Marktchance Afrika

So können Unternehmen in afrikanischen Ländern Fuß fassen

Afrika ist eine der am schnellsten wachsenden Regionen der Welt und bietet erhebliches ökonomisches Potenzial – auch für deutsche Mittelständler. Doch mit dem vielfältigen Kontinent sind auch einige Herausforderungen verbunden. Zwei Experten verraten, worauf Unternehmer achten müssen.  

Porträt: Hans Dahm und Michael Enders

Hanns Dahm ist Prokurist und Auslandsfachberater bei der S-International Rhein-Ruhr. Sein Aufgabenschwerpunkt ist die umfassende Kundenberatung im internationalen Firmenkundengeschäft. 

Michael Enders ist Fachberater bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Er berät sowohl Sparkassen als auch deren Kunden zu allen Fragen des Auslandsgeschäfts. 

Seit einigen Jahren legt die Wirtschaft in Afrika stetig zu. Einige Länder verzeichnen beim BIP beachtliche Wachstumsquoten von über fünf Prozent. Wie lässt sich das rasante Wachstum erklären?

Dahm: Die Wirtschaft in den afrikanischen Ländern wird von vielen Faktoren beeinflusst. Beispielsweise haben die zunehmende Globalisierung des Handels, der Rohstoffreichtum in verschiedenen Regionen und zunehmende chinesische Investitionen vor Ort zu einer positiven Entwicklung beigetragen. Zudem haben sich auch die politischen Rahmenbedingungen geändert: In Afrika gibt es insgesamt weniger Bürgerkriege, Konflikte und Migrationsströme – was der Wirtschaft ebenfalls guttut.

Könnte man sagen, Afrika ist das neue Asien?

Dahm: Ein Vergleich zwischen Afrika und Asien ist nur bedingt möglich. Die afrikanischen Länder werden inzwischen deutlich besser wahrgenommen und richten sich wirtschaftlich neu aus – was durchaus an die ehemals rasante Entwicklung in Asien erinnert. Jedoch haben sich die Rahmenbedingungen in Wirtschaft, Handel und Politik seit damals stark gewandelt.

Früher wurden afrikanische und auch asiatische Staaten nicht als gleichberechtigte Partner in der globalisierten Welt wahrgenommen. Sie wurden ausgebeutet und vor allem als billige Produktionsstandorte betrachtet. Davon muss sich die westliche Welt lösen. Viele Länder streben bereits faire, partnerschaftliche Handelsbeziehungen auf Augenhöhe an. Dieses Umdenken führt zu einem deutlich nachhaltigeren Wirtschaftswachstum.

Welche Chancen bietet Afrika für deutsche Unternehmen?

Enders: Sehr vielfältige, und das im Handel, bei Investitionen und bei Kooperationen. Ebenso vielfältig wie die Länder des Kontinents. Positiv dabei ist, dass deutsche Unternehmen Afrika deutlich stärker wahrnehmen und verstehen – auch dank der umfangreichen Medienberichterstattung über Nachrichtenagenturen und Onlinemedien.

Dennoch: Im Jahr 2017 gingen nur zwei Prozent der deutschen Exporte nach Afrika. Woran, meinen Sie, liegt diese Zurückhaltung?

Enders: Das ist nach unserer Auffassung für die aktuellen Verhältnisse ein ziemlich vertretbarer Wert. Denn man darf nicht vergessen: Überall wo es Chancen gibt, sind auch Risiken beziehungsweise Herausforderungen vorhanden. Es handelt sich um eine fremde Region, es gibt andere klimatische Verhältnisse, große Unterschiede in der Kultur, eine Sprachbarriere und komplett andere Rechtsnormen. 

Zudem ist Afrika kein großer zusammenhängender Markt. Der Kontinent ist zersplittert. Nordafrikanische Staaten wie Ägypten oder Marokko unterscheiden sich maßgeblich von Westafrika oder Südafrika. Unternehmer müssen sich daher auf einzelne Länder konzentrieren oder sehr viel Zeit und Mühe investieren, um sich in mehreren Staaten zu etablieren. Und kleinere Märkte bedeuten natürlich auch immer beschränkte Renditechancen. 

