnet sich danach, wie hoch der Verfahrenswert ist. Und dieser wird wiederum auf Basis der Einkommen beider Eheleute, der gemeinsamen Vermögenswerte und des Umfangs des Verfahrens bestimmt.

Es gilt: Je mehr Aufwand für Anwälte und Richter entsteht, desto teurer wird die Scheidung. Bei einer einvernehmlichen Scheidung, bei der etwa Unterhalt, Zugewinnausgleich und Fragen, die die Kinder betreffen, bereits geklärt sind, können sich beide Eheleute einen Anwalt teilen. Übrigens: Die Scheidungskosten müssen zu gleichen Teilen von beiden Parteien getragen werden.

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