
Überschuldung liegt vor, wenn Einnahmen und Vermögen dauerhaft nicht ausreichen, um die Zahlungsverpflichtungen zu decken.
Erste Anlaufstelle ist eine seriöse, kostenlose Schuldnerberatung, etwa bei der Caritas, Diakonie oder Verbraucherzentrale – je früher, desto besser.
Der Weg aus der Überschuldung beginnt mit einem Haushaltsplan, klarer Priorisierung lebensnotwendiger Ausgaben und – wenn nötig – Verhandlungen mit Gläubigern und Gläubigerinnen oder der Verbraucherinsolvenz als letztem Ausweg.
Was ist Überschuldung?
Ob Privatkredit, Immobiliendarlehen oder Dispokredit¹: Mit Schulden den eigenen finanziellen Spielraum gezielt und planvoll auszuweiten, kann – je nach Einzelfall – ein sinnvoller Schritt sein. Schulden selbst sind nicht problematisch, solange sie zu den Einnahmen passen und bedient werden können, ohne sich allzu sehr einschränken zu müssen. Doch was, wenn nicht? Bei Überschuldung werden die Schulden zum ernsthaften Problem.
Überschuldung bedeutet, dass jemand seinen Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nachkommen kann. Einen Indikator gibt das Verhältnis zwischen dem monatlichen Nettoeinkommen und der Höhe der Verbindlichkeiten. Dieses nennt man auch Überschuldungsintensität. Statistisch betrachtet ist unter den Personen, die 2024 eine Schuldnerberatungsstelle aufgesucht haben, die Überschuldungsintensität bei den Menschen ab 65 Jahren am höchsten: So bräuchten die unter 25-Jährigen bei Verwendung ihres gesamten monatlichen Nettoeinkommens durchschnittlich 11 Monate, um ihre Schulden komplett zurückzuzahlen. Bei den Personen ab 65 Jahren wären es durchschnittlich 38 Monate – die Älteren waren dabei auch deutlich höher verschuldet.
Überschuldung kann ernste Folgen haben: Zahlungsunfähigkeit, Stress, Kontopfändung, Lohnpfändung, SCHUFA-Einträge… Wer erst einmal in die Abwärtsspirale gerät, bekommt oft auch keinen weiteren Kredit mehr, um die Schulden zu bezahlen – schließlich müsste dieser auch wieder abbezahlt werden. Doch es gibt Wege aus der Überschuldung. Wichtig ist, dass Sie so schnell wie möglich handeln.
¹ Im Text ist mit den verwendeten Begriffen Dispositionskredit, Dispokredit oder Dispo immer die „eingeräumte Kontoüberziehung“ gemeint.

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Menschen in Deutschland waren im Jahr 2024 überschuldet (Quelle: SchuldnerAtlas 2024).
Die 8 wichtigsten Schritte bei Überschuldung
Überblick verschaffen – die finanzielle Situation klären
Zunächst brauchen Sie Klarheit:
- Sammeln Sie alle Unterlagen, etwa Rechnungen, Mahnungen, Kreditverträge und Kontoauszüge.
- Erstellen Sie eine Liste aller Schulden und Gläubigerinnen und Gläubiger: Listen Sie dazu die Höhe der offenen Beträge, monatliche Raten und gegebenenfalls Verzugszinsen.
- Erfassen Sie Ihr monatliches Einkommen und Ihre fixen Ausgaben, etwa für Miete, Strom und Versicherungen.
In Ihrem Sparkassen-Online-Banking hilft Ihnen der Finanzplaner dabei, einen Überblick über Ihre Finanzen zu bekommen. Das digitale Haushaltsbuch wertet Ihre Einnahmen und Ausgaben übersichtlich aus. Es enthält außerdem ein Tool, mit dem Sie zu teure Verträge direkt kündigen können oder zu günstigeren wechseln. Sie können den Finanzplaner kostenlos aktivieren. Auch für die Nutzung entstehen keine Kosten.
