Atempause für Immobilienpreise

Experten erwarten infolge der Corona-Krise bis zum Herbst keinen weiteren Anstieg der Immobilienpreise

 

Sie möchten eine Immobilie kaufen, fragen sich aber, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist? Die Zinsen für eine Finanzierung sind derzeit besonders niedrig – die Immobilienpreise wiederum sind recht hoch. Experten rechnen infolge des Corona-Shutdowns bis zum Herbst allerdings mit stabilen Preisen auf dem Wohnimmobilienmarkt. Der enorme regionale Unterschied bleibt bestehen.

 

Bauen und kaufen bleibt teuer, wird aber zumindest vorerst nicht teurer. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage unter 600 Immobilienexperten der Sparkassen und Landesbausparkassen. Während sie im Januar noch mit einem Preisanstieg von vier bis sechs Prozent bis Jahresende rechneten, erwarten sie nun zumindest bis Herbst stabile Preise. „Corona bremst den Preisanstieg bei Wohnimmobilien zumindest vorübergehend aus“, sagt LBS-Verbandsdirektor Axel Guthmann. Gleichzeitig rechnen Marktkenner mit einem weiterhin knappen Angebot, aber auch mit einer etwas gedämpften Nachfrage.

Warum steigen die Immobilienpreise?

Nach wie vor träumen sehr viele Menschen von den eigenen vier Wänden. 57 Prozent der Mieter würden lieber in der eigenen Immobilie statt zur Miete wohnen. Dabei spielen nicht nur steigende Mieten und die höhere Lebensqualität eine Rolle. Viele denken in Zeiten niedriger Zinsen bei der Geldanlage um: Sie investieren ins Eigenheim, um so fürs Alter vorzusorgen.

Das Zinstief sorgt gleichzeitig dafür, dass eine Immobilienfinanzierung derzeit deutlich günstiger ist als beispielsweise vor zehn Jahren. Mehr Menschen können die monatlichen Kreditraten und die anfallenden Zinsen finanziell stemmen. Dazu trägt auch die gute Einkommens- und Beschäftigungsentwicklung der vergangenen Jahre bei. 

Eine Trendwende ist hier noch nicht abzusehen. Zahlen aus dem DSGV-Vermögensbarometer 2019 zeigen, dass das Interesse an einer eigenen Immobilie trotz der steigenden Preise ungebrochen ist. Knapp ein Drittel (31 Prozent) der Menschen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren planen demnach den Erwerb einer Immobilie. In der Altersgruppe zwischen 20 und 29 ist es sogar jeder Zweite. 

Die Nachfrage nach Immobilien ist also hoch. Ihr steht jedoch ein immer knapper werdendes Angebot gegenüber. Die Neubautätigkeiten können nicht Schritt halten. Dadurch steigen die Preise.

Wo sind die Preise am höchsten, wo am niedrigsten?

Immobilienpreise steigen weiter
Informationsgrafik: Im Süden Deutschlands sind die Immobilienpreise am höchsten

Städte in Süddeutschland bleiben Preisführer

Entscheidend für den Preis einer Immobilie ist vor allem eins: die Lage. Innerhalb Deutschlands gibt es noch immer gravierende Unterschiede. Am niedrigsten sind die Preise in Ostdeutschland. Sie steigen gegen den Uhrzeigersinn von Norden Richtung Westen bis hin in den teuren Süden.

An der Spitze des Preisspiegels steht wenig überraschend München. Auch in Stuttgart, Heidelberg, Wiesbaden, Freiburg und Frankfurt müssen Käufer viel Geld für den Immobilien-Traum zahlen. Es gibt jedoch auch Großstädte mit moderaten Preisen – zum Beispiel Leipzig, Hannover, Bremen, Dortmund und Dresden. Die Nachfrage nach den eigenen vier Wänden weitet sich allerdings zunehmend auch auf prosperierende Mittelstädte aus. 

Immobilienpreise im Überblick

Freistehende Einfamilienhäuser

Gebrauchte freistehende Einfamilienhäuser stehen auf der Beliebtheitsskala ganz weit oben. Der Traum ist teuer: In Großstädten im Südwesten Deutschlands zahlen Kunden bis zu zehnmal mehr als in einzelnen ostdeutschen Mittelstädten.

München liegt laut LBS-Immobilienpreisspiegel mit 1,5 Millionen Euro an der Spitze. Gefolgt von Wiesbaden (1,2 Millionen Euro), Stuttgart (1,1 Million Euro) und Freiburg im Breisgau (950.000 Euro). In attraktiven Umlandregionen liegen die Preise noch höher. Den Rekord stellt der Münchener Vorort Grünwald mit 1,9 Millionen Euro auf.

Im Gegensatz dazu finden Sie moderate Preisentwicklungen in einigen Halbmillionenstädten. In Leipzig, Hannover, Bremen, Dortmund und Dresden rangieren die Preise zwischen 310.000 und 400.000 Euro. Weitere Großstädte wie Halle, Magdeburg, Bremerhaven oder Siegen weisen unterdurchschnittliche Preise zwischen 180.000 und 210.000 Euro auf.

Reiheneigenheime

Die Preise für neugebaute Reiheneigenheime stiegen durchschnittlich um 3,6 Prozent. Im Vergleich zu Einfamilienhäusern sind sie dennoch wesentlich günstiger. In München müsse man zwar mit bis zu 1,1 Millionen Euro rechnen, aber in knapp einem Drittel der Metropolen ab einer halben Million Einwohner liegen die Preise zwischen 200.000 und 360.000 Euro. Bei gebrauchten Reihenhäuser können Sie mit circa 16 Prozent geringeren Kosten rechnen.  

Eigentumswohnungen

Eigentumswohnungen werden merklich teurer. Gräfelfing liefert mit 8.500 Euro pro Quadratmeter den Spitzenwert Deutschlands. In Städten wie Dortmund, Leipzig oder Bremen liegen die Quadratmeterpreise aber bei 3.700 Euro oder sogar darunter.

Im Vergleich zu Neubauten haben Sie für gebrauchte Eigentumswohnungen 36 Prozent geringere Kosten. Um 4,4 Prozent steigt der Preis allerdings im Vergleich zum Vorjahr.

Bauland

Das Bauland bleibt der Dreh- und Angelpunkt des Wohnungsmarktes. „Trotz aller Bemühungen um Nachverdichtung und Nutzung vorhandener Brachen – ohne die Ausweisung neuen Baulands wird es nicht gelingen, die Bodenpreise einzudämmen und preiswerten Wohnraum zu errichten“ beschreibt LBS-Verbandsdirektor Axel Gutmann die aktuelle Situation. Das Bauland verzeichnet einen Preiszuwachs von sechs Prozent. 

Mehr aktuelle Zahlen und Fakten zum Immobilienmarkt finden Sie hier.

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