Privatinsolvenz: Das müssen Sie wissen

Schuldenfrei in maximal sechs Jahren

Wenn Ihre Schulden so hoch sind, dass Sie sie nicht mehr abbezahlen können, ist die Privatinsolvenz Ihre letzte Option. Hier finden Sie alles Wichtige zu diesem Thema – einschließlich zentraler Aspekte mit Blick auf die Corona-Krise.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Die Privatinsolvenz ist die letzte Option, wenn es keine andere Möglichkeit zum Schuldenabbau gibt.
  • Sie setzt neben der Zahlungsunfähigkeit voraus, dass Schuldner versuchen, sich mit den Gläubigern zu einigen.
  • Dafür müssen sie einen Schuldenregulierungsplan vorlegen.
  • Lehnt auch nur einer der Gläubiger diesen Vorschlag ab, ist die wichtigste Voraussetzung für eine Privatinsolvenz erfüllt.
  • Das muss eine anerkannte Schuldnerberatung oder ein Anwalt bescheinigen.
  • Dann können die Schuldner die Verbraucherinsolvenz beantragen.
  • Das Insolvenzverfahren endet schließlich nach drei, fünf oder sechs Jahren mit der Restschuldbefreiung.

Nicht nur Unternehmen gehen pleite. Auch Privatpersonen. Das passiert, wenn sie so viele Schulden anhäufen, dass sie diese nicht mehr zurückzahlen können. In einem solchen Fall ist die Privatinsolvenz, auch Verbraucherinsolvenz genannt, der letzte Ausweg.

Schulden – Überschuldung – Privatinsolvenz

Eine besorgte Frau am Schreibtisch

Schulden sind so lange unproblematisch, wie die Schuldner sie mithilfe ihres Einkommens oder Vermögens begleichen können. Übersteigen Ihre Verbindlichkeiten bei Dritten (sogenannten Gläubigern) Ihre Mittel, spricht man von einer Überschuldung.

Können Sie Ihre Außenstände nicht mehr aus eigener Kraft bezahlen, sollten Sie sich Hilfe bei einer Schuldnerberatung suchen. Die gibt es bei Verbraucherzentralen und Kommunen kostenlos. Auch die Sozialämter der Gemeinden, Städte und Landkreise bieten gratis Beratung an. Eine andere (kostenpflichtige) Alternative sind auf Insolvenz spezialisierte Anwälte.

Ist eine Einigung mit Ihren Gläubigern möglich?

Bestätigt sich der Verdacht der Überschuldung, müssen Sie im ersten Schritt eine außergerichtliche Lösung mit Ihren Gläubigern finden. Dieser Zwischenschritt nennt sich Schuldenbereinigung und ist nur für Privatpersonen vorgesehen. Unternehmen können direkt zu einem Insolvenzgericht gehen.

Im Idealfall führt die Schuldenbereinigung dazu, dass die Gläubiger zustimmen, die ausstehenden Rechnungen

  • weiter zu stunden (also aufzuschieben),
  • sie zu stückeln oder sogar
  • zu erlassen.

Voraussetzung für den Erfolg: Alle Gläubiger müssen sich darauf einlassen. Ist das nicht der Fall, lehnt also nur ein einziger Gläubiger ab, bleibt häufig nur noch die Privatinsolvenz.

Kredit statt Privatinsolvenz?

Viele Schuldner versuchen, ihre Schulden mit einem Kredit in den Griff zu bekommen. Aber das ist häufig nicht der richtige Weg. Denn: Mit dem Kredit können sie zwar alle Rechnungen auf einen Schlag bezahlen.

Doch die Verbindlichkeiten bleiben – und steigen. Nun müssen die Schuldner zusätzlich Zinsen zahlen. Kurzfristig verschafft eine Umschuldung sicherlich Zeit, doch sie löst das Problem nur selten.


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So eröffnen Sie die Privatinsolvenz

Ist die Privatinsolvenz unausweichlich, müssen Sie beim Amtsgericht mit Ihrem Berater einen Antrag auf Eröffnung des Verfahrens stellen. Darin müssen Sie Ihre persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse offenlegen.