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Welche Länder bieten sich besonders als Ziel für eine Expansion an?

Dahm: Hier kommt es auf das Unternehmen an. Es muss die Standorte aufgrund der jeweiligen Marktgegebenheiten auswählen. Schließlich spielen Nachfrage und vorhandene Angebote eine große Rolle.

Unternehmen müssen bedenken, dass Afrika äußerst vielfältig ist. Zum Beispiel ist Angola aufgrund seines Ölvorkommens ein sehr modernes Land. Die Hauptstadt Luanda gilt als teuerste Metropole der Welt – noch vor Tokio oder Singapur. Dann gibt es wiederum auch sehr große Regionen, die stark unterwickeltet sind.

Welche Produkte, Branchen oder Dienstleistungen besitzen aus Ihrer Sicht für den afrikanischen Markt das größte Erfolgspotenzial?

Enders: Auch das lässt sich pauschal nicht sagen. Jedes Unternehmen, das sich mit Expansionsplänen in einen neuen Markt befasst, muss diese Frage für sich beantworten. Und dabei Gegebenheiten vor Ort und das eigene Produkt- oder Dienstleistungsangebot berücksichtigen.

Übergreifend ist in Afrika jedoch weiterhin der primäre Sektor sehr stark ausgeprägt. Sprich: Vor allem die Landwirtschaft spielt eine große Rolle. Jedoch kann man die Prognose wagen, dass die sekundären und tertiären Sektoren wachsen werden. Auch hier kann es sich also für Mittelständer lohnen, zu investieren.

Wie sieht es mit Investitionen in die Infrastruktur oder die Telekommunikation aus? Sind das übergreifende Branchen mit Potenzial?

Dahm: Der Ausbau der Infrastruktur spielt in nahezu allen Regionen eine wichtige Rolle. Jedoch sind hier chinesische Unternehmen sehr präsent. Auch der Bergbau und andere Rohstoffförderungen boomen – vor allem im südlichen Teil Afrikas.

Telekommunikation ist dagegen vielerorts eines der geringsten Probleme. Beispielsweise ist Ruanda deutlich besser vernetzt als Deutschland. Hier gibt es keine technischen Altlasten, und Handys gehören zum Alltag. 

Wie sieht es mit der Sprache aus: Wird Englisch als Wirtschaftssprache überall akzeptiert?

Enders: Die Sprache in Afrika wurde stark durch die Kolonialzeit beeinflusst. In ehemaligen englischen Kolonien ist Englisch die vorherrschende Wirtschaftssprache. In den westlichen Ländern Nordafrikas und auch in vielen westlichen Ländern der Sub-Sahara-Region ist dagegen Französisch sehr verbreitet. Im südlichen Afrika wird vereinzelt auch deutsch gesprochen.  

Welche Fettnäpfchen lauern bei Geschäftsterminen?

Dahm: Bei 54 afrikanischen Ländern gibt es natürlich viele kulturelle Unterschiede. Um Südafrika als Beispiel zu nehmen: Hier brauchen Sie in Meetings viel Geduld. Wenn man sehr direkt kommuniziert oder anderen ins Wort fällt, gilt man schnell als unhöflich und undiplomatisch.

Generell sollten Unternehmen interkulturelle Kompetenz nicht unterschätzen. Sie ist elementar für den Erfolg einer Expansion. Daher empfehlen wir grundsätzlich, sich vorzubereiten. Ein gutes Hilfsmittel ist dabei zum Beispiel die App S-weltweit. Sie bietet für nahezu jedes Land einen interkulturellen Leitfaden mit Do&Don‘ts. 

Ein Geschäftsmeeting in Afrika

Was würden Sie Unternehmern empfehlen: Lieber Mitarbeiter ins Zielland zu entsenden oder Personal vor Ort aufzubauen?

