Wir müssen Risiken eingehen, um uns weiterzuentwickeln

Wie Deutschlands ehemals bekannteste Stuntfrau nach ihrem Unfall wieder ins Leben fand

Leben bedeutet Risiko. Das kennt Miriam Höller nur zu gut. Mit ihren Erfahrungen inspiriert sie Menschen und Unternehmen gleichermaßen. Als Ex-Stuntfrau, Unternehmerin, bekanntes TV-Model und Moderatorin weiß sie: Herausforderungen muss man mutig begegnen und an ihnen wachsen.

Miriam Höller hat mit ihren 33 Jahren schon viel erlebt. Mehr als wohl die meisten Menschen in ihrem Alter. 2010 wurde sie als Kandidatin bei Germany‘s Next Topmodel deutschlandweit bekannt – zu der Zeit arbeitete sie bereits als Stuntfrau. Fünf Jahre später gründete sie ihre eigene Stuntfirma und arbeitete erfolgreich als Actionmodel. 2016, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, bricht sie sich beide Füße – nach über zehn unfallfreien Jahren. Die Verletzungen sind so schwer, dass sie ihren Traumberuf aufgeben muss. Sechs Wochen später verunglückt ihre große Liebe, Kunstflug-Weltmeister Hannes Arch, bei einem Helikopterabsturz tödlich. Nach diesem Schock muss sie sich Schritt für Schritt zurück ins Leben kämpfen. Heute ist sie eine Inspiration für andere und steht für Mut, Veränderungsbereitschaft und Wachstum. Wir sprechen mit ihr über die Tragödie, die ihr Leben veränderte, über das Leben als Stuntfrau und welche Rolle Risiko in ihrem Leben spielt.

Wir müssen Risiken eingehen, um uns weiterzuentwickeln
Interview mit
Miriam Höller
Ex-Stuntfrau, Speakerin, Unternehmerin

Miriam, du warst eine der erfolgreichsten Stuntfrauen Deutschlands. Wie hat deine Karriere begonnen?

Es fing eigentlich schon in meiner Kindheit an. Ich war ein echter Wildfang und total actionverliebt. Ich musste schon immer meine Grenzen ausloten und testen, ob ich etwas schaffe oder nicht. Das war meine größte Motivation.

Tatsächlich begann ich dann aber erst mal mit einer klassischen Ballettausbildung. Meine Mutter und meine Tante sind beide Tänzerinnen. Mein Ziel: Prima Ballerina. Leider war ich mit 14 Jahren bereits 1,84 Meter groß und erhielt vom Arzt die Diagnose „Hochwuchs“. Trotz erfolgreicher Hormontherapie war mein Traum von der Tanzkarriere vorbei. Das war ein schmerzhafter Rückschlag für mich, da ich seit meinem dritten Lebensjahr darauf hingearbeitet habe.

Du warst doch schon immer so actionverliebt. Werde doch Stuntfrau.

Dieser Satz meiner Mutter sollte mein Leben verändern. Sie schlug mir vor, im Movie Park Bottrop Kirchhellen die Stuntshow anzuschauen. Das wars: Mein Traum, Stuntfrau zu werden, war geboren. Ich absolvierte meinen ersten Stuntworkshop mit 15 Jahren und besuchte fast jedes Wochenende Workshops neben meiner Ausbildung. Zu dem Zeitpunkt war ich allerdings noch nicht alt genug, um im Movie Park zu arbeiten. Also bereitete ich mich drei Jahre lang, neben meiner Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau, auf die Aufnahmeprüfung vor. Nach bestandener Prüfung bekam ich nach und nach meine ersten Jobs und konnte letztendlich die Hauptrolle im Movie Park spielen.

Der Beruf der Stuntfrau beinhaltet viele Risiken, wie hast du dich abgesichert?

Ich arbeitete bereits zwei Saisons im Movie Park – ohne jegliche Zusatzversicherung. Dann verunglückte ein Kollege und musste seine Karriere an den Nagel hängen. Das gab mir zu denken. Also begab ich mich auf die Suche nach einer geeigneten Versicherung, was sich als gar nicht so einfach herausstellte. Keine Versicherung trägt gern das Risiko für Stuntleute. Am Ende fand ich dann doch eine und versicherte mich bei einer privaten Unfall- und Krankenversicherung zum Höchstsatz.

Miriam Höller hängt unter einem Helikopter
Fotocredit: Wolfgang Lienbacher

Worüber sollte sich jemand, der diesen Beruf ergreifen will, im Klaren sein?

