Anzahl der Scheidungen nimmt ab

Diese finanziellen Folgen müssen Sie bei Hochzeit oder Trennung beachten

Obwohl die Anzahl der Eheschließungen steigt, geht die der Scheidungen zurück. Warum ist das so? Hintergründe und Finanztipps – für Ehepaare und Getrennte.

Ein Paar steht diskutierend am Balkon

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nach der Jahrtausendwende hatte die Scheidungsrate in Deutschland im Jahr 2004 mit 213.700 geschiedenen Ehen ihren Hochpunkt. Seitdem sinkt sie – mit einer Ausnahme im Jahr 2019 – konstant.  
  • Besonders bei der Generation Y ist die Scheidungsrate sehr gering. Dies hängt mit veränderten Lebens- und Beziehungsvorstellungen zusammen.
  • Sowohl nach einer Heirat als auch nach einer Scheidung folgt eine Menge Bürokratie. Besonders finanziell sollten Sie auf der sicheren Seite sein. 

Generation Y setzt eine Beziehung auf den Prüfstand

Nach der Jahrtausendwende erreichte Deutschland im Jahr 2004 mit 213.700 Scheidungen den Höhepunkt. Seitdem ist eine starke Abnahme festzustellen. Ursache dafür sind jedoch nicht weniger Eheschließungen. Ganz im Gegenteil: Seit 2007 wird in Deutschland häufiger geheiratet. Im Jahr 2018 gaben sich 450.000 Paare das Ja-Wort – der Spitzenwert der vergangenen 30 Jahre.

Durch Corona könnte die Scheidungsrate jedoch wieder zunehmen: Viel Zeit zusammen zu Hause, die Einschränkungen der Pandemie und sozialer Stillstand waren für viele Paare eine Zerreißprobe. Ob es einen Effekt gibt, lässt sich allerdings erst im kommenden Jahr feststellen, da einer Scheidung immer ein Trennungsjahr vorausgeht.

Besonders beständig ist die Generation Y (zwischen den 80ern und 90ern Geborene). Junge Menschen wollen sich heutzutage erst selbst verwirklichen und fest auf eigenen Beinen stehen, ehe sie sich „auf ewig“ an jemanden binden. Der Bund zwischen zwei Menschen stellt für sie vielmehr die Krönung einer glücklichen Beziehung dar und soll diese vertiefen.

Daher heiraten viele Paare erst nach langjähriger Partnerschaft, in der sie die Chance hatten, sich gut genug kennenzulernen und die „Macken“ des oder der anderen zu entdecken. Überraschende, kritische Verhaltensweisen treten dadurch seltener auf.  Ein beliebtes Modell in dieser Generation ist der Dreischnitt aus Freundschaft, Beziehung und zuletzt Ehe. Wobei dies im Zeitalter der Digitalisierung und des Online-Datings längst nicht für alle gilt. 

Das ändert sich bei einer Hochzeit

Sie möchten demnächst heiraten? Herzlichen Glückwunsch! Bei aller Freude und Glückseligkeit sollten Sie aber nicht alles durch die rosarote Brille sehen – so etwa die Finanzen. Denn hier ändert sich durch eine Hochzeit einiges.

Über eine Namensänderung sollten Sie beispielsweise nicht nur das Einwohnermeldeamt, sondern auch Ihre Sparkasse, Versicherungen und Krankenkasse informieren.

Besprechen Sie außerdem mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin, wie Sie in Ihrer Beziehung mit Geld umgehen möchten. Schließlich fallen spätestens jetzt größere gemeinsame Ausgaben für Ihr Zuhause, Urlaub, einen möglichen Familienzuwachs und vieles mehr an. Beispielsweise kann ein zusätzliches Gemeinschaftskonto helfen, den Überblick über die neuen gemeinsamen Lebenshaltungskosten zu behalten.

Entscheiden Sie sich für getrennte Konten, sollten Sie sich gegenseitig Kontovollmachten einräumen. So kann Ihr Partner oder Ihre Partnerin im Unglücksfall auf Ihr Konto zugreifen – und umgekehrt.

