Die Deutschen und ihr Geld: Erstaunlich zufrieden trotz Corona

So kommen die Menschen finanziell durchs Krisenjahr

Optimismus auch während der Pandemie: Obwohl die Coronakrise sich auf alle Bereiche der Gesellschaft auswirkt und fast 40 Prozent der Menschen in Deutschland gerade finanzielle Einbußen hinnehmen müssen, sind große Teile der Bevölkerung zufrieden mit ihrer finanziellen Situation. Die aktuelle Befragung des Vermögensbarometers 2020 zeigt aber auch, dass das Coronavirus und die damit verbundenen Einschränkungen tiefe Spuren bei den Finanzen der Deutschen hinterlassen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Obwohl viele Menschen weniger verdient haben, sind 42 Prozent sehr zufrieden oder zufrieden mit ihrer finanziellen Situation. Im vergangenen Jahr waren es 43 Prozent.
  • Im Krisenjahr wird mehr gespart und weniger konsumiert.
  • Die junge Generation ist zufriedener als der Durchschnitt.
  • Frauen blicken optimistischer in die Zukunft als Männer.

Jedes Jahr befragt der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) gemeinsam mit einem Marktforschungsinstitut die Menschen in Deutschland zu ihrer finanziellen Situation und ihrem Spar- und Anlageverhalten. Im Vermögensbarometer werden die Ergebnisse jeweils im Oktober zum Weltspartag veröffentlicht.

Aufgrund der Coronakrise startete die Befragung in diesem Jahr etwas später als in den Vorjahren: Im Zeitraum vom 24. Juni bis 10. Juli wurden mehr als 4.800 Menschen ab dem Alter von 14 Jahren befragt. Durchgeführt wurde die Umfrage als reine Onlinebefragung vom Meinungsforschungsinstitut Kantar.

Im  Oktober wurde eine weitere Befragung durchgeführt, die die Ergebnisse aus dem Sommer bestätigt hat.

Finanzielle Zufriedenheit ist weiterhin hoch

Infografik: 42 % der Befragten sind zufrieden mit ihrer finanziellen Situation

Die zentrale Frage ist in diesem Jahr: Wie gut kommen die Deutschen durch die Coronakrise? Die Ergebnisse der aktuellen Umfrage zeigen, dass 42 Prozent der Bevölkerung zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit ihrer finanziellen Situation sind. Das heißt die Krise hat bislang kaum etwas an der grundsätzlichen Zufriedenheit geändert. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr sagten 43 Prozent, dass sie zufrieden sind.

Nur ein knappes Fünftel ist unzufrieden. 41 Prozent bezeichnen ihre finanzielle Situation als mittelmäßig.

Dagegen zeigt sich bei den Einkommen, dass sehr viele Menschen direkt von der Krise betroffen sind. 39 Prozent der Befragten mussten coronabedingte Einbußen hinnehmen. 29 Prozent leichte, zehn Prozent sprechen sogar von schwerwiegenden Einbußen. Während es Angestellte verhältnismäßig guthaben, sind Freiberuflerinnen und Freiberufler, Selbstständige und Auszubildende besonders häufig von den Corona-Auswirkungen betroffen.

Klarer Trend in Krisenzeiten: Sparen statt Kaufen

Infografik: 23 % der Befragten planen, in Zukunft den Konsum einzuschränken

Corona zeigt: In Krisenzeiten wird gespart. Zwar sagen 57 Prozent der Befragten, dass sie ihr Konsumverhalten im vergangenen Jahr nicht verändert haben. Aber über ein Drittel (36 Prozent) hat den Konsum eingeschränkt. Heißt: Es wird weniger Geld ausgegeben.

Dass vor allem die Coronakrise dafür verantwortlich ist, zeigt die Frage nach dem Konsumverhalten in den ersten sechs Monaten des Jahres: Hier sagten 41 Prozent, dass sie ihren Konsum eingeschränkt haben. Das dürfte auch in den nächsten Monaten so weitergehen: Mit 23 Prozent ist der Anteil derer, die den Konsum einschränken wollen, mehr als doppelt so hoch wie der Anteil derer, die ihren Konsum ausweiten wollen (zehn Prozent).

Nachhaltigkeit im Fokus bei der Geldanlage

Infografik: 32 % der Befragten haben sich bereits mit nachhaltigen Geldanlagen beschäftigt

Apropos Sparen: Es wird nicht nur mehr gespart, sondern auch anders als in den Vorjahren. Ein Drittel der Befragten will das Anlageverhalten der Situation anpassen. Besonders beliebt sind in Krisenzeiten Sachwerte. Das zeigt sich auch 2020. Auf die Frage, welche Anlagen jetzt besonders geeignet sind, antworteten die meisten mit: Gold! Auf den weiteren Plätzen landeten Immobilien sowie Investment- und Immobilienfonds.

Weniger geeignet scheinen den Menschen klassische Anlageformen wie Tagesgeld- und Sparkonten sowie Aktien in Form von Einzelwerten.

Immer wichtiger wird bei der Geldanlage das Thema Nachhaltigkeit – an diesem Trend hat auch Corona nichts geändert. Ein knappes Drittel der Befragten hat sich bereits damit beschäftigt. Vor allem Jüngere und Menschen mit höheren Einkommen haben überdurchschnittlich großes Interesse an nachhaltigen Geldanlagen.

Die junge Generation ist zufriedener als der Rest

Wie kommen junge Menschen mit der Krisensituation klar? Die Ergebnisse zeigen: besser als die Gesamtbevölkerung. 46 Prozent der Befragten zwischen 14 und 29 Jahren sind zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit ihrer finanziellen Situation – das sind vier Prozent mehr als im Durchschnitt über alle Altersgruppen hinweg.

Krise hin oder her: Die meisten erwarten zudem, dass sich ihre Situation in den nächsten zwei Jahren verbessert. 63 Prozent der Jüngeren geben an, dass sie erwarten, bald mehr Geld im Portemonnaie zu haben.

Im Gegensatz zu früheren Jahren will oder muss sich auch die junge Generation beim Geldausgeben zurückhalten: 23 Prozent planen, den Konsum einzuschränken. Im Zuge der Coronakrise will mehr als die Hälfte außerdem ihr Sparverhalten ändern. Die weit überwiegende Mehrheit will mehr sparen als bisher.

Frauen blicken optimistischer in die Zukunft

Infografik: 35 % der befragten Frauen gehen davon aus, dass sie mehr Geld zur Verfügung haben werden

Wie es finanziell weitergeht, lässt sich derzeit schwer sagen. Vor allem, solange die Corona-Pandemie nicht überwunden ist. Wie optimistisch die Menschen sind, hängt stark davon ob, wie weit sie in die Zukunft schauen.

Mit Blick auf die nächsten sechs Monate erwarten nur 18 Prozent der Menschen eine Verbesserung der Situation. Allerdings rechnet ein Drittel der Menschen innerhalb der nächsten zwei Jahre damit, dass sich ihre finanzielle Situation verbessert.

Interessant ist dabei, dass Frauen generell optimistischer in die Zukunft blicken. 35 Prozent der befragten Frauen gehen davon aus, dass sie in den nächsten zwei Jahren mehr Geld zur Verfügung haben werden. Bei den Männern sind es nur 31 Prozent.


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