Elterngeldreform: Neue Regeln fördern Gleichberechtigung in der Kindererziehung

Mehr Geld für Eltern von Frühchen, Ausschluss von Spitzenverdienern

Am 16. September 2020 hat das Bundeskabinett den Gesetzesentwurf zur Elterngeldreform beschlossen. Ziel sei es, den Familien mit flexiblen Teilzeitregelungen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern. Vier Neuerungen und was diese für Sie bedeuten. 

Zwei Väter sitzen mir ihrer Tochter auf dem Boden und spielen

Das Wichtigste vorweg:

  • Mehr Flexibilität bei Teilzeit und Partnerschaftsbonus
  • Einen Monat mehr Geld für Eltern von Frühgeborenen
  • Spitzenverdiener ab 300.000 Euro gemeinsamen Jahreseinkommens verlieren Anspruch
  • Weniger Bürokratie und mehr Transparenz bei rechtlichen Fragen

Das Elterngeld gehört zu den wichtigsten Familienleistungen in Deutschland. Rund 2 Millionen Eltern profitieren jährlich von der staatlichen Förderung. Um Familien besser zu unterstützen, hat der Bundestag während der Coronakrise bereits vorübergehend die bestehenden Regeln gelockert. Jetzt zieht das Familienministerium mit langfristigen Maßnahmen nach.

Ein Ziel für Familienministerin Franziska Giffey: Einen gesellschaftlichen Wandel in Richtung mehr Gleichberechtigung herbeiführen. Seit seiner Einführung vor 13 Jahren zum Januar 2007 entfaltet das Elterngeld eine weitreichende soziologische Wirkung. Während vor 2007 nur drei Prozent der Väter Elternzeit nahmen, sind es heute über 40 Prozent. Für Giffey ein gutes Zeichen, denn die meisten Eltern wünschten sich heutzutage sowohl Entfaltung im Beruf als auch mehr Zeit für die Familie. 55 Prozent der Eltern erwarten von der Familienpolitik, dass sie die Voraussetzungen für eine gleichberechtigte Kindererziehung verbessert. 

1. Neue Teilzeitregel kommt berufstätigen Paaren zugute

Mit dem neuen Elterngeldgesetz dürfen Eltern mehr Stunden pro Woche arbeiten, ohne die Aberkennung der Leistung fürchten zu müssen. Die zulässige Arbeitszeit erhöht sich von 30 auf 32 Wochenstunden. 

Mehr Flexibilität gibt es auch für Paare, die den Partnerschaftsbonus erhalten. Der Bonus unterstützt Eltern, die parallel während der Elternzeit in Teilzeit arbeiten. Während sie bisher zwischen 25 und 30 Wochenstunden arbeiten dürfen, erweitert sich der Spielraum nun auf 24 bis 32 Wochenstunden – praktisch besonders für Mütter und Väter, die ihren wöchentlichen Arbeitsaufwand nicht exakt vorhersagen können. So lange sie Im Durchschnitt 24 bis 32 Stunden arbeiten, müssen sie sich um den Partnerschaftsbonus keine Sorgen machen.

Jetzt machen wir das Elterngeld noch flexibler, partnerschaftlicher und einfacher.
Familienministerin Franziska Giffey

2. Mehr Geld bei Frühchen

Kommt ein Baby mehr als sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt, erhalten die Eltern einen Monat länger das Basiselterngeld. Pro Jahr werden 2,3 Prozent der Kinder zu früh geboren. Die verlängerte Förderung soll Eltern mehr Zeit geben, mit dieser besonderen Situation umzugehen. 

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Frühchen

werden jedes Jahr in Deutschland geboren

3. Spitzenverdiener verlieren Anspruch

Ab 2021 bekommen Mütter und Väter, deren gemeinsames Einkommen über 300.00 Euro liegt, kein Elterngeld mehr. Die bisherige Einkommensgrenze lag bei 500.000 Euro. Die Einsparungen sollen den Kosten für Frühchenmonat und einer höheren Flexibilität bei der Teilzeitarbeit zugute kommen. Insgesamt gelten 0,4 Prozent der Elterngeldbeziehenden als Spitzenverdienerinnen und -verdiener. Das sind circa 7.000 Personen in Deutschland. Das Ministerium sieht bei Ihnen keine Notwendigkeit der Förderung. Die Einkommensgrenze für Alleinerziehende liegt weiterhin bei 250.000 Euro.

Gut zu wissen: Für die zusätzlichen Förderungen gibt es kein extra Budget. Teilzeitregelung und Frühchenmonat werden durch die Einsparung bei Spitzenverdienern finanziert. 

4. Bürokratische Vereinfachung für Freiberufler

Sowohl Eltern als auch Verwaltung sollen von der Vereinfachung im Antragsprozess profitieren. Dafür richtet das Ministerium eine neue Form des Antragsrechts für Eltern mit geringen selbstständigen Nebeneinkünften ein. Angestellte, die im Vorjahr selbständig tätig waren, dürfen sich nun bei der Berechnung des Elterngeldes aussuchen, ob sie im Antrag als Selbständige oder Angestellte gelten. Der Unterschied: Durch ein geringes freiberufliches Einkommen erhalten Freiberufler lediglich den Mindestbetrag von 300 Euro. Angestellte bekommen 65 Prozent des Netto-Einkommens.  Die Neuregelung erleichtert nicht nur die Verwaltung, sondern bringt auch finanzielle Vorteile für Selbständige. 


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