Zentraler Teil dieses Antrags ist die Befreiung von der Restschuld. Damit sind die Betroffenen nach Ende des Verfahrens schuldenfrei.

Wohlverhaltensphase: Konsequent Einnahmen abführen

Die Privatinsolvenz beginnt

  • nach der Eröffnung des Verfahrens durch das Gericht und
  • der Bestellung eines Insolvenzverwalters

mit der sogenannten Wohlverhaltensphase. Sie dauert meist sechs Jahre.

In dieser Zeit müssen Sie den pfändbaren Teil Ihrer Einnahmen an den Insolvenzverwalter abführen. Dabei bleibt Ihnen das sogenannte Existenzminimum erhalten. Ihnen wird also nichts genommen, was Sie zum Leben benötigen.

Können Sie Ihren Arbeitsplatz nur mit dem Auto erreichen? Dann dürfen Sie es behalten, auch wenn Autos generell zur Pfändungsmasse zählen.

Der Insolvenzverwalter überweist zuerst einen Teil Ihrer Zahlungen für die Deckung der Verfahrenskosten. Den Rest leitet er nach festgelegten Anteilen an Ihre Gläubiger weiter.

Während der Wohlverhaltensphase müssen Sie gesetzliche Auflagen erfüllen. Dazu zählen:

  • Sie müssen ihre Vermögens- und Einkommensverhältnisse offenlegen.
  • Sie müssen das Gericht darüber informieren, wenn Sie Wohnsitz oder Arbeitsplatz wechseln.
  • Sie verpflichten sich, jede zumutbare Arbeit anzunehmen.
  • Sie müssen im Falle einer Erbschaft die Hälfte davon abgeben.

Verkürzung der Wohlverhaltensphase

Das Gericht kann die Wohlverhaltensphase auf die Dauer von fünf oder drei Jahren verkürzen:

  • Gelingt es Ihnen, die Verfahrenskosten während des Verfahrens zu begleichen, reduziert sich die Wohlverhaltensphase auf fünf Jahre.
  • Zahlen Sie die Verfahrenskosten sowie 35 Prozent der Schulden während des Verfahrens, verkürzt sie sich sogar auf drei Jahre.

Restschuldbefreiung: Streichung aller noch ausstehenden Forderungen

Nach Abschluss der Wohlverhaltensphase folgt die Restschuldbefreiung. Das heißt: Die Schuldner werden von allen noch ausstehenden Forderungen befreit.

Damit verlieren Ihre Gläubiger den Anspruch auf die Zahlung noch verbliebener offener Rechnungen. Mit der Restschuldbefreiung endet die Privatinsolvenz.

Vor- und Nachteile: Endlich schuldenfrei, aber …

Eine Privatinsolvenz bedeutet einen Neuanfang. Dieser Weg ist mit einigen Vorteilen, aber auch Nachteilen verbunden.

Die Vorteile:

  • Mit Beginn der Wohlverhaltensphase müssen Sie keine Angst mehr vor Kontopfändungen haben.
  • Der Gerichtsvollzieher wird nicht mehr vor Ihrer Tür stehen.
  • Gläubiger werden keine Mahnungen mehr schicken.
  • Der Insolvenzverwalter regelt all Ihre finanziellen Angelegenheiten.
  • Das Existenzminimum ist gesichert: Für Sie bleibt ausreichend Geld zum Leben übrig.
  • Nach wenigen Jahren sind Sie schuldenfrei.
  • Negative Schufa-Einträge werden drei Jahre nach Ablauf der Wohlverhaltensphase gelöscht.

Die Privatinsolvenz hat jedoch auch Nachteile:

  • Das Existenzminimum ist gesichert, aber Sie verpflichten sich zu einem bescheidenen Lebensstil.
  • Treuhänder-, Anwalts- und Gerichtskosten bleiben.
  • Sowohl Arbeitgeber als auch Vermieter werden informiert, da ein Teil Ihres Lohns gepfändet und Geld aus Ihrer Mietkaution eingezogen wird, falls Sie ihren Mietvertrag kündigen.
  • Der Abschluss neuer Verträge ist während des Verfahrens grundsätzlich schwierig.

