Vermögensaufbau 4.0: Von Sammel-Trends und Sneaker-Börsen

Wie erfolgversprechend sind exotische Geldanlagen?

Was selten ist, ist wertvoll. In der Niedrigzinsphase ist es naheliegend, sich das Knappheitsprinzip beim Vermögensaufbau zunutze zu machen: aus Sammel-Leidenschaft wird Geldanlage. Geschichten von spektakulären Verkäufen und Traumrenditen gesammelter Objekte gibt es zuhauf. Ist eine teure Sammlung also die beste Geldanlage? Was taugt als Investitionsobjekt  und was nicht?

Deutschland ist Sammler-Land, rund ein Viertel der Bundesbürger sammelt. Briefmarken, Bierdeckel, seltene Weine, Kunst, Taschen oder historische Schätze sind seit Jahrzehnten gefragte und gehandelte Objekte. Was einst Hobby war oder rein dekorative Zwecke verfolgte, ist in Zeiten der Digitalisierung zur ernst zu nehmenden Anlagemöglichkeit avanciert.

Die globale Vernetzung von Sammlern und Händlern beflügelt die Preise. Und treibt neue Blüten: von Bonsai-Baum bis Turnschuh. Außergewöhnliche Geldanlagen stehen hoch im Kurs. Denn wem Festgeld und klassische Geldanlage zu renditeschwach, der ertragreiche Handel über Fonds und Wertpapiere aber zu abstrakt ist, flüchtet sich in Sachwerte. Diese Alternative verspricht einen greifbaren materiellen Gegenwert und vergleichsweise gute Gewinne.

Die ungewöhnlichen Wege, sein Geld zu vermehren, sind grenzenlos. Wie viel Potential haben alternative Geldanlagen? Und kann man mit Sneakers wirklich schleichend reich werden? Wir haben außergewöhnliche Geldanlagen unter die Lupe genommen.

Oldtimer

Alte Autos sind nicht nur etwas für Hobbyschrauber. Es gibt einen großen Liebhabermarkt für Fahrzeuge, die älter sind als 30 Jahre. Allerdings ist Alter nicht gleichzusetzen mit Wertzuwachs – wer in ein KFZ mit H-Kennzeichen (das H steht nach der Zahlenreihe und kennzeichnet einen Oldtimer) investieren will, sollte Expertise haben.

Illustration: eine kleines Auto

Kunst

Käufer von Kunst haben idealerweise Interesse am Kunstgegenstand selbst, nicht nur an der potenziellen Rendite. Wer sich nicht auskennt, sollte das Kunstwerk auf jeden Fall von Sachverständigen schätzen lassen. Nicht jede Kunst erweist sich als dauerhaft gut verkäuflich.

Illustration: Pinsel und Farbpalette

Wein

Flüssiges Gold für das Portfolio: Eine gute Flasche Wein, aus dem berühmten Weingut Château Mouton-Rothschild beispielsweise, kann ihren Wert über wenige Jahre schnell vervielfachen. Wichtig hierbei ist vor allem eine fachgerechte Lagerung bei hoher Luftfeuchtigkeit und konstanten Temperaturen um die 13 Grad.

Illustration: Weinglas und Weinflasche

Uhren

Sensationsverkäufe in Millionenhöhe sind am Uhrenmarkt keine Seltenheit. Es gibt eben nur noch wenige der wirklich wertvollen Chronographen von Rolex, Omega, Tag Heuer oder Patek Philippe, besonders nicht in tadellosem Zustand. Die Zahl der Fälschungen aber steigt – ohne Sachkenntnis lassen sich hier keine Gewinne erzielen.

Illustration: Armbanduhr

Briefmarken

Mit Briefmarken können durchaus solide Erträge erzielt werden. Hier sind neben der eigentlichen Marke auch die Destinationen wichtig – also von wo nach wo der Brief mit der Marke geschickt wurde. Beliebt sind beispielsweise Briefmarken der Nachkriegszeit.

Illustration: Briefmarke

Handtaschen

Taschen taugen nicht nur als Luxusaccessoire fürs Handgelenk, sondern mitunter auch als Investment. Vor allem Besitzer exklusiver Modelle aus dem Designer-Haus Hermès können mit hohen Wertsteigerungen rechnen: Sonderanfertigungen mit Echtgold-Beschlägen knacken bereits heute die 200.000 Euro-Marke.

Illustration: Handtasche

Schallplatten

Vinyl ist wieder „in“. Immer mehr Interpreten bieten neben Musik- Streaming ihre Songs auch auf LPs an. Als Investition sind seltene Tonträger schon lange gefragt – vor allem Erstpressungen in neuwertigem Zustand. Je nach Titel werden ultrarare Originale zu stolzen Preisen gehandelt. Schnäppchen gibt es nur noch selten.

