Finanzielle Hilfen und andere Unterstützung für Studenten

Vor welchen Hürden stehen Studierende während Corona und wie kann man sie lösen?

Die Pandemie hat das Studieren grundlegend verändert. Nie zuvor gab es so viel digitale Lehre und so wenig Sozialkontakte wie jetzt. Während zuvor der soziale Austausch zwischen Kommilitoninnen und Kommilitonen zur Normalität und Nebenjobs in der Gastronomie zur Tagesordnung gehört haben, sind diese elementaren Bestandteile des Studierendenlebens durch Corona nun weggebrochen. Wir erläutern, in welcher Situation sich Studierende befinden, welche Hürden überwunden werden müssen und welche Hilfsmöglichkeiten es gibt.  

Eine junge Frau sitzt am Laptop

Das Wichtigste in Kürze:

  • Das Bildungsministerium hat die Überbrückungshilfe reaktiviert. Für die Monate November 2020 bis März 2021 gibt es jeweils einen Zuschuss zwischen 100 Euro und 500 Euro –  je nach Bedürftigkeit.
  • Neben der Überbrückungshilfe erhalten Studierende den KfW-Studienkredit bis zum 31. Dezember 2021 zinsfrei.
  • Der Lebensmittelhandel und Lieferdienste benötigen helfende Hände. Ebenso sind Berufe gefragt, die man Zuhause ausüben kann. Beispielsweise in der IT oder als Nachhilfelehrer*in.
  • Universitäten stellen eine erhöhte Nachfrage nach psychologischen Hilfsangeboten fest.
  • Wer aktuell nach einer Wohnung in einer Universitätsstadt sucht, der könnte bei Wohnheimen fündig werden. Diese haben zwar oft lange Wartelisten, bieten allerdings deutlich günstigeren Wohnraum. 

Nur jeder fünfte Student erhält BAföG, mehr als zwei Drittel der Studierenden waren vor der Corona-Krise erwerbstätig. Ob Barkeeper, studentische Hilfskraft im Maschinenbau oder Verkäuferin im Bekleidungsgeschäft – in der Pandemie gingen über Nacht zehntausende Jobs für Studierende verloren.

Auch wenn einige Studierende inzwischen wieder arbeiten können, gilt das längst nicht für alle. Auch der Lockdown seit November 2020 hat es vielen schwergemacht, finanziell über die Runden zu kommen.  Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um Finanzhilfen.

Finanzielle Hilfen für Studenten: Wie kann ich die Überbrückungshilfe beantragen?

Das Bildungsministerium hat die Überbrückshilfe für Studierende reaktiviert. Was bereits bis September möglich war, gilt jetzt wieder seit November 2020: In finanzielle Not geratene Studentinnen und Studenten bekommen vom Staat Unterstützung in Form eines Zuschusses zwischen 100 und 500 Euro. Zuschuss bedeutet, dass die Hilfe nicht zurückgezahlt werden muss. 

Das funktioniert so: Wer seine Notlage nachweisen kann und weniger als 500 Euro zur Verfügung hat, kann eine Aufstockung beantragen. Die Summe des Zuschusses ist vom eigenen Kontostand abhängig und die Hilfe muss jeden Monat neu beantragt werden. Die Inanspruchnahme von Darlehen und Stipendien im Bezugsmonat schließt die Bewerbung für die Überbrückungshilfe nicht aus, soweit trotz dieser Finanzierungen eine pandemiebedingte Notlage vorliegt. Auf der Seite des Bildungsministeriums kann der Antrag auf die Überbrückungshilfe gestellt werden. Das Deutsche Studentenwerk, über das die Auszahlung läuft, hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 290.000 Anträge bewilligt. 

Ein Antrag kann immer bis zum letzten Tag des jeweiligen Kalendermonats gestellt werden. So beispielsweise am 31. März 2021 für den März 2021. Rückwirkende Anträge sind nicht möglich.

 

Coronavirus Hilfe für Studenten
Anträge

auf Überbrückungshilfe hat das Deutsche Studentenwerk zwischen Juni und September nach eigenen Angaben bewilligt.

Was passiert mit meinen BAföG-Ansprüchen?

Die Ministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, hat eine Art Garantieerklärung abgegeben: „Keiner soll sich wegen Corona um sein BAföG-Geld Sorgen machen.“ 

Wichtig dabei: Wenn die Hochschule Lernangebote im Internet unterbreitet, sind Studierende, die BAföG-Leistungen beziehen, im gleichen Umfang wie beim normalen Lehrbetrieb verpflichtet, diese Angebote zu nutzen. Wer das Studieren also von sich aus sein lässt, obwohl es Online-Veranstaltungen gibt, verliert unter Umständen seinen Anspruch auf Ausbildungsförderung.

Das Bildungsministerium hat weitere pandemiebezogene Informationen rund um die BAfÖG-Leistungen veröffentlicht.

Ich habe bislang Unterhalt von meinen Eltern erhalten, aber jetzt stehen sie wegen der Corona-Pandemie selbst vor finanziellen Problemen.

Hier kann ein BAföG-Aktualisierungsantrag helfen. Dann wird das niedrigere Einkommen der Eltern – oder des Ehepartners – zu Grunde gelegt und nicht mehr das des vorletzten Kalenderjahres. „Die Chancen, mehr BAföG zu bekommen, steigen erheblich“, sagt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks.

