
Die starken Einschränkungen der Straße von Hormus haben Öl- und Gaspreise auf breiter Front verteuert.
Wer auf Photovoltaik, Stromspeicher und Wärmepumpe setzt, stärkt die Eigenversorgung und entkoppelt sich strukturell von fossilen Preisschocks.
Kombinieren Sie staatliche Förderungen wie BAFA-Zuschüsse, KfW-Darlehen und steuerlichen Erleichterungen.
Wenn Geopolitik auf der Heizkostenabrechnung landet
Es ist ein Muster, das sich wiederholt: Eine Krise ereignet sich, vielleicht bricht sogar ein Krieg aus, und wenige Tage später sind die Folgen selbst in Deutschland zu spüren. Auch wenn diese Folgen hierzulande zum Glück häufig nur finanzieller Natur sind, so stellt sich dennoch die Frage, ob sich Verbraucher besser davor schützen können.
Das jüngste Beispiel: Seit dem Ausbruch des Iran-Krieges ist die Straße von Hormus, eine der meistbefahrenen Schifffahrtsrouten der Welt, größtenteils für den Güterverkehr gesperrt. Durch diese Meerenge am Persischen Golf fließen normalerweise rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls und Erdgases. Allein die Gefahr von Einschränkungen reicht aus, damit die Energiemärkte mit sofortiger Nervosität reagieren.
Die Konsequenzen für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland sind bereits spürbar:
- Der Rohölpreis ist nach Kriegsbeginn zeitweise auf knapp 120 US-Dollar pro Barrel gestiegen. Gegenüber den Tiefs von Ende 2025 entsprach das ungefähr einer Verdopplung, ehe der Preis mit der Aussicht auf eine Verhandlungslösung wieder fiel.
- Benzin und Diesel wurden an deutschen Tankstellen spürbar teurer.
- Der TTF-Gaspreis – der europäische Referenzwert für Erdgas – lag Mitte März 2026 fast 50 Prozent höher als im Vormonat. Damit war er jedoch noch weit entfernt von den enormen Ausschlägen, die mit Russlands Krieg gegen die Ukraine sowie den späteren Lieferstopps einhergingen.
- Energie insgesamt ist zwischen März 2025 und März 2026 um 7,2 Prozent teurer geworden, wie das Statistische Bundesamt ermittelte.
Noch sind die Mehrkosten für die Haushalte überschaubar. Sollte der Konflikt länger andauern und Handelsrouten im Golfraum beeinträchtigt werden (etwa die Sperrung der Straße von Hormus), warnen Analysten vor deutlichen Preisanstiegen.
Immerhin: Während Öl und Gas teurer werden, sinken in Deutschland die Börsenstrompreise – dank des wachsenden Anteils erneuerbarer Energien. 2025 stammten mehr als 50 Prozent des Bruttostromverbrauchs in Deutschland aus erneuerbaren Quellen. Wer diesen Strom selbst erzeugt, ist von den fossilen Preisschocks ein Stück weit abgekoppelt.
Strukturelle Abhängigkeit als eigentliches Problem
Der Iran-Krieg ist nur der aktuelle Auslöser. Das eigentliche Problem ist die strukturelle Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen. Ob OPEC-Öl-Embargo in den 70ern, Golfkrieg 1991, der Ukraine-Krieg oder Iran-Krieg – Energiepreiskrisen kehren regelmäßig zurück. Wer sein Haus noch mit Heizöl wärmt, seinen Strom ausschließlich aus dem Netz bezieht und sein Auto an der Zapfsäule betankt, ist bei jeder neuen Eskalation wieder vollständig ausgeliefert.
Die gute Nachricht: Es gibt einen Ausweg. Und der Staat fördert ihn so großzügig wie selten zuvor.
5 Tipps: So machen Sie Ihr Zuhause krisenfest
Tipp: Photovoltaik installieren, Strom selbst erzeugen
Eine Solaranlage auf dem Dach ist der wirkungsvollste erste Schritt zu weniger Energieabhängigkeit. Sie produziert günstigen Strom direkt dort, wo er verbraucht wird, völlig unabhängig davon, was gerade an den Weltbörsen passiert.
Ein konkretes Beispiel: Eine typische Anlage mit 10 Kilowatt-Peak (kWp) für ein Einfamilienhaus erzeugt rund 9.000 bis 10.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Davon können realistisch gesehen etwa 30 Prozent direkt genutzt werden, der Rest wird eingespeist. Mit Speicher steigt der Eigenverbrauch entsprechend auf etwa 60 Prozent. Bei einem Haushaltsstrompreis von 35 bis 40 Cent pro Kilowattstunde und Stromspeicher ergibt sich somit eine jährliche Ersparnis von bis zu 2.500 Euro.
Der Autarkie-Grad, also der Anteil der Selbstversorgung, den ein Haushalt mit eigener Stromerzeugung erreicht, ist dabei ähnlich hoch für einen durchschnittlichen Verbrauch. Mit E-Auto und Wärmepumpe steigt natürlich der Energiebedarf und gegebenenfalls die Notwendigkeit, Strom aus dem Netz zuzukaufen oder eine größere Photovoltaikanlage und mehr Speicherkapazitäten zu installieren.
Förderung: Die Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wird für 20 Jahre garantiert. Zusätzlich bieten viele Bundesländer und die staatliche Förderbank KfW zinsgünstige Darlehen und Zuschüsse.
