Finanzielle Hilfen für Studenten

Wie Studierende in der Corona-Krise ihren Lebensunterhalt sichern können

Die Studenten in Deutschland fragen sich derzeit nicht nur, wann der Unibetrieb wieder normal läuft. Viele von ihnen haben auch ihren Job verloren und wissen nicht, wie sie über die Runden kommen sollen. Jetzt stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Online-Formular für die lang erwarteten Überbrückungshilfen bereit. Welche Hilfen es gibt und wo aus Sicht der Studierenden dringend Nachholbedarf besteht.

Nur jeder fünfte Student erhält BAföG, mehr als zwei Drittel der Studierenden waren vor der Corona-Krise erwerbstätig. Ob Barkeeper, studentische Hilfskraft im Maschinenbau oder Verkäuferin im Bekleidungsgeschäft – in der Pandemie gingen über Nacht zehntausende Studentenjobs verloren. Auch wenn einige Studierende inzwischen wieder arbeiten können, gilt das längst nicht für alle. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um Finanzhilfen.

Was passiert mit meinen BAföG-Ansprüchen?

Ein leerer Raum einer Universität

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, hat eine Art Garantieerklärung abgegeben: „Keiner soll sich wegen Corona um sein BAföG-Geld Sorgen machen.“ Die BAfÖG-Leistungen werden also weitergezahlt, auch wenn nur eingeschränkt läuft. 

Wichtig dabei: Wenn die Hochschule Lernangebote im Internet unterbreitet, sind Studierende, die BAföG-Leistungen beziehen, im gleichen Umfang wie beim normalen Lehrbetrieb verpflichtet, diese Angebote zu nutzen. Wer das Studieren also von sich aus sein lässt, obwohl es Online-Veranstaltungen gibt, verliert unter Umständen seinen Anspruch auf Ausbildungsförderung.

Das Bildungsministerium hat weitere pandemiebezogene Informationen rund um die BAfÖG-Leistungen veröffentlicht.

Ich habe bislang Unterhalt von meinen Eltern erhalten, aber jetzt stehen sie wegen der Corona-Pandemie selbst vor finanziellen Problemen.

Hier kann ein BAföG-Aktualisierungsantrag helfen. Dann wird das niedrigere Einkommen der Eltern – oder des Ehepartners – zu Grunde gelegt und nicht mehr das des vorletzten Kalenderjahres. „Die Chancen, mehr BAföG zu bekommen, steigen erheblich“, sagt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks.

Ich habe meinen Nebenjob verloren. Was kann ich tun?

Studierende erhalten in der Regel kein Kurzarbeitergeld, wenn ihr Arbeitgeber sie nicht mehr beschäftigen darf oder kann. Auch hier sollte geprüft werden, ob sich jetzt ein BAföG-Antrag lohnt, empfiehlt das Studentenwerk. Manche Studierenden hätten als Härtefall auch Anspruch auf ALG II.

In einigen Branchen gibt es aktuell einen erhöhten Personalbedarf. Dazu zählen Lieferdienste, Supermärkte, Logistikunternehmen oder Reinigungsfirmen. Die Studierendenwerke bieten entsprechende Jobbörsen. Auf jobmensa.de gibt es ebenfalls zahlreiche Angebote. Auf die Vermittlung von Erntehelfern ist die Plattform Das Land hilft spezialisiert.

Der Gesetzgeber hat zudem die Zeitgrenze für eine kurzfristige Beschäftigung ausgeweitet: Studenten haben in der aktuellen Situation also die Möglichkeit, 115 statt 70 Tage zu arbeiten, ohne dass sie Sozialversicherungsabgaben leisten müssen. Das gilt seit dem 1. März 2020 bis einschließlich 31. Oktober 2020.

Wenn ich jetzt bei der Ernte helfe – verliere ich dann meine Bafög-Ansprüche für das gesamte Jahr?

Wer sich im während der Coronavirus-Pandemie im Gesundheitswesen, in sozialen Einrichtungen oder in der Landwirtschaft engagiert, bekommt den Hinzuverdienst nur für die Zeit seiner Tätigkeit angerechnet. Eine entsprechende Gesetzesänderung hat der Bundestag beschlossen.

Zuvor galt, dass die Gesamtsumme von Erwerbseinkommen auf alle Monate eines Bewilligungszeitraums angerechnet wurde. Die Anrechnung wirkte sich damit nicht nur auf Beschäftigungsmonate aus, sondern auf das komplette Jahr.

Dem Deutschen Studentenwerk geht die Anpassung noch nicht weit genug: Die Interessenvertretung setzt sich dafür ein, dass Einkommen, die Studierende bei der Pandemiebekämpfung erzielen, überhaupt nicht aufs BAföG angerechnet werden.

Ich brauche dringend Geld, um diese Krise zu überbrücken.

Eine junge Frau sitzt am Laptop

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellt Mitte Juni die lang erwarteten Überbrückungshilfen bereit. Studierende, deren Kontostand unter 500 Euro liegt, können über ihr Studierendenwerk einen Zuschuss beantragen, den sie nicht zurückzahlen müssen. Maximal drei Zahlungen von bis zu 500 Euro für die Monate Juni, Juli und August sind vorgesehen.

Für die Antragstellung hat der Dachverband der deutschen Studentenwerke eigens ein Online-Portal geschaffen: www.ueberbrueckungshilfe-studierende.de

Eine weitere Möglichkeit: Studierende erhalten den KfW-Studienkredit vorübergehend zinsfrei. Bis zum 31. März 2021 übernimmt das Bildungsministerium die Zinsen. Auch Studierende aus dem Ausland, die in Deutschland gemeldet sind, können für diesen begrenzten Zeitraum den zinsfreien Kredit beantragen. Der Kredit wird unabhängig vom Einkommen gewährt, Sicherheiten sind nicht notwendig. Die Kredithöhe liegt zwischen 100 und 650 Euro pro Monat.

Viele Studierenden halten die Maßnahmen der Bundesregierung für nicht ausreichend, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Deshalb sind am 8. Juni in mehreren Städten Studierende auf die Straße gegangen, am 20. Juni soll eine zentrale Demonstration in Berlin folgen.

(Stand: 16.06.2020)

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