Ermitteln Sie aus den Daten in Ihrem Überblick, wie viel Geld Ihnen monatlich zur Verfügung steht:
- Erstellen Sie einen Haushaltsplan. Teilen Sie dafür Ihre monatlichen Einnahmen und Ausgaben in Kategorien ein. Legen Sie fest, welchen Betrag Sie maximal pro Monat für jede Kategorie ausgeben können, um wieder schwarze Zahlen zu schreiben.
- Prüfen Sie, wo Sie Ausgaben senken können, zum Beispiel beim Handyvertrag, Abos, Energieverbrauch oder bestimmten teuren Gewohnheiten im Alltag. Verzichten Sie auf unnötige Ausgaben.
- Vermeiden Sie neue Schulden – möglichst keine Ratenkäufe oder Disponutzung (eingeräumte Kontoüberziehung).
- Prüfen Sie, ob Sie mit einer Umschuldung bestehender Kredite Kosten sparen können.
- Wenn Ihr Konto bereits überzogen ist, prüfen Sie, wie Sie dabei Kosten sparen können: Oft sind die Zinsen bei einem Ratenkredit niedriger als beim Dispokredit, der nur zum kurzen Überbrücken gedacht ist. Wechseln Sie – falls möglich – zur günstigsten Möglichkeit und nehmen Sie dann möglichst keine neuen Schulden mehr auf, nutzen Sie den Dispo also nicht erneut.
Nutzen Sie unsere Spartipps, um Ihre Ausgaben im Alltag zu reduzieren. Lassen Sie sich beim Minimalismus inspirieren und reduzieren Sie Ihren Konsum aufs Wesentliche. Verkaufen Sie gegebenenfalls Gegenstände, die Sie nicht mehr brauchen.
Prioritäten setzen – Existenzsicherung vor Gläubigerbefriedigung
Ordnen Sie die nötigen Zahlungen der Reihe nach:
- Miete, Strom, Heizung, Lebensmittel und benötigte Medikamente haben oberste Priorität – hier drohen andernfalls Wohnungslosigkeit oder Versorgungssperren.
- Dann kommen Schulden mit rechtlichen Folgen, zum Beispiel Steuerschulden, Bußgelder oder Forderungen mit bereits laufender Pfändung.
- An dritter Stelle stehen Schulden aus Ratenkäufen, Konsumentenkrediten oder privaten Darlehen.
Sie sind außerdem unterhaltspflichtig? Unterhaltsschulden können streng vollstreckt werden – oft sogar vor anderen Schulden. Auch aufgrund der Verpflichtung für die jeweilige Person sollten sie besonders ernst genommen werden. Bei Rückständen kann das Jugendamt oder der betreuende Elternteil eine Pfändung veranlassen. Handeln Sie deshalb frühzeitig. Wer nicht zahlen kann, sollte sofort mit dem Jugendamt oder der unterhaltsberechtigten Person Kontakt aufnehmen und um eine vorübergehende Anpassung oder Stundung bitten.
Hilfe suchen – Schuldnerberatung nutzen
Lassen Sie sich professionell unterstützen:
- Eine kostenlose Schuldnerberatung bieten zum Beispiel die Verbraucherzentralen, die Caritas, Diakonie, Arbeiterwohlfahrt (AWO) oder kommunale Stellen.
- Sie können sich auch vertrauensvoll an Ihre Sparkasse wenden. Die meisten Institute sind darauf vorbereitet, mit ihren Kundinnen und Kunden einen Weg aus der Krise zu suchen.
- Vorsicht vor unseriösen „Schuldenregulierern“, die hohe Gebühren verlangen. Fallen Sie nicht darauf herein!
Tipp:
Scheuen Sie nicht davor zurück, sich Hilfe zu suchen. Seriöse Schuldnerberatungen sind darauf spezialisiert und werden Ihnen keinesfalls Vorwürfe machen oder ins Gewissen reden, sondern vielmehr gemeinsam mit Ihnen nach Lösungen suchen. Je früher Sie den Weg aus der Abwärtsspirale einschlagen, desto kürzer ist der Rückweg
Mit Gläubigern und Gläubigerinnen verhandeln – Lösungen finden
Mit Hilfe der Schuldnerberatung oder selbstständig:
- Bitten Sie um Stundung (Zahlungsaufschub), Zahlung auf Raten (Stückeln) oder teilweisen Erlass Ihrer Schulden. Berücksichtigen Sie dabei die in Schritt 3 erstellte Prioritätenliste.
