Welche Gefahren birgt der Brexit?

Auch wenn sich die Märkte wieder etwas gefangen haben, noch ist die Gefahr eine Brexits nicht gebannt. Verlassen die Briten die EU oder nicht? Aktuelle Umfragen zeichnen ein widersprüchliches Bild. Denn keiner weiß genau, welchen wirtschaftlichen und politischen Scherbenhaufen ein möglicher Austritt hinterlassen würde. Was tun, fragen sich nun viele Anleger. Der Chefvolkswirt der DekaBank, Dr. Ulrich Kater, gibt Orientierung.

 

 

1. Nach Tagen der Verluste erholen sich die Märkte teilweise wieder. Die Nervosität bleibt aber. Ist dies berechtigt?

Nach den Umfragen gibt es derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Gegnern und Befürwortern des Ausstiegs aus der Europäischen Union. Man sollte also nicht allzu überrascht sein, wenn es nach dem Referendum heißt: Die Briten sind draußen. Ein Blick auf die Umfragewerte zeigt allerdings, dass die Waagschale weiterhin leicht in Richtung Verbleib in der Union geneigt ist. Online- oder auch Telefonumfragen sind manchmal nicht richtig repräsentativ, wie die vielen Fehlprognosen gerade bei Referenden gezeigt haben.

Crash-Gefahr durch Brexit

2. Was konkret würde denn im Fall eines Brexit passieren?

Das sehen wir teilweise jetzt schon an den Märkten: schwaches Pfund, schwacher Euro, schwache Aktien, sinkende Bundesrenditen. Wenn der Brexit kommt, wird das in einer ersten Reaktion wahrscheinlich noch weiter gehen. Märkte übertreiben in solchen Situationen aber meistens. Daher werden sich einige Reaktionen in den Wochen danach auch wieder zurückbilden. Dabei ist es sinnvoll, auch darauf zu achten, wie die Konjunktur reagiert, also sicherlich zwei oder drei Monate lang die Frühindikatoren abzuwarten.

 

3. Was raten Sie Anlegern, die bereits Aktien in ihrem Depot haben?

Wir raten nicht zu hektischem Handel rund um den Brexit. Taktische Positionierungen auf ein solches politisches Ereignis können allenfalls professionelle Akteure an den Märkten durchführen. Für die Aktienquote privater Haushalte gilt, dass politische Ereignisse wie eine Brexit-Entscheidung keine Auswirkungen auf die langfristigen Anlageziele haben, denn in einem breit gestreuten Portfolio zählt nur die durchschnittliche Aktienrendite über viele Jahre. Und die wird durch einen Brexit nicht beeinflusst. Wer allerdings sowieso vorhat, seine Aktienquote zu erhöhen, der findet in diesem Umfeld – ob vor oder nach dem Entscheidungstag am 23. Juni – günstige Einstiegsgelegenheiten.

4. Was empfehlen Sie Anlegern, die Fonds besitzen?

Fonds sind noch besser geeignet, solche schwierigen Situationen an den Finanzmärkten zu überstehen. Denn hier sitzen Experten, die nichts anderes tun, als jede der im Minutentakt eintreffenden Meldungen sofort nach ihrer Relevanz für das Fondsvermögen zu bewerten.  Sie ergreifen sinnvolle Maßnahmen, da wo es nötig ist, ohne allerdings gleich in hektische Überreaktionen zu verfallen.

 

5. Was raten Sie Anlegern, die derzeit nicht im Markt investiert sind?

Wer durch eine Analyse seines Vermögens zu dem Ergebnis kommt, dass seine Aktienquote langfristig zu gering ist – und das dürfte in Deutschland auf sehr viele Haushalte zutreffen – der findet im derzeitigen Umfeld gute Gelegenheiten zu einem günstigen Start in einen langfristig erfolgreichen Aktienbaustein.

 

Haben Sie noch Fragen zum Thema Brexit? Hier geben wir Antworten.

Crash-Gefahr durch Brexit

Dr. Ulrich Kater

Chefvolkswirt der DekaBank