Renten Gap – Was steckt dahinter?

Bei den Renten ist die Lücke zwischen Frauen und Männern noch größer als bei den Gehältern

In Deutschland erhalten Frauen im Schnitt nur halb so hohe Rentenzahlungen wie Männer. Wir erklären, was hinter dem sogenannten Renten Gap steckt und warum Frauen ihre Vorsorge stärker selbst in die Hand nehmen müssen.

In Deutschland bekommen Frauen nur halb so viel Rente wie Männer. Der sogenannte Renten Gap, also die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern über 65 Jahren, liegt im bundesweiten Durchschnitt bei 53 Prozent. Neben der gesetzlichen Rente fließen betriebliche und private Renten in die Rechnung ein.

Doch auch wenn inzwischen immer mehr Frauen erwerbstätig sind und damit höhere Rentenansprüche erwerben, rät Deka-Volkswirtin Dr. Gabriele Widmann: „Frauen jeden Alters sollten sich unbedingt mit dem Thema Vorsorge auseinandersetzen“.

Übrigens: In Europa belegt Deutschland gemeinsam mit Luxemburg den letzten Platz bei der Rentengleichheit. Nirgendwo sonst ist die Lücke zwischen den Renten von Frauen und Männern größer als hierzulande.

Noch fehlt das Bewusstsein fürs Thema

„Die ungleichen Einkommen von Frauen und Männern sind zum Glück inzwischen ein Thema für die Öffentlichkeit geworden. Was dieser Gender Pay Gap für die Altersvorsorge bedeutet, dafür fehlt in Deutschland hingegen noch das Bewusstsein“, sagt Dr. Gabriele Widmann.

Dabei ist der Zusammenhang eindeutig: Wer mehr verdient, zahlt mehr in die Gesetzliche Rentenversicherung ein und wird schlussendlich eine höhere Rente erhalten. Außerdem verfügen Besserverdiener über mehr Geld, das sie in die berufliche oder private Altersvorsorge stecken können. Frauen verdienten 2017 im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer, wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat.

Rund drei Viertel dieses Unterschieds beim Einkommen lassen sich dadurch erklären, dass Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten oder geringfügig beschäftigt sind als Männer, dass sie öfter in schlechter bezahlten Branchen arbeiten oder seltener Führungskräfte werden. Doch auch mit einer vergleichbaren Qualifikation oder bei einer vergleichbaren Tätigkeit verdienen Frauen in Deutschland immer noch etwa sechs Prozent weniger als Männer. Das Geschlecht führt also zu einer unterschiedlich hohen Bezahlung für die gleiche Arbeit.

Der Renten Gap ist im Westen deutlich höher als im Osten

Im Berufsleben der Rentnerinnen und Rentner von heute war die Lohnlücke zwischen Mann und Frau sogar noch größer. Hinzu kommt, dass vor allem in Westdeutschland das Modell des männlichen Familienernährers verbreitet war. Dort sind Frauen erst in den vergangenen Jahrzehnten stärker ins Berufsleben eingestiegen, während in Ostdeutschland Frauen traditionell weit häufiger erwerbstätig sind.

Die Folge für die aktuellen Renten beschreibt ein Report der Hans-Böckler-Stiftung: 2015 lag der Renten Gap in Westdeutschland bei 58 Prozent, in Ostdeutschland bei 28 Prozent.

„Wer in einer Partnerschaft lebt, findet Einkommensunterschiede zwischen Mann und Frau oft nicht so wichtig, weil der Lebensstandard von der Summe aller Einkünfte in einem Haushalt abhängt“, erklärt Frau Dr. Widmann. „Wichtig werden niedrigere Gehälter und Renten von Frauen oft erst dann, wenn die Beziehung auseinandergeht.“ 

Frauen sollten bei der Vorsorge an sich denken

Die Expertin empfiehlt deshalb jeder Frau, ob Single oder in einer Partnerschaft, sich um die eigene Altersvorsorge zu kümmern, damit keine Versorgungslücke entsteht. „Viele Frauen neigen dazu, zuerst für alle anderen zu sorgen, bevor sie an sich denken. Auf dem Gebiet der Altersvorsorge rate ich zu einer gesunden Portion Egoismus, um die persönliche Zukunft abzusichern.“

Bei der gesetzlichen Rente werden Kindererziehungszeiten inzwischen berücksichtigt. Das verringert den Renten Gap jedoch kaum. Zum einen, weil viele Mütter länger im Beruf aussetzen, als es die zusätzlichen Rentenpunkte ausgleichen könnten. Und zum anderen zahlen die Väter, die während dieser Zeit arbeiten, ja auch weiter in die Rentenversicherung ein. Der Abstand zwischen den Partnern wird also dadurch nicht kleiner.

Die Erwerbsbiografien von Männern werden unsteter

Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin zeigt: In den nächsten Jahrzehnten wird der Renten Gap kleiner werden. Bei Frauen und Männern, die zwischen 1966 und 1970 geboren wurden, wird der Renten Gap etwa 15 Prozentpunkte geringer ausfallen als bei Frauen und Männern der Kriegsgeneration (Jahrgang 1936 bis 1945).

Es gibt jedoch ein großes Aber: Die Lücke wird den Forschern zufolge nicht nur dadurch kleiner, dass Frauen höhere Renten erhalten, sondern auch dadurch, dass Männer niedrigere Renten ausgezahlt bekommen.

„Mitverantwortlich für diesen Trend sind häufigere Erwerbsunterbrechungen mit längeren Phasen von Arbeitslosigkeit, längeren Ausbildungszeiten sowie die zunehmende Bedeutung von Teilzeittätigkeit“, beschreibt der DIW-Bericht die Situation der jüngeren Männer.

Bei Frauen im Osten zeigt sich der Studie zufolge eine Annäherung an die Erwerbsmuster im Westen, da auch sie mittlerweile häufiger in Teilzeit arbeiten, um Beruf und Kinderbetreuung zu vereinbaren. Damit sinken ihre Ansprüche an die Gesetzliche Rentenversicherung.

Wie wird der Renten Gap berechnet?

Um den Renten Gap zu berechnen, setzt man die persönlichen Alterssicherungseinkommen aller Frauen in einer Region oder in einer Altersgruppe zu denen aller Männer derselben Region oder derselben Altersgruppe in Beziehung. Die relative Differenz wird als Prozentzahl angegeben.

In Deutschland fließen neben den Bezügen aus der Gesetzlichen Rentenversicherung in der Regel auch Einkünfte aus Betriebsrenten und der Privaten Vorsorge in die Berechnung ein.

Taschenrechner und Formel

Mehr Infos und Konditionen finden Sie bei Ihrer Sparkasse.

Bitte wählen Sie Ihre Sparkasse aus:

Ist das nicht Ihre Sparkasse?