- Fragen Sie, ob Sie gegebenenfalls Kreditraten aussetzen können.
- Prüfen Sie gegebenenfalls Vergleichsangebote.
- Reagieren Sie auf Mahnungen, um weitere Kosten zu vermeiden.
Wichtig ist an dieser Stelle, das Problem nicht nur zeitlich aufzuschieben, sondern die finanzielle Belastung bei gleichzeitigen Einsparungen so zu verteilen, dass sie wieder tragbar wird. Die Schuldnerberatung unterstützt meist bei den Verhandlungen. Achten Sie darauf, auf keinen Fall Gläubigerinnen und Gläubiger zu vergessen. Ziel ist es, dass Sie jetzt noch außergerichtlich einen Plan aufstellen können, der Sie aus der Schuldenfalle herausführt.
Pfändungsschutz sichern – Existenzminimum schützen
Wenn bereits gepfändet wird:
- Lassen Sie Ihr Konto in ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) umwandeln. Damit haben Sie seit 1.7.2025 einen unpfändbaren Grundbetrag von mindestens 1.555 Euro monatlich zur Verfügung. Der Betrag wird stets zum 1.7. eines Jahres angepasst. So können Sie sicherstellen, dass Sie existenzielle Ausgaben wie Miete und Lebensmittel trotzdem bezahlen können. Wenn Sie Unterhalt bezahlen müssen, kann der unpfändbare Betrag höher ausfallen.
- Sie können das Konto ähnlich nutzen wie ein Girokonto, die Funktionen sind jedoch eingeschränkt.
- Beantragen Sie gegebenenfalls Freibetragserhöhungen, zum Beispiel für Unterhaltspflichten.
Ein P-Konto ist nicht kostenlos. Genau wie für Girokonten zahlen Kontoinhaberinnen und Kontoinhaber dafür Gebühren. Diese dürfen jedoch nicht höher sein als die Kosten für gewöhnliche Konten. Erfragen Sie vorab die Gebühren und berücksichtigen Sie diese – wie alle Ihre Kosten – in Ihrem Haushaltsplan. Erfahren Sie außerdem mehr zum Thema in unserem Ratgeber zur Kontopfändung.
Verbraucherinsolvenz als letzter Ausweg
Wenn kein Vergleich möglich ist und mit der Schuldnerberatung alle Optionen ausgeschöpft sind:
- Die Schuldnerberatung bescheinigt, dass ein Vergleich mit der Gläubigerseite gescheitert ist.
- Sie können bei Gericht ein Verbraucherinsolvenzverfahren beantragen.
- Die Privatinsolvenz dauert in der Regel 3 Jahre (vor 2020 waren es 6 Jahre).
- Ein Treuhänder oder eine Treuhänderin kümmert sich darum, die Schulden zu minimieren.
- Nach der Insolvenz sind Sie schuldenfrei (Restschuldbefreiung).
Die Antragsformulare für die Privatinsolvenz können Sie online herunterladen. Den ausgefüllten Antrag übermitteln Sie anschließend persönlich oder per Post an das Insolvenzgericht.
Zukunft planen – nachhaltig schuldenfrei bleiben
Beugen Sie neuen Schulden vor:
- Führen Sie weiter einen Haushaltsplan, um den Überblick über Ihre Finanzen zu behalten und frühzeitig zu bemerken, wenn die Ausgaben nicht zu den Einnahmen passen.
- Bilden Sie regelmäßig Rücklagen für Notfälle. Dieser Notgroschen hilft Ihnen, wenn etwas Unvorhersehbares passiert – etwa eine hohe Zahnarztrechnung. Damit Sie nicht direkt aus dem finanziellen Gleichgewicht geworfen werden.
Lassen Sie es nicht so weit kommen, dass Sie wieder in die Schuldenfalle geraten. Nehmen Sie gegebenenfalls frühzeitig Hilfe in Anspruch. Forschen Sie nach den Ursachen und suchen Sie nach langfristigen Lösungen. Das kann je nach Fall etwa ein Umzug in eine günstigere Wohnung sein, ein Hinzuverdienst oder konsequenter Konsumverzicht.

