Zeitenwende: Finanzielle Zufriedenheit nimmt erstmals seit 2016 wieder ab

Sparkassen-Studie offenbart deutlichen Stimmungsumschwung in der Gesellschaft

Corona-Pandemie, Inflation und drohende Rezession – wie der Krieg in der Ukraine führen die anhaltenden Krisen dazu, dass die Menschen deutlich pessimistischer werden. Vor allem die aus dem Krieg resultierende Energiekrise hat dazu geführt, dass die Menschen in Deutschland die Auswirkungen deutlich in ihrem Geldbeutel spüren. Die Folge: Ihre finanzielle Zufriedenheit nimmt erstmals seit 2016 wieder ab. Und ihre Erwartungen an die Zukunft sind eher negativ.

Porträt einer alten Frau am Küchentisch

Das Wichtigste in Kürze:

  • Krieg und Krisen drücken spürbar auf die Stimmung und die Zukunftserwartungen der Menschen.
  • Haushalte mit niedrigen Einkommen müssen beim Einkauf am meisten verzichten – aber auch die Mittelschicht ist deutlich betroffen.
  • Um massiven Preissteigerungen entgegenzuwirken, senken viele Menschen außerdem ihren Energieverbrauch.

Solider Positivtrend erstmals seit 2016 gebrochen

Die Preise schießen nach oben, vieles wird teurer: Derzeit bekommt eine große Mehrheit der Menschen in Deutschland die Folgen der Inflation, der Energiekrise, der Lieferengpässe und des Krieges in der Ukraine deutlich zu spüren. Daher müssen nun fast alle besonders aufmerksam auf ihre Finanzen achten und ihre Ausgaben auf den Prüfstand stellen.

Diese Entwicklung hat zu einem Stimmungsumschwung in der Bevölkerung geführt: Nur noch 38 Prozent schätzen ihre aktuelle finanzielle Situation als sehr gut oder gut ein. Das ist eine zentrale Erkenntnis des Vermögensbarometers 2022, einer repräsentativen Umfrage, die der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) zum Weltspartag durchgeführt hat. 2021 waren es noch 43 Prozent. Damit ist ein solider positiver Trend gebrochen, der seit 2016 uneingeschränkt angehalten hatte.

Die aktuelle Situation schlägt sich der Studie zufolge auch auf die Zukunftserwartungen der Menschen nieder: 31 Prozent der Befragten rechnen in den kommenden zwei Jahren mit einer Verschlechterung der eigenen Finanzen. Im Vergleich zu den 32 Prozent, die sagen, ihre finanzielle Situation wird sich in den kommenden zwei Jahren verbessern, ist das der schlechteste Saldo seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008.

Krieg, Krisen und Verzicht: Die Sorgen der Deutschen

Auf Platz 1 der Sorgen der Deutschen vor dem Hintergrund der aktuellen Krisen liegen laut dem DSGV-Vermögensbarometer 2022 der Rohstoffmangel und die steigenden Energiekosten (75 Prozent), gefolgt von steigenden Kosten in vielen Lebensbereichen aufgrund der Inflation (knapp 75 Prozent). Die zukünftigen Auswirkungen des russischen Krieges gegen die Ukraine beunruhigen 69 Prozent – Platz 3 in der Sorgenliste. Auch eine Mehrheit (57 Prozent) sorgt sich um die Auswirkungen der Klimakrise – das Thema ist wegen aktueller, multipler Krisen gewissermaßen überlagert, dennoch keineswegs unbedeutend.

Besonders Haushalte mit niedrigen Einkommen müssen sich einschränken

Die anhaltende Inflation treibt fast alle Menschen um: 89 Prozent der Befragten bewerten die Preissteigerungen als sehr kritisch oder kritisch. Die Lage ist dem Vermögensbarometer zufolge aber besonders für die Menschen ernst, die ohnehin nicht viel verdienen: 60 Prozent der Befragten mit einem Haushaltsnettoeinkommen unter 1.000 Euro bewerten ihre finanzielle Situation als eher schlecht oder sogar schlecht. 66 Prozent von ihnen haben zudem ihre Ausgaben eingeschränkt.

Mit 44 Prozent geben immerhin noch mehr als zwei Fünftel in der Einkommensklasse zwischen 1.000 bis 1.500 Euro an, dass sie ihre finanzielle Situation als eher schlecht oder schlecht einschätzen. In dieser Gruppe geben sogar 69 Prozent weniger Geld aus.

Nicht nur untere Einkommensklassen: Auch Mittelschicht konsumiert weniger

Dabei sind es nicht nur die unteren Einkommensklassen, die ihren Konsum einschränken müssen: 57 Prozent der Haushalte mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 2.000 bis 3.000 Euro geben der Studie zufolge weniger Geld für ihren Konsum aus. Bei Personen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 3.000 bis 4.000 Euro sind es mit 55 Prozent nur zwei Prozentpunkte weniger. Also handelt es sich auch hier um die Mehrheit der Menschen.

Insgesamt haben in den vergangenen zwölf Monaten 57 Prozent der Befragten ihren Konsum eingeschränkt. Das ist ein Anstieg von 15 Prozentpunkten zum Vorjahr. Die Konsumbereitschaft erreicht damit den schlechtesten Wert seit 16 Jahren – und wird auch absehbar nicht besser: 46 Prozent der Menschen wollen sich zukünftig über die bisherigen Maßnahmen hinaus einschränken.

Licht ausschalten, Heizung herunterdrehen, Wasserverbrauch senken

Um die Situation in den Griff zu bekommen, sparen die Menschen vor allem bei ihrem täglichen Einkauf: Mit 61 Prozent setzen sie auf billigere Produktalternativen – gefolgt an zweiter Stelle von 54 Prozent, die grundsätzlich weniger einkaufen. Auch beim Energieverbrauch schränken sich die Befragten deutlich ein: Energieeinsparungen folgen dem aktuellen Vermögensbarometer mit 49 Prozent auf Platz 3 der Sparmaßnahmen.

Es sind vor allem klassische und leicht umzusetzende Maßnahmen, mit denen die Menschen Energie einsparen: 82 Prozent lassen das Licht häufiger ausgeschaltet. 78 Prozent drehen die Heizung runter oder schalten diese später im Jahr ein. Und 73 Prozent baden beziehungsweise duschen seltener oder kürzer.

Was ist das Vermögensbarometer?

Das Vermögensbarometer ist eine repräsentative Online-Umfrage des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), die jedes Jahr zum Weltspartag erscheint. In der Zeit vom 20. Juni bis zum 8. Juli 2022 hat das Meinungsforschungsinstitut Kantar im Auftrag des DSGV bundesweit mehr als 4.800 Menschen ab dem Alter von 14 Jahren online befragt. Auf jedes Bundesland entfallen mindestens 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das Vermögensbarometer wird seit 2005 erhoben.

(Stand: 25.10.2022)


Mit mehr Abstand als gewohnt. Aber genauso nah. Erreichen Sie jetzt Ihre Sparkasse vor Ort.