Dax steckt im Jahrestief: Welche Strategie ist jetzt die richtige?

Die Aktienkurse sind stark gefallen – aber am Ende des Tunnels leuchtet ein Hoffnungsschimmer

Der Deutsche Aktienindex Dax verharrt seit Wochen zwischen 12.000 und 13.000 Punkten. Damit hat er seit Beginn des Jahres ein Viertel seines Werts eingebüßt. Viele Börsenprofis sagen, der Boden sei nun erreicht und eine Besserung spätestens im kommenden Jahr zu erwarten. Was können Anlegerinnen und Anleger in dieser Situation tun?

Hand zeigt mit Stift auf Dax-Kurvenverlauf auf Handydisplay

Für viele Analystinnen und Analysten scheint die Situation eindeutig: Inflation, Zinserhöhungen, Rezession – ausgelöst durch den Krieg in der Ukraine – lassen den Dax einbrechen. Er notiert auf dem Niveau vom Sommer 2020. Bei anderen Leitindizes sieht die Situation ähnlich aus.

Und: Angesichts der drohenden Energiekrise ist in den kommenden Monaten mit einer hohen Zahl an Unternehmensinsolvenzen zu rechnen. Das könnte dazu führen, dass die Kurse weiter fallen – vielleicht sogar bis auf 11.000 Punkte. Es könnte aber auch sein, dass der Dax diese Entwicklung schon eingepreist hat. Vor diesem Hintergrund ist es für viele Privatanlegerinnen und -anleger schwierig, Anlageentscheidungen zu treffen.


Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt des Wertpapierhauses der Sparkassen-Finanzgruppe DekaBank, erklärt im Interview, wie es in den kommenden Wochen und Monaten weiter gehen und welche Strategie nun angemessen sein könnte.

Jetzt lohnt der Aufbau eines Portfolios
Dr. Kater Portrait
3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka

Herr Dr. Kater, die weitere Dax-Entwicklung ist schwer vorhersehbar. Auf welches kurz- bis mittelfristige Szenario müssen sich die Anlegerinnen und Anleger Ihrer Meinung nach einstellen?

Nach der Coronakrise haben wir es nun mit einer neuen Krise zu tun, der Energiekrise. Sie ist auf den Angriff Russlands auf die Ukraine zurückzuführen. Generell bedeuten Krisen wirtschaftliche Einschränkungen, die bis hin zur Rezession führen können. Sie bedeuten aber vor allem Unsicherheit – insbesondere darüber, wie groß diese Einschränkungen werden und wie lange sie anhalten.

In der ersten Phase einer Krise verschlechtern sich die ökonomischen Nachrichten, und die Unsicherheit steigt an. Dann setzen viele Maßnahmen zur Überwindung der Krise ein. Das führt in der Regel dazu, dass die schlechten Nachrichten zuerst weniger, dann durch positive Signale ersetzt werden. Wir sind in der Energiekrise wohl an dem Punkt, an dem die Nachrichten nicht mehr schlechter werden. Die Unsicherheit über Energieversorgung und Inflationsverlauf ist aber noch hoch. Wenn diese Unsicherheit in den kommenden Monaten zurückgeht, sind wir mit der Krisenbewältigung weiter vorangekommen und insbesondere die Aktienmärkte haben wieder festeren Boden unter den Füßen.

Was sind die wahren Gründe für den Absturz? Ist der Ukraine-Krieg tatsächlich der Auslöser allen Übels?

Ja. Ohne den Krieg hätten wir jetzt Belastungen für Wirtschaft und Finanzmärkte – mit dem Krieg haben wir eine schwere Krise. Ohne die Energiepreissteigerungen läge die Inflation jetzt wahrscheinlich zwischen drei und vier Prozent. Das hätte auch zu Zinssteigerungen geführt, aber bei weitem nicht so stark wie wir es jetzt erleben. Insgesamt stünden wir wirtschaftlich deutlich besser da.



Mit welchen Strategien können die Anlegerinnen und Anleger der Abwärtsspirale entkommen – gibt es eine Branche, die Gewinne bringen könnte? Oder heißt es jetzt einfach: Geduld haben?

Die Abwärtsspirale hat sich schon sehr weit gedreht. Jetzt zu verkaufen, wäre der typische Fehler, den Anlegerinnen und Anleger in schwierigen Lagen regelmäßig machen: Kurz vor dem Tiefpunkt zu verkaufen und dann erst wieder einzusteigen, wenn sich die Märkte erholt haben. Wenn wir uns den Kursverlauf des Dax in den vergangen zwei Jahrzehnten anschauen, sehen wir, dass solche Phasen von Kursrückgängen selbst um 20 oder 30 Prozent für ein oder zwei Jahre einfach zum Börsengeschehen dazugehören – dass aber am Ende der Kursverlauf nach oben gerichtet ist.

Jetzt heißt es vor allem, keine hektischen Maßnahmen bei der Geldanlage zu ergreifen, um vermeintlichen Abwärtsspiralen zu entkommen. Die Anlegerinnen und Anleger sollten einen bereits gewählten langfristigen Aktienanteil im Portfolio beibehalten und Aktienfonds-Sparpläne unbedingt weiterführen. Denn gerade in dieser Phase bauen sie das Fundament für eine erfolgreiche Entwicklung des Portfolios in den kommenden Jahren. Wer bislang noch keine Aktienposition hat und langfristig anlegen möchte, findet jetzt und in den kommenden Monaten sehr gute Gelegenheiten zum Aufbau. Neu ist übrigens, dass Anleihen wieder interessant geworden sind. Daher sind auch Umschichtungen von Liquidität in Anleihen guter Emittenten eine Überlegung wert.

(Stand: 24.10.2022)


Mit mehr Abstand als gewohnt. Aber genauso nah. Erreichen Sie jetzt Ihre Sparkasse vor Ort.