Wachstum mit Weitblick

Wie Mittelständler durch eine Unternehmensübernahme neue Marktpotenziale erschließen

Die Firma stagniert oder die Nachfolge soll geregelt werden? Dann sind starke Beratungs- und Finanzierungspartner gefragt. Wir zeigen Ihnen, welche Chancen Ihnen offen stehen – und wie Sie sie ergreifen.

Wachsen oder weichen. Diesen Satz aus dem Einmaleins des Unternehmertums kennen Firmeninhaber seit Generationen. Auch wenn ihn sicher manche Unternehmer nicht zwingend unterschreiben würden – eine Portion Wahrheit steckt sicher darin. Etwa diese: Nur wer in die Zukunft investiert, wer expandiert statt zu stagnieren, wird wettbewerbsfähig bleiben.

Doch für manchen Mittelständler ist Wachstum ein echtes Problem. Die Märkte sind oft schon gesättigt, der Wettbewerbsdruck ist immens. Die Lösung kann ein Zusammenschluss mit einem anderen Unternehmen sein. Aber auch die Übernahme eines Wettbewerbers. „Mergers and Acquisitions“ nennen die Fachleute das. Ein hochkomplexes Themenfeld, das ein Geschäftsmann in der Regel nur nach intensiver Planung und Beratung beschreiten sollte. Denn ein Unternehmenszukauf ist teuer und muss gut vorbereitet werden.

„Für mittelständische Unternehmen ist es wichtig, dass sie teilhaben am Umbau der Wirtschaft, neue Kundengruppen und Regionen erschließen, dass sie vielleicht auch internationaler werden“, sagt Jörg Fuchs, Executive Director Mergers & Acquisitions bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Stuttgart. „Häufig wird das nicht über organisches Wachstum erreicht, sondern durch attraktive Zukaufgelegenheiten.“
 

Zukauf ist oft eine Win-win-Situation

Vom Firmenkauf können beide Parteien profitieren: Der Verkäufer versucht ein neues, gutes Zuhause für sein Unternehmen zu finden und einen attraktiven Preis zu realisieren. Der Käufer verspricht sich wiederum eine bessere Marktposition seines Unternehmens und ist bereit, den übernommenen Betrieb in die Zukunft zu führen.

Anzahl der weltweiten M&A-Deals von 2012 bis 2016

Herausforderungen Unternehmenszukauf

Die Gründe für solche Unternehmenstransaktionen sind nicht vielfältig: „Unternehmer wollen noch einmal ihrer Verantwortung gerecht werden“, sagt LBBW-Experte Fuchs. „Es werden Existenzen gesichert, Perspektiven bei Arbeitsplätzen geschaffen. Aber auch die Mitarbeiter können im größeren Verbund interessantere Aufgaben übernehmen und bekommen damit neue Entwicklungsperspektiven.“

Ein Firmeninhaber sollte beim Unternehmenszukauf drei wichtige Ebenen klären:

  • Industrielle Ebene: Bringt mich die Übernahme weiter? Ist es in meiner Wertschöpfung eine Verbesserung?
  • Finanzielle Ebene: Kann ich mir den Kaufpreis leisten? Kann ich ihn finanzieren?
  • Integrative Ebene: Habe ich die Management-Kapazitäten, um das neu dazugekaufte Unternehmen auch zu führen?

„Wir raten Mittelständlern immer, sich sehr gut vorzubereiten und die Gelegenheiten am Markt abzupassen“, erklärt Jörg Fuchs. „Wenn die richtige da ist, dann schnell umsetzen, nicht mehr zögern und sich mit guter Beratung und dem richtigen Partner in die wichtige Transaktion begeben.“

Das Risiko abzuwägen, ist dabei genauso wichtig wie die passende Kommunikation zu allen Stakeholdern: zu Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten, Aktionären. Und in Familienkreisen, die bei inhabergeführten Unternehmen häufig größer sind, müssen die Mittelständler die richtigen Akzente setzen, alle Beteiligten mitbegeistern und dann in eine neue Zukunft starten.

Gesucht: Übergabe in gute Hände

Nicht selten möchte ein Unternehmer sein Lebenswerk aber auch einfach in gute Hände übergeben. So wie Rudolph Görlich. Der Gründer und Geschäftsführer eines Spezialanbieters für Kunststoffverarbeitung und Werkzeugbau hat sein Unternehmen 1978 gegründet. Rund 80 Mitarbeiter erwirtschaften am Firmensitz Leingarten bei Heilbronn und am Standort Dresden einen Jahresumsatz von zehn Millionen Euro.

Dann suchte der inzwischen 67-Jährige aus Altersgründen einen Nachfolger. Über die mit dem Verkauf beauftragte LBBW kam ein Kontakt zu Andreas Lindemann zustande: Der gelernte Werkzeugmacher war in Führungspositionen bei großen deutschen Industrieunternehmen tätig. Lindemann wollte endlich selbstständig unternehmerisch agieren, setzte sich mit seiner zielstrebigen Art und zukunftsfähigen Plänen gegen eine ganze Reihe von Mitbewerbern durch.

Finanzierung mit starken Partnern

Finanziert wurde der Firmenkauf über die Sparkasse. „Sie hat das beste Finanzierungsangebot auf den Tisch gelegt. Ich hatte schon lange Verbindungen dorthin, zudem war sie auch davor schon viele Jahre Partner von Görlich und gab dann relativ schnell grünes Licht, um die Unternehmensübernahme möglich zu machen“, sagt Andreas Lindemann.

Inzwischen liegen eineinhalb Jahre als geschäftsführender Gesellschafter der Görlich Unternehmensgruppe hinter ihm und seine Bilanz fällt rundum positiv aus: „Allen war klar, wie es weitergeht. Das war gut und hat der Firma Schub gegeben. Wir haben gemeinsame Werte definiert, arbeiten teamorientiert an beiden Standorten und leben mit unseren Führungsmannschaften die Unternehmenskultur vor.“ 25 neue Mitarbeiter kamen hinzu, der Umsatz soll sich „in den nächsten fünf bis zehn Jahren verdoppeln“.
 

Langfristiger Erfolg ist das gemeinsame Ziel

Erfolgsgeschichten wie die von Görlich und Lindemann sind Wasser auf die Mühlen von LBBW-Experte Fuchs. Er sieht die wichtigsten Vorzüge eines Beratungs- und Finanzierungspartners in der Marktkenntnis – auch im regionalen Raum. Aktiv beraten, projektbezogen arbeiten – immer das langfristige Ziel im Blick statt den Kurzfrist-Deal. „Für große, wachstumsorientierte Unternehmenszukäufe sind wir zusammen mit der Sparkasse ein guter Finanzierungspartner, weil wir Kräfte bündeln können.“

Die Finanzierungsmöglichkeiten sind vielfältig: Neben der klassischen Fremdfinanzierung über eine Bank können auch Fördermittel hinzugezogen werden. Oder Eigenkapital, das von Beteiligungsgesellschaften kommt. Diese können zum Beispiel sogenannte Family Offices – also Familiengesellschaften – sein, aber auch klassische Private-Equity-Unternehmen. „Bei größeren Unternehmen ist es eine weitere Option, den Kapitalmarkt anzuzapfen und Schuldscheine oder Anleihen auszugeben“, erläutert Fuchs. „Und zu guter Letzt steht die Börse offen. Wenn man Aktien hat, kann man die als Teile des Kaufpreises wie eine Währung einsetzen.“