Trotz Bargeldlos-Trend: Euroländer setzen weiter auf Münzgeld

Sammlermünzen stark im Kommen – 2021 wird jedes vierte Eurogeldstück eine Sonderprägung

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Euroländern für 2021 die Prägung neuer Münzen in Höhe von insgesamt gut 1,98 Milliarden Euro genehmigt. In dieser Summe enthalten sind über 499 Millionen Euro für die Ausgabe von Sammlermünzen. 

Ein kleiner Junge stapelt Euro-Münzen

Das Wichtigste in Kürze:

  • EZB genehmigt die Ausgabe neuer Münzen im Nennwert von rund 2 Milliarden Euro.
  •  Prägung von Euro-Sammlermünzen im Volumen von nahezu 500 Millionen Euro geplant.
  • Trotz Digitaltrend und Pandemie: Euro-Bargeld wird weiterhin stark nachgefragt.
  • Bundesregierung und Bundesbank wollen deshalb erst einmal an den umstrittenen Kupfercents festhalten.

Obwohl das bargeldlose Bezahlen von Einkäufen an der Ladenkasse im Corona-Jahr 2020 stark zugenommen hat, liegt die Gesamtsumme für neue Euromünzen damit nur wenig unter der für 2021 genehmigten Summe von rund 2,1 Milliarden Euro. Die EZB legt jährlich eine Obergrenze für das Gesamtvolumen der Geldmünzen fest, die von den 19 Euroländern geprägt werden dürfen. Grundlage dafür ist der von den Zentralbanken gemeldete Bedarf.

Der Löwenanteil, etwa ein Drittel vom Wert des 2021 für alle Euro-Währungsländer insgesamt genehmigten neuen Münzgeldes, entfällt auf Deutschland. Die Bundesbank will neue Münzen im Wert von insgesamt 658 Millionen Euro ausgeben. Zweitgrößter Münzgeld-Emittent ist in diesem Jahr Spanien: Mit 321,5 Millionen liegen die Iberer deutlich vor Frankreich, das neues Münzgeld im Wert von 293 Millionen Euro plant und damit an dritter Stelle liegt. 

Die Niederlande verzichten

Nicht alle Euroländer wollen 2021 neues Münzgeld in Umlauf bringen. Die Niederlande sehen offenbar wenig Bedarf an neuem Münzgeld. Dort haben digitale Zahlverfahren die Geldmünze im Alltag schon seit langem in den Hintergrund gedrängt – ganz unabhängig von Corona. In diesem Jahr wollen die Niederlande daher lediglich einige Sammlerprägungen im Gesamtwert von 100.000 Euro herausgeben.

Spezialfall Sammlermünzen

Sammlermünzen – das verrät schon ihre Bezeichnung – sind nicht für den Bargeldumlauf bestimmt. Haben sie einem höheren Nennwert als zwei Euro, so sind sie nur im jeweiligen Ausgabeland als gesetzliches Zahlungsmittel zugelassen. Dennoch sind Sammlermünzen begehrt – nicht nur von Münzliebhabern, sondern auch von Anlegern. Aber Vorsicht ist hier geboten: Der Ausgabepreis von Sammlermünzen kann den Nennwert deutlich übersteigen. Eine Geldanlage in Sammlermünzen ist daher oft spekulativ und riskant.

Mit 499,3 Millionen Euro entfällt 2021 nennwertmäßig bereits ein Viertel der Summe, die von der EZB insgesamt für neues Münzgeld genehmigt wurde, auf Sammlermünzen. Diese Münzen sind oftmals Prägungen mit einem Anteil an Edelmetallen wie Silber oder Gold. 

Da Sammlermünzen hierzulande von Numismatikern stark nachgefragt werden, plant allein die Bundesbank 2021 die Ausgabe von Sonderprägungen im Nennwert von insgesamt 241 Millionen Euro. Darunter Silbermünzen im Nennwert von 5, 10, 20, 25 Euro und Goldmünzen im Nennwert von 20, 50 und 100 Euro.

Wie geht es weiter mit dem Bargeld?

In Deutschland ist die Bargeldnutzung in der Corona-Pandemie zum Teil deutlich zurückgegangen. Aus Sorge vor möglicher Ansteckung haben zahlreiche Menschen ihr Bezahlverhalten an die neue Situation angepasst. Auch kleine Geldbeträge werden an der Kasse möglichst kontaktlos beglichen.

Doch Bargeld sei mehr als ein bloßes Zahlungsmittel. Es diene gerade auch in unsicheren Zeiten vielen Privathaushalten und Unternehmen als Mittel zur Wertaufbewahrung, so Bundesbank-Vorstand Johannes Beerbaum jüngst gegenüber Medien. Im Euroraum, so Beerbaum weiter, nehme die Nachfrage nach Bargeld Monat um Monat zu. Zudem erwarte er, dass in dem Maße, in dem das Infektionsgeschehen unter Kontrolle gebracht werde, Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland wieder vermehrt mit Münzen und Banknoten bezahlen.

Deutschland will kleine Kupfercents behalten

Seit einigen Jahren wird bereits über den Sinn der „kleinen Münzen“ gestritten. In einigen Ländern wie beispielsweise Italien und den Niederlanden werden Centmünzen schon fast nicht mehr genutzt. Und auch in Deutschland würden Ein- und Zweicentmünzen von vielen Menschen kaum vermisst werden. Daher wird auch hierzulande immer wieder über ihre Abschaffung diskutiert.

Jetzt sind die kleinen Eurocent-Münzen sogar Gegenstand einer Anhörung bei der EU-Kommission. Aber Ein- und Zweicentmünzen haben ihre Funktion. Solange es Preise wie 0,99 oder 1,98 Euro gebe, werde man die Münzen brauchen, lautet die Position der Bundesbank. Gemeinsam mit dem Bundesfinanzministerium will sich die Bundesbank deshalb dafür einsetzen, die Kleinmünzen beizubehalten.

(Stand: 11.01.2021)


Haben Sie noch Fragen zum Thema Bargeld oder anderen Bezahlverfahren? Wir helfen Ihnen gern weiter.

Bitte wählen Sie Ihre Sparkasse aus:

Ist das nicht Ihre Sparkasse?