Das Spannende ist, dass die meisten denken, der Stuntberuf wäre so wahnsinnig gefährlich. Ich sage genau das Gegenteil. Je höher das Risiko, desto höher die Konzentration und der Fokus darauf, dass nichts passiert. Das Gefährliche in unserem Beruf, oder auch in jedem anderen Beruf und vor allem im Alltag, ist die Routine. Vielen Menschen ist nicht klar, dass der Hauptjob von Stuntleuten, mit einem Anteil von 95 Prozent, in der Vorbereitung und der detaillierten Kalkulation des Risikos liegt. Befindest du dich dann in den 5 Prozent der Durchführung des Stunts, kennst du alle Sicherheitsmaßnahmen, die du vorher akribisch erarbeitet hast und minimierst so das Risiko. Wir sind darauf trainiert, während des Stunts absolut fokussiert zu sein und alles andere auszublenden.

Kann man mentale Stärke trainieren oder muss man das in gewisser Weise schon mitbringen?

Das kann man definitiv trainieren. Das lege ich auch jedem ans Herz. Mentale Stäke und innere Ruhe zu trainieren sind oftmals entscheidende Faktoren, wenn Herausforderungen und ungewünschte Veränderungen in dein Leben kommen. Im Stuntjob geht es vor allem darum, an seinen Ängsten zu arbeiten.

Was ist an dem Beruf so faszinierend?

Über seine Grenzen zu gehen und zu erfahren, wo diese überhaupt liegen. Ich habe so oft gemerkt, dass ich mental und körperlich viel stärker bin, als meine vorher abgesteckten Grenzen. Wir Menschen halten uns im Alltag ständig zurück, weil wir verlernt haben, unser Selbstbewusstsein zu stärken. Aber genau diese innere Stärke sorgt für Klarheit über die eigene Identität. Erst so erkenne ich, was meine Stärken überhaupt sind und kann mein Leben entsprechend kreieren.

Ich habe schon früh gemerkt, dass ich es liebe, Grenzen zu überschreiten. Gleichzeitig wollte ich auf der Bühne stehen und das Publikum unterhalten. Das fing mit dem Ballett an und ging dann quasi in die Extreme über.

Stuntleute gehen ein hohes Risiko ein. Gab es Grenzen in deinem Beruf? Wenn ja, welche waren das?

Es ist zwar mein Job, Risiken zu kalkulieren, aber es bleibt natürlich immer ein Restrisiko. Und genau dieses Restrisiko ist so fatal. Wenn etwas schiefgeht, geht es richtig schief.

Deine persönlichen Grenzen lernst du auf dem Weg kennen. Während des Trainings findet man heraus, ob man dem Stunt körperlich gewachsen ist. Und genau das ist das Spannende daran: Herauszufinden, wo die eigenen Grenzen liegen.

Wenn du den Beruf der Stuntfrau wählst, willst du extreme Höhen erleben. Das geht automatisch mit dem Risiko einher, sehr tief fallen zu können. Und das muss dir bewusst sein. Wenn du extreme Momente erleben willst, musst du sicherstellen, dass du an den Tiefen nicht zerbrichst. Und genau da greift auch wieder die Klarheit deiner Identität.

Ist die Arbeit heutzutage sicherer als früher?

Auf jeden Fall! Die Szene an sich wird immer sicherer. Mit jedem Unfall geht man in die Reflektion und hinterfragt, wie das passieren konnte. So wird jede mögliche Gefahrenquelle minimiert. Die Qualität des Equipments und der Sicherheitssysteme werden immer besser. Allerdings wird es hier auch gefährlich: Jeder denkt heutzutage, Stuntman sein zu können. Ein neuer Helm oder Gurt bedeutet jedoch nicht automatisch höhere Sicherheit. Erfahrung, Training und Reflektion minimieren das Risiko – nicht besseres Equipment.

Du hast dir während eines Stunts beide Füße gebrochen – wie ist das passiert?

Ich habe vor dem Unfall bereits zehn Jahre lang als Stuntfrau gearbeitet und mir ist nie etwas wirklich Schlimmes passiert. Ich wurde von einem Modemagazin gebucht, um Designermode spektakulär zu präsentieren. Die Idee war, dass ich unter einem fliegenden Helikopter hänge und somit außergewöhnliche Bilder erschaffe. Gesagt, getan. Da das perfekte Foto einfach nicht gelang, musste ich das Ganze zehn- oder elfmal wiederholen. Irgendwann verließen mich dann sowohl meine körperliche Kraft als auch meine mentale Konzentration. Ich wusste, dass ich am Limit meiner Leistung bin, wollte den Kunden aber zu hundert Prozent zufrieden stellen. Das war einmal zu viel.  Als ich stürzte, konnten meine Füße aufgrund der hohen Schuhe den Aufprall nicht abfedern. Ich brach mir beide Füße. Den rechten mehrfach, der linke war komplett zertrümmert. Das war mein Karriereende.