Fragen und Antworten

Bislang nicht. Aber es ist mittlerweile möglich, die Antragsformulare online herunterzuladen. Der ausgefüllte Antrag muss jedoch persönlich oder per Post an das Insolvenzgericht übermittelt werden.

Ja, auf der Website www.insolvenzbekanntmachungen.de. Dort veröffentlichen alle Insolvenzgerichte die bei ihnen eingereichten Verfahren.

Schuldner dürfen unter anderem Haushaltsgegenstände, Möbel und Kleidung behalten. Ein Auto nur dann, wenn es zwingend zur Ausübung eines Berufs nötig ist.

Eine Übersicht über den pfändbaren und den unpfändbaren Betrag des Arbeitseinkommens können Sie nach Paragraf 850c der Zivilprozessordnung (ZPO) der sogenannten Pfändungstabelle entnehmen.

Die Höhe der Pfändungsfreigrenze ist abhängig vom monatlichen Nettoeinkommen der Schuldner sowie der Anzahl der Personen, denen gegenüber sie unterhaltspflichtig sind.

Wenn Sie über ein geregeltes Einkommen verfügen, können Sie Ihre Bank unter Umständen davon überzeugen, Ihnen einen Kredit zu gewähren. Bei hohen Kreditsummen wie etwa für ein Haus sind die Kreditinstitute zunächst vorsichtig und werden Ihre Bonität besonders genau prüfen.

Die Insolvenzordnung schreibt keine Höchstzahl vor. Sie legt aber bestimmte Einschränkungen für eine wiederholte Privatinsolvenz oder für die Beantragung der Restschuldbefreiung fest.

Unterhaltsberechtigte können Forderungen, die bereits vor Insolvenzeröffnung bestanden, geltend machen. Dafür müssen sie diese beim Insolvenzverwalter anmelden. Die Restschuldbefreiung am Ende des Privatinsolvenzverfahrens gilt übrigens nicht für Unterhaltsschulden. Diese muss der Schuldner weiterhin bezahlen.

Privatinsolvenz und Corona: Wichtige Aspekte

Mann mit Atemmaske sitzt vor einem Schreibtisch auf dem Boden

Angesichts der Corona-Krise wird das Thema Privatinsolvenz deutlich an Bedeutung zunehmen: Verschiedenen aktuellen Studien zufolge ist mit einer wachsenden Zahl von Privatinsolvenzen zu rechnen.

Besonders die Haushalte, die über keine finanziellen Rücklagen verfügen, leiden unter den Folgen von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit. Das seien derzeit rund zehn Millionen, so der Sachverständigenrat für Verbraucherfragen, der beim Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz angesiedelt ist.

Aus dieser Situation ergeben sich zentrale Fragen für die Verbraucher:

Um die Insolvenz zu vermeiden, müssen Sie zahlungsfähig bleiben. Versuchen Sie, falls nötig, Ihr Einkommen mit staatlichen Hilfen aufzustocken. Begleichen Sie die wichtigsten Rechnungen zuerst. Miete, einige Versicherungen und Kreditraten können Sie aufgrund der Krise vorerst aussetzen. Weitere Details zu Hilfestellungen bei finanziellen Schwierigkeiten in der Corona-Krise erfahren Sie hier.

Nein. Generell gilt, dass eine Privatinsolvenz nur in Betracht kommt, wenn Verbraucher überschuldet sind und die Einigung mit den Gläubigern über den Schuldenabbau nachweislich gescheitert ist. Das gilt auch während der Corona-Krise.

Die Höhe der Schuldensumme ist vollkommen unabhängig von der Corona-Krise: Es kommt nicht darauf an, dass die Schulden einen besonders hohen Betrag erreichen. Sobald Sie Ihre fälligen Verbindlichkeiten nicht mehr zahlen können und die Einigung mit Ihren Gläubigern gescheitert ist, können Sie Privatinsolvenz beantragen.


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