Bezahlung, Urlaub, Stunden: Das sind Ihre Rechte beim Minijob

10 wichtige Fragen und Antworten zum Thema geringfügige Beschäftigung

Im Jahr 2022 sind Millionen Menschen in Deutschland als Minijobberin und Minijobber beschäftigt. Worauf genau Sie bei einem Minijob achten müssen und warum Sie auch als geringfügig Beschäftigte beziehungsweise Beschäftigter einen Anspruch auf Urlaub haben.

Ein älterer Herr arbeitet in einer Bar

Das Wichtigste in Kürze:

  • Beim Minijob gibt es zwei verschiedene Varianten: die „Entgeltgeringfügigkeit“ mit Lohn-Grenze und die „Zeitgeringfügigkeit“ mit Zeitgrenze.
  • Monatlich dürfen Menschen mit einem Minijob höchstens bis zu 450 Euro verdienen. Die Anzahl der möglichen Arbeitsstunden berechnet sich aus dem gesetzlichen Mindestlohn. Seit Juli 2022 beträgt dieser 10,45 Euro. Bis Oktober soll er auf zwölf Euro ansteigen. Damit erhöht sich auch die Verdienstgrenze von 450 auf 520 Euro.
  • Auch als Minijobberin beziehungsweise Minijobber haben Sie Anspruch auf Urlaub. Wie hoch dieser ist, hängt von den in Ihrem Unternehmen tariflich geregelten Urlaubstagen im Jahr ab. 

1. Was ist ein Minijob eigentlich?

In Deutschland zählt ein Minijob als geringfügige Beschäftigung. Dabei wird zwischen zwei Arten unterschieden: Die „Entgeltgeringfügigkeit“, bei der eine Lohngrenze vorliegt, und die „Zeitgeringfügigkeit“, bei der eine Begrenzung der Arbeitszeit vorliegt. Solange diese Grenzen nicht überschritten werden, ist ein Minijob sozialversicherungsfrei.

Besonderheit „Zeitgeringfügigkeit“: Bei der „Zeitgeringfügigkeit“ darf eine Arbeit nicht länger als 70 Tage oder drei Monate im Jahr andauern. Wer danach allerdings auf einer 450-Euro-Basis arbeitet, gilt weiterhin als geringfügig beschäftigt. 

2. Wie viel darf ich als Minijobberin beziehungsweise -jobber verdienen?

Aktuell dürfen Sie als Minijobberin beziehungsweise Minijobber maximal 450 Euro im Monat oder 5.400 Euro im Jahr verdienen.

Aber aufgepasst: Achten Sie auf die Mindestlohnfalle. Im Juli stieg der gesetzliche Mindestlohn auf 10,45 Euro – bis Oktober soll er 12 Euro erreichen. Zeitgleich erhöht sich die Gehaltsgrenze beim Minijob auf 520 Euro. Spätestens dann sollten Sie berechnen, ob Ihre aktuelle Stundenanzahl noch zum Gehalt passt und Sie die Höchstgrenze nicht überschreiten. Gegebenenfalls müssen Sie Ihre Arbeitszeit mit Ihrer Chefin oder Ihrem Chef anpassen. Andernfalls riskieren Sie einen Verstoß gegen das Mindestlohngesetz.  

3. Bin ich sozialversichert?

Grundsätzlich erst einmal nicht. Beim Minijob besteht derzeit noch die Gehaltsgrenze von 450 Euro. Erst wenn Sie mehr verdienen, ist Ihre Tätigkeit automatisch sozialversicherungspflichtig.

Das gilt auch für Ihre Krankenversicherung. Nutzen Sie einen Minijob als Nebenverdienst zur beruflichen Haupttätigkeit, sind Sie durch diese krankenversichert. Arbeiten Sie nur im Minijob, müssen Sie sich selbst zusätzlich krankenversichern. 

4. Welche Vorteile und Nachteile hat ein Minijob?

Ob ein Minijob sinnvoll ist, hängt von Ihrer jeweiligen Lebenssituation ab. Schülerinnen und Schüler, Studierende oder Personen im Ruhestand können dadurch beispielsweise ihre finanzielle Situation aufstocken. Auch Familien nutzen das Modell, wenn ein Elternteil sich überwiegend um die Kinderbetreuung kümmert und nur bedingt arbeiten gehen kann. Gleiches gilt für Menschen, die längere Zeit – etwa aus gesundheitlichen Gründen – berufsunfähig waren und sich nun wieder langsam herantasten wollen.

Nachteilig ist, dass ein Minijob keine Perspektiven bietet. Bessere Qualifikationen und Aufstiegschancen können Sie meist nicht erwarten. Wer einen Minijob annimmt, muss sich darüber im Klaren sein, in Bezug auf den beruflichen Werdegang eventuell in einer Sackgasse zu landen. Der Umstieg auf eine Teil- oder Vollzeitstelle erweist sich oft als nicht so einfach. Außerdem haben Sie keine – und wenn, nur bedingt – Ansprüche auf eine gesetzliche Sozialversicherung sowie auf Arbeitslosengeld.