Prüfen Sie außerdem, ob eine neue Lohnsteuerklasse für Sie in Betracht kommt und checken Sie Ihre bestehenden Verträge. Bei Lebensversicherungen kann es sinnvoll sein, sich gegenseitig als Begünstigte einzutragen. Doppelversicherungen lassen sich in vielen Fällen kündigen.

Wer vor der Ehe allein einen Kredit aufgenommen hat, ist auch weiterhin eigenverantwortlich dafür zuständig. Anders sieht es aus, wenn Sie als unverheiratetes Paar oder direkt nach der Ehe einen Kreditvertrag abschließen. Dann ändert sich an vertraglichen Konditionen nichts – höchstens der hinterlegte Name.

Unser Tipp an alle: Sehen Sie Ihre Partnerin oder Ihren Partner niemals als Altersvorsorge an. Auch wenn die Person deutlich mehr verdient als Sie. Im Falle einer Trennung sollten Sie jederzeit Ihre eigene Absicherung in petto haben.

Denn auch wenn die Rate abnimmt, gehören Scheidungen nach wie vor dazu und sind durch die voranschreitende Emanzipation in weiten Teilen der Welt akzeptiert. In vielen Fällen ist es besser, getrennte Wege zu gehen. Besonders dann, wenn man sich in der Beziehung nichts mehr zu sagen hat, keine gemeinsamen Interessen mehr verfolgt und nur noch unglücklich ist. 

Das ändert sich bei einer Scheidung

Bei einer Scheidung müssen gemeinsame Konten aufgelöst, Versicherungen und Hausrat getrennt sowie das Vermögen und Eigentum aufgeteilt werden. Dies geschieht oft durch eine dritte Instanz.

In der Regel – wenn nicht in einem Ehevertrag anders festgelegt – gilt eine Ehe als Zugewinngemeinschaft. Dies bedeutet, dass im Falle der Trennung alle Vermögenswerte gerecht unter den Ehepartnern aufgeteilt werden. Unabhängig davon, wer was und wie viel finanziert hat.

Dazu wird der Zugewinn jedes Ehepartners ermittelt. Dem jeweiligen Anfangsvermögen (zum Tag der Hochzeit) wird das Endvermögen (zum Tag, an dem der Scheidungsantrag zugestellt wurde) gegenübergestellt. Hat ein Partner mehr Vermögen dazugewonnen als der andere, muss er die Hälfte der Differenz davon abgeben. Bringt ein Ehepartner bereits Vermögensbestände oder Eigentum mit in die Ehe, fällt nur dessen Wertsteigerung mit in die Aufteilungsmasse.

Unterhalt muss im Trennungsjahr meist vom Allein- oder Hauptverdiener an den finanziell schwächeren Partner gezahlt werden, um diesem einen einfacheren Start in den neuen Lebensabschnitt zu gewährleisten. Nur wenn zusätzliche Gründe gegeben sind, wie beispielsweise Kinder oder Krankheit, kann noch über das Trennungsjahr hinaus ein Anspruch auf Unterhalt bestehen.

Sollten Sie gerade eine Scheidung durchlaufen, müssen Sie im ersten Schritt darauf achten, Ihr Konto zu sichern und eigene Versicherungen abzuschließen. Auch die persönliche finanzielle Situation und das Ausgabenbudget ändern sich, weshalb Sie alle Kosten im Blick behalten und sich möglicherweise über finanzielle Unterstützung informieren sollten.

Wichtig: Eine Scheidung kostet Geld. Die Summe ist vom Einkommen und Vermögen der sich trennenden Eheleute abhängig, aber auch vom Aufwand, den Anwältinnen und Anwälte sowie Richterinnen und Richter betreiben müssen. Sinnvoll ist es daher, sich am besten in wenig Punkten streitig zu sein. Wir informieren hier weiter über das Thema Scheidung.  

(Stand 31.08.2021)


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