Wie hart trifft der Syrien-Konflikt die deutsche Wirtschaft?

Was die Militäroffensive der Türkei für deutsche Unternehmen bedeutet

Sorge um die türkische Wirtschaft: Muss die Türkei den Zorn des Auslands fürchten? Was bedeutet der Konflikt für die deutsche Wirtschaft? Wie anfällig ist die Türkei für eine Finanzmarktkrise? Dr. Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der DekaBank, klärt auf.

Syrien-Konflikt Türkei
3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka
Syrien-Konflikt Türkei

Die politische Entscheidung der Türkei militärisch in Syrien einzugreifen, hat heftige Reaktionen ausgelöst. Trump droht mit einer „Vernichtung“ der türkischen Wirtschaft. Muss die Türkei den Zorn des Auslands fürchten?

Die Gleichung ist recht einfach: Sowie der Präsident diese außenpolitische Frage eskaliert, gehen wir davon aus, dass die Sanktionen gegen die Türkei weiter verschärft werden.

Das kann sich die Türkei wirtschaftlich nicht leisten. Insbesondere, da die Türkei bereits in den vergangenen Jahren unter Sanktionen aus den USA und Russland gelitten hatte.

Erdogan dürfte in Zukunft seine Handlungen stärker abwägen: Im Moment profitiert er innenpolitisch durch die Zustimmung der türkischen Bevölkerung für den Angriff. Die öffentliche Meinung wird vermutlich nach der Verhängung von Sanktionen und den darauffolgenden wirtschaftlichen Einbußen kritischer werden.

Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank
Syrien-Konflikt Türkei

Volkswagen hat sein Vorhaben, in der Türkei ein großes Werk mit 4.000 Arbeitsplätzen zu bauen, auf Eis gelegt. Auch die Mehrzahl der rund 7.000 deutschen Firmen in der Türkei werden laut Experten erst einmal keine zusätzlichen Investitionen anschieben. Was bedeutet das für die deutsche Wirtschaft?

Die Türkei ist für die Gesamtheit des deutschen Exports keine entscheidende Größe. Nur rund anderthalb Prozent der deutschen Exporte gehen in die Türkei. Selbst einen Rückgang um diesen Wert könnte die Volkswirtschaft ohne Probleme verkraften. Sicher werden einzelne Unternehmen stärker in Mitleidenschaft gezogen.

Problematischer ist hingegen, dass die Türkei gerade in der Wertschöpfungskette der Automobilindustrie stark verankert ist. Das könnte Probleme wie Lieferengpässe für diese Branche verursachen. Allerdings verfügen viele Unternehmen über alternative Lieferanten in anderen Ländern.

Syrien-Konflikt Türkei

Sanktionen sind das Werkzeug der Stunde. Anleger ziehen ihr Geld vom Bosporus ab. Wie anfällig ist die Türkei für eine Finanzmarktkrise?

Die türkischen Finanzmärkte haben bisher nur mit verhaltenen Kursverlusten reagiert. Das bedeutet, dass weitgehende US-Sanktionen am Finanzmarkt als eher unwahrscheinlich betrachtet werden. Es wird eher ein Einlenken der türkischen Regierung erwartet.

Die Türkei ist außerdem heute weniger anfällig für eine Finanzmarktkrise als vor einem Jahr. Die Währung befindet sich bereits auf einem niedrigen Niveau. Die Leistungsbilanz, die damals einen deutlichen Fehlbetrag auswies, lag in den ersten acht Monaten dieses Jahres sogar im Plus.

Das Land bleibt dennoch stark von ausländischem Kapital abhängig. Türkische Unternehmen und der türkische Staat haben sich in den vergangenen Jahren stark im Ausland verschuldet. Sie haben dementsprechend einen sehr hohen Refinanzierungsbedarf.

Eine Finanzmarktkrise – also eine plötzliche Verweigerung von Kreditgebern zur Refinanzierung – ist damit möglich geworden. In diesem Fall könnte nur noch der internationale Währungsfonds das Schlimmste abwenden.

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