Lesen Sie mehr: Photovoltaik – Alles, was Sie vor der Installation wissen müssen.
Tipp: Stromspeicher ergänzen, Eigenverbrauch deutlich steigern
Eine Photovoltaikanlage allein deckt tagsüber den Strombedarf, aber was ist mit dem Abend, der Nacht oder einem bewölkten Wintertag? Hier kommt der Heimspeicher ins Spiel. Er speichert überschüssigen Solarstrom und gibt ihn ab, wenn die Sonne nicht scheint.
Ohne Speicher liegt der Eigenverbrauchsanteil einer PV-Anlage typischerweise bei 25 bis 30 Prozent. Mit einem Speicher steigt er auf 60 bis 80 Prozent. Damit sinkt der teure Strombezug aus dem Netz erheblich.
Praktisch: Moderne Speichersysteme lassen sich mit einem intelligenten Energiemanagementsystem kombinieren, das Verbrauch, Erzeugung und Netzeinspeisung automatisch optimiert.
Lesen Sie mehr: Photovoltaik-Speicher – So holen Sie das Maximum aus Ihrer Solaranlage heraus.
Tipp: Von Heizöl und Gas auf die Wärmepumpe umsteigen
Wer heute noch mit Heizöl heizt, spürt jeden geopolitischen Schock unmittelbar. Die Lösung: der Umstieg auf eine Wärmepumpe. Sie entzieht der Umgebungsluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser Wärme und wandelt sie effizient in Heizenergie um. Betrieben wird sie mit Strom, idealerweise dem selbst erzeugten Solarstrom.
Ein Rechenbeispiel: Eine moderne Luft-Wasser-Wärmepumpe erzeugt aus einer Kilowattstunde Strom 3 bis 5 Kilowattstunden Wärme. Kombiniert mit einer Photovoltaikanlage lässt es sich im Frühling und an sonnigen Tagen im Winter quasi kostenlos heizen.
Förderung: Über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) sind Zuschüsse von bis zu 70 Prozent der förderfähigen Investitionskosten möglich, wenn weitere Effizienzmaßnahmen kombiniert werden.
Lesen Sie mehr: Wärmepumpe – Lohnt sich die Investition für mein Haus?
Tipp: Energetische Sanierung – die Grundlage für alles
Selbst die beste Heizung und die größte Solaranlage können ihren vollen Nutzen nicht entfalten, wenn das Gebäude schlecht gedämmt ist. Eine energetische Sanierung senkt den Energiebedarf dauerhaft und drastisch. Dazu gehören vor allem die Dämmung von Fassade, Dach und Keller sowie der Austausch alter Fenster.
Häuser aus den 1960er- bis 1990er-Jahren verbrauchen häufig 120 bis 180 Kilowattstunden Energie pro Quadratmeter und Jahr. Ein saniertes Effizienzhaus kommt auf 30 bis 70 Kilowattstunden. Das bedeutet: weniger Heizenergie, kleinere Anlage, geringere Kosten.
Förderung: Die KfW fördert energetische Sanierungen zum Effizienzhaus mit Zuschüssen von bis zu 45 Prozent der Investitionskosten. Steuerliche Absetzbarkeit bietet einen weiteren Hebel.
Lesen Sie mehr: Energetische Sanierung – Schritt für Schritt zum Effizienzhaus.
Tipp: E-Auto + PV = Ende der Abhängigkeit von Kraftstoffpreisen
Der letzte große Posten fossiler Abhängigkeit ist das Auto. Wer ein Elektrofahrzeug mit dem eigenen Solarstrom lädt, entkoppelt sich vollständig von den Kraftstoffpreisen – egal ob der Ölpreis bei 60 oder 120 Dollar pro Barrel steht.
Die Synergien sind enorm: Wer tagsüber zu Hause ist oder eine steuerbare Wallbox nutzt, kann Überschussstrom direkt ins Fahrzeug leiten. Mit bidirektionalem Laden (Vehicle-to-Home) kann das E-Auto bei Bedarf sogar als mobiler Stromspeicher dienen und nachts das Haus versorgen.
Förderung: Viele Bundesländer und Kommunen fördern Wallboxen und Elektrofahrzeuge mit zusätzlichen Programmen. Kombiniert mit der PV-Förderung ergibt sich ein attraktives Gesamtpaket.
Lesen Sie mehr: E-Ladestationen zuhause – so tanken Sie auf.
Staatliche Förderung clever kombinieren und Energieberatung nutzen
Der Schlüssel zur maximalen Förderquote liegt in der richtigen Reihenfolge und Kombination der Maßnahmen. Wer zuerst saniert, dann eine Wärmepumpe einbaut und schließlich eine PV-Anlage aufsetzt, kann in manchen Fällen mehr als 60 bis 70 Prozent der Gesamtinvestitionen über Zuschüsse, Steuervorteile und zinsgünstige Darlehen finanzieren.
Eine qualifizierte Begleitung durch zugelassene Energieberaterinnen und Energieberater ist dabei unverzichtbar und wird vom Staat mit bis zu 80 Prozent bezuschusst. Die Beraterin oder der Berater analysiert den Ist-Zustand Ihres Gebäudes, empfiehlt die optimale Maßnahmenreihenfolge und erstellt den notwendigen Sanierungsfahrplan, der für viele Förderanträge Pflicht ist.
Lesen Sie mehr: Energiecheck – So erkennen Sie Einsparpotenziale in Ihrem Zuhause.
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Stand: 22. April 2026