Enders: Auch hier kommt es auf die konkreten Umstände an. Wir würden eine Kombination empfehlen: Unternehmen sollten vor Ort Personal aufbauen, das von erfahrenen Mitarbeitern aus dem Heimatland unterstützt und ausgebildet wird. Ziel muss dabei sein, das fremde deutsche Unternehmen in den jeweiligen Markt und ins Land zu integrieren. 

Welche Absicherungsmöglichkeiten haben deutsche Unternehmen beim Handel mit Partnern in Afrika?

Dahm: Eine wichtige Frage! Es gibt es die Hermesabdeckungen – die Exportkreditabsicherung der Bundesrepublik. Wenn ein Unternehmer seinen Kredit nicht zurückzahlen kann, springt der Bund ein. Tatsächlich kooperiert Euler Hermes aber nur mit wenigen Partnerbanken in Afrika. Generell ist das afrikanische Bankensystem noch stark ausbaufähig. Das erschwert natürlich auch Finanzierungen vor Ort.

Neben der bundesdeutschen Exportkreditversicherung empfehlen wir klassische Absicherungen wie ein Akkreditiv. Aber auch eine private Kreditversicherung und Investitionsgarantiedeckungen können ratsam sein. Es gibt vielfältige Angebote professioneller Partner.

Der S-CountryDesk, das internationale Netzwerk der Sparkassen-Finanzgruppe, arbeitet beispielsweise seit diesem Jahr mit der Société Générale Group zusammen. Diese ist in 17 afrikanischen Ländern vertreten und kann somit auch vor Ort Sparkassenkunden zur Seite stehen. 

Und wie begleiten die Landesbanken Mittelständler nach Afrika?

Enders: Aktuell ist keine Landesbank selbst in Afrika vertreten. Jedoch kooperieren sie mit Partnerbanken, die vor Ort präsent sind. So hat beispielsweise die LBBW heute Korrespondenzverbindungen in 60 Prozent der afrikanischen Staaten. Die Möglichkeiten zur Risikoabsicherung werden ständig bedarfsgerecht ausgebaut.

Der Aufbau von Standorten kann über die Partnerbanken, bei Bedarf auch durch Garantien, unterstützt werden. Hierbei sind aber auch die jeweiligen Außenhandelskammern mit ihren entsprechenden Detailkenntnissen ein wichtiger Ansprechpartner. 

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, wie Sie einem Unternehmen geholfen haben?

Dahm: Ein Kunde sprach kürzlich die S-International Rhein-Ruhr an. Er beabsichtigte, ein Exportgeschäft nach Sierra Leone mittels eines  Exportakkreditivs abzuwickeln. Er wollte seinem Geschäftspartner ein äußerst langes Zahlungsziel von 360 Tagen gewährleisten, selbst aber den Erlös zeitnah nach dem Versand ausgezahlt bekommen. Seine Hausbank konnte ihm nicht weiterhelfen. Wir vermittelten daraufhin den Kontakt zur LBBW.

Wir suchten gemeinsam mit dem Unternehmen nach einer Lösung. Dafür haben wir mit Partnerbanken in Kairo und Sierra Leone zusammengearbeitet. Das Ergebnis: Der Kunde erhielt etwa zehn Tage nach Nachweis der Lieferung sein Geld, wobei der Importeur sein gewünschtes Zahlungsziel nutzt.

Haben Sie noch einen abschließenden Rat, für alle Unternehmer, die in einem afrikanischen Land Fuß fassen wollen?

Dahm: Erkundigen Sie sich – bei befreundeten Unternehmen, der Industrie- und Handelskammer, im Internet. Und auch wenn es banal klingt – suchen Sie eine Bank, die zur kundenorientierten Problemlösung bereit ist. Probieren Sie es mal bei Ihrer Sparkasse. Zugegebenermaßen ist das bankenseitige Engagement in Afrika noch ausbaufähig. Aber wir entwickeln uns in die richtige Richtung. 

Mehr Informationen finden Sie bei Ihrer Sparkasse.

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