Schleichend reich werden mit Sneakers?

Außergewöhnliche Geldanlagen

Durch klassisches Sparen reich zu werden, ist zurzeit schwierig, da die Zinsen sehr niedrig sind. Aktien und Fonds sind ein geeignetes Mittel für alle, die eine langfristig ertragreiche Geldanlage suchen. Aber es gibt auch ungewöhnlichere Wege, sein Geld zu vermehren.

Ein Investment in Turnschuhe ist eine kuriose Geldanlage, zumindest auf den ersten Blick. Wobei natürlich nicht jeder Treter automatisch zum Sammlerobjekt wird. Diese Szene ist aber inzwischen so groß, dass Sneaker-Börsen entstanden sind, an denen begehrte Modelle gehandelt werden.

Aber wie sinnvoll ist ein Investment in Turnschuhe? Können Anleger mit einer guten Rendite rechnen? Wie solche Märkte funktionieren und wo Anleger aufpassen sollten, verrät Gabriele Widmann, Volkswirtin bei der zur Sparkassen-Finanzgruppe gehörenden DekaBank, im Interview.

Außergewöhnliche Geldanlagen

Die Deka investiert in Sachwerte wie Immobilien und Aktien. Warum nicht in seltene Gegenstände mit hoher Wertsteigerung wie Kunst, Oldtimer oder eben Sneakers?

Gabriele Widmann: Gerade in solch herausfordernden Geldanlagezeiten mit historisch niedrigen Zinsen haben wir als Deka umso mehr den Ehrgeiz, mit unseren Produkten für unsere Anleger-Kunden bestmögliche Renditen an den Märkten zu erwirtschaften. Da könnte man schon auf die Idee kommen, die Fondsanleger auch an der fulminanten Wertentwicklung von Sneakers, Kunst oder ähnlichem partizipieren zu lassen.

Wo ist dann der Haken?

Für solide, flexible und verlässliche Geldanlagen braucht es aus unserer Sicht deutlich mehr als nur kurzzeitige Wertzuwächse. Die können sich nämlich ganz schnell in Nichts auflösen, wie man zuletzt bei den Kryptowährungen, allen voran beim Bitcoin gesehen hat. Wir achten aus diesem Grund sehr sorgfältig darauf, dass hinter den Anlagen in unseren Fonds tatsächliche Werte stehen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft stabil bleiben. Davon ist der Sneaker-Markt, wenn man ihn denn so nennen will, noch weit entfernt.

Bei Sneakern kosten Sammlerstücke bis zu 23.000 Euro. Wie funktioniert diese Wertsteigerung?

So etwas entwickelt sich oft zufällig. Da ist eine begrenzte Zahl an Stücken von etwas, was plötzlich ganz viele Menschen haben wollen. Dank Internet und sozialer Medien verbreitet sich die entsprechende Information heutzutage viel schneller als früher. Über diese Mundpropaganda springen immer mehr Leute auf den Zug auf, die sich daraus schnelle Gewinne erhoffen, und schon entsteht eine kleine Spekulationsblase. Pech haben all diejenigen, die kurz vor dem Platzen einsteigen und statt üppiger Gewinne nur noch große Verluste einfahren.

Ist die Wertsteigerung bei Sneakers mit dem Aktienmarkt vergleichbar?

Lassen Sie uns hier kurz überlegen, was denn hinter Aktien beziehungsweise deren Kursen steht. Aktien sind Unternehmensbeteiligungen. Wenn ich Aktien eines Unternehmens kaufe, dann gehört mir ein – wenngleich in der Regel kleiner – Anteil an der betreffenden Aktiengesellschaft. Die Wertsteigerungen bei Sneakers resultieren daraus, dass für knappe Güter eine hohe Nachfrage besteht, und deshalb deren Preise stark steigen. Da diese Nachfrage aber zum Großteil nur darin begründet ist, dass weiter steigende Preise erwartet werden, nicht jedoch in irgendeinem zukünftig steigenden Nutzen, ist hier ganz klar Spekulation im Gange. Natürlich gibt es natürlich auch bei Aktien Spekulation. Diese ist daran zu erkennen, dass Aktienkurse plötzlich viel stärker steigen, als es die Gewinnaussichten eigentlich rechtfertigen würden.

Sind Sneakers das neue Gold?

Wenn es so weit kommt, dass Menschen auf der ganzen Welt glauben, dass Sneakers eine Wertanlage sind, dann könnten sie tatsächlich zu einem „Goldersatz“ werden. Das ist aber extrem unwahrscheinlich. Gold hat einen unschätzbaren Vorteil: es ist ein homogener Stoff, der schon seit Jahrtausenden als Wertgegenstand gilt. Die derzeit so gehypten Sneakers sind jedoch unterschiedlich in Form, Farbe und Qualität. Damit werden sie viel schwerer handelbar, ihr Wert ist schwieriger einzuschätzen. Und solch ein Vertrauen in einen neuen Wertgegenstand müsste sich zuerst einmal entwickeln.

Was halten Sie von Sneakerbörsen wie Stockx.com? Sind die mit herkömmlichen Marktplätzen vergleichbar?

Da solche so genannten Börsen nicht auf Einhaltung von Grundregeln für Märkte überwacht werden, kann ich keine Einschätzung darüber geben, wie vertrauenswürdig sie sind. Die Erfahrung zeigt, dass auf derartigen Marktplätzen oft die Eigeninteressen der Betreiber im Vordergrund stehen und dass beispielweise die so wichtige Transparenz – über Kosten, Angebot und Nachfrage, über Umsätze und so weiter – nicht im gewünschten Umfang vorhanden ist.

Sneakers im Büro: Ist das denkbar für einen Fondsmanager?

Am Casual Friday, klar, kein Problem. Aber dann doch lieber ein Massenmodell, dessen Euro-Preis im zweistelligen Bereich bleibt.

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