Illustration: Schallplatte

Porzellan

Vor allem für das berühmte Meißner Porzellan zahlen Sammler hohe Summen. Da viele Auflagen nur streng limitiert hergestellt werden, steigt der Wert kontinuierlich. Hier lohnt es sich, in Großmutters Schrank zu stöbern.

Illustration: Kaffeekanne und Tasse

Teddybären

Die am höchsten gehandelten Teddybären stellt die Firma Steiff seit über einem Jahrhundert her. Sechsstellige Summen lassen sich bei Auktionen erzielen. Natürlich sind hierbei das Herstellungsjahr sowie das Modell und der Zustand entscheidend.

Illustration: Teddybär

Puppen

Babypuppen von Käthe Kruse werden bei Auktionen zu Beträgen in vierstelliger Höhe gehandelt, vor allem Modelle aus der frühen Nachkriegszeit. Die Sammler schätzen die Puppen für die große Handwerkskunst in der Verarbeitung und verbinden mit ihnen oft eigene Kindheitserinnerungen.

Illustration: Püppchen

Sneaker

Von Nike Air, adidas NMD HR bis Yeezy Boost – in limitierter Stückzahl gefertigte Kollaborationen von Sportmarken und Musikern wie Kanye West und Pharrell Williams, erzielen Renditen im zwei- bis dreistelligen Bereich.

Aber auch alte Treter von Kultstars haben Potenzial: So wurden die Sportschuhe des Basketballprofis Michael Jordan für eine sechsstellige Summe versteigert. Mehr zum Thema Geldanlage mit Sneakers  im Experten-Interview.

Illustration: Sportschuh

Lego

Kinderspielzeug? Ja, aber auch Erwachsene haben die Bausteine für sich entdeckt. Wenn der Karton verschlossen bleibt, gibt es für bestimmte Bausätze ein hohes Wertsteigerungspotenzial. Vier- bis fünfstellige Summen sind drin. Wie beim 2007 für 500 Euro angebotenen “Ultimate Collector’s Millennium Falcon“. Heutiger Wert:  6.500 Euro.

Illustration: drei Lego-Bausteine

Comics

Comics sind weit mehr als nur Groschenhefte. Für Sammler und Liebhaber haben sie nicht nur einen emotionalen Wert – Millionenbeträge werden für besondere Erstausgaben gezahlt. Die Preise für Raritäten steigen stetig. Mehr Wert haben eingeschweißte Ausgaben.

Illustration: Comicheft

Scotch Whisky

Neben edlen Weinen gibt es eine weitere flüssige Geldanlage: den Whisky-Markt. Interessant ist vor allem der in einer einzigen Destillerie aus gemälzter Gerste gebrannte Single Malt.

Limitierte Abfüllungen und der Fakt, dass der Whisky nicht nur gesammelt, sondern auch getrunken wird, lassen den Wert steigen – beim Black Bowmore von 1993 derzeit um das etwa 150-fache.

Illustration: Schnapsflasche

Tee

Flüssige Schätze dritter Teil: Sie trinken abends gerne gemütlich ein Tässchen Tee? Das trifft sich gut. Denn Tee ist eine durchaus lukrative Geldanlage. Die Sorte Puh Erh beispielsweise wird im Alter immer besser und kann - gut gelagert - eine fünfstellige Summe wert sein.

Illustration: dampfende Teetasse

Bonsai

Ein Investment in Bonsai-Bäume ist komplex. Die teuren Pflanzen-Rohlinge werden nicht allein durch den Faktor Zeit wertvoll, sondern durch Pflege – denn bei Anzucht und Gestaltung der empfindlichen Gewächse gibt es viel zu beachten. Das Risiko, dass der Bonsai eingeht, bleibt bei aller Sorgfalt groß.

Illustration: ein kleiner Bonsai-Baum

Interview: Sind Sneakers das neue Gold?

Ein Investment in Turnschuhe ist eine kuriose Geldanlage. Streng limitierte, ausverkaufte Sneakers werden von Resellern zu schier unglaublichen Preisen weiterverkauft. Die „Sneakerhead“-Szene ist heute so groß, dass gut organisierte Online-Marktplätze existieren. Für begehrte Modelle plündern Fans mitunter ihr ganzes Konto und hoffen auf große Gewinne. Wobei natürlich nicht jeder Treter zum Sammlerobjekt wird.

Wie sinnvoll ist ein Investment in Schuhe von adidas, Nike und Co.? Gabriele Widmann, Volkswirtin bei der zur Sparkassen-Finanzgruppe gehörenden DekaBank verrät, wie der Sammler-Markt funktioniert und wo Anleger aufpassen sollten:

Außergewöhnliche Geldanlagen

Die Deka investiert vornehmlich in Immobilien und Aktien. Könnten auch mal seltene Gegenstände mit hoher Wertsteigerung eine Rolle spielen, wie beispielsweise teure Sneakers?

