Warum Frauen mehr an sich denken müssen

3 Fragen an DekaBank-Volkswirtin Dr. Gabriele Widmann

Frauen haben weniger Interesse an Finanzthemen als Männer. Deka-Expertin Dr. Gabriele Widmann will mit einigen grundlegenden Tipps Frauen dazu ermuntern, ihre Altersvorsorge aktiv anzugehen – und rät zu einer gesunden Portion Egoismus.

Warum Frauen mehr an sich denken müssen
Interview mit
Dr. Gabriele Widmann
Deka-Volkswirtin

Sich mit Geld und Finanzen zu beschäftigen, ist für Frauen offenbar immer noch eher Pflicht als Freude. Während mehr als die Hälfte der Männer in Deutschland ein sehr starkes oder starkes Interesse an Wirtschaftsthemen haben und sich in punkto Börsenwissen fit fühlen, interessieren sich 60 Prozent der Frauen kaum oder gar nicht für diese Themen. Woran das liegt und auf was Frauen beim Geldanlegen achten sollen, dazu haben wir die Volkswirtin Dr. Gabriele Widmann der DekaBank befragt.

Altersarmut ist vor allem ein weibliches Thema. Interessieren sich Frauen nicht für Ihre Rente?

Dr. Gabriele Widmann: Es ist kein Geheimnis, dass das Finanzthema Männer stärker begeistert. Dabei ist für Frauen die finanzielle Vorsorge noch wichtiger. Sie haben zum Beispiel wegen beruflichen Auszeiten und Teilzeitarbeit zum Teil deutlich geringere gesetzliche Renten zu erwarten. Wenn nun die Menschen älter werden und es zukünftig weniger Arbeitskräfte gibt, die in die Rentenversicherung einzahlen, stößt das System an seine Grenzen. Zukünftig niedrigere Renten treffen dann die Frauen stärker, die ohnehin schon geringere Rentenansprüche haben als Männer.

Studien zufolge sorgen nur 30 Prozent selbstständig vor. Warum entsteht bei so vielen Frauen eine Versorgungslücke?

Die Versorgungslücke ist zunächst einmal eine Informationslücke. Die Dringlichkeit der privaten Altersvorsorge ist den wenigsten Frauen bewusst. Frauen leben sehr stark im Hier und Jetzt und schieben das Thema Finanzen im Alter lieber auf.  

Viele sagen auch, dass sie zu wenig Geld haben, um es überhaupt anzulegen. Oder dass Aktien zu stark schwanken und das Sparen überhaupt nichts bringen würde. Dazu kommt, dass Frauen bekanntlich dazu neigen, zuerst an alle anderen zu denken, bevor sie ihre eigenen Bedürfnisse wahrnehmen. Das rächt sich bei der Altersvorsorge. Frauen sollten bei diesem Thema egoistischer werden. Sie müssen lernen, ihre Interessen als wichtig anzuerkennen und die finanzielle Vorsorge auch durchzusetzen – dazu möchte ich sie jedenfalls ermuntern.

Worauf sollten Frauen bei der Geldanlage achten?

Eine vernünftige Geldanlage ist gar nicht so kompliziert wie viele meinen. Man darf jedenfalls nicht alles auf eine Karte setzen. Streuen Sie das Risiko. Dazu eignen sich beispielsweise breit aufgestellte Investmentfonds mit einem geeigneten Aktienanteil.

Wichtig ist auch, dass die Rendite stimmt. Natürlich schwanken Investmentfonds in ihrem Wert, das bringt der Kapitalmarkt mit seinen Kursschwankungen naturgemäß mit sich. Das kann sich auch mal negativ auswirken. Doch keine Angst: Das Risiko zahlt sich in der Regel aus und ist vor allem beim langfristigen Sparen überschaubar.

Wer Inflation und Steuern ausgleichen will, sollte aktuell mindestens drei Prozent Rendite im Jahr erwirtschaften. Dazu muss man derzeit ein bisschen mehr Risiko, beispielsweise mit Aktienanlagen, wagen. Und was immer noch viele Menschen unterschätzen: Beginnen Sie möglichst früh mit der Vorsorge. Nur so kann die Wunderwaffe Zinseszins ihre volle Wirkung entfalten. 

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