Stichwahl in Frankreich

Europas Zukunft steht auf des Messers Schneide

Zwei Kandidaten stehen zur Wahl für das Amt des französischen Präsidenten, die verschiedener nicht sein könnten. Die Wahl gilt nicht nur als Entscheidung für Frankreich, sondern auch als Wegweiser für Europas Zukunft.  

Brexit, Trump, Türkei-Referendum – und jetzt mit Marine Le Pen auch noch eine rechtspopulistische Präsidentin für Frankreich? Gegen sie tritt der junge Europa-Befürworter Emmanuel Macron am Sonntag an. Wir stellen die Positionen der beiden Kandidaten für die wichtigsten Themen gegenüber.

Die Kurzbiographien der Kandidaten

Emmanuel Macron ist 39 und war Wirtschaftsminister im Kabinett von François Hollande. Er tritt ohne Partei, dafür aber mit Unterstützung der Bürgerbewegung „En Marche !“  (deutsch: Vorwärts!), zur Präsidentschaftswahl an. Macron ist liberal.

Marine Le Pen ist 48, gelernte Rechtsanwältin und seit 2004 Mitglied des Europäischen Parlaments. Seit 2011 ist sie außerdem Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei Front National, für die sie nun zur Wahl antritt.

Die Wahlthemen

Die Europäische Union

Macron möchte Europa neu gestalten und die Zusammenarbeit der europäischen Staaten weiter stärken. Das bedeutet für ihn zum Beispiel, dass die Europäische Union einen gemeinsamen Wirtschafts- und Finanzminister bestimmt. Oder, dass die Eurozone ein eigenes Budget für Investitionen bekommt. 

Le Pen möchte einem gemeinsamen Europa den Rücken kehren („Frexit“). Frankreich soll raus aus dem Schengen-Raum und wieder Grenzkontrollen für Reisen einführen. Außerdem will Le Pen den Euro abschaffen und zurück zum Franc.

Einwanderer

Macron möchte an der aktuellen Flüchtlingspolitik festhalten und zusätzlich lokale Integrationsprogramme schaffen. Er ist für ein offenes Frankreich.

Le Pen würde die Einwanderung gerne stark beschränken. In den Einwanderern sieht sie ein großes Problem, denn mehr Flüchtlinge bedeuten ihrer Meinung nach mehr Terrorismus. Illegale Einwanderer sollen deshalb keinen Asylstatus mehr erhalten.

Wirtschaftspolitik

Macron möchte das schwache Wirtschaftswachstum Frankreichs in Schwung bringen und so das Land wettbewerbsfähiger machen. 60 Milliarden Euro will er in den ersten fünf Jahren seiner Amtszeit sparen. Unter anderem das Streichen von rund 120.000 Stellen im öffentlichen Sektor soll sein Vorhaben möglich machen. Auch mit einer Reform des Gesundheitswesens und einer Modernisierung der Verwaltung will er Geld sparen. 

Le Pen bleibt auch in Sachen Wirtschaft ihrem Motto „Franzosen zuerst“ treu. Wann immer möglich, möchte sie französische Unternehmen ausländischen vorziehen. Waren und Dienstleistungen aus dem Ausland will sie beschränken. Auf Importe soll eine Steuer in Höhe von drei Prozent erhoben werden.

Arbeitsmarkt

Macron möchte den Arbeitsmarkt umstrukturieren und so die französische Wirtschaft ankurbeln. Der erste Schritt: Die Hürden für Unternehmen abbauen, wenn sie neue Mitarbeiter einstellen. Vor allem junge Leute und Langzeitarbeitslose sollen so wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Le Pen hält bei diesem Thema an ihren Grundsätzen fest. Franzosen sollen bei der Vergabe von Arbeitsverträgen bevorzugt werden. Unternehmen, die Ausländer vorziehen, sollen eine Sondersteuer bezahlen.

Rente

Macron sieht in dem unübersichtlichen Rentensystem Frankreichs ein Problem. Er möchte deshalb einheitliche Strukturen einführen und die vielen Sonderklassen abschaffen. Außerdem soll denjenigen mit wenig Einkommen geholfen werden: Macron plant die Erhöhung der Mindestrente um bis zu 100 Euro pro Monat.

Le Pen plant ebenfalls eine Anhebung der Mindestrente. Außerdem möchte sie das Renteneintrittsalter auf 60 Jahre senken.