Ich habe meinen Nebenjob verloren. Was kann ich tun?

Studierende erhalten in der Regel kein Kurzarbeitergeld, wenn ihr Arbeitgeber sie nicht mehr beschäftigen darf oder kann. Auch hier sollte geprüft werden, ob sich jetzt ein BAföG-Antrag lohnt, empfiehlt das Deutsche Studentenwerk. Manche Studierende hätten als Härtefall auch Anspruch auf ALG II. Außerdem halten viele Studierendenwerke eigene Darlehenskassen für Notfälle bereit.

In Jobbörsen suchen einige Branchen auch in der Corona-Krise nach Unterstützung; manche haben aktuell sogar einen erhöhten Personalbedarf. Dazu zählen Lieferdienste, Supermärkte, Logistikunternehmen oder Reinigungsfirmen. Die Studierendenwerke unterhalten entsprechende Plattformen. Auf jobmensa.de gibt es ebenfalls zahlreiche Angebote. Wer lieber in den eigenen vier Wänden arbeitet, der findet auch häufig in der IT oder als freier Texter eine Anstellung. Außerdem wächst durch die digitale Lehre die Nachfrage nach Nachhilfelehrerinnen und Nachhilfelehrern, die Kinder und Jugendliche, aber auch Studenten online beim Lernen unterstützen.

Wenn ich jetzt im Krankenhaus helfe – verliere ich dann meine Bafög-Ansprüche für das gesamte Jahr?

Wer sich während der Coronavirus-Pandemie im Gesundheitswesen, in sozialen Einrichtungen oder in der Landwirtschaft engagiert, bekommt den Hinzuverdienst nur für die Zeit seiner Tätigkeit angerechnet. Eine entsprechende Gesetzesänderung hat der Bundestag beschlossen.

Zuvor galt, dass die Gesamtsumme der Erwerbseinkommen auf alle Monate eines Bewilligungszeitraums angerechnet wurde. Die Anrechnung wirkte sich damit nicht nur auf die Beschäftigungsmonate aus, sondern auf das komplette Jahr.

Der KfW-Studienkredit bleibt noch bis zum 31. Dezember 2021 zinsfrei

Studierende erhalten den KfW-Studienkredit vorübergehend zinsfrei. Bis zum 31. Dezember 2021 übernimmt das Bildungsministerium die Zinsen. Auch Studierende aus dem Ausland, die in Deutschland gemeldet sind, können für diesen begrenzten Zeitraum den zinsfreien Kredit beantragen. Der Kredit wird unabhängig vom Einkommen gewährt, Sicherheiten sind nicht notwendig. Das Darlehen kann bis zu einer Höhe von bis zu 650 Euro im Monat in Anspruch genommen werden.

Was tun, wenn der Lockdown eine Zerreißprobe für die Psyche wird?

Nicht nur finanzielle Sorgen belasten Studierende in diesen Zeiten. Auch der fehlende Sozialkontakt macht besonders Studienanfängerinnen und -anfängern, die in einer neuen Stadt noch keinen Anschluss gefunden haben, zu schaffen. Schließlich wird vom Studierendenalltag anderes erwartet, als allein vor dem Laptop die Vorlesung zu verfolgen. Sowohl das studierendenWERK als auch das Deutsche Studentenwerk bemerken eine steigende Nachfrage nach psychologischen Hilfsangeboten. Zusätzlicher Stress entsteht in manchen Fällen auch durch die Umstellung auf digitale Vorlesungen, die nicht immer reibungslos verlaufen.

Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung hat im digitalen Sommersemester 2020 zirka 28.0000 Studierende von 23 Hochschulen zur digitalen Lehre befragt. Dabei konnte festgestellt werden, dass zwar 86 Prozent keine oder kaum Probleme mit der Nutzung von digitalen Lehrangeboten haben. Allerdings vermissen 80 Prozent den direkten Kontakt zu Kommilitoninnen und Kommilitonen. Zur Prüfungszeit fühlten sich nur 24 Prozent gut vorbereitet, 46 Prozent gar nicht. Achim Meyer auf der Heide, der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, erläutert, dass immerhin erfreulicherweise für den Großteil der Studierenden das Studium nicht gefährdet ist. Finanzielle Einbußen werden entweder mit eigenen Ersparnissen oder durch Unterstützung von der Familie kompensiert. Diese Möglichkeit haben jedoch nicht alle Studierenden. 

Während der Pandemie eine Wohnung finden

Die Wohnungssuche war in vielen Städten schon vor der Coronakrise eine Herausforderung – steigende Mieten, schrumpfender Wohnraum und hohe Konkurrenz bei Massenbesichtigungen. Besonders als Studentin oder Student mit kleinem Budget hat man es oft schwer, eine Unterkunft in der Universitätsstadt zu finden. Hier kann man bei Studierendenwohnheimen nachfragen. Diese haben zwar meist sehr lange Wartelisten, allerdings kann es immer sein, dass sich Wartezeiten verkürzen oder jemand anderes abspringt. Sich auf die Liste setzen zu lassen, ist zumindest einen Versuch wert.

(Stand: 23.03.2021)


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