Wann gibt es wieder Zinsen fürs Ersparte?

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„Duuuu, wie lange noch?“ Diese Frage kennen wahrscheinlich die meisten von Ihnen – sei es von langen Autofahrten oder wenn das Abendessen mal wieder zu lange auf sich warten lässt. Ja, warten nervt. Auch darauf, dass es endlich wieder Zinsen für unsere Ersparnisse gibt. 

Aber wie lange müssen wir noch aushalten? Das fragen wir Dr. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin bei der Landesbank Hessen-Thüringen.

Dr. Gertrud Traud: „Bis die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins wieder anhebt, wird es noch eine ganze Weile dauern. Meiner Meinung nach ist damit nicht vor Mitte 2019 zu rechnen. Im kommenden Jahr wird die Zentralbank vermutlich zunächst das Kaufprogramm der Anleihen beenden.
Ich weiß: Für Sparer sind das erstmal keine guten Nachrichten. Sie können sich jedoch sicher sein: Mittelfristig führt kein Weg an der schrittweisen Auflösung der derzeit extrem expansiven Geldpolitik vorbei.“

 

Staatsanleihen, expansive Geldpolitik und niedrige Zinsen

 

Die niedrigen Zinsen sind Teil der expansiven Geldpolitik der EZB. Genau wie auch der Ankauf von Staatsanleihen durch die Zentralbank. Beide Maßnahmen haben den gleichen Zweck: Sie sollen die Wirtschaft im Euroraum ankurbeln. Und das tun sie auch.

1. Der niedrige Leitzins führt aber nicht nur dazu, dass Sie auf Ihre Spareinlagen keine Zinsen bekommen. Er bedeutet auch, dass Sie, andere Verbraucher und Unternehmen günstig an Kredite kommen.
Das wiederum hat zur Folge: Sie können mehr Geld ausgeben. Insbesondere der Bau erlebt derzeit einen Boom. Der private Konsum hat in den vergangenen Quartalen rund die Hälfte zum Wirtschaftswachstum in der Eurozone beigetragen.
2. Da die Senkung des Leitzinses seit 2012 nicht die gewünschten Ergebnisse brachte, begann die EZB im März 2015 im großen Stil Anleihenverschiedener Eurostaaten zu kaufen. Damit pumpte sie selber frisches Geld in den Finanzkreislauf, um die Wirtschaft anzukurbeln. Zu Beginn waren das 60 Milliarden Euro pro Monat, später sogar mehr. Mittlerweile hat die Notenbank rund 2,2 Billionen in Wertpapiere investiert.

Sobald ein angemessenes und vor allem nachhaltiges Wirtschaftswachstum erreicht ist, wird die EZB mit dem Kaufen der Staatsanleihen aufhören. Danach werden Schritt für Schritt die Zinsen wieder erhöht.

 

Die Anhebung des Leitzinses

 

Grundsätzlich verfolgt die EZB das Ziel, die Inflation knapp unter zwei Prozent zu halten. Dieses Ziel wird momentan auch erreicht. Trotzdem muss mit Blick auf die Stabilität des Aufschwungs schon jetzt die Wirkungen der Nullzinspolitik überdacht werden. Aktuell dürfte das deutsche Wirtschaftswachstum im Jahr 2017 bei über 2,0 Prozent liegen. Ein Grund zur Vorfreude auf höhere Zinsen im Jahr 2018? Leider nicht. Denn man muss immer das gesamteuropäische Ergebnis betrachten. Viele Länder, so unter anderem Italien, Spanien oder Griechenland, sind noch nicht so weit.

Der Trend geht jedoch in Richtung Umkehrpunkt. Dr. Traud weiß: „Ein Anzeichen dafür, dass die EZB dies langsam erkennt, ist die Ankündigung, die Anleihekäufe im nächsten Jahr von 60 Milliarden Euro auf 30 Milliarden Euro im Monat zu drosseln und Ende September 2018 auslaufen zu lassen. Damit nimmt sie ein Stück den Fuß vom Gas. Sie hat jedoch zuletzt auch klargemacht, dass sie noch lange nicht bereit ist, die Zinswende einzuleiten.
Einen Schritt weiter ist hier die US-Notenbank FED: Sie hat gerade begonnen, ihren aufgeblähten Anleihebestand zu verringern. Außerdem erhöht die US-Notenbank bereits seit Ende 2015 sukzessive die Leitzinsen.“

 

Das sollten Sparer jetzt tun

 

Oberste Priorität sollte der langfristige Kapitalerhalt besitzen. Ein Weg dahin ist eine möglichst breite Streuung zwischen verschiedenen Anlageformen. An den Rentenmärkten sollten Anleger momentan eher kurze und mittlere Laufzeiten bevorzugen. Erst wenn sich das Zinsniveau wieder der Teuerung annähert, können sie längere Laufzeiten stärker berücksichtigen.

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