Diagnose Mittelstand 2022: Hemmnisse für einen Aufschwung der Unternehmen

KMU sind trotz Krisen insgesamt robust aufgestellt

Die aktuelle Energiekrise, die Folgen des anhaltenden Ukraine-Krieges und die weltweiten geopolitischen Spannungen drücken beim deutschen Mittelstand auf die Stimmung und dämpfen die Erwartungen kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) an ihre Zukunft. Die Sparkassenvorstände rechnen dementsprechend mit einer Rezession bei hoher Inflation. Das sind wesentliche Erkenntnisse aus der gemeinsam mit der DekaBank durchgeführten Befragung zum S-Finanzklimaindex, die erstmals in die Diagnose Mittelstand des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) aufgenommen ist.

Mähdrescher auf einem Feld

Das Wichtigste in Kürze:

  • Aufgrund der Gemengelage aus Energiekrise, Inflation und angespannten Lieferketten infolge des Ukraine-Krieges steht der deutsche Mittelstand vor einem mehrdimensionalen Stresstest.
  • Staatliche Hilfen sollten jetzt einfach und gezielt bei den von der Energiekrise besonders betroffenen Unternehmen ankommen.
  • Mit Sparkassen wird es keine Kreditklemme geben.
  • Die befragten Firmenkundenexpertinnen und -experten der Institute sowie Vorstände der Unternehmen halten den deutschen Mittelstand insgesamt für ausreichend robust, die derzeitigen Krisen zu stemmen.
Es ist sehr wichtig, dass zeitlich begrenzte staatliche Hilfen jetzt einfach und gezielt bei den von den enorm gestiegenen Erdgas- und Strompreisen betroffenen Unternehmen ankommen.“
Helmut Schleweis, DSGV-Präsident

Große Herausforderungen für KMU in einer krisenbedrohten Wirtschaftswelt

Nach der Überwindung der schlimmsten Folgen der Corona-Pandemie blieb die erhoffte wirtschaftliche Erholung aus. Stattdessen kam der nächste Stresstest für KMU. Denn die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs sowie die weiteren Verschärfungen der bereits durch die Coronakrise entstandenen Lieferkettenprobleme sind durchaus beachtlich.

Mehr als die Hälfte der KMU-Kundinnen und -Kunden gaben bei der Umfrage des DSGV unter den Gewerbekundenbetreuern und -betreuerinnen der Sparkassen an, dass sie direkt von Lieferkettenproblemen betroffen seien.

Besonders für energieintensive Branchen sind finanzielle Hilfen aufgrund der Energiekrise aktuell unerlässlich: „Es ist sehr wichtig, dass zeitlich begrenzte staatliche Hilfen jetzt einfach und gezielt bei den von den enorm gestiegenen Erdgas- und Strompreisen betroffenen Unternehmen ankommen“, so DSGV-Präsident Helmut Schleweis.

Bürokratie und Fachkräftemangel sind weitere starke Bremsen

Nicht nur die Folgen des Ukraine-Kriegs beeinträchtigen die geschäftliche Entwicklung. Aus Sicht fast aller befragten Sparkassen-Expertinnen und -Experten scheitern KMU bei ihren Unternehmungen am häufigsten an hohen bürokratischen Hürden – etwa den Auflagen, um Produktionsanlagen auf andere Energieträger umzustellen. Darüber hinaus macht ihnen der anhaltende Fachkräftemangel oft zu schaffen.


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Prozent

der KMU gehen aktuell von einer weiteren Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage bis Ende 2023 aus


Rezession bei hoher Inflation erwartet

Das vom Internationalen Währungsfonds prognostizierte Risiko für eine globale Rezession erwarten die Sparkassen auch für Deutschland.

Bei mehr als 40 Prozent der KMU hat sich die tatsächliche wirtschaftliche Situation innerhalb der letzten zwölf Monate verschlechtert. Die Hoffnungen des vergangenen Jahres haben sich verflüchtigt. Über 85 Prozent der KMU gehen aktuell von einer weiteren Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage bis Ende 2023 aus. Nach dem Abflauen der Corona-Pandemie waren 2021 noch über die Hälfte der gewerblichen Mittelstandskundinnen und -kunden im Hinblick auf ihre Geschäftslage positiv gestimmt.

In der Breite halten die befragten Experten und Expertinnen für die Firmenkundschaft den deutschen Mittelstand jedoch nach wie vor für flexibel und stabil genug, die Energiekrise zu überwinden.

KMU benötigen verlässliche Rahmenbedingungen für eine zukünftige positive Entwicklung

Das vom Internationalen Währungsfonds prognostizierte Risiko für eine globale Rezession erwarten die Sparkassen auch für Deutschland.

Bei mehr als 40 Prozent der KMU hat sich die tatsächliche wirtschaftliche Situation innerhalb der letzten zwölf Monate verschlechtert. Die Hoffnungen des vergangenen Jahres haben sich verflüchtigt. Über 85 Prozent der KMU gehen aktuell von einer weiteren Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage bis Ende 2023 aus. Nach dem Abflauen der Corona-Pandemie waren 2021 noch über die Hälfte der gewerblichen Mittelstandskundinnen und -kunden im Hinblick auf ihre Geschäftslage positiv gestimmt.

In der Breite halten die befragten Experten und Expertinnen für die Firmenkundschaft den deutschen Mittelstand jedoch nach wie vor für flexibel und stabil genug, die Energiekrise zu überwinden.


Infografik: Rahmenbedingungen

Mit den Sparkassen wird es keine Kreditklemme geben.
Helmut Schleweis, DSGV-Präsident

Sparkassen stehen als wichtige Finanzierungspartner an der Seite ihrer Kundschaft

Die Förderung von KMU ist wichtiger Bestandteil des öffentlichen Auftrags von Sparkassen und nach wie vor eines ihrer vorrangigen Geschäftsziele. Dass sie als wichtige Finanzierungspartner an der Seite ihrer Kundinnen und Kunden stehen, haben sie in der Hochphase der Corona-Pandemie bewiesen – und tun dies auch jetzt: „Um die Wirtschaft zu unterstützen, erhalten die Sparkassen ihr Kreditangebot an die Unternehmen auf hohem Niveau aufrecht – mit den Sparkassen wird es keine Kreditklemme geben“, sagt DSGV-Präsident Schleweis.

Mit der „Diagnose Mittelstand 2022“ legt der DSGV zum 22. Mal repräsentatives Datenmaterial zur aktuellen Lage der mittelständischen Unternehmen in Deutschland vor. Erstmals flossen neben den Ergebnissen der deutschlandweiten Umfrage des DSGV unter insgesamt 275 Firmenkundenbetreuerinnen und -betreuern der Sparkassen – im Zeitraum August bis September 2022 – die gemeinsam mit der DekaBank erhobenen Ergebnisse des S-Finanzklimaindex mit ein. Dieser beruht auf quartalsweisen Umfragen unter 361 Sparkassen und Vorständen zur konjunkturellen Entwicklung.

(Stand: 23.11.2022)


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