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betrug die durchschnittliche Schuldenhöhe von Personen, die sich 2024 an eine Schuldnerberatungsstelle gewandt haben (Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 17.6.2025).
Privatinsolvenz: Wenn es keine andere Möglichkeit mehr gibt
Insolvenzverfahren spielen eine zentrale Rolle bei der Bewältigung von Überschuldung in Deutschland. Sie bieten Schuldnerinnen und Schuldnern eine strukturierte Möglichkeit, ihre Schulden zu regulieren. Das Insolvenzverfahren ermöglicht es den Betroffenen, Schulden zu begleichen, sich von einem Teil ihrer Schulden zu befreien und einen Neuanfang zu starten. Besonders in Fällen hoher Verschuldung von Privatpersonen ist dies oft der letzte Ausweg. Am Ende steht die Schuldenfreiheit.
Deutschland hat im Rahmen der Insolvenzordnung (InsO) detaillierte Regelungen, wie diese Insolvenzen abgewickelt werden und welche Voraussetzungen und Verpflichtungen dabei bestehen. Ein besseres Verständnis der Abläufe kann helfen, den Prozess effizient zu nutzen. Mehr Informationen finden Sie in unserem Beitrag zur Privatinsolvenz.
Sie sind in finanzielle Schieflage geraten?
Häufige Fragen zur Überschuldung
Eine Überschuldung liegt vor, wenn jemand seine fälligen Rechnungen, Kreditraten und andere Zahlungsverpflichtungen über einen längeren Zeitraum mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr bezahlen kann. Typisch ist, dass das Einkommen dauerhaft nicht ausreicht, um alle laufenden Ausgaben zu decken. Auch das Vermögen oder Rücklagen (falls noch vorhanden) reichen nicht aus, um Schulden zu tilgen. Die Schulden wachsen oft weiter an, zum Beispiel durch Mahngebühren, Zinsen oder Inkassokosten. Spätestens bei drohender Kontopfändung, Lohnpfändung oder einer eidesstattlichen Versicherung wird die Überschuldung offensichtlich.
Der Unterschied zwischen Verschuldung und Überschuldung liegt im Grad der finanziellen Belastung: Verschuldung ist noch beherrschbar, Überschuldung nicht mehr:
- Verschuldung bedeutet, dass jemand Schulden hat, diese aber noch regelmäßig und planmäßig zurückzahlen kann. Es handelt sich um eine kontrollierte finanzielle Verpflichtung, etwa durch einen Ratenkredit oder ein Annuitätendarlehen.
- Überschuldung liegt vor, wenn die Schuldenlast so hoch ist, dass die laufenden Einnahmen und das bestehende Vermögen nicht mehr ausreichen, um die monatlichen Zahlungsverpflichtungen zu decken. Die Person wird zahlungsunfähig – selbst bei sparsamer Lebensführung.
Überschuldung lässt sich oft vermeiden, wenn man frühzeitig auf eine stabile und realistische Finanzplanung achtet. Folgende Maßnahmen können dabei helfen:
- Einnahmen und Ausgaben im Blick behalten: Ein Haushaltsbuch hilft, den Überblick zu behalten und unnötige Ausgaben zu erkennen, zum Beispiel unser digitales Haushaltsbuch „Finanzplaner“.
- Nur Kredite aufnehmen, wenn wirklich nötig: Kredite sollten nur abgeschlossen werden, wenn sie langfristig tragbar sind – mit realistischem Rückzahlungsplan.
- Finanzielle Rücklagen bilden: Ein Notgroschen für unerwartete Ausgaben (zum Beispiel Autoreparatur oder Zahnarzt) verhindert neue Schulden.
- Konsum überdenken: Nicht jeder Wunsch muss erfüllt werden – bewusster Konsum schützt vor übermäßiger Verschuldung.
- Frühzeitig
Hilfe suchen: Wer merkt, dass die Schulden wachsen,
sollte rechtzeitig eine Schuldnerberatung aufsuchen – bevor die Situation außer
Kontrolle gerät.