Fed-Zinsentscheid schickt Dax auf Abwärtskurs

Zinserwartungen, Inflation und Ukraine-Konflikt lösen starke Unsicherheit an Börsen aus

Auch wenn es zum Wochenstart wieder ein wenig bergauf ging: Der deutsche Aktienleitindex Dax hat in nur drei Wochen mehr als 1.200 Punkte verloren. Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka, sieht dahinter vor allem eine überfällige Konsolidierung der Märkte. Aber auch Zins- und Kriegsängste sowie Konjunkturunsicherheiten belasten die Kurse.

Mann sitzt vor Laptop und schaut in sein Handy

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Entscheidung der US-Notenbank Fed (Federal Reserve), ihr Konjunkturprogramm ab März einstellen zu wollen, hat – schon im Vorfeld – zu heftigen Verlusten an den Aktienmärkten weltweit geführt.
  • Außerdem trugen der Ukraine-Konflikt sowie die Inflation zu der Abwärtsspirale bei.
  • Der Deutsche Aktienindex Dax hat sich nach den Turbulenzen erst einmal wieder stabilisiert – dennoch kann es zu weiteren Verlusten kommen.

Die US-Notenbank Fed hat Ende Januar 2022 entschieden, bis März ihre Wertpapierkäufe zur Stabilisierung der Konjunktur einzustellen. Damit will die Zentralbank der USA die Voraussetzungen für die erste Erhöhung ihres Leitzinses schaffen. Schon vor der Bekanntgabe der Fed-Entscheidung verzeichneten die weltweit führenden Börsen deutliche Verluste. Marktbeobachterinnen und -beobachter sagten, es gehe eine regelrechte Angst an den Börsen um.

Der deutsche Aktienindex Dax rutschte zeitweise auf gut 15.000 Punkte ab. Nur knapp drei Wochen vorher hatte er noch ein Allzeithoch bei fast 16.300 Punkten markiert. Börsenexpertinnen und -experten hielten noch vor wenigen Wochen einen Zuwachs des Dax im laufenden Jahr auf 18.000 Punkte für möglich.

Ihrer Einschätzung nach war die Angst vor der Fed-Entscheidung der wichtigste Faktor für die Einbrüche der Aktienmärkte. Steigende Zinsen gelten als Bremse für Kursgewinne. Außerdem hätte die hohe Inflation, unter anderem ausgelöst durch die enorm angestiegenen Energiepreise, die Kurse massiv belastet. Die Ukraine-Krise habe diese Entwicklung weiter angeheizt.

Wenige Tage nach der Fed-Entscheidung drehten die Börsen wieder ins Plus. Der Dax notierte zeitweise wieder bei gut 15.500 Punkten. Dennoch sagten Analystinnen und Analysten, dass angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten das Potenzial für weitere Kursgewinne begrenzt sei.

Dr. Kater Portrait
3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka

Herr Dr. Kater, zuletzt ist der Leitindex der deutschen Börse durch deutliche Verluste aufgefallen. Stehen die Märkte nun an einem Wendepunkt?

Zurzeit sind wir eindeutig im Bereich einer Konsolidierung. Nach stärkeren Kurszuwächsen muss es auch mal eine Zeit lang seitwärts gehen, vielleicht sogar eine oder zwei Stufen unterhalb der letzten Höchstkurse, damit die Unternehmensgewinne aufholen können. Das kann einige Quartale dauern. Wenn in dieser Zeit etwa noch eine konjunkturelle Schwächephase dazukommt, kann es ein Jahr oder mehr dauern, bis sich der Markt wieder zu neuen Höchstständen aufschwingt.

In einigen Bereichen, in denen die Bewertung in den vergangenen Quartalen allzu stark angestiegen war, haben wir allerdings deutlichere Korrekturen gesehen – zum Beispiel bei Technologie-Aktien, bei spekulativen Trades wie etwa Neuemissionen oder auch bei Kryptowährungen. Hier können die Korrekturen noch etwas weitergehen, wenn die Zinsen in den Vereinigten Staaten wieder steigen.

Bei den übrigen Sektoren waren die Rückgänge bislang moderat. Viele Unternehmen, insbesondere diejenigen mit einem etablierten werthaltigen Geschäftsmodell, sind weiterhin interessant. Man sollte sich freuen, wenn solche Werte auch mal wieder günstiger angeboten werden.

Viele Marktteilnehmerinnen und -teilnehmer erklären den Kurseinbruch in der vergangenen Woche vor allem mit der Ankündigung der US-Notenbank Fed, die Zinsen in diesem Jahr wieder sukzessive anheben zu wollen. Auch die Inflation und die Zuspitzung des Ukraine-Konflikts hätten starke Auswirkungen. Was hat zurzeit den größten Einfluss?

Die Geopolitik ist zwar spektakulärer, aber in den allermeisten Fällen von kürzerem Einfluss auf die Aktienmärkte. Gegenwärtig ist es der neue Zinszyklus, der die Märkte bewegt. Klar würden die Börsen bei einer militärischen Eskalation in Osteuropa erst einmal einknicken. Aber dies wäre höchstwahrscheinlich recht kurzlebig. Denn die geopolitischen Karten liegen auf dem Tisch und zeichnen ein Bild, wie es wohl weitergehen würde. Gegenseitige Sanktionen wären die Folge, aber selbst Energieblockaden wären am Ende überwindbar.

Das größere Gefährdungspotenzial für die Märkte liegt in der Geldpolitik: Sollte die US-Notenbank die Inflationsgefahren in den USA nur über eine Rezession eindämmen können, würden die Aktien entsprechend länger zur Erholung brauchen.

Spielt Corona noch eine Rolle? Haben die Aktienmärkte Omikron mittlerweile verkraftet, oder rechnen Sie mit weiteren Belastungen?

Die Coronakrise ist für die Gesamtheit der Volkswirtschaften in den Industriestaaten abgehakt. In einzelnen Sektoren und Regionen, geschweige denn aus gesellschaftlicher oder gesundheitspolitischer Perspektive, ist diese außergewöhnliche Lage zwar noch längst nicht überwunden. Aber für die Makropolitik spielt sie keine Rolle mehr.

Geld- und Finanzpolitik haben einen maximalen Einsatz geleistet und waren auf ganzer Linie erfolgreich bei der Verhinderung einer Abwärtsspirale im Gefolge des Pandemieausbruchs. Eine neue Weltwirtschaftskrise ist verhindert worden. Jetzt brauchen wir diese extrem niedrigen Zinsen nicht mehr. Das ist auch ein gutes Zeichen in Richtung mehr Normalität.

(Stand 01.02.2022)


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