Clever BAföG zurückzahlen

Wie Sie Ihre Bildungsschulden am besten loswerden

Mit Schulden ins Berufsleben starten? Ja. Viele finanzieren zumindest Teile ihres Studiums oder ihrer Ausbildung über das sogenannte Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) und müssen das Staatsdarlehen nach dem Berufseinstieg zurückzahlen. Wir verraten, wie Sie bei der Rückzahlung Ihres Studienkredits sparen und so dafür sorgen, dass möglichst viel vom eigenen Gehalt übrigbleibt.

Das BAföG erleichtert das Studium. Für viele ist die staatliche Finanzspritze eine wichtige Einnahmequelle während der eher geldschwachen Studienjahre. Mit dem Berufseinstieg beginnt dann erstmals eine Zeit finanzieller Eigenständigkeit und zunehmender Verantwortung.

Es gilt, sich gegen die wichtigsten Risiken abzusichern, am besten frühzeitig die Altersvorsorge anzugehen und die eigene Finanzplanung in Angriff zu nehmen. Wer seine Ausbildung oder sein Studium mithilfe von BAföG oder Ausbildungskrediten finanziert hat, muss die Rückzahlung seiner Schulden einkalkulieren.

Alles Wissenswerte zur BAföG-Rückzahlung auf einen Blick:

  • Die maximale Höhe der individuell zurückzuzahlenden BAföG-Schulden beläuft sich auf 10.000 Euro.
  • Fünf Jahre nach Ende der Förderhöchstdauer beginnt die Rückzahlung.
  • Die Bafög-Schulden können auf einmal oder in dreimonatigen Raten beglichen werden.
  • Die Rückzahlung muss normalerweise innerhalb von 20 Jahren erfolgen.
  • Wer seine Schulden auf einen Schlag zurückzahlt, profitiert von einem Nachlass von bis zu 50 Prozent.
  • Geringverdiener können eine Freistellung der Rückzahlung beantragen und damit die Rückzahlungsfrist auf höchstens 30 Jahre verlängern.
Junger Mann legt im Büro entspannt die Füße auf den Tisch

Wie viel muss ich zurückzahlen?

Der BAföG-Höchstsatz liegt derzeit bei 735 Euro pro Monat. Bei maximal fünf Jahren Förderdauer ergibt sich eine Summe von 44.100 Euro. Den vollen Betrag müssen Berufseinsteiger aber nicht zurückzahlen – denn die BAföG-Förderung besteht zur Hälfte aus einem Zuschuss und zur Hälfte aus einem zinsfreien Darlehen.

Dazu kommt: Der Rückzahlungsbetrag ist auf maximal 10.000 Euro gedeckelt. Mehr müssen Sie also nicht zurückzahlen – auch nicht, wenn Sie während des Studiums immer den BAföG-Höchstsatz bekommen haben.

Übrigens: Die individuelle Förderungshöchstdauer bezieht sich immer auf die Regelstudienzeit des Bachelor-Studiengangs.

Studenten in einer Vorlesung

Wann muss ich zurückzahlen?

Etwa viereinhalb Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer verschickt das Bundesverwaltungsamt den Rückzahlungsbescheid. Darin stehen alle Informationen zu Höhe und Dauer der Raten für die BAföG-Rückzahlung.

Die erste Rate wird dann ein weiteres halbes Jahr später fällig, also insgesamt fünf Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer. Die Darlehenssumme muss dann standardmäßig innerhalb von 20 Jahren zurückgezahlt werden.

Gut zu wissen: Wer eine vorzeitige Rückzahlung plant, wird ausgebremst. Es ist nicht möglich, das Darlehen schon vor dem Eingang des Rückzahlungsbescheids zurückzuzahlen. Die Annahme des Staates: Nach Ablauf von fünf Jahren beziehen Förderungsempfänger ein angemessenes Gehalt und sind so tatsächlich in der Lage, das Darlehen auf einmal oder kontinuierlich in dreimonatigen Raten zu tilgen.

Übrigens: Sie müssen die BAföG-Förderung auch zurückzahlen, wenn Sie Ihr Studium abgebrochen haben.

Tipp: Denken Sie immer daran, dem Bundesverwaltungsamt Ihre aktuelle Anschrift mitzuteilen. Wenn der Rückzahlungsbescheid nicht zugestellt werden kann, kommen unnötige Kosten auf Sie zu.

Vier junge Menschen in einer WG-Küche

Wie spare ich bei der Rückzahlung?

Sie haben grundsätzlich genug Zeit, Ihre BAföG-Schulden zu begleichen. In der Regel müssen Sie alle drei Monate 315 Euro abstottern. Den Höchstsatz von 10.000 Euro hätten Sie so nach acht Jahren zurückgezahlt.

Wenn Sie allerdings Ihre Schulden auf einen Schlag oder zumindest teilweise früher zurückzahlen, bekommen Sie einen Nachlass. Wie hoch dieser ausfällt, ist abhängig von der Höhe des Darlehens. Mindestens beträgt er acht Prozent, maximal 50,5 Prozent. Eine schnelle Tilgung macht sich also bezahlt.

Alles Wichtige zur Höhe der Tilgung und des Nachlasses steht im Rückzahlungsbescheid.