Wie wurdest du anschließend versorgt? Wie sah dein persönliches Rettungsnetz aus?

Im Krankenhaus griff zuerst die gesetzliche Unfallversicherung. Dann klinkte sich sehr schnell auch die private Zusatzversicherung ein. Der Prozess aus OPs, Reha und Physiotherapie begann. Mein rechter Fuß ist mittlerweile verheilt, doch der Unfall hat im linken Fuß bleibende Schäden hinterlassen. Ich trainiere jeden Tag, um den Zustand zu halten oder ihn ein Stückchen zu verbessern.

Wie warst du finanziell abgesichert?

Die gesetzliche Versicherung ist ein ganz leichtes Netz, das einen auffängt – allerdings kommt da nicht viel. Was mich wirklich gerettet hat, war die Zusatzversicherung. Ich hatte das Glück, zum Höchstsatz versichert zu sein. Dadurch wurde wirklich alles übernommen – von der Reha bis zur Physiotherapie.


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Hat sich dein Blick auf Versicherungen nach dem Unfall verändert?

Ja, absolut. Mein erster Gedanke nach meinem Unfall war: „Wie bin ich versichert? Wer kommt jetzt für mich auf?“. Die Angst vor der Zukunft war lähmend. Unser Problem ist, dass immer erst etwas passieren muss. Entweder einem selbst oder in der unmittelbaren Umgebung, damit man sich aktiv versichert. Und das kann es ja nicht sein. Ich kann jedem nur ans Herz legen, sich frühzeitig mit den Fragen auseinanderzusetzen, wie man eigentlich versichert ist und was im Fall der Fälle greift. Wenn man sein Geld nicht in sich und seine Gesundheit investiert, wofür dann?

Miriam Höller als Speakerin
Fotocredit: Ronny Barthel

Du arbeitest nicht mehr als Stuntfrau. Wie hast du diese Transformation erlebt?

Die Zeit nach meinem Unfall war sehr schwer. Mit dem Unfall habe ich nicht nur meine Identität verloren, sondern auch meinen Beruf – meine Berufung. Denn mein Körper war mein Kapital. Ich musste also an einer Neukreation von Miriam arbeiten. Wenn man alles verliert, fragt man sich natürlich auch: Was bleibt von mir? Was macht mich aus? Ich musste mich komplett neu erfinden und überlegen, was die Vergangenheit mir an Erfahrungen hinterlassen hat, die ich auch für die Zukunft nutzen kann. So kam ich sehr schnell zu der Erkenntnis, als Speakerin auftreten zu wollen, um andere Menschen mit genau dieser Lebenserfahrung zu inspirieren und zu motivieren. Wir sitzen alle in einem Boot. Es liegt an uns selbst, nicht an unseren Herausforderungen zu zerbrechen, sondern Verantwortung zu übernehmen für unser Leben, um glücklich und frei sein zu können.

Was bedeutet Risiko für dich heute?

Durch den Verlust meiner Berufung und vor allem auch durch den Verlust meines damaligen Lebenspartners habe ich gemerkt, wie risikoreich das Leben ist. Wie endlich das Leben ist. Leben bedeutet Risiko. Mit jedem Schritt, mit jeder Entscheidung, die wir tun, gehen wir ein Risiko ein. Aber: Wir müssen Risiko eingehen, um weiterzukommen und zu wachsen. Darum ist für mich der Begriff Risiko in meinem Leben auch etwas Positives.

Wer kein Risiko eingeht, nicht an seine Grenzen kommt und sich nie aus seiner Komfortzone bewegt, erreicht auch nichts.

Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Für mich sind Träume und Visionen sehr wichtig. Sie sind die Motivation zu arbeiten und morgens aufzustehen. Ich bin allerdings flexibel. Wenn ein Plan nicht aufgeht, ist das kein Drama. Mit Krampf an etwas festzuhalten, das dann nicht funktioniert, macht einen kaputt. Das kenne ich aus eigener Erfahrung.

Was würdest du anderen Menschen in Bezug auf die richtige Absicherung raten?

Zwei Dinge machen die Entscheidung, sich abzusichern, einfacher: Erstens ein Bewusstsein dafür, wie zerbrechlich wir sind. Und zweitens Dankbarkeit dafür, in einem Land zu leben, in dem wir uns absichern können.

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