5. Darf ich mehrere Minijobs parallel ausüben?

Ja, solange Sie insgesamt nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen oder länger als 70 Arbeitstage beziehungsweise drei Monate im Jahr arbeiten. Sie können sogar beide Arten von Minijobs kombinieren.

Wichtig: Sie müssen Ihre Vorgesetzte oder Ihren Vorgesetzten immer darüber informieren, wenn Sie mehrere Minijobs haben.

Übrigens: Wer neben der hauptberuflichen und sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung noch einen kleinen Zuverdienst durch einen Minijob haben möchte, muss sich keine Gedanken machen. Auch das ist möglich. Voraussetzung ist jedoch, dass Ihre Chefin beziehungsweise Ihr Chef der Nebentätigkeit zustimmt. In vielen Fällen möchten diese nämlich Arbeit für eine mögliche Konkurrenz ausschließen. 

6. Darf ich mehr als 450 Euro verdienen?

Ja, das ist möglich. Allerdings nur, wenn es lediglich hin und wieder („gelegentlich“) und nicht geplant geschieht. Innerhalb eines Jahres gelten bis zu drei Monate als gelegentlich.

Ein Beispiel: Weihnachts- und Urlaubgeld fallen unter geplante Einkünfte. Ein Arbeitsausfall einer Kollegin oder eines Kollegen, für den Sie einspringen müssen, gilt hingegen als nicht vorhersehbar. 

7. Habe ich als Minijobberin oder Minijobber Anspruch auf Urlaub?

Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt für sechs Arbeitstage die Woche 24 Urlaubstage im Jahr – sowohl für Vollzeitbeschäftigte als auch Minijobberinnen beziehungsweise Minijobber. Je nach Anzahl der Tage, die gearbeitet werden, verringert sich auch der Urlaubsanspruch. 

Grundsätzlich gilt:

Arbeitstage die Woche Urlaubstage im Jahr
1 4 Tage
2 8 Tage
3 12 Tage
4 16 Tage
5 20 Tage
6 24 Tage

Einige Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber garantieren zusätzliche Urlaubstage. In diesem Fall lässt sich der Urlaubsanspruch durch eine einfache Formel berechnen:

Arbeitstage pro Woche x Anzahl des tariflich festgelegten Urlaubsanspruchs im Jahr / Anzahl der tariflich festgelegten Arbeitstage bei Ihrem Unternehmen = Ihr Jahresurlaub

Ein Beispiel: Sie sind Minijobber und arbeiten zwei Tage die Woche. In Ihrem Unternehmen werden bei Vollzeit 30 Urlaubstage gewährt. Die reguläre Arbeitszeit beträgt fünf Wochentage. Daraus ergibt sich folgende Rechnung: 2 x 30 / 5 = 12. Sie haben einen Anspruch auf zwölf Urlaubstage im Jahr. 

8. Wie viele Stunden darf ich 2022 in einem Minijob im Monat arbeiten?

Durch die Anhebung des Mindestlohns ändert sich die erlaubte Arbeitszeit für Minijobberinnen und Minijobber. Während Sie ab 1. Januar 2022 noch 45,82 Stunden im Monat arbeiten durften, verringerte sich die Anzahl ab 1. Juli 2022 auf 43,06 Stunden. Ab 1. Oktober 2022 erhöht sich die Zahl der Arbeitszeit wieder auf 43,33 Stunden pro Monat. 

9. Wie kann ich mehr Netto aus meinem Gehalt rausholen?

Wer bei einem Minijob mehr Netto aus dem Brutto rausholen möchte, sollte Fristen und Verdienstgrenzen beachten. Denn nicht immer bedeutet mehr Arbeit auch mehr Gehalt. Verdienen Sie beispielsweise mehr als 450 Euro, werden Steuern und Sozialversicherungsabgaben fällig. Dadurch bleiben Ihnen dann unterm Strich oft weit weniger als 450 Euro.  

Übrigens: Als Minijobberin oder Minijobber haben Sie in der Regel keine Abzüge. Möchte Ihre Chefin oder Ihr Chef den Verdienst jedoch nicht pauschal, sondern nach Steuerklasse abrechnen, ist das für Sie oft nachteilig, da dann die Lohnsteuer fällig wird. 

10. Muss ich als Minijobberin oder Minijobber in die Rentenkasse einzahlen?

Ein Teil der Beiträge muss von Ihnen als Minijobberin oder Minijobber an die Rentenversicherung gezahlt werden, um im Alter ein wenig mehr Rente zu erhalten. Sie können sich von dieser Pflicht zwar befreien lassen, allerdings sollten Sie darüber gut nachdenken.

(Stand: 18.07.2022)


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