In vielen Fällen lohnt sich ein Kredit

So kann es sinnvoll sein, einen Kredit aufzunehmen, um das Darlehen vorzeitig zurückzuzahlen. Denn der Nachlass ist oft höher als die Kosten für einen Kredit – besonders bei den aktuell niedrigen Zinsen.

Ein Beispiel: Anne hat eine Darlehensschuld von 9.500 Euro. Wenn sie diese früher zurückzahlt, erhält sie 27,5 Prozent Rabatt. Sie muss im Endeffekt also nur 6.888 Euro zahlen. Da sie den Betrag allein nicht zusammenbekommt, nimmt sie einen Kredit auf. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre. Die Zinsen liegen bei fünf Prozent.

Sie zahlt letztlich rund 911 Euro Zinsen für den Kredit, spart aber durch das schnelle Tilgen 2.612 Euro ein. Für Anne lohnt sich deshalb der Kredit für die Rückzahlung. Ob es bei Ihnen auch so ist, prüfen Sie am besten gemeinsam mit uns.

Die BAföG-Raten haben auch ihre Vorteile

Umzuschulden ist nicht für jeden die beste Lösung bei der Rückzahlung der Förderung. Das gilt beispielsweise für Berufseinsteiger mit einem sehr geringen Gehalt oder einem unsicheren Job.

Denn der Vorteil beim BAföG-Abstottern ist, dass Sie die Raten zeitweise aussetzen können. Das geht bei einem normalen Darlehen nicht immer. Je nach Kredit-Vereinbarung müssen Sie die Raten auch bei einer finanziellen Durststrecke weiterzahlen.

Was mache ich, wenn ich die BAföG-Raten nicht zahlen kann?

Wer fünf Jahre nach der Förderung nicht genug verdient, um seine Raten zu begleichen – zum Beispiel, weil er arbeitslos oder nicht berufstätig ist –, kann eine Freistellung von der Rückzahlung beantragen.

Damit werden die Schulden nicht erlassen, sondern die Rückzahlung wird um ein Jahr aufgeschoben. Diese Stundung ist maximal zehn Jahre lang möglich, dann wird keine weitere Freistellung gewährt und der ehemalig Studierende muss mit der Rückzahlung beginnen.

Übrigens: Es gibt eine fixe Untergrenze für das monatliche Nettoeinkommen, die festlegt, ob eine Freistellung gewährt wird. Wer verheiratet ist, in einer eigentragenden Lebenspartnerschaft lebt und/oder ein eigenes Kind, ein Kind des Ehe-/Lebenspartners oder ein Pflegekind im Haushalt betreut, für den gilt eine erhöhte Einkommensgrenze.

BAföG-Reform Ende 2019: Welche Änderungen gibt es?

Der Deutsche Bundestag hat am 16. Mai 2019 das 26. BAföG-Änderungsgesetz beschlossen. Die Reform wird als dringend notwendig erachtet, da durch die BAföG-Anpassungen der jüngeren Vergangenheit beispielsweise weder die Inflation noch die derzeitigen Mietsteigerungen ausgeglichen wurden.

Mit dem neuen Änderungsgesetz sollen Bildungsschulden kein Grund mehr für Verschuldungsängste auf Seiten der Studierenden sein: Laut Schuldner-Atlas Deutschland 2018 kann derzeit gut jeder zehnte Erwachsende in Deutschland seine laufenden finanziellen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen.

Die BAföG-Änderungen, die im Herbst 2019 in Kraft treten sollen, beinhalten daher generell höhere Förderungsleistungen und an die aktuellen Mieten angepasste Wohnkosten sowie höhere Freibeträge.

Veränderungen ergeben sich auch bei der BAföG-Rückzahlung: Die Ratenhöhe wird steigen auf quartalsweise 390 Euro statt bisher 315 Euro, dafür werden aber künftig höchstens 77 Raten fällig – auch wenn Sie zeitweise wegen geringen Einkommens niedrigere Ratenzahlungen vorgenommen haben. Nach insgesamt 20 Jahren wird eine etwaige Restschuld außerdem künftig vollständig erlassen.

Einen Wermutstropfen gibt es dennoch: Gegebenenfalls verringern sich künftig die Rabatte für die Rückzahlung auf einen Schlag. Dies bedarf jedoch vorher noch der Änderung der aktuellen Darlehensverordnung.

Im Gespräch geben wir Ihnen gerne mehr Tipps zu Ihren Finanzen als Berufseinsteiger sowie zu den Themen Schulden, Privatkredit oder Überschuldung. Vereinbaren Sie einfach einen Termin.

Rückzahlungs-Ausnahmen: Schüler-BAföG und Meister-BAföG

Schüler-BAföG ist im Normalfall ein Vollzuschuss, da Schüler neben der Ausbildung regelmäßig nicht selbst arbeiten. Daher muss die Förderung nicht zurückgezahlt werden.

Das sogenannte Meister-BAföG für die berufliche Fortbildung ist anders als das Studenten-BAföG nur zu einem Drittel Zuschuss und zu zwei Dritteln ein Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Bei der Rückzahlung fallen ab dem Start der BAföG-Rückzahlung Zinsen an.

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