Diese Frage sollte sich jeder stellen, der einen Kredit will

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Einen Kredit aufzunehmen – das löst bei den einen Druck aus. Für andere wirkt es beflügelnd. Eine Finanzpsychologin erklärt, woher diese unterschiedlichen Wahrnehmungen kommen. Und sie verrät, wie sich jeder Kreditnehmer selbst helfen kann.

 

Wer einen Kredit aufnimmt, denkt früher oder später auch darüber nach, welche Risiken damit verbunden sind. Was ist zum Beispiel, wenn ich die Raten nicht mehr bezahlen kann? Deswegen auf Biegen und Brechen Kredite schon von vornherein zu vermeiden,  kann für sehr risikoscheue Menschen eine Lösung sein.

 

In manchen Situationen ist ein Darlehen jedoch sinnvoll, zum Beispiel beim Immobilienerwerb oder bei der Gründung einer Familie. Fast jeder Mensch stellt sich im Laufe seines Lebens also mindestens einmal die Frage, ob er einen Kredit aufnehmen soll.  Aber wie schafft man es, verantwortungsvoll und vorausschauend mit dem Darlehen umzugehen, ohne Sorgen vor Risiken unverhältnismäßig groß werden zu lassen?

 

Finanzpsychologin Monika Müller kann uns erklären, woher die unterschiedlichen Wahrnehmungen zu Krediten kommen. Sie coacht deutschlandweit Führungskräfte aus der Finanz- und Geschäftswelt und hilft Menschen dabei, bessere Finanzentscheidungen zu treffen.

 

„Besonders junge Paare reden intensiver über Geld“

 

Eine gute Nachricht vorweg: Gedanken darüber, ob sie ein gesundes Verhältnis zum Geld haben, müssen sich die Deutschen nicht machen. Hierzulande ist es offenbar kein Tabuthema mehr. „Besonders junge Paare reden intensiver über Geld, als noch in den Generationen zuvor“, berichtet Müller über ihre Beobachtungen.

 

Auch für die Sparkassen-Kunden Waldemar und Katharina Maul war das wichtig. Das junge Paar  mit einer zweijährigen Tochter ist gerade dabei, ein Haus in Mochenwangen nahe des Bodensees zu bauen und finanziert das unter anderem per Kredit. Auch sie dachten über das Risiko nach, stellten sich zum Beispiel die Frage: „Was ist, wenn wir krank werden?“ Ihnen gab nicht nur die Konversation untereinander Sicherheit, sondern auch die vielen Gespräche mit ihrem Sparkassen-Berater.

 

Der heißt Jacob Wiedenmann und kennt die beiden schon lange. Im Laufe der Zeit war zwischen den Mauls und Wiedenmann ein so vertrauliches Verhältnis entstanden, dass die junge Familie jederzeit auf seinen Ratschlag zurückkommen kann. Einmal war Wiedenmann für einen Termin mit dem Paar verhindert, er war für ein paar Wochen in Elternzeit gegangen. Waldemar Maul bestand darauf, den Termin solange zu verschieben, bis Wiedenmann wieder zurückgekehrt war. Berater und Kunden arbeiten in diesem Fall also so eng zusammen, dass Ängste und Sorgen wohl gar keine Chance hätten, sich zu verfestigen.

 

Was sich jeder Kreditnehmer fragen sollte 

 

Das Gespräch ist ein Schlüssel zum guten Umgang mit Geld und Krediten. „Wenn ich über Geld rede, rede ich nämlich in Wirklichkeit über meine Wünsche und meine Sorgen“, sagt Monika Müller. Im ersten Schritt sollte jeder zunächst sein persönliches Verhältnis zum Geld hinterfragen, rät die Expertin.

 

Historisch sei das Konzept „Geld“ nicht nur als Tauschmittel entstanden. Zu Beginn sei es vor allem darum gegangen, seinen Status nach außen zeigen zu können. Und an dieser Stelle sollten laut Müller viele einmal genauer hinschauen und sich fragen: „Was ist Geld für mich? Denn Geld ist eine Projektionsfläche“, sagt Müller.

 

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Finanztrainerin Monika Müller berät Führungskräfte in ganz Deutschland.

 

Erst, wenn ein Mensch das bei sich erkennt, kann er mögliche Sorgen und Ängste beim Thema Geld abbauen. „Wenn ich zum Beispiel auf meinen Kontoauszug schaue, löst das ein Gefühl aus“, sagt Müller. Und das kann bei zwei Menschen unterschiedlich sein.

 

Bei Krediten ist es genauso: „Der eine fühlt sich massiv unter Druck gesetzt, den anderen beflügelt es – obwohl es der gleiche Kredit sein kann“, sagt Müller.

 

Sich nicht als Schuldner sehen

 

Innerhalb eines Tages hatte Müller einmal mit zwei Führungskräften über Kredite gesprochen. Am Morgen traf sie zuerst einen Kaufmann in München. Der klagte über die Belastung, die er bei der Aufnahme von Darlehen verspüre – deswegen versuchte er Kredite nach Möglichkeit zu vermeiden. Anschließend flog Müller nach Hamburg.

 

Am Abend sprach sie dort mit einem Geschäftsführer. Er pflegte gute Beziehungen zu seiner Bank und verstand Kredite als ein Vehikel, mit dem er etwas Neues erschaffen kann. Der eine Mensch, der einen Kredit aufnimmt, kann seine Ängste darauf projizieren, der andere sieht darin ein Werkzeug auf dem Weg zu seinem Traum.

 

Es ist also gar nicht so entscheidend, offener mit Krediten umzugehen, sondern bewusster. Wenn ich weiß, dass der Kredit nicht der Ursprung für meine Ängste ist, sondern diese aus mir selbst kommen, ist das schon einmal ein guter Ausgangspunkt.

 

Wer eher pessimistisch veranlagt ist und Kredite nicht mehr mit übermäßigen Ängsten verbinden möchte, kann diesen Tipp der Finanzpsychologin ausprobieren: Sie empfiehlt, sich zum Beispiel bewusst nicht als Schuldner zu sehen, sondern als Geschäftspartner einer Bank. Dann ist man laut Müller schon auf dem richtigen Weg. So sei auch die Chance viel größer, dass man die Kreditaufnahme mit verantwortungsvollem Umgang mit Geld verbindet – und sich auch so verhält.

 

Wenn jemand dann doch einmal in eine Situation gerät, in der er bei den Ratenzahlungen Schwierigkeiten haben könnte, wird er weniger Angst bei der Lösungssuche haben. Er würde rechtzeitig auf den Berater zugehen und gemeinsam mit ihm eine Lösung finden, glaubt Müller.

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