
Die Marktkapitalisierung zeigt den Börsenwert eines Unternehmens und hilft Ihnen, seine Größe besser einzuordnen.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) setzt Aktienkurs und Gewinn ins Verhältnis, sollte aber immer mit ähnlichen Unternehmen derselben Branche verglichen werden.
Die Dividendenrendite zeigt mögliche Ausschüttungen im Verhältnis zum Kurs, ist jedoch weder garantiert noch allein ein Grund für eine Anlageentscheidung.
Es gibt Tausende Aktienunternehmen. Aber in welches sollten Sie investieren? Manche achten auf gute Nachrichten über ein Unternehmen, andere finden dessen Produkte vielversprechend oder folgen Empfehlungen. Das können zwar gute Anhaltspunkte sein, aber für eine fundierte Investmententscheidung lohnt dann doch ein Blick auf die Zahlen.
Und Zahlen liefert ein börsennotiertes Unternehmen viele. Drei wichtige, die Sie kennen sollten, sind: die Marktkapitalisierung, das Kurs-Gewinn-Verhältnis und die Dividendenrendite.
Marktkapitalisierung: Wie groß ist das Unternehmen an der Börse?
Die Marktkapitalisierung ist der Börsenwert eines Unternehmens. Sie berechnet sich aus Aktienkurs mal Anzahl aller ausgegebenen Aktien:
Marktkapitalisierung = Aktienkurs x Anzahl der Aktien
Kostet eine Aktie 50 Euro und gibt es 100 Millionen Aktien, beträgt die Marktkapitalisierung 5 Milliarden Euro.
Aktienkurs allein sagt nichts über den Unternehmenswert
Die Kennzahl schützt vor einem verbreiteten Irrtum: Ein Unternehmen zu 10 Euro je Aktie ist nicht automatisch weniger wert als eines mit einem Aktienkurs von 20 Euro. Wenn vom ersten Unternehmen wesentlich mehr Aktien im Umlauf sind, kann es insgesamt deutlich mehr wert sein.
Große Unternehmen werden oft als Large Caps, mittelgroße als Mid Caps und kleinere als Small Caps bezeichnet. Caps ist dabei die englische Abkürzung für Kapitalisierung. Aktien kleinerer Unternehmen können stärkere Kursschwankungen aufweisen. Das ist aber keine feste Regel.
Die Marktkapitalisierung zeigt weder, ob ein Unternehmen solide wirtschaftet, noch ob die Aktie angemessen bewertet ist. Sie dient vor allem dazu, die Größe des Unternehmens und passende Vergleichsunternehmen einzuordnen.
Merksatz: Nicht der Preis einer Aktie, sondern die Marktkapitalisierung zeigt die Größe eines Unternehmens.
Kurs-Gewinn-Verhältnis: Wie wird der Gewinn bewertet?
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) teilt den Aktienkurs durch den Jahresgewinn des Unternehmens je Aktie. Es zeigt, wie viel Anlegerinnen und Anleger für einen Euro Unternehmensgewinn zahlen.
KGV = Aktienkurs / (Unternehmensgewinn / Anzahl der Aktien)
Beispiel: Das Unternehmen erzielt einen Gewinn von 1 Million Euro. Es hat 2 Millionen Aktien begeben. Der Aktienkurs steht bei 10 Euro. Daraus ergibt sich ein Gewinn je Aktie von 0,50 Euro. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt 10 Euro / 0,50 Euro und somit 20.
Das KGV der Dax-Unternehmen liegt im langjährigen Durchschnitt etwa bei 12 bis 20.
Hohes KGV, hohe Erwartungen
Ein hohes KGV kann bedeuten, dass der Markt künftig steigende Gewinne erwartet. Zugleich sind dann die Erwartungen hoch: Steigen die Gewinne des Unternehmens weniger rasch als erwartet, kann der Kurs fallen.
Ein niedriges KGV kann auf eine günstige Bewertung hindeuten. Es kann aber auch ausdrücken, dass der Markt sinkende Gewinne, gar Verluste oder andere Risiken erwartet. Deshalb gilt: Ein niedriges KGV ist nicht automatisch gut, ein hohes nicht automatisch schlecht.
Vergleichen Sie das KGV vor allem innerhalb einer Branche. Softwareunternehmen, Banken und Energieversorger haben unterschiedliche Geschäftsmodelle und werden häufig unterschiedlich bewertet. Bei Unternehmen mit Verlusten ist das KGV nicht sinnvoll verwendbar.