Gabriele Widmann: In solch herausfordernden Geldanlagezeiten mit historisch niedrigem Zins haben wir als Deka umso mehr den Ehrgeiz, für unsere Anleger-Kunden bestmögliche Renditen an den Märkten zu erwirtschaften. Da könnte man schon auf die Idee kommen, die Fondsanleger auch an der fulminanten Wertentwicklung von Sneakers, Whisky-Raritäten oder ähnlichem partizipieren zu lassen.

Aber das gewinnorientierte Sammeln hat einen Haken?

Für solide, flexible und verlässliche Geldanlagen braucht es aus unserer Sicht deutlich mehr als nur kurzzeitige Wertzuwächse. Die können sich nämlich ganz schnell in Nichts auflösen, wie man zuletzt bei den Kryptowährungen, allen voran beim Bitcoin gesehen hat.

Wir achten aus diesem Grund sehr sorgfältig darauf, dass hinter den Anlagen in unseren Fonds tatsächliche Werte stehen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft stabil bleiben. Davon ist der Sneaker-Markt weit entfernt.

Zum Rekordpreis versteigerte Sneaker zeichnen dennoch eine lukrative Erfolgsgeschichte dieser Wertanlage. Wie funktioniert die Wertsteigerung?

So etwas entwickelt sich oft zufällig. Da ist eine begrenzte Zahl an Stücken von etwas, was plötzlich ganz viele Menschen haben wollen. Dank Internet und sozialer Medien verbreitet sich die entsprechende Information heutzutage viel schneller als früher.

Über diese Mundpropaganda springen immer mehr Leute auf den Zug auf, die sich daraus schnelle Gewinne erhoffen, und schon entsteht eine kleine Spekulationsblase. Pech haben all diejenigen, die kurz vor dem Platzen einsteigen und statt üppiger Gewinne nur noch große Verluste einfahren.

Ist die Wertsteigerung von Sneakers mit der von Aktien vergleichbar?

Aktien sind Unternehmensbeteiligungen. Wenn ich Aktien eines Unternehmens kaufe, dann gehört mir ein – wenngleich in der Regel kleiner – Anteil an der betreffenden Aktiengesellschaft.

Die Wertsteigerungen bei Sneakers resultieren daraus, dass für knappe Güter eine hohe Nachfrage besteht und deshalb deren Preise stark steigen. Da diese Nachfrage aber zum Großteil nur darin begründet ist, dass weiter steigende Preise erwartet werden, nicht jedoch in irgendeinem zukünftig steigenden Nutzen, ist hier ganz klar Spekulation im Gange.

Natürlich gibt es auch bei Aktien Spekulation. Diese ist daran zu erkennen, dass Aktienkurse plötzlich viel stärker steigen als es die Gewinnaussichten rechtfertigen würden.

Was halten Sie von Sneakerbörsen wie Stockx.com? Sind die mit herkömmlichen Marktplätzen vergleichbar?

Da solche so genannten Börsen nicht auf Einhaltung von Grundregeln für Märkte überwacht werden, kann ich keine Einschätzung darüber geben, wie vertrauenswürdig sie sind. Die Erfahrung zeigt, dass auf derartigen Marktplätzen oft die Eigeninteressen der Betreiber im Vordergrund stehen und dass beispielweise die so wichtige Transparenz – über Kosten, Angebot und Nachfrage, über Umsätze und so weiter – nicht im gewünschten Umfang vorhanden ist.

Der Basketball-Schuh Nike Air Jordan 12 „Flu Game“ aus dem NBA-Finale 1997 erreichte einen Resale-Preis von 104.765 US-Dollar, umgerechnet etwa 76.000 Euro. Sind Sneakers das neue Gold?

Wenn es so weit kommt, dass Menschen auf der ganzen Welt Sneakers für eine Wertanlage halten, könnten sie tatsächlich zu einem „Goldersatz“ werden. Gold hat allerdings einen unschätzbaren Vorteil: Es ist ein homogener Stoff, der schon seit Jahrtausenden als Wertgegenstand gilt.

Der Wert gebrauchter Sneakers liegt in der emotionalen Verbindung zu ihrem ehemaligen Träger. Die Schuhe sind demnach nur als Einzelstück wertvoll.

Die übrigen derzeit so gehypten Sneakers sind zudem unterschiedlich in Form, Farbe und Qualität. Damit werden sie viel schwerer handelbar als Gold, ihr Wert ist schwieriger einzuschätzen. Es müsste sich zuerst einmal ein langfristiges Vertrauen in den neuen Wertgegenstand „Sneakers“ entwickeln. Das ist aber extrem unwahrscheinlich.

Noch Fragen?

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