Überschuldung: Nur keine Panik …

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Wer seine Raten nicht tilgen kann, ist meist in einer schwierigen Lage. Aber: „Wer einen kühlen Kopf bewahrt und sich schnell die richtige Hilfe holt, kann das Problem lösen“, sagt Ines Moers, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung e. V.

 

Frau Moers, allein im Jahr 2016 konnten in Deutschland rund zwei Prozent der Schuldner ihre Kreditraten nicht mehr abbezahlen. Was passiert denn, wenn ich in eine solche Situation gerate? Auf was muss ich mich einstellen?

 

Das läuft meist nach demselben Muster ab: Schon bei der ersten offenen Rate schickt die Bank Mahnungen. Werden zwei Raten in Folge nicht getilgt, folgt die Androhung der Kreditkündigung. Wird auch dann nicht gezahlt, kann die Bank den Kredit kündigen. Das heißt, der Kredit wird auf einmal komplett fällig, meist mit zusätzlichen Kosten für die Eintreibung. Im schlimmsten Fall endet es mit einer Zwangsvollstreckung, das heißt Mahn- und Vollstreckungsbescheid, Pfändungen und Co.

 

Das hört sich dramatisch an. Muss ich jetzt panisch werden?

 

Nein, das wäre genau die falsche Reaktion, auch wenn es verständlich ist, dass in dieser Situation emotional reagiert wird. Trotzdem sollte man sachlich damit umgehen. Das heißt: Erstens alles und zweitens sehr genau lesen, was die Bank schreibt. Dann unbedingt mit ihr oder einer Beratungsstelle in Kontakt treten! Es ist wichtig, dass der zuständige Berater einschätzen kann, was die Ursache des Zahlungsausfalls ist und ob diese Situation endgültig oder vorübergehend ist. Die Berater können dann mit dem Schuldner zusammen nach einer passenden Lösung suchen. Denn niemandem ist mit einer Überschuldung geholfen!

 

An wen kann ich mich wenden, um kompetente Hilfe zu erhalten?

 

Betroffene können sich immer an die Schuldnerberatungen wenden. Die staatlich anerkannten arbeiten sehr seriös und meist kostenfrei. Aber: Leider gibt es auch schwarze Schafe ohne staatliche Anerkennung, die. sich bezahlen lassen und dann oftmals nicht einmal für die Schuldner aktiv werden. Das macht die Situation doppelt schwierig. Wir haben deshalb auf unserer Webseite Kontaktmöglichkeiten zu seriösen Beratungsstellen bereitgestellt.

 

Ist es möglich, Aufschub zu bekommen?

 

Das hängt von den Kreditinstituten ab, ist aber oft der Fall. Wichtiger ist, schnell den Grund für die Zahlungsschwierigkeiten herauszufinden und das eigene Zahlungsverhalten zu betrachten– am besten mit dem zuständigen Berater. Dann kann gemeinsam ein Rückzahlungsplan entwickelt werden. Ein Aufschub, sprich eine Stundung, ist oftmals nicht einmal mehr nötig.

 

Welche Lösungen haben sich am besten bewährt?

 

Wie gesagt: Am wichtigsten ist, nicht in die Überlastungsstarre zu verfallen, sondern wieder eine Übersicht und Kontrolle der eigenen Finanzen zu gewinnen. Dafür sollte so schnell wie möglich die Gesamtsituation offen betrachten werden und die Schuldnerinnen oder der Schuldner sich selbst gegenüber ehrlich sein. Wer erkennt, ob die Zahlungsprobleme langfristig sind oder nur vorübergehend, findet dann auch die passende Lösung. Daher: unbedingt früh beraten lassen.

 

Meldet das Kreditinstitut der Schufa, wenn ich die Rate nicht gezahlt habe? Hat das einen Einfluss auf meine Schufa-Bewertung?

 

Auch das hängt von der jeweiligen Bank ab und ist oft sehr unterschiedlich: Manche melden automatisch alle monatlichen Ratenzahlungen. Andere treten erst mit der Schufa in Kontakt, wenn ein Kredit abgewickelt werden musste. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es alle möglichen Varianten. Aber in jedem Fall hat eine negative Meldung der Bank einen negativen Einfluss auf die Schufa-Bewertung.

 

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Ines Moers, Geschäftsführerin Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung (Foto: privat)

 

Kann mein Kredit von dem Kreditinstitut verkauft werden, wenn ich nicht zahlen kann? Welche Folgen hat das für mich?

 

Um das zu erfahren, lohnt ein Blick in den Kreditvertrag. Die Banken schreiben entsprechende Klauseln dort hinein. Sollte es tatsächlich zu einem Verkauf kommen, ist es ganz wichtig, mit dem neuen Gläubiger über die Konditionen zu verhandeln. Denn leider kommt es bei einem Verkauf in der Regel zu Kostensteigerungen plus Mahn- und Vollstreckungsgebühren. Also sollte der Verkauf besser verhindert werden.

 

Was sind die häufigsten Ursachen für Zahlungsunfähigkeit?

 

Die großen Überschuldungsberichte in Deutschland verweisen alle auf die „Big Six“, als die sechs gängigsten Auslöser und Ursachen: Einkommensarmut und Arbeitslosigkeit, Trennung beziehungsweise Scheidung, Krankheit, falsches Konsumverhalten, das heißt, wenn die Ausgaben die Einnahmen überschreiten oder zu viele Verträge gleichzeitig bedient werden müssen, und gescheiterte Selbstständigkeit.

 

Kann man an ersten Anzeichen erkennen, dass eine Überschuldung droht?

 

Auch hier gibt es ein paar Klassiker: Wer immer wieder verspätet Rechnungen oder Kreditraten zahlt. Wenn regelmäßig Mahnungen ins Haus flattern. Permanent knietief im Dispo zu stecken oder sich von Freunden Geld leihen– das alles können Anzeichen für eine Bewegung in Richtung Überschuldung sein.

 

Wie lässt sich eine Überschuldung am besten vermeiden?

 

Es hilft, seine Ausgaben im Blick zu haben und sie langfristig zu planen. Dazu lohnt es, sich immer mal wieder die Zeit zu nehmen und die laufenden Ausgaben zu überprüfen. Bei Zahlungen für Strom und Wasser, Handy- oder Fitnessstudioverträge und noch einigen anderen Posten gibt es oftmals starke Schwankungen. Wer im richtigen Moment reagiert, kann eine Menge Geld sparen.

 

Die Sparkassen vergeben Kredite verantwortungsbewusst, um einer Überschuldung vorzubeugen. Wenn aber beispielsweise ein Einkommen wegfällt, können unangenehme Situationen entstehen. Deshalb unterstützt die Sparkassen-Finanzgruppe die wichtige Arbeit der Schuldnerberatungen mit Infomaterial für Schuldner und auch finanziell.

 

Weitere Informationen zu den Herausforderungen der modernen Schuldnerberatung finden Sie hier.

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