Merksatz: Das KGV zeigt, welche Erwartungen im Kurs stecken. Wenn Sie diese Erwartungen für zu pessimistisch halten, könnte ein Investment in Frage kommen.
Dividendenrendite: Wie hoch ist die Ausschüttung im Verhältnis zum Kurs?
Eine Dividende ist ein Teil des Gewinns, den manche Unternehmen an ihre Aktionärinnen und Aktionäre ausschütten. Die Dividendenrendite setzt die jährliche Dividende je Aktie ins Verhältnis zum Aktienkurs. Sie zeigt, wie hoch die Ausschüttung bezogen auf den aktuellen Kurs prozentual ausfällt:
Dividendenrendite = Dividende je Aktie / Aktienkurs x 100
Zahlt ein Unternehmen 2 Euro Dividende je Aktie und kostet die Aktie 50 Euro, ergibt das eine Dividendenrendite von 4 Prozent.
Was eine hohe Dividendenrendite aussagt
Eine hohe Dividendenrendite ist kein automatisches Kaufsignal. Sie kann auch deshalb hoch sein, weil der Aktienkurs gefallen ist. Das kann auf Erwartungen hindeuten, dass das Unternehmen künftig geringere Gewinne erzielt. Schüttet das Unternehmen dann weiterhin eine hohe Dividende aus, bleibt weniger Geld für künftige Investitionen. Oder es kürzt die Dividende, was die Dividendenrendite schmälert.
Dividenden sind nicht garantiert. Unternehmen können sie erhöhen, senken oder aussetzen. Fragen Sie sich daher: War die Dividende über längere Zeit stabil? Kann das Unternehmen sie voraussichtlich finanzieren? Und passen regelmäßige Ausschüttungen überhaupt zu Ihrem Anlageziel?
Übrigens: Ab dem sogenannten Ex-Tag haben jene, die die Aktie nun kaufen, keinen Anspruch mehr auf die jüngst beschlossene Dividende. Daher fällt der Aktienkurs am Ex-Tag häufig ungefähr um den Betrag der Ausschüttung. Sie können also nicht einfach am Tag vor der Dividendenausschüttung die Aktie kaufen, die Dividende einstreichen und die Aktie direkt danach wieder zum gleichen Preis verkaufen.
Merksatz: Eine attraktive Dividendenrendite ist nur dann aussagekräftig, wenn auch das Unternehmen wirtschaftlich überzeugend dasteht.
Zahlen im Zusammenhang lesen
Die drei Kennzahlen ergeben erst gemeinsam ein Bild. Ein großes Unternehmen mit niedrigem KGV und hoher Dividendenrendite kann in einer reifen Branche mit geringem Wachstum aktiv sein. Ein kleineres Unternehmen mit hohem KGV und ohne Dividende kann Gewinne in weiteres Wachstum investieren. Das ist die klassische Unterscheidung zwischen Value-Aktien (Substanzwerte wie Versicherer oder Versorger) und Growth-Aktien (Wachstumswerte wie junge Tech-Unternehmen).
Keine dieser Konstellationen ist von sich aus besser; es sind einfach unterschiedliche Investment-Stile.
Nutzen Sie die Kennzahlen als Check für Ihren ersten Blick:
- Marktkapitalisierung
Wie groß ist das Unternehmen im Vergleich zur Konkurrenz?
- KGV
Welche Erwartungen sind im Kurs enthalten?
- Dividendenrendite
Gibt es Ausschüttungen und wirken sie dauerhaft finanzierbar?
Vergleichen Sie ähnliche Unternehmen und entscheiden Sie nicht wegen einer einzelnen auffälligen Zahl. Schauen Sie auf das Unternehmen: Womit verdient es Geld? Wie setzt sich der Umsatz zusammen? Wer sind die Kundinnen und Kunden? In welchen Märkten ist es tätig? Und wovon hängen Erfolg und Misserfolg ab – etwa von Rohstoffpreisen, einzelnen Produkten oder der Konjunktur?
Für Einsteigerinnen und Einsteiger kann eine breite Streuung, etwa über Fonds oder ETFs, das Risiko einzelner Aktien reduzieren. Denn wichtig ist, dass die Anlage zu Ihren Zielen, Ihrem Anlagehorizont und Ihrer Bereitschaft, Kursschwankungen auszuhalten, passt.


